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1. Teil - Unsere erste Fahrt mit Mobbel in den Spreewald

Von Kerstin Schwarz


Schon die Vorbereitungen für unseren Ausflug waren chaotisch. Unser Wohnmobil, welches wir erst von einem Gebrauchtwarenautohändler erworben hatten, musste erst mal ausgestattet werden.
Was braucht man da nicht alles? Klopapier, Haarwäsche, Seife, Schere, Besteck, Butterdose, Zahnbürsten, Teller usw. und sofort. Eben einen komplett neuen Haushalt.
An was man da alles denken muss!? Tja, und dann noch die Kleinigkeiten in Form von Ess- und Trinkbarem. Natürlich musste dies erst im Kühlschrank in der Wohnung zwischengelagert werden, denn ohne Strom ist auch im Wohnmobil nichts los.
Endlich hatten wir alles zusammen und nun konnte es in Richtung Spreewald gehen. Mobbel war getankt, Wasser aufgefüllt und das Klo noch leer. Ich hatte mir extra einen Routenplaner für die Fahrten mit Mobbel besorgt, denn auch wenn Mobbel schon in seinem früheren Leben einige Fahrten hinter sich hatte und in unseren Augen ein kleines Luxushotel war, konnte es mir bestimmt nicht sagen, wo es hin ging. Das musste ich wohl selbst übernehmen.
Die Route wurde am Computer ausgedruckt, schnell überflogen "OK" und nun konnten ich und meine Frau endlich einsteigen. Meine Frau hatte den Zettel mit dem Routenplan auf dem Schoß und ich lenkte Mobbel aus unserem schwer erkämpften Parkplatz, wo er geraumer Zeit - seit seiner Ankunft - mit traurigen Augen stand.
Jetzt schien er endlich glücklich zu sein, als ich den Zündschlüssel vorsichtig herumdrehte. Knatter, Knatter und dann dröhnte der Motor. Ab in den Spreewald!!!
Kaum hatten wir unsere Heimatstadt verlassen, schrie meine Frau: "Halt! Haben wir den Kühlschrank eigentlich gefüllt?"
Mir schoss es durch den Kopf: "Nöööh!?" Der Einkauf lag noch zu Hause und unser Kühlschrank hier war leer. "Sch...!!!"
Noch mal umdrehen? "Nöööh!" Der Motor heulte auf. Mobbel wollte in die Ferne und nicht wieder zurück.
Also, weiter, ab auf die Autobahn. Meine Frau dirigierte mich anhand unseres Planes und wir fanden ohne Probleme die Auffahrt. Ich lehnte mich entspannt zurück, trat aufs Gaspedal und lenkte Mobbel ruhig und gelassen, wie ein Profi.
Plötzlich schrie meine Frau hysterisch: "Halt an! Auf dem Plan steht, dass wir hier halten müssen!"
Ich schaute verwundert meine Frau von der Seite an "Hier? Mitten auf der Autobahn?"
"Ja!" schrie sie "Hier steht es doch!" und hielt mir den Plan während der Fahrt direkt vors Gesicht.
Ich sah nur noch: "links abbiegen auf die Straße; geradeaus weiter" und da stand es: "am AK Hermsdorfer Kreuz rechts halten auf der A9".
Das kann doch nicht wahr sein? Nun gut. Wenn es da steht, halten wir eben an.
Ich sah sowieso nichts mehr, da meine Frau mir immer noch den Zettel unter die Nase hielt und damit wild herumfuchtelte.
Ich trat mit voller Kraft auf die Bremse. Da standen wir nun! Hinter uns hupte es und die anderen Autos warfen uns unfreundliche Blicke zu und auch die Fahrer sagten unflätige Worte zu uns, obwohl sich das eigentlich nicht gehört!
Tja, aber hier stand es wirklich schwarz auf weiß: "Halten!" Aber wie ging es nun weiter? Ein paar Zeilen darunter stand schon wieder, dass wir anhalten sollten. Wir wollten doch aber in den Spreewald und wann wir Pausen machen, wollten wir schon selbst entscheiden.
Auf einmal erleuchtete der Himmel in blauen Tönen und ein furchtbarer Ton drang in unsere Ohren, welcher immer lauter und energischer wurde. Dann wurde es plötzlich still. Es hupte kein Auto mehr, die Fahrer der Autos schwiegen und sie fuhren in einem Bogen um uns herum, wobei sie dabei merklich ihr Tempo drosselten.
