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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Nico der Distanzreiter

© Andrea Blum


Inhalt
Ein Freund wie Pit
Die Schulzeit beginnt
Nico lernt reiten
Im Schnupperparcours
Nico zieht um
Gino und Raswan
Der Reiterpass
Auf zum Distanzritt
Anreise
Der Ritt
Die Stunde der Wahrheit
Siegerehrung
Jeder Tag geht mal zu Ende
Der Tag danach
Kleines ABC des Distanzreitens

Ein Freund wie Pit
Nico hat Pferde schon immer gern gehabt, auch schon, als er noch nicht reiten konnte. Nico wohnte mit seinen Eltern in einer Kleinstadt und in der Nähe seines Zuhauses gab es keine Kinder in seinem Alter. Aber er hatte noch Hoffnung auf ein Geschwisterchen und dann gab es da noch Mikisch, den roten Kater, das einzige Haustier in ihrer Familie. Wenn Nicos Mama einen freien Tag hatte, machten sie immer einen langen Spaziergang und besuchten die Ponies, die am Stadtrand auf einer großen Wiese im Offenstall wohnten.
Schon von weitem rief Nico dann immer "Da, da Hopp-hopp", aus der Kinderkarre. Als er älter war, lief er immer schon weit voraus um als erster bei den Pferden zu sein. Zuhause mussten Mama und Papa immer Pferd spielen und ihn auf ihrem Rücken durch die Wohnung reiten lassen. Oder Nico spielte selbst Pferd und galoppierte durch die Zimmer und sprang über Sofakissen.
Abends gab es immer eine "Gute Nacht" Geschichte aus einem der Pferdebücher, die sich im Laufe der Zeit in seinem Bücherregal angesammelt hatten. Denn alle Verwandten und Freunde wussten, worüber Nico sich am meisten freute, wenn es zu Weihnachten, Ostern oder zum Geburtstag Geschenke gab. Und so hatte Nico Pferdestofftiere, Handtücher und viel Kleidung mit Pferdemotiven bedruckt oder bestickt und natürlich viele Bücher mit Pferdegeschichten. Gerne guckte er auch in Mamas alte Fotoalben, denn dort gab es viele Bilder von Pferden und von Mama beim Reiten. Mama wusste dann immer eine Geschichte zu jedem Bild zu erzählen und es machte ihr Spaß zu sehen, wie Nicos Augen glänzten und von einem Foto zum nächsten wanderten.
Wobei er sich jede Einzelheit ihrer Geschichten merkte. Eines Tages hatte Mama den Entschluss gefasst mit dem Reiten aufzuhören. "Aus Trauer und wegen akuten Zeitmangels", gab sie Nico immer als Antwort. Nico fand das sehr schade und manchmal wurde er richtig traurig, wenn Mama davon erzählte, wie sie sich von ihrem eigenen Pferd trennen musste. Ihre Stimme schwankte immer und manchmal kullerten auch ein paar Tränen über ihre Wangen, wenn sie von Pit erzählte. Er musste ein großartiges Pferd gewesen sein, da war sich Nico ganz sicher. Pit hatte einen unheilbaren bösartigen Tumor im Körper, so dass der Tierarzt ihn einschläfern musste um ihm die Schmerzen und das Leiden zu ersparen. Das war sehr hart für Nicos Mama gewesen. Sie hatte dann zwar noch ein paar Jahre die Pferde von Freunden geritten, aber nie war es wieder so wie mit Pit gewesen. Eine neue Arbeitsstelle hatte dann ihre ganze Zeit in Anspruch genommen. Doch jetzt war Nico da und sie verstand gut, warum er die Pferde so sehr mochte. Und Nico hatte nur einen Wunsch: auch einmal so einen Freund wie Pit zu haben. Dafür sparte er sein ganzes Taschengeld.

Die Schulzeit beginnt
Wenn der Zirkus in die Stadt kam, war Nico immer ganz aufgeregt. Mama und Papa gingen dann mit ihm in das große, bunte Zelt, das auf dem Festplatz aufgebaut war. Menschen und Tiere zeigten dort ihre Kunststücke. Nico liebte den Geruch, der in der Luft lag und wartete immer gespannt auf das Ende der Vorstellung, um danach in der Manege auf den Ponies zu reiten. Für die meisten Kinder ist der Tag, an dem man in die Schule kommt, das Größte.
Nicos tollster Tag war der erste Tag in der Reitschule. Zum 7. Geburtstag hatte er von seinen Eltern einen Reithelm geschenkt bekommen und am nächsten Tag war Mama mit Nico zur Reitschule gefahren und hatte ihn für seinen ersten Reitunterricht angemeldet. Carla, die Reitlehrerin, zeigte ihnen die Stallungen, die Sattelkammer, die Reiterstube, die Reithalle, die Außenreitplätze, Hektor das Holzpferd und die Pferdekoppeln. Dort tummelten sich die kleinen und die großen Pferde; manche dösten stehend in der Nachmittagssonne, einige lagen ausgestreckt am Boden und schliefen, zupften am Gras oder spielten zusammen. Jedes hatte eine andere Farbe. Carla zeigte Nico sein Reitpony; es hieß Joschi. Sein Deckhaar von Mähne und Schweif war pechschwarz und sein Langhaar dunkelbraun. Am Kopf leuchtete ein kleiner weißer Fleck, der sich Flocke nennt. Nico war sehr aufgeregt und konnte an diesem Abend schlecht einschlafen, denn er freute sich so sehr darauf, auf Joschi zu reiten.

