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Jimmy der Elefant

Von Ina Meier


Jimmy der Elefant erzählt:
"Heute ist ein schöner Tag! Wie jeden Tag wasche ich mich morgens in meinem Bach, direkt vor meiner Haustür. Eigentlich spiele ich dabei lieber als dass ich mich wasche. Ich puste das Wasser hoch in den Himmel, und dann laufe ich, so schnell ich kann, weg, damit das Wasser nicht auf meinem Kopf landet. Elefanten lieben es nämlich, mit Wasser zu spielen - und ich ganz besonders!"
"Igitt, wer war das?", schreit da die Maus wütend, sie hasst nämlich Wasser.
"Entschuldige, Maus, ich spiele nur mit dem Wasser! Du kannst mitspielen, wenn du möchtest."
"Ich soll mit dir in das kalte Wasser gehen? Du spinnst wohl, Jimmy!"
"Warum nicht, Maus?!", lacht Jimmy, "es gibt doch nichts Schöneres, als mit meinem langen Rüssel das Wasser in die Höhe zu spritzen. Komm, Maus, stell dich neben mich! Jetzt passe gut auf: Wenn ich das Wasser hoch in die Luft spritze, rennen wir beide so schnell wir können, ja? Hast du alles verstanden?"
"Nein, nein, da mache ich nicht mit, Jimmy", wehrt die Maus sich.
Aber zu spät, das Wasser klatscht ein zweites Mal auf sie.
"Jetzt habe ich aber genug von deinen Späßen! Schau mich an wie ich aussehe, klitschnass bis auf mein Unterhemd bin ich", schimpft sie nun.
"Ha, ha, ist das lustig! Ich habe gewonnen", amüsiert sich Jimmy.
Doch die Maus ist immer noch sauer und befiehlt: "Du bringst mir sofort ein Handtuch, hast du verstanden, Jimmy?"
"Mit dir kann man überhaupt nicht spielen, keinen Spaß verstehst du, Maus", Jimmy ist enttäuscht, dass keiner seine Wasserspiele toll findet.
"Hier hast du ein Handtuch, Maus", lenkt er dann ein und schlägt nach einer Weile vor: "Wir können ja etwas anderes spielen. Wie wär's denn damit: Ich renne weg und du fängst mich."
"Sag mal, Jimmy, spinnst du jetzt völlig?" Nun ist die Maus erst recht wütend. "Wie soll ich, eine kleine Maus, einen großen dicken Elefanten fangen?"
"Hm", überlegt Jimmy, "da hast du wohl Recht, du würdest mich nie fangen, und ich gewinne dann wieder. Was schlägst du also vor, Maus?"
"Lass mich mal überlegen, vielleicht sollten wir uns eine dicke fette Torte backen. Ich habe nämlich noch nicht gefrühstückt und sterbe vor Hunger."
"Das ist eine tolle Idee, Maus, ich könnte auch eine große Torte verspeisen." Jimmy ist von dieser Idee begeistert.
"Schnell, Jimmy, wir gehen in dein Haus und suchen uns alle Zutaten, die wir brauchen. Na komm schon, Jimmy, ich habe Hunger", einmal entschlossen, gibt es für die Maus kein Halten mehr.
"Jetzt schubse mich doch nicht, Maus, ich komm ja schon."
"Zuerst brauche ich eine große Schüssel", verlangt die Maus und sieht sich prüfend im Elefantenhaus um.
"Die steht da hinten auf dem Tisch, Maus." Jimmy holt die Schüssel und gleich noch den Rührlöffel dazu. Die Schüssel gibt er der Maus, den Löffel behält er für sich.
"Nein, den Rührlöffel möchte ich haben, Jimmy", verlangt die Maus sofort.
"Na gut, dann hole ich eben noch einen Rührlöffel", gibt Jimmy nach. Dann schaut er in Kühlschrank und Vorratskammer nach Zutaten für die Torte.
"Ich habe Butter, Mehl, Zucker, Eier, Sahne, Erdbeeren und Pudding", zählt er auf.
"Das reicht, Jimmy! Wir machen eine leckere Erdbeertorte", ruft die Maus begeistert.
Während sie beginnt, die Zutaten in die Schüssel zu geben, kramt Jimmy noch schnell eine Bäckermütze aus seinem Kleiderschrank hervor. Er setzt sie sich auf den Kopf und geht zum Küchentisch zurück.
Als die Maus ihn sieht, lacht sie schallend: "Was hast du den auf deinem Kopf?!"
"Du brauchst gar nicht so zu lachen, Maus, ein Bäcker braucht auch eine Backmütze."
