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Ein dicker Hund

Von Kornelia Jäger


Die meisten Leute nennen mich Töle, Kläffer oder Köter, aber das geht mir so ziemlich am Fell vorbei. Schließlich habe ich den besten Freund des Hundes schon längst gefunden, und das ist Walter. Walter und ich leben nun schon acht Jahre zusammen. In seiner Gesellschaft vergesse ich fast, dass ich ein Hund bin. Wir schlafen im gleichen Bett, wir essen an einem Tisch und wir lieben lange Spaziergänge. Klar, Walter geht nur auf seinen Hinterpfoten und er kann Auto fahren, was soll's, dafür kann er nicht mit den Ohren wackeln und auch keinen Ärger drei Kilometer gegen den Wind riechen. Das war auch so als Renate in unser sorgenfreies Leben platzte.
Wir waren mal wieder bei einem unserer ausgiebigen Spaziergänge. Nichtsahnend trotteten Walter und ich durch den Wald, als diese tollpatschige Frau uns mit dem Fahrrad entgegen kam. Eigentlich hab ich sie noch gar nicht beachtet als direkt im Feld neben mir ein Kaninchen auftauchte. Wie es nun mal meine Natur ist wollte ich nur mal schnell hinterher, um zu sehen was der alte Hundekörper noch so hergibt. Ich setze zum Spurten an von schräg links nach rechts und plötzlich kommt doch diese unbeholfene Radfahrerin direkt auf meiner Höhe ins Straucheln. Ich guck noch so, da fällt sie auch schon vom Rad mitten auf den Waldweg. Sie stürzt, Walter auch, natürlich zu ihr hin. Völlig heldenhaft greift er ihr unter die Arme, hilft ihr auf und entschuldigt sich für mich. Entschuldigt sich für mich! Ein dicker Hund ist das. Sie kann doch nicht Rad fahren, was hab ich damit zu tun?
Tja, so kam das. Für Walter und Renate der Anfang einer großen Liebe, für mich zurück ins Hundeleben. Die schläft in meinem Bett, die isst an meinem Tisch und die geht jetzt spazieren ohne Rad. Aber mit den Ohren wackeln kann die auch nicht!
Zu allem Übel, brachte Renate auch noch drei Kinder mit. Die große Blonde geht ja noch, ist meistens sowieso nicht daheim. Aber die beiden kleineren Gestalten können ganz schön nerven. Gib Pfötchen hier, mach Männchen da, hol Stöckchen her, bring Zeitung weg, usw. usw. Mich hätte diese Familie ja nicht hinterm Ofen hervor gelockt, aber Walter ist eben kein Hund, das steht jetzt fest, obwohl er besser apportiert als ich. Nun ja, wenn es meinen Freund glücklich macht, will ich mal nicht so sein, denn sollte er irgendwann mal wieder auf den Hund kommen, werde ich für ihn da sein.


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Eingereicht am 16. Juli 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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