Neuerscheinung
Heiligabend überall. Kurzgeschichten zum Weihnachtsfest. Dr. Ronald Henss Verlag. 2004.
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Ich wünsche dir ein riesen Paket voll Liebe zu Weihnachten

Eine Weihnachtsgeschichte von Angela Wipper


Es war ein herrlicher Wintertag. Die Sonne strahlte und ließ den Schnee wie ein Meer aus Millionen kleinen Diamanten erscheinen. Doch trotz der Sonne war es winterlich kalt und die Natur schmückte die Fenster mit wundervollen Eisbildern.
So langsam erwachte das Dorf Valditru und die Bewohner des kleinen Dorfes erledigten das, was sie sich für den heutigen Tag vorgenommen hatten.
So wurde durch die Sonne, das geschäftige Treiben oder durch die Vorfreude auf den heutigen Tag Tommy, der kleine blonde Junge aus Valditru, wach. Kaum hatte er die Augen geöffnet, stupste er seinen vierbeinigen Freund Petboy an und sagte: "Weißt du was für ein Tag heute ist?"
Er wartete gar nicht wirklich auf einen Antwort, sondern rannte sogleich zum Kalender.
Petboy schüttelte sich die Ohren, rieb sich die Augen und suchte nach einer Antwort, bis er merkte, dass es Tommy gar nicht wichtig ist, dass er etwas darauf sagte. Tommy stand vor dem Kalender, hatte ein Blatt abgerissen; und die Zahl 24 ließ Tommy's Augen strahlen.
Petboy sprang zu seinem Freund und setze sich erwartungsvoll neben ihn. Er sah abwechselnd auf den Kalender und Tommy, als würde er warten, dass etwas passiert...
Endlich sagte Tommy: "Heute ist der 24. Dezember. Heute ist Heilig Abend!"
"Wuff-wuff Und was ist daran Besonderes, wuff-wuff?", fragte Petboy zögerlich.
"Ich will es dir erklären mein Freund", erwiderte Tommy freimütig. "Heute hat das Christkind Geburtstag und wir kriegen die Geschenke. Ist das nicht voll cool? Und du kannst dir sogar wünschen was du willst! Das geht ganz einfach: Wochen vorher schreibst du auf einen Zettel alle deine Wünsche, sendest sie zum Christkind und wartest bis es der 24. im Dezember ist. Wenn du lieb warst, erfüllt es dir alle deine Wünsche. Warst du nur mittellieb, erfüllt es dir ein paar deiner Wünsche, und warst du nur wenig lieb, bekommst du immerhin noch ein Wunsch erfüllt. Also wenn mal was daneben geht, ist es nicht so schlimm.. Doch wenn du böse unartig und frech warst, dann kommt Knecht Ruprecht und der hat in seinem großen Sack eine Rute...", erzählte Tommy und Petboy hörte im ganz gespannt zu.
Er schwieg kurz, sah sich um als wenn da noch irgendjemand wäre. Petboy bewegte gleichzeitig mit Tommy den Kopf, konnte aber auch keinen entdecken. Tommy flüsterte: "Knecht Ruprecht nimmt dann die Rute und versohlt dir damit deinen Hintern, dass du bis Ostern nicht mehr sitzen kannst... und dann gibt's wieder Geschenke! Aber das erzähl ich dir ein anders mal."
"Wuff-wuff, das ist ja oberwaufig! Heißt das dann auch, dass ich so viele Wiener Würstchen bekomme wie ich zählen kann? Wuff-wuff", erkundigte sich Petboy. "Oder ne, das wuff-wuff kann ich ja gar nicht so gut... ich meine so viele Würstchen wie ich Haare an den Ohren habe? Wuff-Wuff."
"Ja, mag sein, aber jetzt lass uns zu Patty gehen und fragen, was sie heute noch so macht", sagte Tommy und lief auch schon los.
Patty, Tommys klügste und beste Freundin. Sie ist ein prima Kerl, obwohl sie ja eigentlich ein Mädchen ist. Doch hat sie die gleichen Interessen wie Tommy und ist in jeder Situation immer so klug... Patty war schon lange wach und bastelte an ihrem Schnee-Aufsaug-und-bereite-Pulverschnee-GoKart (SAUPU-GoKart) herum.
"Taga, Patty, was machst du?", begrüßte Tommy seine Freundin.
Patty sah die beiden, stand auf und ging ihnen entgegen.
"Paga, Tommy, Wau Petboy, ich habe noch ein paar Fehler bei meinem SAUPU-GoKart repariert", erwiderte Patty, "und ihr?"
"Wir warten eigentlich nur aufs Christkind...", antwortete Tommy.