Nico lernt reiten
In der Schule hörte Nicos Freundin Kathrin aufmerksam zu, als Nico ihr von der Reitschule und den Pferden erzählte. Gemeinsam spielten sie immer Pferd und Reiter in den Pausen und Kathrin fand es toll, dass Nico sie dann Joschi nannte, und so tobten sie übermütig wie zwei junge Fohlen über den Schulhof.
Die anderen Jungen hänselten Nico immer wegen seines Pferdeticks. Für sie gab es nur Autos und Fußball. Sie stempelten die Pferde immer als Mädchenkram ab, aber Nico meinte, ein richtiger Cowboy braucht ein Pferd und muss nicht nur gut schießen, sondern auch reiten können. Nach dem Mittagessen fuhr Nico mit seiner Mutter auf den Fahrrädern zum Reitstall. Heute war Joschi schon in seinem Stall. Carla zeigte Nico als erstes, wie man Joschi ein Halfter anlegt, ihn aus dem Stall führt, anbindet und putzt. Oh je, war der schmutzig! Und dann die vielen verschiedenen Bürsten, alle mit anderem Namen und für einen bestimmten Körperteil am Pferd bestimmt. Doch am schwersten war das Hufekratzen. Es dauerte sehr lange, weil der Dreck vom Weidegang noch ganz fest in Joschis kleinen Hufen saß. Danach zäumte und sattelte Carla Joschi und führte ihn zur Reitbahn. Erst jetzt bemerkte Nico, dass auch andere Kinder eingetroffen waren und mit ihren Ponys in die Reitbahn einzogen. Carla half Nico in den Sattel und führte ihn immer außen am Viereck herum.
Nico erkannte einen Jungen, der auch auf seine Schule ging und ein paar Jahre älter war. Dirk, so hieß der Junge, konnte schon ganz gut reiten und durfte die Reitabteilung anführen. Als Nicos Mutter zum Reitstall kam um ihren Sohn abzuholen, stand dieser an Joschis Box und beobachtete ihn lächelnd. Carla sagte zu Nicos Mutter: " Ihr Sohn hat sehr viel Pferdeverstand und Reittalent. " Ja, das wusste sie und auch dass Nico noch nie glücklicher und zufriedener ausgesehen hatte. Zweimal die Woche ging Nico jetzt regelmäßig zum Reitunterricht und schon nach kurzer Zeit ritt er so gut wie Dirk. Die beiden Jungen waren dicke Freunde geworden und träumten beide von einem eigenen Pferd. In den Ferien und am Wochenende waren sie bald nur noch bei den Pferden zu finden, wo es neben reiten und Ponies putzen auch viel anders zu erleben, zu lernen und zu arbeiten gab. Wenn ein Tier krank war oder geimpft werden musste, kam der Tierarzt. Nico hatte bald einen neuen Traumberuf; er wollte auch Tierarzt werden. Das freute seine Eltern, denn Cowboys gab es in Hessen nicht allzu viele und Dr. Nico Neumann hörte sich auch besser an als Cowboy Nico. Dirk meinte, er müsste dann wohl Hufschmied werden, denn er wollte auch den Pferden helfen und so könnten beide Freunde immer gut zusammen arbeiten, wenn ein Pferd lahmte oder z. B.
einen Korrekturbeschlag bräuchte.

Im Schnupperparcours
Nach den Sommerferien fand ein Einsteigerturnier im Reitverein statt. Dafür übten alle Kinder des Reitvereins in den Ferien. Carla hatte Nico mit Joschi für den Schnupperparcour im Geschicklichkeitsreiten angemeldet. Hierbei musste über eine am Boden liegende Plane, über eine Holzbrücke, unter einer Luftballonschnur drunter durch und aus einer Sackgasse rückwärts heraus geritten sowie die Gangarten Schritt, Trab und Galopp gezeigt werden. Joschi musste das erste Mal, seitdem Nico ihn ritt, auch etwas lernen, denn vor den Luftballons und der Plane hatte er Angst. Nico führte ihn vom Boden aus über die Plane und Carla band bunte Luftballons in Nicos Auslauf an. Bald schon hatte sich das pfiffige Pony an all die Sachen gewöhnt und am Turniertag war nur noch Nico aufgeregt. Seine Eltern waren gekommen. Sie standen am Parcours und drückten Nico kräftig die Daumen. Über zwanzig Kinder waren zu diesem Wettbewerb gekommen und Nico freute sich bei der Siegerehrung über einen dritten Platz und seinen ersten Pokal. So vergingen die Jahre mit reiten und lernen für die Schule. Denn um Tierarzt zu werden, musste man gute Noten haben und auch lesen, schreiben und rechnen können. Nicos Sparschwein wurde oft geleert und sein Sparbuch wies schon bald eine beachtliche Summe auf, aber für den ersehnten Pferdekauf reichte es leider noch nicht. Eines Tages holte Nicos Mutter eine alte Reithose aus dem Schrank, zog diese an, setzte sich auf Carlas Fuchswallach Halef und ritt mit Nico und Joschi in das Gelände. Oder wie Nico es ausdrückte: "Raus in die Prärie!". Nico war sehr überrascht und hatte viel Spaß bei seinem ersten Ausritt. Er war Feuer und Flamme und wollte nun öfters mit Joschi und seiner Mutter und Halef ausreiten. "In nächster Zeit werden wir nicht so viel Zeit dafür haben, denn wir haben ein Haus gekauft und werden bald dahin umziehen, " sagte Mama sehr ernst. Na, das war ja das Allerneuste. - Nicos Eltern hatten zwar schon oft davon geredet, wie schön es wäre ein eigenes Haus zu besitzen, aber das ging Nico jetzt doch zu schnell. Die Fragen purzelten nur so aus ihm heraus, das war ja alles ziemlich aufregend: erst der tolle Ausritt und dann diese Nachricht.