"Eine Backmütze, habe ich ja noch nie gehört", die Maus hält sich den Bauch vor Lachen.
"Ich bin der Bäckermeister Jimmy! Was gibt es denn da zu lachen, Maus?", ärgert sich Jimmy.
"Ja, ja, von mir aus kannst du der Bäckermeister Jimmy sein", die Maus hat sich wieder beruhigt, "die Hauptsache ist schließlich, dass die Torte wie vom Bäckermeister schmeckt. Also los, machen wir endlich weiter, sonst muss ich noch verhungern."
Maus und Jimmy schütten nun auch noch die restlichen Zutaten in die große Schlüssel und rühren den Teig schön glatt und schaumig.
"Das reicht, Maus, bringe mir bitte die Backform, die steht da unten im Schrank."
"Ei, ei, Bäckermeister Jimmy, ich eile schon, bitte schön die Form."
Die Maus bringt die Form herbei und der Teig kommt hinein. Dann kommt er ab in den Backofen.
"Darf ich die Teigschüssel ausschlecken, Jimmy?" fragt die Maus.
"Von mir aus, aber lass mir auch noch etwas zum Schlecken übrig."
"Ja, ja", antwortet die Maus und verschwindet eilig mit der Teigschüssel nach draußen.
Jimmy bereitet in der Zwischenzeit den Pudding zu und wäscht die Erdbeeren.
Zufrieden betrachtet er sein Werk: "So, jetzt ist auch der Boden bald fertig. Hm, sieht das lecker aus, ich kann es kaum noch abwarten, bis die Torte endlich fertig ist!"
Plötzlich fällt ihm etwas ein. "Maus, bringe mir bitte die Schüssel zum Schlecken!", ruft er nach draußen.
"Oh, oh, oh!", klingt es von dort.
"Was hast du, Maus"?
"Ich habe geschleckt und geschleckt - und auf einmal war die Schüssel leer! Und jetzt habe ich Bauchschmerzen!", jammert die Maus.
"Das schadet dir gar nichts, Maus, du solltest ja nicht alles alleine ausschlecken, oder?" Jimmy ist ein bisschen sauer.
"Nein, Jimmy, es tut mir leid." Ganz kläglich blickt die Maus zu ihm hoch.
"Schon gut, Maus, ich koche dir einen Kamillentee", lenkt Jimmy ein.
Während die Maus Kamillentee schlürft, belegt Jimmy die Torte mit Pudding und Erdbeeren. Im ganzen Haus riecht es jetzt nach frischer Erdbeertorte.
"Maus, unsere Torte ist fertig, möchtest du ein Stück probieren?", bietet er seiner Freundin an.
"Mir ist noch immer schlecht, ich gehe nach Hause und lege mich ins Bett. Du kannst die Torte alleine essen", sagt die Maus traurig.
"Ich wünsche dir gute Besserung. Kommst du morgen wieder zum Spielen?", fragt Jimmy.
"Ja, und alleine werde ich nie wieder den Teig ausschlecken! Ich habe mich so auf die Torte gefreut und morgen ist sie bestimmt schon alle", ärgert sich die Maus über ihre eigene Dummheit.
Am anderen Morgen, ganz früh, läuft sie zu Jimmy und verkündet: "Dein Tee hat mir gut geholfen, meine Bauchschmerzen sind weg! Wollen wir eine neue Torte backen?"
"Schön, dass es dir wieder gut geht. Aber eine Torte können wir nicht machen, ich habe keine Backzutaten mehr."
"Schade, so gerne hätte ich Torte probiert! Hat sie gut geschmeckt, Jimmy?
"Keine Ahnung, Maus", antwortet Jimmy kurz.
"Wie, du hast keine Ahnung! Du musst doch wissen, wie die Torte geschmeckt hat", wundert die Maus sich.
"Du glaubst doch nicht, dass ich die Torte ohne dich esse! Die haben wir doch zusammen gebacken, also essen wir sie auch zusammen. Schau mal in den Kühlschrank."
Maus traut ihren Augen nicht: Tatsächlich, da steht ja die Torte, und kein einziges Stück fehlt!
Schnell decken sie nun den Tisch und lassen sich ihre erste Torte schmecken. Maus bekommt noch eine Backmütze von Jimmy geschenkt: "Wenn wir wieder backen, hat jeder seine eigene Mütze."
"Danke für die Backmütze, Jimmy, sie sieht gar nicht albern aus, sondern sehr schön."


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Eingereicht am 09. Februar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.