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Ein ganz besonderes Geschenk

Eine Weihnachtsgeschichte von Simone Weizenegger


Weihnachten - das Fest, auf welches die Kinder sich das ganze Jahr über freuen, mit großem Eifer meterlange Wunschzettel zusammenstellen und mit Spannung den Heiligen Abend und die damit verbundenen Geschenke erwarten, steht vor der Tür. Wer erinnert sich nicht daran, wie die festlich geschmückten Städte und Geschäfte, die glitzernden Schneefelder und der Duft von Zimt, Vanille und Kerzenwachs den Zauber und die Vorfreude noch ein wenig verstärkt haben, als man selber klein war? Während für die Kinder dieses Fest mit Geheimnis, Geborgenheit und der Erfüllung einiger ihrer sehnlichsten Wünsche verbunden ist, sind die Erwachsenen vorwiegend mit anderen Dingen beschäftigt. Die Mütter kümmern sich um das Backen der Plätzchen, zerbrechen sich den Kopf über mögliche Menüfolgen während der Festtage und sind meistens auch für das Besorgen und Einpacken der Geschenke zuständig. Nicht selten artet dies in Stress aus, was der Weihnachtsfreude nicht gerade zuträglich ist. Doch auch viele Väter haben kaum Gelegenheit, die besinnliche Vorweihnachtszeit im Kreise der Familie zu genießen.
Zu diesen bedauernswerten Männern gehörte auch Herbert Hausner, obwohl es ihm nicht im Traum eingefallen wäre, sich darüber zu beklagen. Als Direktor eines großen Hotels hatte er in der Zeit vor, während und auch nach Weihnachten alle Hände voll zu tun. Trotz der spärlich bemessenen freien Zeit, die ihm zur Verfügung stand, hatte er es vor einigen Jahren geschafft, eine kleine Familie zu gründen. Diese bestand aus ihm, seiner Frau Anke und der gemeinsamen 8-jährigen Tochter Luisa. Seinen beiden Mädchen zuliebe kam Herbert an Heilig Abend immer gegen 17.00 Uhr nach Hause. Damit hoffte er, sie für die Adventssonntage und Weihnachtsfeiertage, die sie ohne ihn verbringen mussten, entschädigen zu können. Außerdem gab er sich mit der Auswahl der Geschenke immer sehr große Mühe, auch wenn er diese Mühe zum großen Teil auf seine Sekretärin abwälzte. Geld spielte dabei keine Rolle. Frau Moser grauste es nicht wenig vor dieser Aufgabe. Ausgestattet mit ein paar vagen Instruktionen ihres Chefs musste sie sich durch die überfüllten Geschäfte kämpfen, um Geschenke für eine Frau und ein kleines Mädchen auszusuchen, die sie kaum kannte. Für die eigenen Lieben das Passende zu finden war schon schwierig genug! Und wer war schuld, wenn der Tochter, oder schlimmer noch, der Gattin das Geschenk nicht gefiel? Sie natürlich! Zudem arbeitete sie jetzt schon viele Jahre für Herrn Hausner, und langsam gingen ihr die Ideen aus. In diesem Jahr sollte ihr diese unangenehme Aufgabe jedoch erspart bleiben. Hätte Frau Moser dies gewusst, wäre sie deutlich entspannter gewesen.
Das Geschenk für seine Frau hatte Herbert bereits im September ausgesucht. Anke hatte sich während eines der seltenen gemeinsamen Stadtbummel bewundernd in den Anblick einer Handtasche von Aigner vertieft. Er hätte sie ihr auch sofort gekauft, doch Anke fand es übertrieben, fast 600 Euro für eine Handtasche hinzublättern. Also hatte er sie einfach heimlich besorgt, um sie ihr an Weihnachten zu schenken, dann konnte sie wenigstens nicht mehr protestieren.
