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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Das Pferd

© Teodor Horvat

Die Liebe zum Pferd, dem treuen Begleiter des Menschen, sowie anderen Tieren war bei mir schon immer sehr groß. Vielleicht deshalb, weil ich als ein Bauernkind in einem einfachen Bauernhaus auf dem Bauernhof, geboren bin.
Das war ein Bauernhaus mit Küche, Stube und Vorratskammer. In dem Bauernhof befand sich noch "Kleinhäusler" für die Handwerker und Stallungen.
Das Haus wurde buchstäblich aus dem Boden gestampft.
Der Dachstuhl war natürlich aus Holz gemacht und das Dach war mit Schilfrohr bedeckt.
Unter dem Dach war ein Dachfuß, auf dem sich ein Schwalbennest befand, in das die Schwalben jedes Frühjahr wieder gekommen sind.
Durch das Dachfenster, auf dem Dach, sind meine Haustauben im Dachstübchen hin und her geflogen, und über den ganzen Tag Gegurre. Damals hatten wir noch eine sehr enge Beziehung zur Natur und zum Leben der Tiere. Die Tiere geben uns die Möglichkeit, ein Stück Natur in unseren engeren Lebensbereich hineinzuholen. Besonders die Vögel.
Damit meine ich vor allem frei lebende Flugvögel wie zum Beispiel Tauben.
Die Tauben unterscheiden sich von allen anderen gefiederten Haustieren dadurch, dass sie an einen geeigneten Taubenschlag als Unterkunft gewöhnt, ohne Gitter, und im freien Flug gehalten werden können. Man könnte stundenlang die Tauben in ihrer Vielfalt der Form und Farbe beobachten. Wer einmal ein liebevolles Verhältnis zu den Tauben gespürt hat, kommt so schnell nicht von ihnen los, da sie uns mit den Leistungen in der Luft immer wieder faszinieren. Die Liebe zu den Tauben treffen wir bei allen Völkern an. Auch in der Literatur und der Kunst spielen die Tauben von alters her eine wichtige Rolle. Die weiße Taube gilt als das Symbol des Friedens und wir sind vor allem friedliche Menschen.
In Stallungen, neben dem Haus, war ein richtiger Schweinestall mit zwei Schweinen und ein Pferdestall, mit nur einem Pferd. Das Pferd war ein Kaltblüter, der schwer, ruhiges Temperament, hatte und als Zugpferd nur für Transport schwerer Lasten, in der Landwirtschaft als Ackerpferd und bei Waldarbeit, diente. Einen Pferdewagen zur Personenbeförderung hatten wir leider nicht. Obwohl ich mir schon immer gewünscht hätte, eines schlankes und langbeiniges Pferd kann (was angesichts der Folgen in der Zukunft für mich immer ein Traum bleiben wird). So genannte Warmblüter, der leichter in Körperbau, temperamentvoller und auch gelehriger ist, deshalb als Reit-und Wagenpferd benutzt werden kann. Pferde sind Unpaarhufer, die beim Gehen nur die mit einem Huf umgebene Mittelzehe benutzen. Das männliche Pferd heißt Hengst, weibliche Stute, das junge Fohlen (Füllen). An Farben treten braun (Brauner, Falbe), weiß (Schimmel), schwarz (Rappe) und fuchsfarbig (Fuchs) auf.
In die Mitte des Bauernhofes war ein Brunnenhäuschen mit einem Tränkplatz für unsere Haustiere. Auf den Tränkplatz sind außer unseren Haustieren auch immer verschiedene Singvögel aus nah gelegenem Wald gekommen. Zu den Singvögeln gehören u.a. Lerchen, Schwalben, Raben- und Drosselvögel, Meisen und Finken.
Neben die Stallungen war eine Stallgrube mit Stallmist und daneben der Hühnerstall.
Im Hühnerstall waren zahlreiche weiße Hühner (Leghühner) und ein Hahn mit langen Schwanzfedern. Das Krähen des Hahns in der Morgendämmerung bedeutete, dass ein neuer, schöner Tag gekommen war und das Gegacker die Hennen, besagte uns, dass sie frische Eier legten.
In dem Schweinkoben waren zwei dicken Mastschweinen mit gedrungenem Körper, rüsselartiger Schnauze und kräftigen Eckzähnen (Hauer). Unsere Hausschweine als Zuchtform des Wildschweins waren für uns ein wichtiger Fleischlieferant. Obwohl ich schon immer dagegen war und wollte nicht unsere Schweine verspeisen.