Nico zieht um
Am darauf folgenden Sonntag fuhren sie alle aufs Land um Nico ihr neues Zuhause zu zeigen. Die ganze Woche über waren Nicos Eltern sehr geheimnisvoll gewesen und antworteten immer nur auf Nicos viele Fragen: "Am Sonntag fahren wir raus und zeigen es dir!" Nico wusste nur, dass ein Schulbus ihn zur Schule bringen würde und dass es auf dem Land natürlich auch viele Tiere und Pferde geben würde. Die Autofahrt dauerte für Nico eine Ewigkeit, doch bald parkte Nicos Vater das Auto vor einem Einfamilienhaus mit großem Vorgarten. Und hinter dem Haus war eine riesige Wiese mit vielen Bäumen und einer großen Scheune. So hatte Nico sich das nicht vorgestellt.
"Hier kommen zwei Boxen für eure Pferde rein. Da ein Auslauf, dort die Miste und da eine Sitzecke, damit ich auch noch etwas von euch beiden habe, wenn ihr ständig hier draußen bei den Pferden seid, " sprach Nicos Vater. Nico konnte es gar nicht fassen: hier sollte er wohnen mit seinen Eltern und zwei Pferden. Als sie am späten Abend wieder in ihre Wohnung in der Stadt fuhren, wusste Nico nicht viel von seinem neuen Zuhause. Sein neues Zimmer war groß und hell mit Blick in den Obstbaumgarten, doch das war alles nicht so wichtig. Er würde bald ein Pferd haben, mit ihm Tag und Nacht zusammen sein können. Alles andere war unwichtig. Die Zeit bis zum Umzug verging sehr schnell, denn die Vorbereitungen waren mit viel Arbeit verbunden.
Hausrenovierung vom Tapezieren, Fliesen legen, Streichen, Möbelkauf bis zum Stallbau.

Gino und Raswan
Nicos Mutter hatte schon gesagt, dass der Pferdekauf als Letztes an die Reihe käme, wenn alles fertig wäre und sie Zeit zum Suchen hätten. Also zog Nico in den Sommerferien mit seinen Eltern in ihr neues Heim. Auch Mikisch, dem Hauskater, gefiel es hier auf Anhieb besser als in ihrer alten Stadtwohnung. Der alte Kater trieb sich stundenlang im Obstgarten herum oder erkundete die Scheune, wo schon zwei Pferdeboxen auf den Bezug warteten. Auch Heu und Stroh lagen schon für den Winter auf dem Heuboden für die Pferde bereit. Und dann ging es endlich los mit abfahren der Pferdezüchter und Privatpferdehalter, die ein Pferd zu verkaufen hatten. Nico war ganz erstaunt, wie viele Pferde es gab. Und alle suchten ein neues Zuhause. Zum Glück war Nicos Mutter eine gute Pferdekennerin. Viele Tiere hatten Unarten, bissen und schlugen aus, waren noch gar nicht oder nur schlecht ausgebildet, hatten Stellungsfehler der Beine oder Hufe oder Krankheiten. So schwer hatte Nico sich das nicht vorgestellt. Er hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, ein passendes Pferd für sich zu finden, bis sie Gino trafen. Der kleine Fuchswallach wurde in der Sonntagszeitung von einem Privatmann angeboten. "6 jähriger Wallach, 1, 46 m groß, aus Zeitmangel zu verkaufen", hieß es dort. Nicos Mutter wählte die angegebene Telefonnummer und schon zwei Stunden später saß sie auf Ginos Rücken und ritt ihn Probe. Sie meinte, Gino sei ein kleiner unausgeglichener Feuerstuhl, aber mit gutem Charakter und besten Grundgangarten, und den Rest sollte ein Tierarzt bei einer Ankaufsuntersuchung kontrollieren, wenn Nico dies wollte. Und ob er wollte.
Er hatte sich sofort in Gino verguckt und freute sich riesig, dass der Tierarzt ihn später für gesund und munter erklären konnte. Nicos Mutter entschied sich wenig später für den erst 2jährigen Araberhengst Raswan, den sie dann selbst einreiten wollte, wenn er dreijährig wäre. Bis dahin wollte sie Nico helfen, sich an Gino zu gewöhnen und mit Raswan an der Longe und am Boden arbeiten. Gino war ein tolles Pferd und nach wenigen Monaten hatte sich Nico gut an ihn gewöhnt und sie wurden ein unzertrennliches Paar.