Das Hauptgeschenk befand sich jedoch im Inneren der Tasche - zwei Karten für den "Tanz der Vampire" in Stuttgart! Anke liebte Musicals, während Herbert sich nur ihr zuliebe gelegentlich zu einem Besuch überreden ließ. Und auch diesmal hegte er die Hoffnung, dass er sich davor drücken konnte und Anke eine Freundin mitnehmen würde. Herbert war sehr stolz auf seinen Einfall und freute sich schon darauf, das Gesicht seiner Frau beim Auspacken des Geschenks zu sehen. Sie würde erst ungläubig den Kopf schütteln, dann über das ganze Gesicht strahlen und alle Gelegenheiten, bei denen sie auf die Anwesenheit ihres Mannes verzichten musste, wären vergessen. Zumindest für den Moment. Denn Anke war nicht gerade glücklich darüber, dass Herbert seinen Job so wichtig nahm und so wenig Zeit mit ihr und Luisa verbrachte. Obwohl sie sich damit abgefunden zu haben schien, in letzter Zeit hatten sie kaum noch darüber gesprochen. Wenn Luisa ihren Papa vermisste, so ließ sie es sich zumindest nicht anmerken. Sie kannte es ja auch nicht anders. Und schließlich, dachte Herbert, sind somit die wenigen Momente, in denen wir alle zusammen sind, umso kostbarer. Dann beschloss er, seine Familie heute einmal zu überraschen, in dem er vor 22.00 Uhr nach Hause kam.
Luisa war bereits im Bett und schlief, als ihr Vater daheim eintraf. Herbert war ein klein wenig enttäuscht, dass er sein Töchterchen heute nicht mehr sehen würde. Aber immerhin konnte er sich so mit Anke über ein Weihnachtsgeschenk für sie unterhalten. Ihm wollte nämlich partout nichts einfallen. Und Anke verbrachte mehr Zeit mit Luisa, sie wusste bestimmt am besten, worüber die Kleine sich am meisten freuen würde. Doch noch bevor er das Thema anschneiden konnte, ergriff Anke das Wort. "Mit Luisa stimmt was nicht", begann sie, während sie weiter an dem Pullover für ihren Vater strickte.
"Was meinst du?", fragte Herbert besorgt, "Ist sie krank, warst du mal mit ihr beim Arzt?"
"Sie ist ziemlich verschlossen in letzter Zeit. Still war sie ja schon immer, aber früher war sie wenigstens fröhlich. Seit einigen Wochen lacht sie kaum noch."
Herbert dachte über die Worte seiner Frau nach. Er hatte keine Veränderung an seiner Tochter festgestellt, aber wenn er es recht bedachte, hatte er sie in letzter Zeit auch kaum zu Gesicht bekommen. Die Arbeit im Hotel nahm einfach überhand, überall fehlte das Personal, und wenn er endlich Feierabend machen konnte, war Luisa schon längst im Land der Träume. "Vielleicht fühlt sie sich einfach ein wenig vernachlässigt, oder ihr ist langweilig. Möglicherweise braucht sie nur Abwechslung und ein paar neue Eindrücke. Morgen ist Sonntag, da könntet ihr doch einen schönen Ausflug zusammen machen", schlug er vor.
"Das ist eine gute Idee", gab Anke nachdenklich zu, "aber noch besser wäre es, wenn du auch mal wieder dabei sein könntest."
"Tut mir leid Schatz, ich werde morgen den ganzen Tag arbeiten müssen. Die Hotelfloristin beginnt mit der Weihnachtsdekoration, da muss ich dabei sein. Und wie du weißt, habe ich keinen Direktionsassistenten mehr. Es gibt also niemanden, der mich vertreten kann."
Anke schwieg einen Moment. "Ist schon in Ordnung. Ich laufe mit Luisa morgen durch den Eistobel, dann bekommt sie frische Luft, und die gefrorenen Wasserfälle findet sie bestimmt toll."
Herbert war erleichtert. Er hatte schon eine längere Diskussion befürchtet. "Außerdem müssen wir uns Gedanken über ein Weihnachtsgeschenk für Luisa machen. Diesmal muss es etwas ganz Besonderes sein, das wird sie auch aufheitern. Du wirst sehen, bald ist sie wieder ganz die alte", meinte er.
"Ich habe schon ein paar Sachen für sie. Aber es kann nicht schaden, wenn sie auch was ganz Besonderes von ihrem Vater bekommt. Übrigens war ihr Wunschzettel dieses Jahr sehr kurz", antwortete Anke.
"Ach wirklich? Was stand denn drauf?", fragte Herbert verwundert.
Luisas Wunschlisten waren legendär. Zehn Wünsche waren bisher Minimum gewesen.
