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Knollos Weihnacht

© Constanze Mendig


Missmutig quälte sich Knollo aus dem Bett. Er schaute kurz aus seiner Höhle und stellte fest, dass es über Nacht sehr kräftig geschneit hatte. Die Bäume des Waldes waren über und über mit Schnee bedeckt. Na, da werden die Tierkinder sicher viele Schneemänner bauen, dachte Knollo.
Nachdem er seine tägliche Morgentoilette hinter sich gebracht hatte, öffnete er das vorletzte Türchen seines Adventskalenders. Morgen ist ja schon Weihnachten, dachte er. "Oh je und es gibt noch so viel zu tun", brummelte er vor sich hin. Es war ein großes Weihnachtsfest geplant, an dem alle Tiere des Waldes teilnehmen sollten. Heute galt es, den großen Tannenbaum im Waldgemeindehaus zu schmücken. Morgen würde dafür keine Zeit mehr sein, da alle Tiere am Mittag in die Stadt gingen. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit viel Honig begab sich Knollo zum Gemeindesaal, um den Anderen beim Schmücken des Baumes zu helfen. Dort herrschte schon hektisches Treiben. Dr. Uhu, der die Leitung übernommen hatte, wies Knollo an, aus dem Nebenzimmer die Packungen mit dem Lametta zu holen. Nach einigen Stunden war es geschafft und der vier Meter hohe Baum erstrahlte in prunkvollem Glanz. Die Tiere standen staunend davor und waren sichtlich zufrieden mit ihrer Arbeit. Gemeinsam tranken sie noch einen Glühwein, aßen ein paar Kekse und dann ging jeder wieder seiner Wege.
Am späten Nachmittag, es war bereits dunkel draußen, hörte Knollo verzweifelte Rufe, die aus der Nähe seiner Höhle zu kommen schienen. Er steckte seinen Kopf heraus und rief: "Hallo, ist dort jemand?" "Ja, hier. Zu Hilfe, ich stecke in einer Schneewehe fest und kann mich nicht selber befreien", hörte Knollo jemanden rufen. "Warten Sie, ich komme zu Ihnen", antwortete der Zottelbär. Mit einer Taschenlampe und einer kleinen Schaufel bewaffnet machte sich Knollo auf den Weg, um dem Fremden zu helfen. Dass es jemand war, der nicht in diesen Wald gehörte, hatte er schon an der Stimme erkannt. Nach ein paar Metern hatte er die Stelle erreicht. "Moment, ich werde Sie befreien", sagte er zu dem ulkig aussehenden Fremdling. Er hatte es hier mit einem Steinmenschen zu tun, der Fremde bestand völlig aus Steinen. Kurze Zeit später hatte Knollo ihn aus dem Schneehaufen befreit. "Danke, Sie waren meine Rettung. Ich glaube, wenn Sie nicht gekommen wären, wäre ich hier sicherlich erfroren", sagte der Fremde. "Nichts für ungut. Nun kommen Sie mal mit in meine Höhle. Ich gebe Ihnen einen wärmenden Punsch, Sie sind ja völlig durchgefroren", antwortete der Bär. "Vielen Dank, das ist sehr nett." Er folgte dem Zottelbären in seine Höhle.
In eine warme Decke gehüllt und vor sich eine dampfende Tasse Punsch begann der Fremde zu reden. "Sie gestatten, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Oskar Stone. Ich komme aus Steinhausen. Das liegt in einem Tal, drei Wälder von hier entfernt. Dort sehen wir übrigens alle so aus", grinste der Steinmensch. Knollo war fasziniert, er hatte noch nie einen Steinmenschen getroffen, auch wenn er schon von ihnen gehört hatte. "Und was hat dich... oh Verzeihung, hat Sie in unseren Wald geführt?", fragte der Bär. "Ich habe nichts gegen das du", lachte Oskar. "Ich habe meine langjährige Freundin Schlotter besucht und mich leider zu spät auf den Rückweg gemacht", erklärte er. "Plötzlich brach die Dunkelheit herein und ich habe mich heillos verirrt", sprach er weiter. "Wie und wo wolltest du denn Weihnachten feiern?", wollte der neugierige Zottelbär wissen. "Nun, ich werde Weihnachten wohl allein in meinem Haus verbringen. Schlotter hat mir von eurem gemeinsamen Waldweihnachtsfest berichtet und da wollte ich mich nicht aufdrängen", gab Oskar Auskunft. "Ach Papperlapapp, was redest du denn da? Natürlich nimmst du an unserem Weihnachtsfest teil, als mein Gast. Meine Couch ist zwar nicht sonderlich komfortabel, aber für einige Nächte wird es schon gehen, denke ich", erwiderte Knollo. Oskar kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Soviel Gastfreundlichkeit war ihm bisher noch nie wiederfahren. Überaus freundlich dankte er dem netten Bären. Knollo gab seinem Gast noch einige Informationen darüber, wie der Heilige Abend verlaufen würde. Dann bereiteten sie sich auf die Nachtruhe vor, damit sie am nächsten Tag auch fit genug sein würden, alle Aktivitäten durchzustehen. Es stand einiges auf dem Programm.