"Ach, das kommt ja heute auch noch!", rief Patty als hätte sie es vergessen.
"Wie kannst du das nur vergessen?", fragte Tommy entsetzt, "wo es doch Geschenke mitbringt!"
"Ja, klar, aber manchmal bringt es das, was ich mir sehnlichst wünschte, nicht, oder bringt mir etwas, was ich gar nicht wollte!", erklärte Patty.
"Meinst du, wir sollten uns mal bei oberster Stelle beschweren?", fragte Tommy.
Petboy saß da hörte den beiden zu und konnte es nicht glauben! Was erzählten die beiden? Da hat irgendein Kind Geburtstag und bringt zu seinem Tag allen Kindern auf der Welt Geschenke, wo doch jeder von uns Kindern, so viele Geschenke wie es nur tragen kann, haben möchte, wenn es selbst Geburtstag hat! Und die zwei beschweren sich, dass es nicht das richtige ist, weil die Farbe nicht stimmt. Nicht der richtige Markenname darauf gedruckt ist oder weil es das Vorjahresmodell ist... Nicht zu fassen!
Nicht nur Petboy war über das Gespräch der beiden irritiert. Ganz oben hinter dem Mond auf dem Polarstern sah ein kleines Rentier auf die Erde und richtete seine Lauscher nach Valditru. Mit jeder Minute wurde es immer trauriger. Es konnte nicht verstehen, was es da hörte. Nicht, weil es die Menschensprache nicht verstand. Das konnte es sehr gut sogar. Es konnte nicht begreifen, dass es den Kindern nicht um das Fest und die Freude am Zusammensein, gemeinsam zu singen, zu essen und Wärme und Geborgenheit zu spüren geht, sondern nur um die Geschenke, je größer, besser, teurer desto wertvoller.
Das machte das Rentier so traurig, dass es anfing zu weinen... es fielen Hunderttausendmillionen kleine Rentiertränen nach Valditru, die auf dem Weg dorthin zu Eiskristallen froren und als Schnee die Erde bedeckten...
"Wuff-wuff schaut mal ihr zwei, es schneit!", freute sich Petboy und sprang in die Luft. Er versuchte, jede einzelne Schneeflocke mit weit aufgerissenem Maul zu fangen. Er wackelte mit seinem Schwänzchen und freute sich. Voller Freude sprang er umher und auf Tommy zu. Er wollte mit ihm im Schnee spielen, doch anstatt einer Reaktion hörte er plötzlich: "Nein, Petboy, lass' das. Ich kann jetzt nicht. Ich habe keine Zeit!"
Petboy war durch die Worte wie erstarrt. Was hat er da gehört? Tommy stand da und unterhielt sich mit Patty über Spiele, Fußball und was es alles für tolle große Geschenke geben kann und dass es Kinder gibt die noch viel mehr bekommen... wer wohl in diesem Jahr das größte Geschenk in Valditru bekommt... all das soll wichtiger sein als den ersten Schnee mit seinem Freund zu genießen?
Als das kleine Rentier das sah, war es noch viel trauriger und weinte und weinte... bis Valditru über und über mit Schnee bedeckt war.
"Sollen sie doch erfrieren die bösen Menschen", rief es enttäuscht.
"Aber, Aspasia, mein Kind, wer wird denn die Hoffnung aufgeben?", hörte es die warme, weiche Stimme seiner Mutter. "Die Menschen sind so, aber deshalb dürfen wir nicht gleich unsere Hoffnung aufgeben. Sie vergessen viel zu schnell die eigentlichen inneren Werte und orientieren sich nach dem Äußeren. Das liegt daran, dass sie die inneren Werte nicht mit denen des Nachbarn messen können. Alles, was sie vorzeigen und zusammenzählen können, ist ihnen wichtig. Das können sie messen, vergleichen und bewerten. Sie sehen die Dinge immer nur mit den Augen. Doch wenn du ihrem Herz einen Schubs gibst, manchmal reicht nur ein winzig kleiner in die richtige Richtung, erinnern sie sich und erkennen das eigentlich wertvollste Geschenk: Die Liebe. Und sie beginnen zu erkennen, dass sie mit dem Herzen viel besser sehen können...", erklärte sie ihrem Schützling.
"Meinst Du wirklich Mama?", schniefte das Rentier.
"Ja, mein Schatz, glaube mir, ich kenne die Menschen. Sie sind nicht schlecht, nur vergesslich...", sagte sie mit leichtem Wehmut in der Stimme.
