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Sophie und der Weihnachtszauber   Ein Weihnachtsmärchen

© Constanze Mendig


Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Sophie. Sophie war sechs Jahre alt und ist im Sommer zur Schule gekommen. Sie wohnte mit ihren Eltern etwas außerhalb des Dorfes, in dem sie zur Schule ging. Da ihre Eltern beide arbeiten mussten, war Sophie viel allein zu Hause. Darüber war sie oft sehr traurig. Ihr einziger Freund war ihr Kater Peter, den sie liebevoll Peterle nannte. Peterle begleitete sie jeden Morgen zur Schule und wartete bis der Unterricht zu Ende war, um dann wieder mit Sophie heimzugehen.
Einen Tag vor Heiligabend gab es einen Schneesturm. Sophies Mutter, die noch letzte Besorgungen für das Weihnachtsfest zu erledigen hatte, konnte nicht rechtzeitig zu Hause sein. Sophie war bei diesem Schneesturm ganz allein im Haus, nur ihr Kater Peterle war bei ihr. Im Kamin prasselte das Feuer und verbreitete eine wohlige Wärme. Plötzlich gab es ein lautes Gepolter an der Haustüre. "Na nun, wer kann das denn sein?", fragte Sophie ihren Kater. Doch Peterle sah sie nur verständnislos an, als würde er auch nicht wissen was los sei. Vorsichtig öffnete Sophie die Tür einen Spalt, ihre Eltern hatten ihr eingeschärft, niemanden ins Haus zu lassen, den sie nicht kannte. Doch sie traute ihren Augen nicht, als sie sah, wer draußen stand. Es war der Weihnachtsmann.
"Na, kleines Fräulein, darf ich eintreten?", fragte er Sophie.
"Ja bitte", antwortete sie und ließ den Weihnachtsmann hinein. "Wieso kommst du denn heute schon, es ist doch erst morgen der Heilige Abend?", wollte Sophie von dem Weihnachtsmann wissen.
"Das ist schon richtig. Aber da ich von dir keinen Wunschzettel bekommen habe, bin ich persönlich zu dir gekommen, um dich nach deinen Weihnachtswünschen zu fragen", gab der Weihnachtsmann zur Antwort.
"Oh, ich habe eigentlich nur einen Wunsch, aber der lässt sich nicht erfüllen", entgegnete das Mädchen ein wenig traurig.
"Na, na, na, wer wird denn gleich den Kopf hängen lassen. Nun sag mir doch erst einmal deinen Wunsch!", forderte er die kleine Sophie auf.
"Ich möchte nur einen richtigen Freund haben, der mit mir spielt und richtig mit mir reden kann. Mein Kater Peterle ist zwar mein bester Freund, aber er kann eben nicht mit mir reden. Und da ich soviel alleine bin, hätte ich gerne einen richtigen Freund, der mit mir erzählen kann", gab das Mädchen Auskunft.
"Nun, dann will ich mal sehen, was ich da machen kann. Und sonst hast du keine Wünsche, ein Spielzeug, eine neue Puppe vielleicht?", wollte der Weihnachtsmann noch wissen.
"Nein, ich habe nur diesen einen Wunsch", erwiderte Sophie.
"Gut, dann werde ich mal schauen, ob ich dir diesen Wunsch erfüllen kann. Nun muss ich aber weiter. Ich wünsche dir und deinen Eltern ein schönes Weihnachtsfest", sagte der Weihnachtsmann und verabschiedete sich von Sophie, die ihn noch zur Tür begleitete.
Keine zehn Minuten später betrat plötzlich ein fremder Junge die Wohnstube. Sophie konnte sich gar nicht erklären, wo er so plötzlich herkam, denn an der Haustüre hatte er nicht geklopft.
"Hallo, wer bist du, und wo kommst du so plötzlich her? Du kannst doch nicht so einfach hier hereinkommen", sprach Sophie den Jungen an.
"Hallo Sophie. Ich bin Peter, dein Weihnachtsgeschenk. Du hast dir doch eben vom Weihnachtsmann einen Freund zum Reden und Spielen gewünscht. Hier bin ich."
"Du bist der Freund, den ich mir vom Weihnachtsmann gewünscht habe?", fragte Sophie ganz erstaunt.
"Ganz genau der bin ich", antwortete der ihr fremde Junge. "Ich heiße übrigens Peter, und du bist die Sophie", sprach er weiter.
"Peter? Das ist ja lustig, so heißt mein Kater auch. Ich weiß gar nicht, wo er jetzt gerade steckt. Bestimmt hat er sich vor lauter Schreck irgendwo verkrochen", meinte Sophie darauf.