Der nächste Tag begann mit einem ausgedehnten Frühstück. Knollo und Oskar kamen gut miteinander zurecht. Kurz vor zwölf Uhr fanden sich alle Tiere am Waldgemeindehaus ein. Gemeinsam wollten sie den Weg in die Stadt antreten. Das Schaf Schlotter war sehr überrascht, ihren Freund Oskar in Begleitung von Knollo zu sehen. Sie gesellte sich zu den beiden und fragte, was er noch hier machte, er hätte doch unbedingt heim gewollt. Während Oskar dem Schaf die ganze Geschichte des letzten Abends berichtete, begrüßte Knollo seinen Freund Ratzi. Der kleine orientalische Ratzbär hatte eine rote Weihnachtsmütze mit weißer Bommel auf dem Kopf. Diese hatte er von Knollo zum Nikolaus geschenkt bekommen. Ratzi war sehr aufgeregt. Weihnachten und Silvester waren die letzten Ereignisse, bevor er und Knollo sich zu ihrem Winterschlaf zurückzogen. Nachdem alle Tiere versammelt waren, gab Dr. Uhu das Zeichen zum Aufbruch. Der Tross setzte sich in Bewegung. Alle redeten mehr oder minder lautstark miteinander. Viele waren sehr aufgeregt, denn die meisten Tiere waren bisher noch nie in der Stadt gewesen.
Nachdem sie ein gutes Stück marschiert waren, legten sie kurz vor Erreichen der Stadt eine kleine Rast ein. Sie besprachen noch einmal den genauen Ablauf. Zuerst wollten sie den Weihnachtsmarkt besuchen. Anschließend wollten sie einem Adventskonzert im Dom lauschen. Den krönenden Abschluss sollte ein Besuch der Eisrevue "Winterzauber" bilden. Alle hofften, dass sie sich nicht in der Zeit verkalkulieren würden, denn sie wollten ja rechtzeitig zur Bescherung wieder in ihrem Wald sein.
Doch die Sorgen waren unbegründet, alles klappte wie geplant und dieser Nachmittag in der Stadt blieb den Tieren des Waldes noch lange in Erinnerung. In der Eisrevue erlebten sie noch eine besondere Überraschung. Von allen ungeahnt, traten dort auch ihre Freunde aus dem Zirkus, Lolly und Polly, die beiden Clowns auf. Das war eine Wiedersehensfreude. Dass sie Lolly und Polly in der Eisrevue treffen würden, damit hatte nun niemand gerechnet. In einem kurzen Gespräch während der Pause erzählten die Clowns ihren Freunden aus dem Wald, dass der Zirkus derzeit pausierte und sich im Winterquartier befand. Da die beiden hervorragende Schlittschuhläufer waren, verdienten sie sich während der Winterpause in der Eisrevue ein kleines Zubrot.
Die Revue war ein voller Erfolg und begeistert spendeten die Tiere tosenden Applaus, als das Spektakel zu Ende war. Oskar Stone hatte sogar Tränen der Rührung in den Augen. Er war sehr glücklich, dass er zusammen mit den Tieren diesen unvergesslichen Nachmittag verbringen durfte. Es sollten noch sehr viele Nachmittage werden, die Oskar in Gesellschaft der Tiere verbrachte.
Es wurde Zeit den Rückmarsch anzutreten, es dämmerte bereits. Als die Tiere endlich ihren Wald erreicht hatten, verschwand gerade der letzte Strahl des rot glühenden Sonnenballs hinter dem Horizont. Gemeinsam gingen sie zum Waldgemeindehaus und nach einem schmackhaften Abendmahl konnte die Bescherung beginnen. Zuvor allerdings stellten sich alle Tiere vor dem glitzernden Weihnachtsbaum auf. Dr. Specht, der Leiter des Chors in der Tierkinderschule, stimmte das erste Weihnachtslied an: "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum...", ertönte es.
Das war das schönste Weihnachtsfest, was je im Wald gefeiert wurde. Darin waren sich alle Tiere einig.



Eingereicht am 22. März 2005.
Herzlichen Dank an den Autor.
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