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Skundige Legenden - Von den Weltwürmern

© Manuel Sebastian Dold


Am Anfang waren die Urwürmer. Dann ward es Skund. "Ich wäre aber lieber etwas mit Schwingen und Greifen geworden." So fragten die Götter des Anfangs jedes der damals noch gleichen Wesen, was es gerne sein würde. "Eigentlich würde ich ja gerne ein Urwurm bleiben." "In Ordnung, du sollst Schwingen und Greifen bekommen." "Und ich möchte gerne warden ein Deutschlehrer, auf dass ich Wissen und Weisheit unter die Dinge bringe." "Ich wäre aber lieber etwas mit Schwingen und Greifen geworden." "Wir von der Urwurmfraktion haben jetzt eine eigene Lobby gegründet, die auf orangene Haut, Ringsegmenten und mindestens einem Oberschlundganglion besteht." "Moment einmal. Nicht drängeln! Wer war das jetzt mit den Schwingen und Greifen?" "Was sind denn eigentlich Greifen?" Natürlich - dass muss man zugeben - warden die Würmer, die Boden warden, nicht allzusehr gefragt. "...mit graziler Schönheit der Geschwindigkeit und einem stolz erhobenen Haupt." "In Ordnung. Ihr warded Boden." "Und niemand soll ,warden' mehr sagen, außer mir. Hihihihi!" "Nicht, dass ich mich beschweren möchte, es ist ja nur so, dass ich eben lieber Schwingen und Greifen hätte." Dafür benannte man nach ihnen allerdings das erste Kapitel der heiligen Schriften. Doch schon bald begannen die Götter des Anfangs in ihrem Neid, sich selbst fetzige Namen zu geben, denn man musste ja auch an später denken. Bis Algris zu seinem unehelichen Bruder Algon sprach: "Was klatschst du denn da für unförmige Gestalten zusammen." "Nein, nein, nicht stören! Ich krieg das hin! Oh, shit, shit, shit!" erwiderte da dieser. Alegron, selbsternanntes Haupt aller Götter und Gott unerschöpflicher Finanzen, investierte zu dieser Zeit zusammen mit seiner Mitstreiterin, der selbsternannten Halbgöttin Algia, sehr viel Mühe in die kunstvolle Ausarbeitung der Konzepte von Inzucht und Inzest. Die Urwürmer waren bereits fast vollständig in Vergessenheit geraten, während Alegrons jüngerer Schwager Nickel feststellte, was für einen Spaß es ihm bereitete, derartige Verhaltensweisen in systematischen Schaubildern festzuhalten. Als Alegron - Vater aller Götter - nun seinen Schwippsschwager und Sohn Algon sah, wie dieser sprach: "So nenne ich euch eben, wie ihr seid, Manschen..." "Menschen!" "...und du sollst heißen Frau und du sollst heißen Mann", da begann er zu lachen. Er prustete und schnaubte, verfiel in kurzzeitiges Kichern, um gleich darauf wieder mit einer solchen Intensität von neuem zu Beginnen, dass alles Flehen und Hilfen seiner Kinder nichts half, und er schließlich mit einer gräßlichen Blähung tot hernieder sank. Doch während all dies geschah, sprach der Mann unbemerkt: "Und ich möchte sein, rauh und von solch einer Stärke, dass mir die Frau auf ewig unterliegt." Worauf die Frau sprach: "Und ich möchte sein, von solch unschuldiger Zierde, dass nie ein Mann darauf kommen wird, wie ich es bin, der ihn durch Hinterlist beherrscht." "Oijoijoijoi!" Doch selbst, wenn ihnen mehr zugehört hätten, als ein Deutschlehrer, oder ihr Wunsch sich tatsächlich erfüllte, so vermischte sich ihr Blut innerhalb weniger Generationen doch so schnell, das er Unterschied ihrer Arten bald nicht mehr zu merken war. Unterdessen sah Nickel seine Aufstiegschancen und begann damit die Götter umzuorganisieren.



Eingereicht am 14. März 2006.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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