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Ich wollte eigentlich nur Futter kaufen!

Von Katharina Schwarz


Ursprünglich fing alles ganz harmlos an. Mein Junior wünschte sich zum Geburtstag eine Ratte. Nun ja. Es war sein 15., also sollte er ja auch genug Verantwortungsbewusstsein haben, sich alleine um ein Tier zu kümmern. Mein Mann, ich, der Große und der Kleine fuhren also gemeinsam zum Zoogeschäft. Nachdem die Ratte ausgesucht war (eigentlich fand ich diese Tiere nicht unbedingt so ansprechend!), ging ich "zufälligerweise" an den Hamstern vorbei. "Guck mal! Ist der nicht süß?" Mit meinem Unschuldsaugenaufschlag sah ich meinen Mann an. "Ist gut, such einen Käfig aus, wir nehmen den kleinen Kerl mit." Mein Mann kann mir einfach nichts abschlagen, wenn ich ihn so ansehe. Der kleine schwarze Hamster wurde Chagall getauft, die Ratte Hexe.
Nach einer Woche fiel mir auf, dass Chagall unheimlich einsam aussah, zumal ich auf dem Dachboden meines Elternhauses noch meinen alten Hamsterkäfig fand, der logischerweise nicht länger sinnlos herumstehen sollte. Chagall bekam eine cremefarbene Hamsterfrau, Magda. Natürlich durften die beiden auch immer zusammen spielen und so kam es, dass wir auf einmal Nachwuchs hatten. Insgesamt bekamen wir dann vier Hamsterkinder, von denen wir zwei weitervermitteln konnten. Da mein kleiner Junior die Ratte hatte, bekam der Große eines der Hamsterkinder und für den vierten im Bunde wurde bei Ebay günstig ein Käfig gekauft. Tja, der Käfigkauf war mein erster Sofortkauf und ich hatte irgendwie was falsch gemacht, auf jeden Fall hatte ich dann aus Versehen zwei Käfige gekauft. Och, den vierten Käfig könnten wir doch auch noch mit Leben füllen, oder? Wieder ein Besuch im Zooladen und der nächste Hamster zog ein.
Das Hamsterkind Sergio war jedoch nicht unbedingt sehr gesund, er lebte nämlich nur 4 Monate. Wieder ein leerer Käfig. Den bekam dann Magda, da ich den alten Dachbodenkäfig entsorgen wollte. Inzwischen war es Sommer geworden, mein Junior fand das Schwimmbad wesentlich interessanter als die Ratte und es kam wie es kommen musste, Hexe zog in unser Wohnzimmer. Da der Käfig aber zu breit war, wurde kurzerhand eine schmale, aber hohe Voliere gekauft. Diese große Voliere war aber eigentlich viel zu groß für nur eine Ratte… Nochmals ein Besuch im Zoogeschäft und Hexe bekam einen Mann. Hach, inzwischen hatte ich mich natürlich unsterblich in die Ratten verliebt und fand es total prima, die beiden unter meinem Pulli herumwuseln zu lassen. Übrigens, als wir Ghandi, den Rattenmann, kauften, konnte ich natürlich nicht einfach so an den Hamstern vorbeilaufen. Erneut ein unschuldiger Augenaufschlag zu meinem Mann. "Ja, ist gut, wir nehmen die graugemusterte Hamsterdame mit." Wir hatten ja noch den Dachbodenkäfig als Übergangslösung. Abermals ein kurzer Besuch bei Ebay und die graue Hamsterdame, Sarah, bekam ein neues zu Hause.