Schweine sind in Rudeln lebende Alles-, aber vorzugsweise Pflanzenfresser in feuchten Wäldern. Darum müsste ich sie schon am frühen Morgen wie ein richtiger Schweinehirt zur Eichelung in nah gelegenen Eichengrund führen. Aber dass habe ich gern getan, weil immer mit uns mein Hund war. Er hatte ein langschnäuziger Kopf mit kräftigen Reißzähnen, schlanken gut entwickelten Rumpf und die Pfoten mit stumpfen, nicht einziehbaren Krallen. Der eigentlich nur ein Hirtenhund war, aber als Haushund vom Wolf abstammt und seit etwa 7000 v. Chr. ein Haustier und zugleich bester Freund der Menschen ist. So sind wir, ich mein Hund und die Schweine, jeden Tag in den Wald gegangen. Die Schweine sind klugen Haustieren, sie wissen ganz genau was sie wollen, außerdem waren sie die ganze Zeit unter wachsamer Aufsicht meines Hundes. So lange die Schweine Eichel, frucht der Eiche, gegessen haben, könnte ich Eichhörnchen beobachten, die ebenso gern Eicheln essen und in zahlreichen Arten mit Ausnahme Australiens über die ganze Erde verbreitet sind. Dass sind mittelgroße Nagetiere (Hörnchen) mit einem buschig behaarten Schwanz, der beim Sprung als Steuer dient. Sie lebten auf Eichen und anderen Bäumen.
Eiche ist Gattung der Buchengewächse. Bei uns sind die wichtigsten Arten, so genannte Stieleiche (Sommereiche) mit gestielten Früchten (Eicheln), die unsere Schweine und andere Tieren sehr gern essen.
Der Wald und die freie Natur überhaupt waren meiner eigener Welt, wo ich mich am besten fühlte. In dem Wald standen vielen großen und kleinen Bäumen dicht nebeneinander und alle strebten nach Licht und Sonne. Einer hielt am anderen, wenn das Unwetter kommt und so helfen sich miteinander. Aber trotzdem, dankend dem Menschen, viele holt die Axt. Nur wenige (Glückliche) wuchsen hoch hinaus und dann standen, weithin schatten in Licht, Sonne und Regen. Aber dann ist, da keiner an den man sich halten kann oder wer helfen kann, wenn das Unwetter kommt. Genau so ist mit uns Menschen, wenn wir zu weit voneinander entfernt sind, um sich miteinander zu helfen. Darum verehre ich den Bäumen. Außerdem von ihnen kann man viel lernen. Über das Wetter und über die Natur überhaupt.
Der natürliche Wald ist eine Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, deren Zusammenleben durch umweltfreundliche Kontrollmechanismen so geregelt wird, dass ein Lebhaftes, die Erhaltung des Systems sicherndes Gleichgewicht erhalten wird. Zwischen vielen Bäumen mit mehr oder weniger hohem Stamm und einer Krone, die aus beblätterten Zweigen besteht und Wipfelbaum bildet, fühlte ich mich ganz sicher. Meine Sorgen und mehr oder weniger schwierige Probleme, ausschauen mir in vergleich mit hohen Bäumen so winzig und unbedeutend. Am Liebsten bin ich unter zahlreichem grünem Holzgewächs oder auf einem Baumstumpf gesessen und ein Buch gelesen. Das Lesen hatte mir meine Mutter, während langen winterlichen Tagen, beigebracht. Dabei sagte sie immer: ", wer die Bücher liest, kann nie ganz allein sein". Damit hatte sie vollkommen recht gehabt. Schon damals wusste ich ganz genau, dass die Bücher die beste Gesellschaft auf der Welt sind. Wenn man die Bücher liest, kann man auch mancherlei lernen. Sich selbst in fremde Länder versetzen und auf verschiedene Probleme stoßen, die wir durchdenken versuchen. Damit vertiefen wir unseres wissen und sehen die Dinge im Leben besser und tiefer.
Bevor mich auf einen Baumstumpf setzte, beobachtete ihn ganz genau. Nämlich, wenn ein Baum umgesägt worden ist, dann kann man auf der lichten Scheibe seines Stumpfes, Jahresringe oder ringförmige Wachstumszonen sehen und seine ganze Geschichte lesen. Dabei weißt jeder Bauernjunge dass Jahresringe oder ringförmige Wachstumszonen, kommen im Holz der Bäume und Sträucher dadurch zustande, dass das im Sommer wachsende Holz dichter und dunkler ist als das weitporige helle Frühjahrsholz. Die winterliche Ruheperiode ist an Stammquerschnitten durch die scharfe Grenze zwischen dem Spätholzring (Sommerring) des einen und dem Frühholzring (Frühjahrsring) des folgenden Jahrs gekennzeichnet. Die Jahresringe gestatten eine Altersbestimmung der Bäume sowie einen Rückschluss auf die klimatischen Verhältnisse früherer Jahre. Bei Bäumen, genau so wie bei uns Menschen, gibt es besseren und schlechteren Jahren. Darum war ich mit Bäumen sehr verbunden und empfand sie irgendwie entgegenkommend.
Mein Vater war ein Ackerbauer und müsste immer schwer und viel arbeiten, um uns alle ernähren zu können. Damit meinte ich vor allem an mich und meine Schwester. Unsere Muter, die eine Hausfrau war und auch viel arbeiten müsste, machte das Essen für uns alle. Aber sie müsste auch so wie wir zwei, gelegentlich bei Feldarbeiten Mitthelfen.
Außerdem wir hatten schönen Garten hinter dem Haus mit verschiedenen Gemüsearten, Obstbäumen und Blumen. Damit hatte meine Mutter mehr als genug zu tun.