Der Reiterpass
Dirk kam oft nach der Schule zu Besuch. Dann gingen Nico, Dirk, Gino und ein Fahrrad gemeinsam spazieren. Wenn der eine auf Gino ritt, fuhr der andere mit dem Fahrrad nebenher. Gino gewöhnte sich schnell an diese Ausflüge und vermisste schon bald das Fahrrad, wenn der Fahrer nicht so schnell in die Pedale treten konnte wie Gino lief. Zweimal in der Woche ging Nico mit Gino zum örtlichen Reitverein zum Reitunterricht, dort lernten die beiden
Dressur- und Springreiten. Zusammen mit den anderen Pferden in der Reitabteilung benahm sich Gino oftmals sehr schlecht. Man merkte, dass ihm das Laufen im Viereck nicht so gut gefiel. Aber das Reiten der Bahnfiguren wie Zirkel, Volte und Schlangenlinien machte ihn biegsam und wendig. Beim Springen war er der Star der Abteilung, denn er besaß Talent und der Reitlehrer konnte die bunten Stangen gar nicht hoch genug für ihn legen. Im Frühjahr erhielt Nico seinen Reiterpass. Dafür hatten die Jugendlichen des Reitvereins geübt. Am Prüfungstag kam ein Richter und prüfte alle Teilnehmer beim Reiten im Gelände in der Reithalle und stellte ihnen viele Fragen über Pferdehaltung, Fütterung, Reiten, Verhalten des Reiters im Gelände und in der Reitbahn. Nico freute sich über die bestandene Prüfung, denn nun durfte er auf einem Distanzritt starten.

Auf zum Distanzritt

Im Nachbarort wurde schon seit Jahren ein Distanzritt veranstaltet. Und viele Reiter im Verein trainierten ihre Pferde schon viele Wochen vorher für diese Veranstaltung. Nico war sehr neugierig und so stellte er allen im Verein, die schon auf so einem Ritt waren, jede Menge Fragen. Das tollste war, dass seine alte Reitlehrerin Carla auch kommen würde und gemeinsam mit Nico und Dirk am 30km Ritt teilnehmen würde. Auch Nicos Eltern freuten sich darüber. Carla kam jetzt öfters mit Halef auf dem Pferdeanhänger angefahren um mit Nico und Gino im Gelände zu reiten und für den Distanzritt zu üben.
Nach dem Ausritt gab es dann oft Kaffee und Kuchen im Garten und für die Pferde im Auslauf Heu zum Knabbern. Carla erzählte dann von Distanzritten, auf denen sie schon mit Halef gewesen war. Sie waren sogar schon einmal einen 100 Meiler in der Heide geritten. Das sind 160 Kilometer an einem Tag.
Nico erfuhr, dass es auch Mehrtagesritte gibt, dass mindestens alle 25 Kilometer eine Tierarztkontrolle ist, dass die Pferde bestimmte Pulswerte nicht überschreiten dürfen und es eine festgesetzte Höchstzeit für jeden Ritt gibt, die auch nicht überschritten werden darf, aber das Wichtigste, die Gesundheit des Pferdes, immer an erster Stelle steht. Für Nico konnte es gar nicht genug Antworten auf seine Distanzfragen geben, und so ging die Trainingszeit vorbei und der Tag des großen Abenteuers stand bevor.

