Neuerscheinung
Heiligabend überall. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2004.
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Die langsame Eselin Frieda
Wie auch die Letzten die Ersten sein können

Eine Weihnachtsgeschichte von Regina Masaracchia


Frieda war eine kleine Eselin, die mit ihren vier Geschwistern auf einem großen Bauernhof wohnte.
Es war schön dort und Frieda hätte so glücklich sein können, wenn sie sich nicht immer über sich selbst hätte ärgern müssen.
Sie kam nämlich immer zu spät!
Wo sie auch hinging, immer war sie die Letzte und die anderen lachten sie aus.
Morgens, wenn die Sonne aufging, waren ihre Geschwister schon auf der Wiese und fraßen von dem saftigen Gras, das mit dem Morgentau benetzt war. Frieda hingegen schlief noch tief und fest im Stall und wachte erst gegen Mittag auf. Dann war das Gras auf der Wiese von der Sonne schon ganz vertrocknet.
Wenn die Bauern mit ihren Eseln einen Ausflug in die Berge machten, wurde Frieda nur mit Gepäck beladen, denn niemand wollte auf der langsamen Frieda reiten, die immer zurück blieb.
Frieda machte es erst nichts aus, immer die Letzte zu sein, aber irgendwann musste sie zugeben, dass die besten Dinge nur der Erste bekommt und der Letzte meistens leer ausgeht.
"IA!", brüllte sie eines Tages mal wieder, "So wartet doch auf mich! Ich will auch im Fluss baden!"
"Wir haben lange genug auf dich gewartet, Frieda! Wir gehen jetzt los, auch ohne dich! Du bist soooo langsam und kommst deshalb immer zu spät", schimpften die anderen Esel und galoppierten eilig davon.
Frieda weinte.
"Ich bin aber noch nicht so weit!", schluchzte sie und als sie dann endlich am Fluss war, wurde es bereits dunkel und ihre Geschwister waren schon längst wieder im trocknen Stall.
Eines Abends, es war Winter und es hatte stark geschneit, war es unruhig im Stall.
"IA, seht doch wie schön der Neuschnee ist!", rief Friedas großer Bruder.
"IA, wie wundervoll! Der Schnee sieht aus, wie weiße, weiche Zuckerwatte!", bemerkte Friedas Schwester schwärmerisch.
Alle Esel im Stall waren ganz aufgeregt und beobachteten die weißen Felder rings um den Stall.
Frieda hingegen schlief schon tief und fest und blinzelte nur einmal kurz.
"IA, kommt, lasst uns losgehen, um eine Schneeballschlacht zu machen!", rief Friedas kleiner Bruder aufgeregt.
"Frieda, wach auf, willst du nicht mitkommen?"
"Ja, ja, ich komme gleich! Bin gleich soweit!", murmelte Frieda verschlafen und drehte sich auf die andere Seite.
Als sie endlich aufwachte, waren ihre vier Geschwister schon längst über alle Berge.
"IA, was soll ich hier alleine im Stall! Das ist doch langweilig! Ich werde mich auch auf den Weg machen!", seufzte Frieda traurig und trottete gemächlich los.
Nach einiger Zeit wurde Frieda unruhig.
"IA, ich weiß gar nicht mehr, wo ich eigentlich bin! Hier sieht mir alles so fremd aus!"
Sie lief nach rechts, links und geradeaus, aber nichts kam ihr mehr bekannt vor.
"IA, ich habe mich verlaufen!", weinte Frieda bitterlich. "Nun finde ich nicht mehr nach Hause!", schluchzte sie verzweifelt.
Mitten im Wald saß Frieda nun einsam und verwirrt und wusste weder aus noch ein.
Plötzlich hörte sie einen leisen, lieblichen Gesang und sie schaute erschrocken nach oben, in den klaren Sternenhimmel.
"Nanu, wer singt denn hier, mitten in der Nacht?", wunderte sich die kleine Eselin. Am Nachthimmel strahlten viele Sterne auf sie hinab, aber einer, der leuchtete ganz besonders hell, so dass sie geblendet wegsehen musste.
"Nanu, so einen hellen Stern habe ich ja noch nie gesehen!", wunderte sich Frieda.