Meine Schwester ist etwas älter als ich und schon damals ging sie in eine Dorfschule.
Das war eine Grundschule, kleine staatliche Schule für die ersten 4 Schuljahre. Mit nur eine Lehrerin, die Befähigung und Berechtigung zur Lehrtätigkeit aller Schularten hatte.
Jeden Tag als meine Schwester aus Schule nach Hause kam, erzählte sie mir, was neu ist oder was sie gelernt hatte. So wusste ich ziemlich gut, was sich in Schule so abspielt. Und eines Tages wollte ich auch in die Schule gehen. Aber da ich noch zu klein war und könnte nicht in die Schule gehen, musste mich befriedigen mit tragen der Schultaschen von meiner Schwester.
Immer als ich meine Schwester auf dem Heimweg von zu Schule begegnen wollte, müsste über eine Landstraße gehen und dort auf meine Schwester warten. Aber diesmal blieb ich noch eine Weile stehen, weil ein Pferdewagen vorbei kam. Das war ein Leiterwagen mit von vorne 2 zusammengespanten wunderschönen Pferden und noch mit einem trotzköpfigen, unruhigen Füllen, hinter dem Wagen. Das Füllen war mit (anscheinend) zu langem Seil, befestigt. Bei vielen Bauern, so genannten Pferdewirten, gilt die Neigung zu diesen schönen Tieren auch als Beweis deren Vermögensverhältnisse.
Mit der Begeisterung guckte ich neugierig an, wie diese schöne, edlen Tieren vorbei fahren. Auf einmal gab mir das Füllen, einen mächtigen Stoß mit seinem Bein, genau auf meine Nasenspitze.
Vor den Augen, wurde mir schwarz und schon im nächsten Augenblick, lag ich blutbedeckt auf dem Boden. Natürlich war ich bewusstlos wegen einer Plötzlicher, den Organismus tief greifend verändernde Erschütterung, als Folge einer schweren Körperverletzung.
Erst in einem Krankenhaus bin ich wieder zur Besinnung gekommen. Man erzählte mir Später, dass ich zuerst eine Bluttransfusion bekommen müsste, weil ich viel Blut verloren hatte. Dabei erklärte man mir, was überhaupt eine Bluttransfusion oder Blutübertragung ist. Das ist Übertragung von Blut eines Blutspenders auf einen Kranken als Ersatz für verloren gegangenes Blut bei großen Blutverlusten. Voraussetzung ist Übereinstimmung oder Verträglichkeit der Blutgruppen. Bei der direkten Bluttransfusion wird das Blut vom Arm des Spenders unmittelbar übertragen; bei der indirekten Bluttransfusion wird das Blut vom Spender abgenommen, ungerinnbar gemacht (Blutkonserve) und später dem kranken Übertragen. Dann sind die Ärzte meine gebrochene Nase mit chirurgischem Nähmaterial bzw. Fäden, die nachträglich wieder entfernt werden können, vernäht. Natürlich nur unter so genannte "Örtliche Betäubung". Dabei wurde in einem umgrenzten Gebiet die Schmerzempfindung ausgeschaltet. Man sagte mir, dass bei Nasenbluten die durch Verletzungen ausgelöst sind, eine Nasentamponade gemacht wird. Genau zu sagen das ist Ausstopfung der Nasenhöhle mit Watte bzw. Gazepfropfen zum Zwecke der Blutstillung.
Eine ästetische Operation an der Nase, von kleinen Korrekturen, bis zu komplette Neubildung einer künstlichen Nase, was beispielsweise nach Verletzungen notwendig sein kann, war bei mir nicht nötig. Heute werden auch zur Erfüllung kosmetischer Korrekturwünsche Ästetische Operation an der Nase, durchgeführt. Obwohl bei mir nach der Operation, eine kleine Narbe unter der Nase, geblieben ist. Aber, wie meiner Schwester sagte, das ist nur ein kleines Schönheitsmerkmal und das ist halb so schlimm.
Es war sehr gut, dass ich während meinem Krankenhausaufenthalt, gleich neben meinem Bett, einen schönen Blick aus dem Fenster hatte. Aus dem Fenster könnte ich die ganze Umgebung sehen. Gleich unter dem Fenster war ein alter Baum mit sehr großen Wipfeln. In den Wipfeln sah ich manchmal Singvögel, die ich schon nach dem Vogelgesang und Form, gekannt habe. Manchmal sah ich auch wie die Tauben vorbei fliegen. Einmal ist sogar eine weiße Taube auf Fensterbank heruntergeflogen. Damit hatte ich wieder ein Stück Natur bei mir. In der Stadt sieht man leider keine Pferde mehr. Das Pferd verschwindet mit der Zeit von Ackerfeldern und Straßen und wird bei der Arbeit durch Maschinen ersetzt. Nur noch durch Liebe und Stolz der Pferdebesitzer sowie als Attraktion der Pferdesportarten kommen die Pferde heutzutage zur Geltung.



Eingereicht am 14. Juni 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.



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