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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

So hat das Leben einen Sinn?

Eine Kurzgeschichte von Martin Smounig


Du hast es geschafft!
In einer Woche hast du dein Pensionsalter erreicht und kannst endlich in deinen wohlverdienten Ruhestand treten.
Eigentlich solltest du glücklich sein, aber..., tja, aber glücklich bist du schon lange nicht mehr.
Du hast zwar ein Haus, zwei Autos, ein Boot und sonst noch vieles, das du dir mit deinem schwer verdienten Geld gekauft hast.
Du hast auch eine Familie.
Ja, eine Frau die du sehr liebst, aber im Grunde genommen gar nicht mehr richtig kennst, da du ja Tag und Nacht bei der Arbeit warst.
Und deine Kinder, die dann und wann mal wieder bei euch vorbeischauen, aber wie sie groß geworden sind hast du leider verpasst, da du ja nicht einmal am Wochenende für sie da warst.
Und so blickst du zurück auf ein Leben voller Arbeit. Eine Arbeit, die dich eigentlich schon seit langem nicht mehr glücklich gemacht hat.
Wie oft bist du am Morgen aufgestanden und hast dich gefragt, ob es so noch einen Sinn macht? Unzählige Male!
Du hast den Beruf zwar erlernt weil er sehr interessant war und weil es ein Beruf war, der noch gut bezahlt war.
Aber auch der damals so interessante Beruf hat sich verändert. Verändert in einen Stressberuf, der dich komplett einverleibt hat, aber immer noch gut bezahlt ist.
Gut bezahlt, ja das waren auch die Worte die dein Chef immer benutzte, wenn du mit ihm über deine Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sprachst, die du gerne ein wenig geändert gehabt hättest, damit du ein wenig mehr Zeit für deine Familie gehabt hättest.
Aber nun fragst du dich, was dir das ganze Geld gebracht hat.
Denn die Zeit, die du nicht bei deiner Familie warst, und deine Gesundheit, die du dir durch das pausenlose Arbeiten ruiniert hast, kann dir das ganze Geld nicht mehr zurückbringen.
Und wieder fragst du dich: ob dies alles einen Sinn macht.
Du musst nicht lange überlegen um zu dem Schluss zu kommen, dass es so eigentlich keinen Sinn gemacht hatte, ja, dass es eigentlich mehr Sinn gemacht hätte, wenn du schon vor langer Zeit deinen Job gewechselt hättest.
Damals, als die Arbeit begonnen hatte, weder Familie noch Freizeit zu akzeptieren.
Damals, als du dich jeden Tag aufs neue quälen musstest um dorthin zu gehen.
Damals, als du durch die viele Arbeit deine Freunde verloren hattest, da du für sie keine Zeit mehr hattest.
Damals als dein Lebensqualität durch deine Arbeit stark nachließ.
Ja, damals, als du noch jung gewesen warst um deinen Arbeitsplatz zu ändern - in eine Arbeit, bei der dein Leben auch noch Platz für eine Familie, für Freunde und Freizeit, ja, einfach für Lebensqualität gehabt hätte.
Aber nun ist es zu spät dafür.
Denn eine Woche vor deiner Pension lässt sich die verlorene Zeit nicht mehr aufholen.
Auch kannst du deine Gesundheit nicht mehr zurückgewinnen, die du durch das pausenlose Arbeiten ruiniert hast. Deine Gesundheit ist wirklich ruiniert, denn schon wieder hast du dieses Geräusch in den Ohren. Dieses lästige Klingeln, das du jedes Mal hörst wenn...
Ja, das lästige Klingeln das du jedes Mal hörst wenn der Wecker klingelt und dich zu genau dem Beruf bringen will, von dem du gerade geträumt hast.
Ja, das lästige Klingeln des Weckers, der dich gottlob aus diesem Traum gerissen hat.
Einen Traum, den du im wirklichen Leben ändern kannst, ja ändern musst, wenn du nicht eines Tages, eine Woche vor deiner Pension, die selben Gedanken haben willst, die du gerade in deinem Traum durchlebt hast.
Ja, ein Leben, das du ändern musst, wenn du später einmal sagen willst: "So hat das Leben einen Sinn gehabt."




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Eingereicht am 06. Dezember 2003.
Herzlichen Dank an den Autor.
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