"Du hast den ersten Schritt gemacht", motivierte sie das kleine Rentier. "Du hast die Erde mit kaltem Schnee bedeckt. Das bedeutet, die Menschen zünden das Kaminfeuer an, das ist der Anfang der Wärme... nun müssen wir nur noch den Funken vom Kaminfeuer ins Herz springen lassen."
"Und wie sollen wir das schaffen, Mama?", wollte Aspasia wissen.
"Du wirst es schaffen meine Kleine", ermutigte Mama-Rentier ihre Tochter. "Du hast ein reines ehrliches Herz. Du bist ein ganz besonderes Rentier. Du machst dir Gedanken um die Menschen. Sie sind dir nicht gleichgültig und sie brauchen dich. Deshalb gib nicht auf und vor allen Dingen - gebe sie nicht auf, Aspasia, hörst du?", bekräftigte die Mutter ihre Tochter.
Sie stupste ihre Jüngste mit der Nase an ihre Wange und ging zurück zur Herde. Auf halbem Weg sah sie sich noch mal um und es tat ihr weh, wie sie ihre sonst so stolze Tochter als Häufchen Elend da liegen sah, aber sie vertraute ihr. Sie ist stark genug. Sie wird es schaffen.
Aspasia zweifelte. Sie wusste nicht, wie... warum sollte gerade sie die Menschen auf den richtigen Weg führen... Sie beobachte die drei weiter und suchte nach einem Weg... Würde doch jetzt von irgendwo her die Lösung angeschwirrt kommen, so wie die kleinen Elfen an Heilig Abend, die ihnen den Flugstaub auf die Hufe sprühten...
Unten in Valditru wurde es immer kälter, auch in der Wohnung von Tommy. Das lag nicht nur an der kalten Winterszeit. Petboy war richtig sauer. Was ist nur mit seinen Freunden los? Er fing an, Weihnachten zu hassen. Es veränderte seine Freunde. Sie wurden so, so habgierig.
"Wuff-wuff, haben wir noch genügend Holz? Es ist ziemlich frostig hier. Wuff-wuff", fragte Bocci.
"Holz! Holz! Das ist es! Sie holen Holz im Wald!", brach es freudig aus Aspasia raus. "Ich fliege hinunter zur Erde und nehme Kontakt mit ihnen im Wald auf. Helsenia, Helsenia, wo bist Du?", rief Aspasia nach ihrer Elfe. "Schnell ich brauche etwas Flugstaub, ich muss zur Erde."
"Aber Aspasia, du bist doch noch in der Flugschule. Du bist noch viel zu klein für die Geschenkefahrt", machte sich die kleine Elfe Sorgen. "Dein Ehrgeiz bringt dich eines Tages noch in Schwierigkeiten!"
"Ach Quatsch, Helsenia! Ich möchte ja nicht die Kinder bescheren, ich möchte sie belehren, oder nein ich möchte sie zu sich selbst führen... ihnen das schönste Geschenk zu Weihnachten machen. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie Liebe schenken und Aufmerksamkeit empfangen können! Und dass es das Wundervollste ist, was sie sich jemals wünschen könnten."
Man sah der Elfe an, dass sie Aspasia nicht so ganz folgen konnte, doch wusste sie auch, dass Aspasia kein Sprücheklopfer ist und keinen Unfug anstellte, so beschloss sie ihr zu helfen und bestäubte die Hufe mit Elfen-Flugstaub.
"Stimmt, das Holz ist ja fast leer, das müssen wir noch im Wald holen. Kommst Du mit Patty?", fragte Tommy seine Freundin.
"Klar!", antwortete diese und sie machten sich auf den Weg in den Wald. Den ganzen langen Weg erzählten sie was sie sich die nächsten Jahre wünschen werden. Dass sie ja schon im Januar anfangen könnten die Wunschzettel zu schreiben und dass sie dann immer ein Wunschzettel-Update Monat für Monat an das Christkind senden könnten...
Petboy wurde himmelangst...er konnte die Worte nicht immer verstehen, doch sagte ihm seine feine Spürnase, dass dies nach einem ganz faulen Braten roch...
Als sie im Wald ankamen und das Holz einsammelten, hörten sie ein Wimmern, nein es war eher ein tieftrauriges Weinen... Alle drei hörten auf, das Holz zu sammeln und sahen sich an. Patty fand als erstes die Sprache wieder und flüsterte: "Lasst uns noch schnell die Holzstücke auf den Wagen laden und dann gehen. Wir machen einfach so als hätten wir es nicht gehört, dann geht es uns auch nichts an."
"Hey, klasse Idee. Lasst uns noch Weihnachtslieder pfeifen, die das Weinen übertönen, dann weiß derjenige der weint, dass wir ihn gar nicht hören können...", flüsterte Tommy.