Anreise
Als um 6. 00 Uhr Nicos Wecker klingelte, trabte er gerade mit Gino in einer staubigen dunklen Reithalle seine Runden. Nico war erleichtert, dass dieser Alptraum ein Ende hatte. Schnell sprang er aus dem Bett und hinein in seine Reitkleidung. Gino und Raswan hatten schon sehr früh ihr Kraftfutter und Heu von Nicos Vater bekommen. Im Haus duftete es schon nach frisch gebrühtem Kaffee und aufgebackenen Brötchen. Nach dem Frühstück ging es dann auch schon gleich los. Am Vorabend hatten Neumanns schon alle Utensilien für Gino und Nico in ihr Auto geladen und das waren nicht gerade wenige. Vom Hufkratzer, Putzzeug, Sattel, Zaumzeug, Pferdedecken, Eimern, Kraftfutter, Wasserkanister und vielen mehr bis hin zu Wechselkleidung für Nico, falls es regnete. Herr Neumann hatte sich eine neue Landkarte vom Rittgebiet in einem großen Maßstab gekauft. Auf ihr waren jeder Feldweg, jede Straße und jedes noch so kleine Haus eingezeichnet. Herr Neumann wollte gerne an erlaubten Punkten an die Reitstrecke fahren, um Fotos von Carla und Nico zu machen.
Auch Dirk war gekommen um, bei Neumanns mitzufahren. Sein Pferd hatte sich beim Rumtoben auf der Weide verletzt und nun war sein linkes Hinterbein dick angeschwollen. Dirk war sehr traurig gewesen. Da hatte er so viel geübt und trainiert und dann sowas. So wollte Dirk jetzt mit helfen, die Pferde in der Pause zu versorgen. Um 7. 00 Uhr war Gino nach ein paar Fehlversuchen auf dem Pferdeanhänger und wieherte nun laut nach Raswan, der im Auslauf aufgeregt hin und her lief. Dann ging die Fahrt los und schon am Ortsausgang sahen sie einen Pferdetransporter der in dieselbe Richtung fuhr wie sie. Am Veranstaltungsort angekommen, suchten sie sich auf der großen Wiese einen geeigneten Parkplatz mit einem kleinen Paddockplatz für Gino. Gino konnte es gar nicht erwarten den Anhänger zu verlassen. Jetzt stand er aufgeregt im tiefen nassen Gras, schaute nach links und rechts, wieherte kurz und steckte dann seine Nase in das saftige Futter unter seinen Hufen. Frau Neumann holte einige Stromstangen und Litze aus dem Auto und steckte Ginos Paddock ab.
Dann gingen sie zum Startbüro an der Reitstube des Vereins. Die Frau am Computer gab Nico die Rittunterlagen: Eine Checkkarte für alle Angaben des Tierarztes über Gino, die Streckenkarte, eine Klarsichthülle, einen Vorbesprechungszettel und eine Freimarke für Essen und Trinken. Auf der Checkkarte war auch die Startzeit eingetragen um 8. 55 Uhr sollte es losgehen. Als nächstes wurde Gino vom Tierarzt untersucht. Er hörte Gino mit dem Stethoskop ab, nahm Puls und Atemwerte, kontrollierte sein Alter an Hand der Zähne, schaute nach dem Hufbeschlag, der Sattel- und Gurtlage und dann musste Nico Gino noch am langen Strick vortraben. Das hatte Nico schon zu Hause geübt, denn man musste hierbei immer außen herum um das Pferd laufen, so dass der Tierarzt einen freien Blick auf die Pferdebeine hatte.
Nico erhielt hierfür ein Lob und der Tierarzt wünschte ihm einen guten Ritt. Als sie zum Hängerplatz zurückkehrten, war auch Carla eingetroffen.
Halef hatte seinen Paddock neben Gino und begrüßte diesen freudig. Carla machte sich schnell auf zum Startbüro und dann gleich mit Halef am Halfter zum Tierarzt, denn die Zeit bis zum Start war nicht mehr allzu lang. Sie bekam ebenfalls die Starterlaubnis und bald darauf saßen Nico und Carla auf ihren gesattelten Pferden und ritten im Schritt umher, um die Pferde bis zum Start etwas warm zu reiten und die Muskulatur zu lösen. Noch zwei weitere Reiter würden mit Ihnen starten. Nico war sehr erstaunt, denn der Mann auf dem großen braunen Pferd hätte sein Opa sein können "Das ist Anton. Er ist
65 Jahre alt und schon seit vielen Jahren Distanzreiter. Es ist halt ein Sport für jeden, egal welchen Alters. Siehst du da drüben den schlanken großen Schimmel? Das ist Feodora, sie ist schon 23 Jahre alt und ist über 6000 Kilometer auf Distanzritten gelaufen", sagte Carla, die ihren Halef einhändig, mit losem Zügel über den Reitplatz ritt. Nico fühlte sich vom ersten Augenblick wie in einer großen Familie. Alle waren da: Kinder, Eltern, Omas, Opas, die unterschiedlichsten Pferde jeder Rasse, Größe und jeden Alters. Es war toll und wahnsinnig aufregend. "Der Start ist frei", rief die Frau, die an einem kleinen Tisch saß. Und im Trab ging es auf die Strecke, die mit einem fast ständig durchgehenden weißen Kalkstrich markiert war. Der Ritt über Stock und Stein ging es über Wiesen, Felder, durch ein kleines Tannenwäldchen und durch eine Wasserfurt. Gut hinter den Büschen versteckt befand sich nach 8 Kilometern die erste Radarfalle. Hier wurden die Pferde dem Tierarzt an der Hand vorgeführt, der Puls wurde gemessen, und mit 72 Pulsschlägen in der Minute innerhalb von 10 Minuten oder mit 64 Pulsschlägen innerhalb 20 Minuten durften die Pferde weiterlaufen. Alles lief glatt und Nico machte es viel Spaß. Ihre Startgruppe hatte sich bereits getrennt, denn Carla wollte ein ruhiges, gleichmäßiges Ritttempo reiten.
Immerhin war es Nicos und Ginos erster Distanzritt. In der Pause, auf ungefähr der Hälfte der Strecke, wurden sie schon von Dirk und Nicos Eltern erwartet. Erst wurde wieder der Puls der Pferde gemessen, dieser musste hier
64 betragen, da die Pause angekündigt und den Teilnehmern somit vorher bekannt war. Beide Pferde hatten gute Werte und Carla zeigte Nico, was als nächstes zu tun war. Die Pferde mussten vorsichtig abgewaschen und warm gehalten werden. So ging Dirk schnell zum Auto und holte die Pferdedecken. Nico war sehr froh, dass sich alle gut um ihn und Gino kümmerten. So hatte er auch Zeit etwas zu trinken und auf Toilette zu gehen. Rucki zucki näherte sich die Pause schon ihrem
Ende: Nachgurten des Sattels und rauf auf den Pferderücken zum Endspurt!
Jetzt zeigte sich, wie sich das Training der Pferde in den letzten Wochen gelohnt hatte. Sie überholten immer mehr Reiter mühelos im gleichmäßigen Trabtempo. Im Ziel angekommen, war Nico froh, da zu sein. Er war nicht einmal erschöpft und auch Gino machte einen munteren, gesunden Eindruck.
Nico war einfach nur glücklich, und noch mehr, als Gino seinen vorletzten Tierarztcheck bestand. "Sehen uns in zwei Stunden wieder", sagte Dr. Sauberberg, der Cheftierarzt. Nico versorgte Gino und dann durfte dieser im Paddock neben Halef seine wohlverdienten Grashalme zupfen. Alle saßen in Paddocknähe, beobachteten die grasenden Pferde und redeten über die zurück liegenden schönen Stunden. "Manöverkritik" nannte Herr Neumann ihr Gespräch.
Carla war eher für "Feuerrunde" und Dirk und Nico nannten es "Rat der Weisen Reiter". So hatten sie viel Spaß; die Zeit verging im Gespräch wie im Flug.
Carla merkte als erstes, wie spät es schon war. Schnell sprangen alle auf und kümmerten sich um Halef und Gino. Gestriegelt, Hufe gekratzt und eine kleine Aufwärmrunde, so standen sie zwei Stunden nach Zieleinlauf wieder bei den Tierärzten zum letzten alles entscheidenden Tierärzte-Check.