"Sie hat sich eine Jacke für ihre Lieblingspuppe gewünscht, damit sie im Winter nicht frieren muss. Die muss ich noch besorgen. Den wichtigsten Wunsch wollte sie nicht draufschreiben, sie meinte, das würde sie nur mit dem Weihnachtsmann besprechen."
Anke musste ein wenig lächeln, als sie sich daran erinnerte, wie hartnäckig Luisa sich geweigert hatte, über den ersten Wunsch auf der Liste zu sprechen. Sie stand auf und gab ihrem Mann einen Kuss.
"Ich geh jetzt ins Bett. Lass dir was Schönes für sie einfallen."
Herbert überlegte noch eine Weile. Dass Luisa ihnen ihren Herzenswunsch nicht mitteilen wollte, machte die Sache ziemlich schwierig. Schließlich war er kein Hellseher, und sich auf den Weihnachtsmann zu verlassen konnte auch ganz schön dumm ausgehen. In diesem Moment hielt er den Weihnachtsmann für eine ausgesprochen blöde Erfindung, schließlich war er nur wegen ihm in dieser Lage. Doch dann kam ihm eine Idee. Als Hoteldirektor musste er oft genug die Wünsche der Gäste erraten. Das müsste ihm doch auch bei seiner Tochter gelingen! Er würde einfach bei der nächsten Gelegenheit mit ihr in die Stadt fahren und durch die Geschäfte bummeln. Wenn er sie genau beobachtete, würde er bestimmt herausfinden, was sie sich wünschte. Den meisten Erwachsenen fiel es nicht schwer, ihre wahren Empfindungen und Wünsche zu verbergen, doch ein Kind kann nicht verhindern, dass seine Augen strahlen, wenn es etwas sieht, das es haben möchte. Zufrieden folgte er seiner Frau ins Schlafzimmer.
Leider konnte er seinen Plan nicht sofort in die Tat umsetzen, da er die ganze Woche beinahe rund um die Uhr im Hotel beschäftigt war. Es gab eine Menge zu tun. Doch am 20. Dezember, sozusagen auf den letzten Drücker, konnte er endlich einen Tag frei nehmen. Nach dem gemeinsamen Frühstück machte er sich mit Luisa auf den Weg in die Stadt, unter dem Vorwand, noch ein paar Sachen für die Hoteldekoration besorgen zu wollen. Anke ließen sie zu Hause, sie würde die Gelegenheit nutzen, um ihre Geschenke hübsch zu verpacken. Herbert hatte ihr nichts von seinem Vorhaben erzählt, mit Sicherheit hätte sie darüber den Kopf geschüttelt. Außerdem wollte er nicht ihrem Spott ausgesetzt sein, falls er nichts erreichte.
Auf der Fahrt war Luisa sehr aufgeregt, sie redete viel und wollte sich mit ihm über alles, was sie draußen sah, unterhalten. Herbert war etwas irritiert, vielleicht hatte Anke sich alles nur eingebildet. Luisa war überhaupt nicht verschlossen und still. Er stellte das Auto in einem Parkhaus ab, nahm Luisa bei der Hand und gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Fußgängerzone, wo sich die meisten Läden befanden. Herbert schaute immer wieder zu seiner Tochter hinunter, die in ihren kleinen rosa Stiefeln neben ihm durch den Schnee stapfte. Sie kamen an verschiedenen Spielzeuggeschäften vorbei, doch Luisa versuchte nicht, ihren Vater dazu zu bewegen, mit ihr hineinzugehen. Abgesehen von ein paar Blicken, die sie in die Schaufenster warf, sah sie die ganze Zeit nur zu ihm auf während sie neben ihm herlief, oder betrachtete fasziniert die Lichterketten an den Straßenlaternen und die geschmückten Tannenbäume. Inzwischen hatte sie rote Bäckchen von der Winterkälte, und ihre Augen strahlten. Herbert wurde langsam nervös und beschloss, einfach mit ihr in eines der Geschäfte zu gehen. Luisa ließ sich anstandslos hineinführen, und drinnen sah sie sich interessiert und angesichts der riesigen Auswahl mit großen Augen um. Herbert ließ ihre Hand los und wartete ab, wo sie zuerst hinlaufen würde. Luisa schlenderte durch die vielen Regale, nahm auch hier und da ein Stofftier oder eine Puppe in die Hand, legte aber alles wieder ordentlich an seinen Platz zurück. Zwischendurch warf sie immer wieder einen raschen Blick über ihre Schulter um festzustellen, ob ihr Vater noch da war.
