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Gedanken über Hunde

© Elke Link

Es gibt so viele "berühmte" Hunde.
Namen wie "Lassy", "Beethoven" oder "Daisy" klingen uns im Ohr.
Wir kennen sie alle, weil sie populär geworden sind, durch Film und Presse. Ich habe hier daheim auch so zwei "Schätzchen", die zwar noch nicht in Hollywood waren, es also noch nicht zu Weltruhm gebracht haben, die es aber verdient hätten, besonders erwähnt zu werden. Zumindest für mich persönlich besteht da eine Notwendigkeit.
Meine beiden kleinen Süßen, auch manchmal liebevoll "meine Babys" genannt, sind zwei alternde Westhighländer. 7 und 9 Jahre alt.
"Was, Sie kennen keine Westhighländer? Eigentlich heißen sie Westhighland-White-Fox-Terrier. Das sind die kleinen Weißen, die manchem Betrachter, vor allem Kindern, das Herz "höher schlagen" lassen. Sicher haben Sie schon mal im Fernsehen die Cäsar-Werbung gesehen? Ja? Na, sehen Sie!"
Also, Lilly ist 7 Jahre alt, das heißt 7 x 7 Jahre = 49 Hunde-Jahre, steht also kurz vor den Wechseljahren, Moritz, 9 x 7 = 63 Hunde-Jahre, ist ein mittlerweile gemütlicher Früh-Rentner. Meine beiden "Weißen" sind die treuesten, dankbarsten, zufriedensten und liebsten Geschöpfe, die ich mir vorstellen kann. Zumindest bin ich davon überzeugt.
Mein Mann und ich leben mit diesen lieben Wesen "auf Tuchfühlung", das heißt, auch nachts liegt Lilly an Frauchens Fußende und Moritz in den Armen seines Herrchens.
Unsere Urlaube werden "hundgerecht" geplant und wir "alle vier" können uns nichts Schöneres vorstellen, als gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Allein das Wort "Ferien" veranlasst die beiden mit gespitzten Öhrchen raus zu laufen und sobald die Autotüre aufsteht, hinein auf den Beifahrersitz zu springen und nicht mehr zu weichen.
Moritz kann die Stimmungen innerhalb unserer Familie genau erkennen. Er liegt zufrieden neben dem Ofen, wenn Harmonie herrscht, er bellt aufgeregt, wenn ich wütend bin, er seufzt, wenn er erkennt, dass ich traurig bin, und er schmatzt genüsslich, wenn ich - und in der Folge dann er - zufrieden bin. Mittags liegt er "lang gestreckt" auf dem Rücken neben seinem Herrchen auf der Couch und hält sein Mittagsschläfchen. Wie zwei Brüder. Nur der eine ein bisschen größer.
Lilly ist die Dominante, beim Fressen verweist sie Moritz immer in die "2. Reihe". Dann steht der arme Kerl da und wundert sich, dass sein Fressnapf schon wieder leer ist. Und wartet brav ab, bis er endlich dran kommt. Hat natürlich zur Folge, dass sie "eine kleine Dicke" ist. Würde sie in China leben, müsste man befürchten, dass sie jemand mitgehen lässt, um sie als Rollbraten zu verzehren. Sie gibt immer das Kommando an. Und wenn Moritz nicht pariert, gibt's was drauf. Moritz springt direkt vom Sofa, wenn Lilly mit dem Blick "und wo sitze ich?" herannaht. Sie empört sich regelrecht mit bedeutungsvoller Mine und verächtlichem kurzen Geknurre, wenn Moritz beim Gassigehen nicht direkt auf mein Kommando hört. Dann bleibt sie stehen, schnaubt ganz kurz ziemlich wütend, als wolle sie sagen: "Na warte, komm Du mal heim." Dann läuft sie ihm nach, stellt ihn und schnappt ihm "irgendwo hin", worauf ich nicht näher eingehen will.