"Irrtum Sophie, dein Kater hat sich nicht verkrochen. Ich bin Peterle, dein Kater. Da du dir einen richtigen Freund gewünscht hast, der mit dir spielt und mit dir über alles redet, hat der Weihnachtsmann mich zu einem Jungen verzaubert. Und nun bin ich also hier", sagte Peter.
"Oh, da hat der Weihnachtsmann meinen Wunsch aber schnell erfüllt, Heiligabend ist doch erst morgen", wunderte sich Sophie.
"Nun, du bist eben ein sehr liebes und artiges Mädchen. Das hat dem Weihnachtsmann sehr gefallen, und deshalb hat er dir deinen Wunsch auch sofort erfüllt", antwortete Peter.
"Na das find ich ja prima. Und was machen wir jetzt so?", fragte die Kleine ihren neuen Freund Peter.
"Ich würde sagen, dass wir erst einmal Holz nachlegen sollten. Das Feuer im Kamin ist fast aus, und es wird allmählich kühl hier im Zimmer", antwortete Peter.
Kurz entschlossen ging er zu dem Korb, der neben dem Kamin stand und mit Holzscheiten gefüllt war, nahm einige Stücke Holz heraus und legte sie in den Kamin. Wenig später loderten wieder die herrlich wärmenden Flammen im Kamin.
"Und was können wir nun so machen?", wollte Sophie wissen.
"Nun, ich hätte da eine Idee. Da ja morgen Heiligabend ist, könnten wir vielleicht schon den Christbaum aufstellen. Was meinst du, ob sich deine Eltern darüber freuen würden, wenn wir das übernehmen? Immerhin nehmen wir ihnen dadurch etwas Arbeit ab", schlug Peter vor.
"Oh ja, dass ist eine prima Idee. Das werden wir machen", meinte Sophie.
So war das Aufstellen und Schmücken des Christbaumes beschlossene Sache.
Peter ging hinaus und holte den Christbaum herein, der sich draußen im Schuppen befand. Der Vater von Sophie hatte ihn am Vorabend schon in den Baumständer eingebaut, sodass Peter den Baum mühelos herein holen konnte. Währenddessen kletterte Sophie auf den Dachboden und suchte die Pappschachteln mit dem Christbaumschmuck hervor. Als sie mit den Schachteln wieder herunterkam, stand der Christbaum bereits in der Mitte des Wohnzimmers. Nun konnte es also an das Schmücken des Baumes gehen. Zuerst griff sich Peter die Lichterkette. Er prüfte, ob sie noch intakt war. Alle Lämpchen brannten noch, sie war in Ordnung und konnte befestigt werden. Als das erledigt war, machten sich Sophie und Peter daran, die Kugeln und anderen Schmuck, wie Strohsterne und lustige Holzfiguren, an die Zweige zu hängen.
Die beiden waren so in ihre Arbeit vertieft, dass sie gar nicht mitbekamen, dass sich draußen der Schneesturm bereits gelegt hatte.
Von Sophie und Peter völlig unbemerkt trat Sophies Mutter ins Haus. "Hallo Sophie. Oh, wir haben Besuch? Das ist wohl ein Junge aus deiner Klasse? Aber was sehe ich denn da? Es freut mich sehr, dass du bereits den Christbaum schmückst, aber das müsst ihr doch nicht tun. Warum spielt ihr denn nicht in deinem Zimmer? Den Baum kann ich später mit Papa schmücken", sagte die Mutter zu Sophie. An den ihr fremden Jungen gewandt meinte sie: "Guten Abend, ich bin die Mutter von Sophie. Und wie heißt du denn?"
"Guten Abend. Ich bin Peter, das Weihnachtsgeschenk für Sophie. Sie wünschte sich vom Weihnachtsmann einen richtigen Freund zum Spielen, und der mit ihr über alles redet, weil sie immer so viel allein zu Hause ist. Während Ihrer Abwesenheit war nämlich der Weihnachtsmann im Haus. Und da hat der Weihnachtsmann mich kurzerhand in einen Jungen verzaubert. Ich war euer Kater Peter", gab er Sophies Mutter Auskunft.
"Oh, was für eine Überraschung! Das gibt es doch gar nicht, da wurde der Kater zu einem kleinen Jungen verzaubert?" Die Mutter konnte nur den Kopf schütteln vor lauter Verwunderung. Was es nicht alles gab! So etwas hatte sie noch nie erlebt. "Na dann, willkommen bei uns, Peter. Ach du großer Schreck, wie machen wir das denn nur? Wir haben doch gar kein Bett für dich". stellte die Mutter erschrocken fest.