Sie betrachtete kurz einen kleinen Puppenherd mit Miniaturtöpfen, dann griff sie wieder nach Herberts Hand und fragte: "Papa, können wir bald wieder heimfahren? Ich hab Hunger!"
Herbert kratzte sich ratlos am Kopf. Er hatte doch noch gar nicht rausgefunden, was sie sich am meisten wünschte! War es möglich, dass sie all diese Spielsachen hier kalt ließen? "Willst du dich nicht lieber noch ein bisschen hier umsehen?", fragte er sie.
Luisa schüttelte den Kopf, dass ihre Rattenschwänzchen nur so flogen.
"Also gut, dann fahren wir heim."
Auf dem Weg zum Auto kaufte er ihr eine Brezel, dann liefen sie weiter.
Inzwischen war es schon fast Mittag, bestimmt wartete Anke zu Hause mit dem Essen auf sie. Herbert unterdrückte einen Seufzer, als er seine Tochter ansah. Sie schien rundum zufrieden, wie sie so neben ihm herlief und an ihrer Brezel herumkaute. Das war ja eine Pleite, dachte er. Anscheinend ist es doch nicht so leicht, sie zu durchschauen, wie ich geglaubt habe. Aber ich bin ja heute den ganzen Tag zu Hause, vielleicht kriege ich es noch raus. Nur wird langsam die Zeit knapp. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Parkhaus, nur noch ein paar Meter. Doch Luisa blieb ganz plötzlich stehen. Ein kleiner Hund hatte sich vor ihr aufgebaut, den Herbert erst bemerkte, als er anfing zu bellen. Er war weiß und sah aus wie der Hund aus der Cäsar-Werbung. Mit Hunden kannte er sich nicht so gut aus, und er mochte sie auch nicht besonders, aber er glaubte sich zu erinnern, dass diese kleinen Kläffer Yorkshire-Terriers hießen. Herbert machte einen Schritt zurück um Luisa wieder an die Hand zu nehmen.
"Keine Angst, Mäuschen, der Kleine tut dir nichts", wollte er sie beruhigen, doch Luisa hatte sich schon hinuntergebeugt und hielt dem Hund ihre angebissene Brezel hin.
"Da, hast du Hunger?", fragte sie ihn in aller Freundlichkeit.
Der kleine Hund sprang freudig erregt an ihr hoch, schnupperte an dem Laugengebäck, biss prompt hinein und riss ihr einen Großteil davon aus der Hand. Dann machte er sich über seine im Schnee liegende Beute her. Luisa lachte und strahlte übers ganze Gesicht, während Herbert sich vor Freude am liebsten überschlagen hätte. Ein Hund! Das war es! Warum war er nicht gleich darauf gekommen! Gut, er war kein großer Hundefreund, andererseits hatte er aber auch keine größeren Probleme mit ihnen. Er würde heute Abend gleich mit Anke darüber sprechen, aber er war sich sicher, dass sie nichts dagegen haben würde. Und er behielt recht. Es war etwas schwierig gewesen, Luisa von dem Terrier loszueisen, doch dann war der Besitzer aufgetaucht und hatte seinen Hund wieder an die Leine genommen. Sobald sie zu Hause angekommen waren, war Luisa auf ihre Mutter zugestürmt, um ihr die Geschichte zu erzählen. "Mama, Mama, ein Hund hat mir meine Brezel weggefressen!"
Am Abend, als sie schlief, hatten Herbert und Anke sich darüber unterhalten und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Hund ihr gut tun würde. Wobei Luisa ja bereits heute wieder viel fröhlicher gewesen war. Am Nachmittag hatten sie zu dritt eine Partie Mensch ärgere dich nicht gespielt und abends zusammen gekocht. Luisa dazu zu bringen ins Bett zu gehen, war dann etwas mühsam geworden, weil sie unbedingt noch mit ihnen hatte fernsehen wollen. Aber sie war so müde gewesen, dass sie sich nicht lange gesträubt hatte. Und Herbert war sehr zufrieden. Jetzt musste er nur noch einen netten kleinen Hund besorgen, dann konnte Weihnachten kommen.
