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Helogland, Du kommst mir!

Eine Kurzgeschichte von Loepe


Vom ersten Eindruck noch völlig erschlagen, nehme ich zur Kenntnis, mehr langsam, ja bedächtig, dass ich zwar körperlich anwesend, mental aber längst nicht in der Lage bin, wirklich zu begreifen, was da mein Gemüt zur Explosion bringen will.
So, als wollte ich diesen Umstand nicht zur Kenntnis nehmen, versuche ich, diesen mich schier zermalmenden Eindruck aufzusaugen, mit beiden Händen festzuhalten, in meinem Rechner zu speichern, ja dafür Sorge zu tragen, dass er mir um alles in der Welt nicht mehr verloren geht.
Ein riesiges Monument, ein mächtiger Flieger, ja so eine Mischung aus Starfighter und Boeing 747 ist es, das sich da ausbreitet, von der Unter- zur Oberinsel in sattem Grün aufsteigend, jedenfalls von unten her in sattem Grün beginnend und nach oben hin in kargem, fast rotem Sandsteinfelsen endend.
Etwa in der Mitte des linken Flügels verkünden zwei riesige Krater die Gefangenschaft; wie von Bomben glatt gesprengte Löcher kommen sie daher, zur Tarnung satt eingegrünt.
Während dessen bedroht eine gewaltige Sturmflut, die sich tosend durch überdimensionales Meeresrauschen ankündigt, und schützt der Fels in der Brandung am oberen Ende der Insel.
Auf der Unterinsel vor dem ersten, moosig grünen Damm, der wohl die Häuser der Ureinwohner von den Wohnungen der Feriengäste trennen will, geben sich in Reihe und auch übereinander angeordnet so was wie Ferienwohnungen irgendwie nur schemenhaft zu erkennen, so als wollte sich das Gesamtbild dem Betrachter um keinen Preis der Welt verschandeln.
Vorne, in der Spitze des Fliegers, also am Ende der Oberinsel, steht die Lange Anna, ein Fels im Fels und in der Brandung.
Den Widerspruch herausfordernd, erhebt sie sich ganz in der Ferne und als vermeintlich höchster Punkt der Insel, aber auf jeden Fall als so etwas wie die Zugspitze von Helgoland.
Gleichzeitig wird die monumentale Vision, mehr rechts und links als in der Mitte, von kräftig pulsierenden Lebensadern durchdrungen, die dafür sorgen, dass sattes Grün und pralles Leben jederzeit die Sinne erfreut.
Dieses herrliche Ungetüm, das sich jedoch und jederzeit als Insel preisgibt, da von Wassern mal stürmisch umspült, mal sanft umspielt, kennt keine Gnade!
Es nimmt dich gefangen, ja legt dich in Ketten und zwingt dich, den von Lust durchtränkten und von Gefühlswallungen durchwirkten Betrachter, bis zum nicht absehbaren Ende auszuharren, das nicht wirklich in Worte fassbare Farbenspiel dieses verzückenden Ereignisses mit bittersüßem Schmerz zu ertragen.
Zwingt dich, den Fassungslosen, das von den Gezeiten komponierte und von kriegslüsterner Menschenhand manipulierte Manifest der Evolution und seiner Erben mit allen Sinnen aufzusaugen und darin zu ertrinken.




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Eingereicht am 11. Juli 2003.
Herzlichen Dank an den Autor.
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