Die Stunde der Wahrheit
Nico war so aufgeregt, dass auch Gino anfing rumzuzappeln und die Tierärzte ein hin und her trampelndes Pferd untersuchen mussten. "Puls 56, Atem 32, nun sei mal schön brav. Gleich bist du fertig und kannst wieder in deinen Paddock. " Doktor Sauberberg redete beruhigend auf Gino ein. Als nächstes kontrollierte er die Lungen- und Darmgeräusche, die Beine und Hufe sowie die Sattel- und Gurtlage und machte den Hautfaltentest um zu kontrollieren, ob Gino genügend getrunken hatte. "Alles ohne Befund! So, nun noch am langen Strick im Trab hin und zurück!" Vom Tierarzt weg ging Gino etwas widerwillig im Trab, auf der Rücktour war er allerdings kaum zu bremsen. "Na, du willst wohl schnell zu deinem Freund. " Er klopfte Gino am Hals und wandte sich wieder Nico zu. "Toll gemacht, Junge, dein Pferd ist topfit. " Nico fiel seinem Gino überglücklich um den Hals und nun war Halef an der Reihe. Auch er bestand die Untersuchungen ohne größere Beanstandungen. Aber nicht alle Teilnehmer konnten sich so freuen wie Nico und Carla. Etliche hatten ihre Pferde mit zu hohem Ritttempo überfordert. Die Folge war, dass ihre Pferde nun von Dr. Sauberberg ausgeschlossen wurden, teils wegen Lahmheiten, Pulswertüberschreitung oder Satteldruck. Eine Teilnehmerin war im Galopp an einer Streckenmarkierung vorbei geritten und hatte sich dadurch so stark verritten, dass sie im Ziel so spät ankam, dass sie die Höchstzeit überschritten hatte und somit auch für den Wettbewerb nicht gewertet werden konnte.

Siegerehrung
Nico und Carla brachten die Pferde wieder in ihre Paddocks. Gino und Halef zupften zufrieden am Gras und freuten sich über das bereitgestellte Kraftfutter. Langsam begangen alle Teilnehmer aufzuräumen und alles für die Heimreise im Auto und im Hänger zu verstauen. Einige Plätze waren bereits frei von Reitern, die nicht so viel Glück gehabt hatten wie Nico und Carla mit ihren Pferden. Besagte kamen nicht in die Wertung und zusätzlich gab es noch eine Zehntagessperre für sie. So konnten sich die Pferde erholen und durften nicht gleich am kommenden Wochenende auf einem Distanzritt eingesetzt werden. Nico fand das sehr fair dem Pferd gegenüber, denn er
wusste: Der Mensch konnte viel zu ehrgeizig sein und das kann dem Pferd schaden. Als sie mit aufräumen und einpacken fertig waren, war noch genug Zeit etwas zu Essen und zu trinken. Nico hatte auch noch seine Wertmarken.
Dafür holte er sich eine Bratwurst und einen Sportdrink. Er hatte mit einem Mal großen Hunger und Durst. Der Veranstalter hatte derweil begonnen einen Tisch aufzustellen und dort standen nun die Pokale für die einzelnen Prüfungen, lagen die Platzierungsschleifen und ein großer Haufen Stallplaketten. Durch das Mikrofon wurde kurze Zeit später bekannt gegeben, dass in 15 Minuten die Siegerehrung mit Pferd stattfinde. Nico war sehr gespannt und gemeinsam mit Carla marschierte er los um Halef und Gino zu holen. Für Halef war das alles Routine. Von vielen Veranstaltungen war er schon gewohnt an Strick und Halfter ruhig neben Carla zu stehen. Er war sehr artig im Gegensatz zu Gino, der ständig hin und her laufen und am liebsten jedes Pferd beschnuppern wollte. Die Platzierung begann von hinten nach vorne. Erst wurden die Reiter der Leistungsklassen 4, dann 3, 2 und zum Schluss 1 verlesen. Alle Einführungsritte bis 39 Kilometer werden so bewertet oder nach Pulswerten.
In den Leistungsklassen ist eine Zeitspanne angegeben, die man erreichen muss. Carla und Nico erreichten die Leistungsklasse 1, was sehr gut ist.
Nico bekam zur Erinnerung sogar eine kleine Medaille für den jüngsten Teilnehmer und Carla erhielt zusätzlich zur Stallplakette und Platzierungsschleife die Goldschleife für das beste Mitglied des Vereins Deutscher Distanzreiter. Dort wollte Nico auch bald eintreten. Er hatte seine Eltern schon fast überredet. Denn der Verein hat eine eigene Zeitschrift mit Rittberichten, Terminen und Fachartikeln, belohnt seine Mitglieder mit der Goldschleife und einem geringeren Rittgeld bei den Veranstaltungen. Nico konnte sein Glück kam fassen. Freudestrahlend nahm er die Glückwünsche aller entgegen. Und zum Pressefoto der Heimatzeitung ging er nicht ohne Gino. Herr und Frau Neumann freuten sich mit Nico und wussten, dass ihr Sohn für diesen Sport talentiert war. Nico wusste nach diesem
erlebnisreichen Tag, dass er immer ein Distanzreiter sein würde.