Schließlich war es soweit. Dieses Jahr würden Herbert, Anke und Luisa Heilig Abend bei Ankes Eltern feiern. Der Hund namens Felix war bereits ein paar Tage vorher dort untergebracht worden, damit Luisa nichts von der Überraschung mitbekam. Anke und ihre Tochter fuhren schon zum Mittagessen hin, aber Herbert musste noch bis zum späten Nachmittag arbeiten und würde dann nachkommen.
Der Tag verlief ruhig und so besinnlich, wie es sich für einen Heiligen Abend gehört. Gelegentlich kamen merkwürdige Geräusche aus dem Schlafzimmer ihrer Großeltern im ersten Stock, doch da die Erwachsenen sich nicht daran störten, kümmerte Luisa sich auch nicht weiter darum. Sie machte sich mit ihrem Großvater zusammen über die Plätzchen her und ließ sich von ihm Geschichten vorlesen, während ihre Mutter und ihre Großmutter das Abendessen vorbereiteten. Im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik. Als Herbert schließlich eintraf, war alles fertig. Wie alle Kinder konnte Luisa es kaum erwarten, sich auf ihre Geschenke zu stürzen. Doch ihre Eltern bestanden darauf, dass zuerst gegessen wurde, weil der Weihnachtsmann noch gar nicht hier gewesen sei. Schließlich verschwanden ihre Mutter und die Oma aus dem Esszimmer, um wie sie sagten, nachzusehen, ob der Weihnachtsmann schon mit seiner Arbeit fertig sei. Luisa hörte sie die Treppe hinaufgehen und wunderte sich ein wenig. Der Christbaum stand doch im Wohnzimmer! Ihr Vater und ihr Großvater versuchten, sie mit lustigen Geschichten abzulenken, und als ihre Mutter mit dem Glöckchen klingelte, das Zeichen dafür, dass sie kommen konnten, wurde Luisa plötzlich ein wenig ängstlich. Sie drückte sich an ihren Vater und betrat zwischen ihm und ihrem Opa das Wohnzimmer. Alle Lichter waren aus, nur die Kerzen auf dem Tisch und die Elektrokerzen auf dem Weihnachtsbaum brannten. Ihre Mutter stand neben dem funkelnden Baum und hielt ein weißes Fellknäuel im Arm, das sie nun direkt vor Luisas Füßen absetzte. Der Hund schnupperte an Luisas Zehen herum, während sie ihm mit ungläubigen Augen dabei zusah. Dann ging sie vorsichtig in die Knie und streichelte den Hund, der an ihr hochsprang und ihr das Gesicht abschleckte.
Nachdem alle anderen Geschenke ausgepackt waren, saß die ganze Familie auf dem Sofa, hörte Weihnachtsmusik und futterte Marzipankartoffeln, Vanillekipferl, Spitzbuben, Kokosmakronen und was die Backkunst der Großmutter noch so alles hergegeben hatte. Der Hund hatte sich auf einem Kissen am Boden zusammengerollt und Luisa sah alle paar Minuten nach, ob er wirklich noch da war. Herbert hatte sich ein wenig von seiner Frau schimpfen lassen müssen, weil er ihr die teure Tasche gekauft hatte und beim Anblick der Musicalkarten war sie komplett aus dem Häuschen geraten.
"Na Luisa, was war denn dein schönstes Geschenk heute?", wollte der Großvater wissen.
"Felix!", antwortete Luisa wie aus der Pistole geschossen.
"Und hat dir der Weihnachtsmann auch deinen geheimen Wunsch erfüllt?", fragte Herbert seine Tochter. Er war sich sicher, dass er mit dem Hund ins Schwarze getroffen hatte.
"Ja, Papa, aber den hat er mir schon kurz vor Weihnachten erfüllt", sagte Luisa ernsthaft.
Dann setzte sie sich zu ihrem Hund auf dem Boden und spielte mit ihm. Herbert war sprachlos und sah fragend zu seiner Frau. Anke lächelte ihn wissend an, und in dem Moment begriff er, was Luisa gemeint hatte.




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Eingereicht am 25. November 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.