"Wuff-wuff, nein!! Das kann doch nicht euer Ernst sein. Wuff-wuff", brach es wütend aus Petboy heraus.
Die beiden anderen sahen in mit großen erschrockenen Augen an. Tommy sprang zu ihm, hielt ihn den Mund zu und flüsterte: "Bist du noch ganz knusper? Wenn du so laut schreist hört es dich! Und wir sind dann womöglich noch dafür verantwortlich!"
"Wuff-wuff", befreite sich Petboy aus der unfreundlichen Umarmung, "das soll es auch! Hört ihr denn nicht, wie traurig es ist? Vielleicht ist es das Christkind, das unendlich traurig ist, weil es nicht so viele Geschenke hat, wie Kinder Wünsche haben! Wuff-Wuff", beschwerte Petboy sich weiter.
"Okay, okay, wenn wir schon mal da sind, können wir ja auch mal sehen wer da weint", lenkte Patty ein.
Vorsichtig gingen sie dem Weinen nach. Da, hinter der großen schwarzen Tanne, in dem Dickicht, lag zusammengekauert ein kleines Rentier. Petboy sah das Rentier mitleidsvoll an und sprach zu ihm: "Hey, was ist denn mit dir passiert? Hast Du dich verlaufen?"
Aspasia freute sich innerlich, dass die drei zu ihr gekommen sind. Es ist die Chance, dachte sie sich, hoffentlich vermassel ich sie mir jetzt nicht... Langsam hob sie von unten links schräg nach rechts oben den Kopf, öffnete ihre großen braunen Augen und sah zu Petboy. Dabei schweifte ihr Blick Patty und Tommy.
"Nein. Habe ich nicht. Lasst mich allein. Ich komme schon zurecht", antwortete sie und ihr Herz klopfte so laut, dass sie dachte, dass es alle hören.
"Hörst Du Petboy?", fragte Tommy, "Sie möchte ihre Ruhe. Also lass uns das Holz nach unten schaffen und Weihnachten feiern."
Tommy drehte auf dem Absatz um und wollte loslaufen, als er unsanft von Pettboy an seinem Pulli festgehalten wurde. "Nein, wuff-wuff, das tun wir nicht! Merkst du nicht, dass sie das nur so sagt und in Wirklichkeit meint sie: Danke, dass ihr da seid. Bitte helft mir!", fragte Petboy seinen Freund und blickte ihm tief in die Augen.
"Nö!", erwiderte Tommy.
Petboy sah wohl so böse zu seinem Freund, dass Patty einen Schritt zu ihnen machte, Petboys Griff von Tommy löste und sagte: "Ja, ich glaube, wir sollten mit ihm reden und es einladen, Weihnachten bei uns zu feiern."
"Endlich! Wuff-wuff ,einer von euch wird ja vernünftig", freute sich Petboy.
Tommy zupfte sich seinen Pulli und die Hose wieder zurecht und sah mit einem leicht zornigen Blick zu Petboy. "Ja, ist ja gut. Wir werden es einladen", erwiderte er mit motzigem Unterton.
Sanft und einfühlsam sprachen die drei mit Aspasia; und sie merkte, je länger sie sich zierte, um ihnen dann doch etwas entgegen zu kommen, desto offener wurden sie. Sie spürte sogar so etwas wie Wärme in dem kalten Winterwald...
Aspasia ließ sich überreden und ging mit den drei nach Valditru, um dort Weihnachten mit ihnen zu feiern. Sie versprach ihnen beim wärmenden Kaminfeuer und einer Schüssel Kamillentee zu erzählen, was sie so traurig machte.
Das war kuschelig. Auf einer wollweichen Decke zu liegen, eine zweite um ihre Schultern mit einer heißen Schüssel Kamillentee und im Kamin fackelte das Feuer. Gespannt sahen die drei Aspasia an. Diese grinste und freute sich und fühlte sich richtig wohl, bis sie plötzlich die Blicke der drei spürte. Sie räusperte sich und sagte, etwas verlegen: "Ach so, ja, ich wollte euch ja erzählen, was mich so traurig machte."
Sie holte tief Luft und beschrieb den drei wo sie wohnt, wie es dort aussieht, wer dort lebt und was sie so den ganzen Tag macht. Dann erzählte sie, wie sie auf ihrem Lieblingsplatz lag und nach Valditru sah. Und wie sie die drei entdeckte, und sich freute, dass drei Kiddies so früh schon wach sind. Sie beschrieb, wie sie sie von weiter Ferne beobachte, und dann auch ihre Lauscher auf sie richtete, und wie sie plötzlich merkte, dass es gar nicht so ist, wie es scheint. Das es von außen wirkt als sei alles in Ordnung und wenn man dahinter schaut, sieht und spürt man die Kälte.