Jeder Tag geht mal zu Ende
Gino graste später artig neben dem Pferdeanhänger, während Nicos Eltern den Paddock abbauten und den Hänger zum Verladen vorbereiteten. Gino bekam noch seine Transportgamaschen an, damit seine Beine vor eventuellen Verletzungen während der Fahrt geschützt waren. Und nun lag es nur noch an Gino, ob die Fahrt gleich losgehen konnte oder ob es noch dauern würde, bis er auf den Anhänger ging. Gino erstaunte alle. Er ging flüssig hinein in das große rollende Ungeheuer. Wahrscheinlich hatte er schon Sehnsucht nach Raswan.
Schon kurze Zeit später begrüßten sich beide freudig und jagten über ihre Koppel. Raswan war ganz verklebt. Er hatte wohl auch einige Kilometer auf der Weide abgelaufen. Frau Neumann sagte zu Nico: "Ab unter die Dusche und schnell ins Bett! Wir kümmern uns um Gino. Du musst morgen fit für die Schule sein. " Nico war froh darüber, denn er war während der Autofahrt schon fast eingeschlafen. Frau Neumann fütterte noch die Pferde, sammelte Pferdeäpfel auf und brachte frisches Wasser auf die Wiese. Als sie damit fertig, war hatte Nicos Papa bereits Auto und Hänger ausgeräumt und die Fahrzeuge geparkt. Jetzt freuten sie sich auf eine Kleinigkeit zu Essen und das Ausruhen auf dem Sofa. Beide waren so stolz auf ihren Sohn und das kleine drahtige Pony, die heute eine tolle sportliche Ausdauerleistung bestanden hatten.

Der Tag danach
Am nächsten Morgen konnte es Nico gar nicht fassen, dass sein Wecker schon klingelte. War er nicht gerade erst zu Bett gegangen? Auf seinem Nachttisch lagen die Stallplakette, die gelbe Schleife und die Medaille. Nicos Augen funkelten. Schnell sprang er in seine Anziehsachen und lief hinaus in den Garten, wo Raswan ihn als erstes erblickte und wiehernd zum Tor gelaufen kam. Gino lag lang ausgestreckt am Boden rollte sich einmal herum, sprang auf alle Viere und tat es seinem Freund gleich. Nun standen beide lauernd am Tor und warteten auf Nico. "Na, ihr Wilden! Hast dich wohl gestern noch nicht genug austoben können, Gino? Ich habe ganz schön Muskelkater von dem 30 Kilometer Ritt, und bei dir ist alles o. k. " Mit prüfendem Blick beäugte Nico Gino von oben bis unten, vom Schweif bis zum Kopf. Ginos Nüstern suchten Nico nach etwas Essbarem ab. "Verfressener kleiner Kerl! Mama füttert euch ja gleich. Du bist das tollste Pferd auf der Welt und mein bester Freund, Gino. " Fröhlich lief Nico ins Haus zurück.

Kleines ABC des Distanzreitens

A
Atmung
In Ruhe atmet ein Pferd 8 - 14 Mal pro Minute. Dieser Wert erhöht sich je nach Leistungsanforderung und Trainingsstand des Pferdes. Messen tut man ihn an den Flanken des Pferdes oder an den Nüstern; denn ein Pferd atmet durch die Nasenlöcher (Nüstern).

B
Bandagen
Zum Schutz der Pferdebeine. Bei Distanzritten nur als Kühlhilfe der Pferdebeine nach einem Ritt geeignet. Dicke Unterlagen aus Baumwolle, Vlies, Watte etc. werden hierbei mit der Bandage umwickelt. Das Wickeln ist fachgemäß auszuführen, da sonst eher Schaden entstehen kann als Nutzen. (Blutstauungen). Die korrekt angelegte Bandage wird mit Wasser angegossen.

C
Crew
Als Crew, auch bekannt als Tross oder TT (Turnier-Trottel), bezeichnet man die Helfer des Reiters, die mitkommen um Pferd und Reiter zu unterstützen. Das können Verwandte, Freunde oder Bekannte sein. Manche Distanzen werden durch gute Trosser gewonnen. Denn werden Pferd und Reiter gerade auf langen Ritten gut gepflegt z. B. bei Bedarf mit Wasser reichlich versorgt, ist dieses Team im Vorteil.

D
Doping
Unter diesem Begriff versteht man jegliche Anwendungen, welche die Leistungsfähigkeit des Tieres erhöhen oder aber auch verringern. Beim Distanzsport ist zur Pflege des Pferdes nur Wasser erlaubt. Als Zusätze zum normalen Futter sind nur Salze, Mineralfutter Öl, Zucker, Vitamine und Elektrolyte erlaubt.

E
Einführungsritte
Alle Strecken von 25 bis 39 Kilometer nennt man Einführungsritte. Sie sollen Pferd und Reiter mit dem Sport vertraut machen. Pferde ab 5 Jahren dürfen hier starten. Gewertet wird nach Leistungsklassen 1 - 4 oder Pulswerten.

F
FN
Ist die Abkürzung für Federation Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V. ihr gehört auch der Verein Deutscher Distanzreiter an (VDD). Von der FN aus wird der Deutsche Reitsport organisiert.

G
Gerte
Der Missbrauch der Gerte kann auf einem Distanzritt zum Ausschluss führen. Auf manchen Ritten ist von vornherein keine erlaubt.

H
Haftpflichtversicherung
Eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung ist ein unbedingtes Muss für jeden Pferdehalter. Schnell hat ein Pferd einen Schaden verursacht; bedenke immer: Es ist ein Fluchttier.

