Alle Jahre wieder. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2005. 18 Weihnachtsgeschichten aus Deutschland, Österreich und Namibia

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De Samichlaus

© Frank Weber


Einisch am Morge, nachdem ich mini heissi Milch mit Honig trunke gha ha, hani mi wider emale uf de Wäg gmacht, um im Wald go Nüssli sammle. De Schmutzli hani deheime gla, well er no hät wele de Teig vo de feine Gritibänze bache.
"Wotsch nöd de Schtups mitnäh?" hät mich de Schmutzli gfröged, nachdem ich mini Schtifel agleit ha und de, no läri Sack über d'Schultere gschwunge ha.
"Nei, nei," hani g'antwortet "s'Eseli hät geschter scho de ganz Tag müesse mini schwäre Säck träge. Er isch sicher müed und dörf sich jetzt au emale usruebe."
Schmunzelnd hani d'Türe ufgmacht und bin losgloffe. Es isch en schöne Tag gsi und ich ha mi richtig uf mini Ufgab gfroit. Ich gange nämli sehr gern ab und zue elei in Wald, damit ich mir in Rueh cha mini Gedanke mache. Während em Nüssli sammle han ich mir überleit, was Ihr so s'Jahr dure mached. Bi es baar Luusbuebeschtreich hani müesse schmunzle und bi andere Sache hani mängisch echli müesse de Chopf schüttle. Dänn hani de Sack abgschtellt und mis grosse Buech - das hani nämli immer debi - ufklappet und mir es paar Notize gmacht, dämit ich's nöd vergässe, oi z'verzelle!
Die Ziit isch sehr schnäll vergange und ohni, dass ich's gmerkt han, isch de Sack au scho ganz voll gsi. Wie isch das so schnäll gange? Ich ha mich doch erscht uf de Wäg gmacht? Woni zu de Sunne ufegluget ha, hani gseh, dass d'Sunne scho ganz obe gschtande isch und scho wider ufem Wäg, um zwüsched de Boim z'verschwinde. Wie lang bini ächt unterwägs gsi? Plötzlich isch mir igfalle, dass am Schmutzli sini Gritibänze und Läbchüeche sicher scho us em Ofe sind. Wo ich mir die Gedanke mache, merk ich au, wie min Buuch knurred.
Mmmmh, jetzt en feine, no warme Gritibänz, das wär' jetzt genau s'Richtig, also schnäll hei, zu minere Waldhütte. Ich han vor Vorfroid in Bart ineglachet, während ich mich umkehrt han. Ich luege uf - und gsehne nume Boim. Nei, vo da hani nöd chöne cho si. Ich treie mich also nomal um und luegä nach füre
- au nume Boim aber e kein Wäg. Mis Lache isch scho nüme so breit gsi und woni nach links und rächts glueget ha und au e kein Wäg gse ha, isch au mis schwache Lächle no ganz verschwunde.
Sofort han ich nach mine Schpuure afange sueche, doch da es e kei Schnee gha und en fiine Wind gweht hät, sind kei Spure z'Finde gsi. Vilicht wird ich langsam alt, hani mir überleit und langsam isch's mir würkli echli unheimlich worde. Wo bin ich bloss? Ich lauf eifach emale los, bis ich uf en Wäg chume, usem Wald oder ane Schtell, woni käne, isch mir dur de Chopf. Zerscht bini no langsam gloffe, well ich immer nachere Schpuur vo mir gsuecht ha. Nach eme Ziitli bini immer schnäller worde, obscho de Sack mit dene villne Nüssli zimmli schwär gsi isch. Wo d'Sunne langsam rot worde isch und de Tag guet Nacht gseit hät, bini halbe grännt, halbe vorwärzgschtürchlet. De Schmutzli sitzt sicher am gmachte Zabigtisch und isch echli bös uf mich, well ich z'schpaat zum Znacht chume und s'Ässe chalt wird. Bi dem Gedanke hani wider gschpührt, wie min Mage knurred, wie es Motörli oder wie es Büsi ufem warme Ofe. Ich bi langsam verzwiiflet gsi und ha nüm möge. De Sack hät druckt und d'Bei händ mir weh ta. Zudem hani jetzt gar nüt meh gse, well de Tag unterdesse ganz verschwunde gsi isch. Ganz erschöpft hani mi uf en Schtei gsetzt und han mir mini Bei gribe. Ich han nöd nur Hunger gha, bi müed gsi und mir hät alles weh ta, nei, jetzt hät zu allem ane au no d'Chälti iigsetzt! Ich han gschlotteret und mini Zäh händ gchlapperet. Woni mir sälber e Moralpredigt ghalte ha und mich en Dubbel gscholte, muess ich für en Momänt iignickt si, dänn plötzli bin ich dur es Grüüsch - isch das es Raschle gsi? - ufgschreckt.
Zwüsched de Baumchrone hani d'Schterne funkle gse und ich ha de schwarzi Himmel gfröget, öb ich das ächt troimt ha gha, als ich wider es komischs Grüüsch ghört ha, wo zwar nöd in Wald passt, ich aber ganz genau kännt ha.
Ich bi ufgschprunge, so schnäll es mini müede und duregfroorene Glider erlaubt händ und han i die richtig glueget, wo de Ton her cho isch. Und dött hani dänn au gseh, woni z'gseh erwartet han. Mis Herz hät grad en Gump gmacht:
ganz wiit ide Ferni hani es Schternli gseh, wo immer grösser worde isch.
Natürli isch es käs Schternli gsi, das hani grad gwüsst, woni s'Glöggli erkännt
han: Mis Glöggli - also hät das müesse mis Laternli si, wo wie es Schternli gfunklet hät. Jetzt hani au d'Schtimm vo mim Schmutzli erkännt, wo immer wider "Samichlaus, Samichlaus" grüeft hät. Sofort hani agfange, de Schmutzli rüeffe. De Sack mit de Nüssli isch mir gar nüm so schwer vorcho, woni ihn mir uf d'Schultere glade han, um zu mim liebe, guete Fründ und Wägbegleiter z'räne. Hei, isch das e Froid gsi, woni de Schmutzli mit em Schtups, em Eseli vor mir gha ha! Aber au de Schmutzli hät grinset! Ganz usser Atem vor Froid hät er gseit:
"Da bisch du ja, mir händ ois scho Sorge gmacht!"
"Wie händ ihr mich nur gfunde?" hani druffhi de Schmutzli gfröget.
"Ja, wo du nöd zum Znacht hei cho bisch, hani mi afange Sorge - s'Nachtässe häsch ja susch no nie verpasst. Drum hani s'Eseli gholt und mich mit sinere Hilf uf dini Fährte gmacht. S'Eseli hät ohni Problem dini Spur chöne ufnäh und drum sind mir jetzt da. Chom, Samichlaus, hock uf, de Schtups treit dich und ich nimm de Sack!"
Da ich würkli zimmli müed gsi bi, hani das Angebot gern aagno. Während em ganze Heiritt hani mi gfröget, öb Esel ächt au so gueti Nase händ, wie Hünd oder öb de Schtups eifach gschpührt hät, wo ich bin? Uf jede Fall möcht ich, dass au ihr druus lehred, dass ihr nie eleige in Wald gönd und im Wald oi immer ad Waldwäg haltet, okay?



Eingereicht am 08. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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