Sie erklärte, wie traurig sie darüber wurde, als sie merkte, dass Weihnachten bei den Menschen das fest des Schenkens geworden ist und nicht mehr das Fest der Gaben... Dass sie das so lebensnotwendige vermisste: Die Liebe untereinander! Sie war nicht mehr da.
Denn überall wo sie hinsah, sah sie gehetzte verzerrte Gesichter. Die keine Zeit mehr haben. Nur noch schnell, schnell und das noch schnell... Aspasia erklärte weiter, was sie letztendlich so tief traurig machte ist, dass die Kinder, die ihre ganze Hoffnung sind, auch schon so wie die Großen denken. Je größer das Geschenk desto besser... Doch dass das glanzvollste Geschenk spätestens 10 Tage nach Weihnachten das uninteressanteste ist, was man in seiner Sammlung findet, das sieht keiner... und dass die Liebe die größte Kraft ist und niemals an Wert verliert, dass man durch Liebe vieles verstehen und alles erreichen kann, das haben die Menschen vergessen.
Dass sie sich anstatt Gold und Prunk ein kleines bisschen Aufmerksamkeit, ein ernstgemeintes liebevolles Lächeln schenken sollten. Dass diese kleinen Gesten eine unheimlich Kraft haben, die das schönste Geschenk auf Erden ist!
Petboy hatte sich in der Zwischenzeit auf den Bauch gelegt, den Kopf in die Pfoten gestützt und hörte nachdenklich zustimmend und interessiert zu.
Tommy und Patty dagegen fühlten sich überhaupt nicht wohl in ihrer Haut... Ist es nicht ihr eigenes Verhalten gewesen, das das Rentier Aspasia vom Polarstern 7 so traurig machte? Haben sie nicht auch den Wert der Freundschaft an den vielen Spielsachen gemessen anstatt die Freundschaft an sich als großen Schatz erkannt und gehütet?
Tommy konnte keinem in die Augen schauen. Zu tief spürte er, wie schlecht sein Verhalten war.
Er wollte, dass sich die Erde auftat und er darin versinken kann.
Patty versuchte krampfhaft, eine Erklärung für ihr Verhalten zu finden...
Aspasia merkte, dass ihre Erzählung die zwei berührte, dass das Herz am rechten Fleck sitzt und der Samen gepflanzt ist. Sie nahm jeden einzelnen liebevoll in den Arm und bedankte sich.
"Jetzt, da ich es euch erzählt habe, geht es mir schon viel besser. Dankeschön, dafür dass ihr mir die Wärme und zu trinken gegeben habt und vor allen Dingen, dass ihr mir eure Aufmerksamkeit geschenkt habt. Nun denke ich", fuhr sie weiter fort, "bin ich stark genug, den Weg zurück zum Polarstern anzutreten, denn es soll ja wieder Weihnachten werden...", lachte Aspasia. Und diese Lachen klang wie 1.000 kleine kristallene Glöckchen, hell und lieblich!
Tommy genoss die Umarmung, doch gleichzeitig war sie ihm auch unangenehm, denn er fühlte sich schuldig... Als Aspasia das Haus verlassen hatte, sahen Tommy und Patty sich an und sie nickten.
"Komm Petboy, wir sammeln alle Geschenke, die wir haben und schenken sie den Kindern, die nicht so viel haben, denn es soll wieder Weihnachten werden und das Beste ist, wir schenken ihnen nicht nur unsere Spielsachen, sondern wir spielen, erzählen, feiern mit ihnen... wir schenken ihnen Aufmerksamkeit. Wir nehmen uns Zeit für sie. Wir schenken vom Herzen, von dem Ort, wo das schönste Geschenk auf Erden zu Hause ist: Die Liebe.
Aspasia saß auf ihrem Lieblingsplatz und sah zur Erde auf Valditru und freute sich. Welch schöner, liebevoller Anblick... Sie wusste nicht, was heller strahlte: der große Tannebaum mit den vielen Lichtern am Dorfplatz oder die Kinderaugen, die sich über die Aufmerksamkeit an Heilig Abend so sehr freuten...
Und wenn du abends aus dem Fenster siehst und den runden Vollmond betrachtest, entdeckst du rechts von ihm einen kleinen Stern, das Zuhause von Aspasia und wenn du genau hinhörst, kannst du sie lachen hören, weil sie sich freut, dass in Valditru Weihnachten wieder das Fest der Gaben geworden ist...




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Eingereicht am 26. Dezember 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.