Plötzlich hörte Frieda ein Schnaufen hinter sich. Erschrocken drehte sie sich um und sah vor sich, auf einer Weide, einen Ochsen stehen.
"IA, hab ich mich erschrocken! Was machst du denn hier?", fragte Frieda verwundert und schniefte.
"MUH, was machst du denn hier, mitten in der Nacht und warum weinst du?", fragte der Ochse. "Ich heiße Balduin und bin sehr alt und krank. Die anderen Ochsen wollten mich nicht mehr im Stall haben!", sagte der Ochse traurig.
"Oh, das tut mir leid, IA! Ich bin Frieda und unterwegs, um mit meinen Geschwistern eine Schneeballschlacht zu machen, aber sie sind schon vorgegangen, weil ich immer so langsam bin. Und nun habe ich mich verlaufen!", erklärte Frieda.
Frieda schaute in den Himmel. "IA, siehst du den hellen Stern am Himmel?", fragte sie.
Der alte Balduin schaute suchend in den Abendhimmel.
"Tatsächlich! Er leuchtet genau aus der Richtung, aus der du gekommen bist, Frieda!", sagte der Ochse.
"Oh, meinst, er führt mich nach Hause?"
"Ganz bestimmt, kleine Eselin!", sagte der Ochse milde und schnaufte wieder.
"Willst du mich nicht begleiten, Balduin?", fragte Frieda. "Du bist hier so alleine und wir sind beide langsam! Zu Zweit zu laufen ist schöner!"
"Also gut! Alleine auf der Weide zu stehen ist ja auch langweilig!", antwortete der Ochse und trottete mit Frieda langsam durch den hohen Neuschnee.
Der leuchtende Stern zeigte ihnen den Weg.
"IA! Da ist ja mein Stall!", rief Frieda aufgeregt, als der Stern genau über Friedas Stall leuchtete. "Was für ein Wunder!"
"Genau über diesem Stall leuchtet der helle Stern!", bemerkte auch der Ochse.
Aber das große Wunder kam erst noch.
Als Balduin und Frieda den Stall betraten, sahen sie eine Frau und einen Mann, die ein Bündel im Arm hielten und wieder hörte Frieda den lieblichen Gesang.
Langsam traten die kleine Eselin und der alte Ochse näher.
"Oh, ein Esel und ein Ochse! Wie schön, nun wird es sicher gleich warm im Stall!", sagte die Frau und legte das Bündel in Friedas Futterkrippe.
Frieda und Balduin wurden von dem Mann an die Krippe geführt und nun konnten beide sehen, was dort, auf Heu und Stroh gebettet lag!
Es war ein winzig kleines, wunderschönes Baby, was sie freundlich anlächelte.
"Das muss ein ganz besonderes Kind sein!", flüsterte Frieda und legte sich auf die eine Seite der Krippe.
Balduin legte sich auf die andere Seite und langsam wurde es warm im Stall.
In dieser wundersamen Nacht kamen auch die Hirten von den benachbarten Feldern mit ihren Schafen und sogar drei Könige aus dem fernen Morgenland, um das Neugeborene zu sehen. Als es Morgen wurde und die Hirten und Könige gegangen und auch die kleine Familie weitergezogen war, trafen Friedas Geschwister ein.
"IA, was für eine tolle Schneeballschlacht wir gemacht haben, Frieda! Und du warst mal wieder zu langsam!", rief Friedas großer Bruder.
"Hast Du auch den hellen Stern gesehen? Nun ist er leider weg! So ein Ärger!", rief Friedas große Schwester.
"Ich habe zwar die Schneeballschlacht verpasst, aber ihr seid zu spät gekommen, um das Baby zu sehen, weil ihr zu schnell ward!", sagte Frieda. Dann stellte sie ihren neuen Freund Balduin vor und gemeinsam erzählten sie Friedas Geschwistern, was sich in dieser Weihnachtsnacht Besonderes in ihrem Stall abgespielt hatte und die vier Esel hörten ihnen andächtig zu.
Manchmal sind eben die Letzten eben doch die Ersten!




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Eingereicht am 07. Februar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.