Neuerscheinung
Heiligabend überall. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2004.
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Wie man Weihnachten auch erleben kann

Von Clemens Ottawa


"Drei Euro fünfzig...", sagte die Frau in meine Richtung, als ich meine Person inmitten des Wiener Weihnachtslebens am großen Rathausplatz wiederfand. Ich hielt eine kleine Weihnachtsmannfigur in der Hand. Dachte dabei laut: "...was -- dafür fast vier Euro, nein danke!". Ich verließ diesen unheilbringenden Ort, drängte mich durch die Massen der Menschen, die sich an Glühwein und anderen "Drogen" verlustierten und spürte hierbei unbändigen Hass. Hier wie dort wurde mir auf die Füße getreten und nicht selten schwappte eine Welle von Unwürdigen über meinen Corpus. Immer wieder war das Ziel, die gegenüberliegende Straßenseite, für mich beinahe unerreichbar.
"Was ist, du Trottel!", fuhr mich ein über zwei Meter großer Rocker, mit vielen Totenköpfen auf seiner Jacke und einem penetranten Alkoholduft an, als ich gegen seine imposante Person gedrängt wurde.
"Nichts für un...", brachte ich heraus, ehe mich der Zug von Menschen wieder vorwärts presste. Und ich konnte es fast selber nicht glauben, aber nach zirka einer Stunde war ich tatsächlich am Ziel meiner Träume. Ich überquerte die Straße, wobei ich mich, meine Freudentränen wegwischend, schon bei Rot hinüberwagte. - Dabei wurde ich also fast einer jener am Weihnachtstag überfahrenen Fußgänger. Aber egal, ich hatte es geschafft. Ich entkam dem weihnachtlichen Kapitalismus, der mich so anwiderte und stapfte durch den gelbbraunen Schnee hin zu meinem Auto. Dann fuhr ich los, dass die Reifen nur so quietschten und zischte die Ringstraße entlang. Ich dachte mir an diesem 23. Dezember, dem Tag vor Weihnachten eigentlich nichts Großartiges, wusste nicht so recht wo ich hinfahren sollte, fuhr und fuhr und fuhr und fand mich irgendwann dann auf einer verlassenen Landstraße. Keine Menschenseele war dort zugegen. Da setzte starker Schneefall ein und an ein Weiterfahren war nicht mehr zu denken. Ich bog an den Waldrand und stieg aus dem Auto und was ich sah, war ein atemberaubender Ausblick. Ich stand inmitten von riesigen Tannen, allesamt schneebedeckt. Sie beugten sich scheinbar schützend über mich, sodass mir nur wenige Schneeflocken auf die Kleidung fielen. Es war an diesem Tag nicht kalt und dies nutzte ich dazu, mich auf den verschneiten Boden zu setzen. Es war totenstill und ich blickte auf den kristallklaren Nachthimmel. Meine Lungen füllten sich mit dieser frischen Luft. Dies war, nun war ich mir ganz sicher, eine der schönsten Nächte meines Lebens. Ich richtete mich auf, ging noch ein wenig umher und lauschte dem Nachtkauz, der für mich zu singen schien. Ich hatte den Großstadttross verlassen und war in eine bessere Welt abgetaucht. Nun konnte Weihnachten kommen. Ich ging zurück zu meinem Auto und bemerkte dabei, dass der Schneefall aufgehört hatte. Nach Hause fuhr ich dann mit einem breiten Lächeln und es wäre auch das schönste Weihnachtsfest geworden, wenn ich nicht vergessen hätte Geschenke zu kaufen...




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Eingereicht am 24. April 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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