Drei Wochen später kündigte ein leises Fiepen in der Rattenvoliere an, dass sich Nachwuchs eingestellt hatte. 6 prächtige Burschen und zwei süße Mädels. Die Jungen konnten wir abgeben, die beiden Mädchen blieben bei uns. Als wir mal wieder unseren Zooladen besuchten, wir wollten NUR Futter kaufen, fielen uns drei lustige Tiere ins Auge. Eine kurze Nachfrage beim freundlichen Zooverkäufer, inzwischen sind wir per Du, ergab, dass es sich um Degus handelte und dass ganz zufälligerweise noch eine leere gebrauchte Voliere unheimlich günstig zu haben sei. Ich glaube, es war der heißeste Sommertag und alle normalen Menschen waren in Schwimmbädern oder an diversen Seen. Wir waren zu Hause und räumten die Wohnung um, die Voliere braucht Platz! Um mal kurz Resümee zu ziehen, wir hatten zu diesem Zeitpunkt drei Degus, vier Ratten und fünf Hamster, das Hamsterkind meines großen Juniors war inzwischen auch in unseren Bereich eingezogen. Um eine Fortpflanzungsexplosion der Ratten vorzubeugen wurde Ghandi kastriert. Allerdings zu spät. Einige Wochen später bekam Hexe 3 Mädchen und zwei Jungs. Und die waren natürlich auch total süß und weil ich mich mit den Ratten so gerne beschäftigte, hatte ich mich natürlich total in die 5 Kinder verliebt. Wir sorgten vor und sobald der Geschlechtstrieb einsetzte, wurden die beiden Jungs kastriert. Puh! Diesmal rechtzeitig! Zwischenzeitlich starb der kleine Chagall an Hodenkrebs, bzw. mussten wir den kleinen Kerl einschläfern. Ich war untröstlich. Mein Mann konnte das nicht mit ansehen und wir besuchten mal wieder unseren Zooladen: Alfred, ein putziger kleiner handzahmer Hamster zog in den leeren Käfig.
Dann passierte etwas. Es fing wie ein harmloser Schnupfen an, der nicht mehr wegging. Natürlich schob ich es zunächst auf diverse Gräserpollen, die durch die Luft flogen. Im Herbst waren aber keine Pollen mehr unterwegs und zu dem heftiger werdenden Schnupfen gesellten sich so langsam Atemprobleme. Ein Besuch beim Hautarzt brachte dann das Ergebnis: ich war hochgradig gegen die Ratten allergisch und das so schlimm, dass ich sogar lebenslanges Asthma davon tragen könnte, bzw. sogar an einem allergischen Schock sterben konnte. Egal wie viele Tränen ich vergoss, es half nichts, die Ratten mussten weg. Ganz ehrlich? Es war für mich unheimlich grausam, die geliebten Tiere in gute Hände abzugeben und während dieser Zeit habe ich mehr geweint, als die Jahre zuvor.
Die Degus wurden in die schmale Voliere einquartiert und die große Voliere verkauft. Der so entstandene Platz in unserer Wohnung war wie geschaffen für… jawohl, ein Katzenkratzbaum. Katzen bekommt man nicht im Zooladen, aber dafür die Adresse eines guten Tierheimes. Tiger, eine Mischung aus Hauskatze und Wildkatze ist total verschmust und ein sehr angenehmes Haustier. Beschäftigung hat er genug. Entweder guckt er einen der fünf Hamsterkanäle, den Degukanal oder das lustige Katzen-TV, auch Aquarium genannt. Habe ich schon erwähnt, dass mein Mann eine Vorliebe für Fische hat? Die Fische gefielen uns so gut, als wir im Zooladen nach der Adresse des Tierheimes fragten…
Letzte Woche starb Magda. Der Käfig steht noch immer leer, schließlich kaufe ich inzwischen das Tierfutter über Zooplus im Internet. Mein Mann findet das einfacher, als vorher im Zooladen anzurufen und dem Verkäufer zu sagen, er soll mir bloß nichts Lebendes verkaufen. Vielleicht verkaufe ich den Käfig, aber was mache ich mit dem geschaffenen Platz? Ich glaube, Wellensittiche sollen ja auch ganz süße Tiere sein. Oder vielleicht eine zweite Katze? Mein Mann ist nämlich eifersüchtig, dass Tiger immer an meiner Seite liegt, wenn wir abends auf der Couch liegen. Mal sehen, vielleicht gehen wir morgen doch mal ins Zoogeschäft, ich bräuchte mal wieder ein paar Leckerlis für die Hamster…



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Eingereicht am 27. Februar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.