I
Impfungen
Um vor Infektionskrankheiten einen guten Schutz zu haben, werden auch Pferde geimpft. Gegen Wundstarrkrampf (Tetanus), Tollwut, Herpes oder Influenza kann geimpft werden. Bei vielen Veranstaltungen ist Impfpflicht.

J
Jugend
14jährige Jugendliche dürfen generell an Distanzritten teilnehmen.

K
Kinder
Unter 14 Jahren brauchen Kinder einen Reiterpass oder einen Einführungsritt in der Wertung, um auf Distanzritten starten zu dürfen.

L
LPO
Steht für Leistungsprüfungsordnung. Hier sind alle Durchführungsbestimmungen für Veranstaltungen geregelt. Das Reglement des VDD ist Bestandteil der LPO. Wichtig für alle Reiter, Fahrer, Veranstalter und Richter.

M
Mash
Das Lieblingsessen so manchen Pferdes. Es besteht aus Weizenkleie, Quetschhafer, Melasse, Salz und Kräutern nach Geschmack; z. B. Brennnessel, Thymian, Kamille. Mit heißem Wasser zu einem Brei aufgebrüht. Zugedeckt auf Handwärme abkühlen lassen, wird es den Pferden warm gefüttert. Auch für kranke Pferde besonders geeignet.

N
Nennung
In der Ausschreibung zu einer Distanzveranstaltung ist der Nennungsschluss bekannt gegeben sowie die Nenngebühr festgelegt. In einem speziellen Nennungsformular meldet man sich beim Veranstalter zur Teilnahme am Ritt an.
Dies ist nötig, damit der Veranstalter weiß, mit wie vielen Teilnehmern er rechnen kann. Nur so kann er vernünftig planen.

O
Offenstall
Im Offenstall fühlen sich Distanzpferde besonders wohl. Sie sind gerne ständig in Bewegung und das ist im Offenstall mit Paddock möglich. Aber auch der Unterstand nach getaner Arbeit, kalter, nasser Witterung oder großer Hitze ist hier kein Problem.

P
Pulswerte
Der Ruhepuls liegt bei 28 bis 40 Herzschlägen in der Minute. Auf Distanzritten dürfen die Laufwerte deutlich höher liegen. Allerdings muss sich das Pferd innerhalb von 10 Min. auf Puls 72 oder innerhalb 20 Min. auf Puls 64 beruhigt haben. Den Puls misst man mit der Hand, einem Stethoskop oder mit einem Pulsmessgerät. Zu fühlen ist er in der Gurtlage, an der Schweifrübe oder zwischen den Gamaschen.

Q
Quarantäne
Wer im Ausland reiten möchte, muss sein Pferd je nach Landesbestimmungen unter Quarantäne stellen. Um Seuchen vorzubeugen, wird das Pferd isoliert und beobachtet. .

R
Reiterabzeichen
Seit 2000 gibt es die Distanzabzeichen in den Stufen 1 - 3. In der Ausbildungsprüfungsordnung, kurz APO, sind die Bedingungen und Anforderungen nachzulesen. Die Abzeichen sind eine zusätzliche freiwillige Reitausbildung zum Wohle der Pferde.

S
Sonderprüfungen
Der Veranstalter kann in seiner Ausschreibung auch Sonderprüfungen mit einbringen, wie z. B. Auslassen von einem Wasserdurchritt: 10 Strafminuten.

T
Tierärzte
Auf Distanzritten sind die Tierärzte die Richter. Ihre Entscheidung ist unanfechtbar. Sie entscheiden für das Pferd, ob es reit- oder fahrtauglich ist

U
Untugenden
Das sind z. B. buckeln, steigen, schlagen, nicht verladefromm, nicht halfterführig usw. Pferde können über jede Menge Untugenden verfügen. Bei Distanzritten ist es allerdings förderlich, wenn das Pferd so wenig unangenehme hat wie möglich. Zuhause sollte man sich frühzeitig mit diesen Angewohnheiten auseinander setzen und nicht auf einer Veranstaltung.

V
Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer Kurz VDD - ist 1976 gegründet worden und wurde 1981 Anschlussverband der FN. Der VDD ist der Ansprechpartner für Reiter, Fahrer und Veranstalter. Über seine Regeln werden Ritte durchgeführt und genehmigt. Eine Mitgliedschaft ist allerdings nicht unbedingt notwendig, um an einer Veranstaltung teilzunehmen.

W
Wurmkur
Fast jedes Pferd ist von Würmern befallen. Wurmbefall ist immer ernst zu nehmen, da die Würmer im Pferd wichtige Organe befallen. Im schlimmsten Fall muss es dann getötet werden. Deshalb sollte das Pferd regelmäßig entwurmt werden. Der Tierarzt verordnet je nach Wurmbefall (festgestellt z. B. durch Kotuntersuchung) die richtige Wurmkur. Ratsam ist, das Pferd nicht vor einem Distanzwettbewerb damit zu belasten.

X
Xenophon
Xenophon war ein Grieche. Er erschuf die erste Reitlehre der Welt.

Y
Youngster Cup
Bei vielen Distanzveranstaltungen bekommt der jüngste Teilnehmer einen Sonderpreis oder Pokal.

Z
Zähne
An den Zähnen des Pferdes kann der Tierarzt das Pferdealter bestimmen. Er wird es auf jeden Fall kontrollieren, damit kein zu junges Pferd in einem Wettbewerb startet.



Eingereicht am 27. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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