"Mach dir nicht solche Gedanken. Die Verwandlung zum Kind hat jeweils nur bis 0.00 Uhr Gültigkeit. Danach werde ich zum Kater zurückverzaubert. Einzige Ausnahme ist der Silvesterabend, da hält der Zauber bis zwei Uhr in der Nacht an. Ab acht Uhr am Morgen werde ich wieder zum Jungen. Um den Schlafplatz brauchst du dir also keine Sorgen zu machen, ich schlafe weiterhin wie gewohnt in meinem Körbchen neben Sophies Bett", sagte Peter.
"Na dann ist ja alles soweit geklärt", erwiderte die Mutter.
Und so verlebten Sophie, ihre Eltern und Peter ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen fröhlichen Jahreswechsel. Noch hatte Sophie Ferien, doch hatte sie schon mit Peter besprochen, wie die Tage ablaufen sollten, wenn sie wieder in die Schule musste. Sie wollten Peter als ihren Cousin vorstellen, der vorübergehend Aufnahme in Sophies Familie gefunden hatte, weil seine Eltern einen Unfall gehabt hatten und die nun lange im Krankenhaus bleiben mussten. Es wüsste keiner genau, ob sie jemals wieder ganz gesund würden. Er würde zusammen mit Sophie jeden Tag die Schule besuchen. Am Nachmittag konnten sie miteinander spielen, und keines der anderen Kinder würde herausbekommen, dass Peter in Wirklichkeit ihr verzauberter Kater war.
So verging Monat um Monat. Irgendwann im Sommer fiel Sophie auf, dass mit ihrem Freund etwas nicht stimmte. Er schaute manchmal so traurig aus dem Fenster.
Eines Tages sprach Sophie ihn darauf an. "Sag mal Peterle, warum bist du oft so traurig?", wollte sie von ihm wissen.
"Ach weißt du Sophie, ich sehne mich nach meinem Leben zurück, als ich nur Kater war. Da konnte ich vergnügt auf der Wiese herumtollen und den Schmetterlingen nachjagen. Das fehlt mir jetzt. Darum bin ich manchmal etwas traurig, ich denke dann voller Wehmut an mein altes Leben zurück."
"Das wusste ich nicht. Wünschst du es dir denn sehr, wieder nur ein Kater zu sein?", wollte das Mädchen wissen.
"Wenn ich ehrlich bin, ja", antwortete Peter.
"Nun gut, dann werde ich mir eben in diesem Jahr wünschen, dass der Weihnachtsmann den Zauber wieder aufhebt, und du dann wieder nur ein Kater sein kannst. Wollen wir das so machen?", fragte Sophie.
"Meine liebe Freundin, wenn du das für mich tun würdest, wäre ich dir bis zum Ende meines Lebens dankbar", antwortete Peter.
Zum nächsten Weihnachtsfest wurde Sophies Wunsch erfüllt und Peter wurde wieder zum Kater zurückverzaubert. Nun blieb er auch am Tage wieder ein Kater und konnte vergnüglich herumtollen. Alle waren wieder glücklich, am glücklichsten aber war der Kater Peter.
Nach den Ferien fragten natürlich die anderen Kinder, wo denn der Peter geblieben sei. In der Klasse hatte er auch Freundschaft mit anderen Kindern geschlossen. Mit einigen anderen Jungen hatte er immer voller Eifer auf dem Sportplatz Fußball gespielt. Sophie berichtete ihren Mitschülern, dass Peters Eltern wieder gesund waren und ihn abgeholt haben. Sie sollte ihnen allen ganz liebe Grüße von Peter ausrichten.
Inzwischen war in das Nachbarhaus von Sophie eine Familie eingezogen, die auch ein Mädchen in Sophies Alter hatten. Sie hieß Yvonne und wurde Sophies beste Freundin. Mit der Zeit waren die Mädchen unzertrennlich. Sie gingen morgens zusammen zur Schule und wieder heim. Immer in Begleitung von Kater Peterle. Am Nachmittag hockten die Mädchen immer zusammen und manchmal war beim Spielen auch Kater Peterle mit dabei. Wenn er aber lieber auf Mäusejagd ging, als die Mädchen bei ihren Spielen zu begleiten, so erzählte Sophie ihm am Abend von dem Tag, was sie mit ihrer Freundin Yvonne alles erlebt hatte, und was die Jungen in der Klasse wieder für Streiche gemacht hatten. Peterle lag dann zusammengerollt auf Sophies Schoss, ließ sich von ihr kraulen und hörte mit aufgestellten Ohren zu. Für ihn war die Welt wieder in Ordnung, er wollte nur noch Kater sein. Ein Menschenleben - nein, das war ihm viel zu anstrengend! Da ließ er sich lieber von seinem Frauchen Sophie mit Streicheleinheiten verwöhnen. Genussvoll schnurrte er in Sophies Schoss.



Eingereicht am 22. März 2005.
Herzlichen Dank an den Autor.
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