Manchmal habe ich das Gefühl, als wenn die beiden Geschöpfe wären, die genauso fühlen, denken und reagieren wie wir Menschen, NUR mit dem Unterschied, dass sie nicht sprechen können.
Das Pech vieler dieser kleinen Westhighländer ist, dass sie oftmals den Stempel "Modehunde" aufgedrückt bekommen, obwohl das bei unseren beiden überhaupt nicht der Fall ist.
Vielleicht möchte der eine oder andere von Ihnen, nachdem jetzt das Wort "Modehund" gefallen ist, nicht mehr weiter lesen, weil man mit diesen manchmal peinlichen "Modehunden" eigentlich gar nichts zu tun haben will. Wie fürchterlich ist der Gedanke, mit einem solchen, eventuell gerade vom Hundefrisör kommenden und affektiert dreinschauenden und nervös bellenden "Etwas" womöglich noch lachen zu müssen!
Nein - Besitzer von "richtigen" Hunden, die nicht durch Rasse, Züchtung, errungene Preise, sondern durch "Charakterstärke" brillieren und, wenn möglich, vorzugsweise noch aus dem Tierheim kommend und in der Folge dann erst zu "Hundepersönlichkeiten" werden, können mit diesen "Flöhen" oder "größeren Ratten" nichts anfangen.
Und meine liebe Lilly und mein Moritz würden von diesen "Vorurteilsgeprägten, irritierten Hundefreunden" verurteilt werden und wohl von vorneherein "auf der Strecke" bleiben.
Ich stelle mir jetzt eine große Wiese vor, mehrere Hundebesitzer mit ihren großen und kleinen Hunden bewegen sich darauf zu. Jeder ist irgendwie stolz auf seinen Hund, den er als den "idealen" Hund bezeichnet.
Wenn bei dem einen Hund die angeborene und nicht veränderbare Hässlichkeit herausragend ist, wird er wohl zum Ausgleich - nach Ansicht seines Herrchens - eine hervorstehende besondere Charakterstärke aufweisen. Ist er dagegen ausschließlich hübsch, kommt es auf vorbenannte Eigenschaft nicht so sonderlich an. Ist der "süße Fratz" unerzogen, dann wird wohl ein anderer Artgenosse dran schuld sein, weil er ihn "total von der Rolle" gebracht hat. Hat er womöglich ALLE Vorzüge, ja dann … erst recht.
Irgendwie wird jeder Besitzer es fertig bringen, "seinen Hund" aus der Beachtungs-Peripherie "herauszuheben"…
Und nun kommt das Entscheidende: Alle Hunde laufen auf einander zu. Große und kleine, dicke und dünne, hübsche und hässliche, welche mit und welche ohne Stammbaum, langsame und schnelle, alte und junge, sehr vornehme, vornehme, weniger vornehme, absolut nicht vornehme und welche mit beschissenem Hintern … und alle Schwänzchen wedeln, kupierte und nicht kupierte.
Meiner Meinung nach sind dies ALLES Hunde. Alle Hunde sind von Grund auf gut. Nur der Mensch, der "Verrückte" versündigt sich an den Hunden, in irgendeiner Weise. Die armen Geschöpfe werden "zwangsfrisiert", womöglich mit "Mäntelchen maskiert", mit Shampoo wird der Geruch verändert und ihnen mit falschem Essen der Magen verdorben, so dass sie nur noch Dünnes kacken können.
Meine Lilly und mein Moritz sind meine besten Freunde, auch wenn ihre Rassegenossen im Fernsehen auftreten müssen oder dürfen oder wie auch immer.
Sie haben jeglichen Charakter-Bewährungstest bestanden, dem JEDER Mensch, aber auch wirklich JEDER MENSCH, dem ich bis heute begegnet bin, zum Opfer gefallen ist. Ach - wie traurig werde ich sein, wenn sie mal tot sind.



Eingereicht am 14. Februar 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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