Auf einmal stand ein Polizist neben uns. Er sah in unsere fragenden Gesichter und fragte mürrisch: "Warum halten Sie mitten auf der Autobahn?"
Nun hielt meine Frau dem Polizisten den Zettel hektisch unter die Nase: "Hier! Hier steht es doch! Wir mussten doch anhalten!"
Der Polizist schaute verwundert auf unseren Plan und schüttelte mit dem Kopf. Krampfhaft versuchte er uns zu erklären, dass damit der "Halt" auf der Autobahn nicht gemeint sein kann.
Wir konnten das Problem auch nicht nach mehreren Stunden lösen! Auch er fand keine Erklärung für diese Anweisungen. Er riet uns dann zur Weiterfahrt und drohte uns, dass wir ja nicht mehr anhalten sollten, auch wenn 100 x auf dem Zettel stehe: "rechts halten auf ..."
Damit war der Vormittag versaut und mürrisch trat ich wieder aufs Gaspedal unseres Mobbels. Der Stau am Hermsdorfer Kreuz - welcher sich zufällig in der gleichen Zeit bildete, in der wir den Polizisten überzeugen wollten, dass wir im Recht waren - löste sich am Nachmittag erst wieder auf. Im Radio hörten wir ständig in den Nachrichten davon. Zu allem Glück im Unglück sind wir ja dem Stau entgangen. Stellt euch mal vor, der Polizist hätte gesehen, dass wir im Stau h a l t e n . Na, der hätte uns vielleicht einen Einlauf gemacht.
Nun ging es weiter. Doch nach dem vielen Diskutieren knurrte uns der Magen und die Mittagszeit war auch schon langsam vorbei. Wir hätten ja eine Rast machen können, aber der Kühlschrank war leer und der Polizist hatte ja gedroht...
Also, Gaspedal durchgedrückt halten und die Anweisungen auf unserem Plan überlesen und ab in den Spreewald. Soweit würde uns der Polizist bestimmt nicht folgen? Oder doch?
Am späten Nachmittag trauten wir uns dann doch an einer Raststätte "halt" zu machen. Meine Frau kochte Kaffee und ich vertrat mir die Füße. Dabei musste ich immer nach unten schauen, ob diese noch da waren, denn seit etwa zwei Stunden fühlte ich diese nicht mehr. Vorsichtig schaute ich mich um, ob uns der Polizist nicht doch noch gefolgt war. Nein! Er war zum Glück nirgends zu sehen. Nachdem mich meine Frau wieder ins Mobbel geschoben hatte und mir den einen Fuß aufs Gaspedal und den anderen auf die Bremse gelegt hatte (ich selbst war dazu nicht mehr in der Lage) ging die Fahrt weiter. Zum Glück war Mobbel mit einer Lenkradschaltung ausgestattet, sonst hätten wir überhaupt nicht weiterfahren können.
Endlich erreichten wir den Spreewald und auf dem Plan war unser Ziel nur noch vier Zeilen weit entfernt.
Doch die Namen, die an den Wegweisern am Straßenrand standen, standen nicht auf unserem Plan! Eine Ringchaussee fanden wir nach langem Suchen schon, aber dass diese etliche Kilometer lang ist, sagte uns niemanstand. In unserer Stadt ist eine Chaussee maximal 500 Meter lang und davon waren wir hier ebenfalls ausgegangen. Und dazu kam, dass es hier kaum Menschen gab! Wenn wir dann doch mal einen sahen, entpuppte sich dieser als Tourist und mit dem, das weiß wohl jeder, ist kaum was anzufangen. Meine Frau schmiss mir schon wieder böse Blicke zu und in meiner sowieso schon leeren Magengegend wurde es mir noch mulmiger zumute. Ich wusste, dass ich meine Frau nicht überzeugen konnte, jetzt einfach anzuhalten und auf dem Feld zu übernachten. Die denkt doch gleich, ich hätte ein Date mit dem Polizisten gemacht, welcher dann gleich hinter uns stehen würde. So eine dumme Pute! Dabei hatte er ausdrücklich gesagt, dass wir nicht auf der Autobahn anhalten sollen. Hier war doch schließlich nur eine lehmige Landstraße und ansonsten nur Felder. Na ja, aber mit meiner Frau zu diskutieren, macht auch keine Freude. Ich glaube, der letzte blaue Fleck ist noch am abheilen.
Da - endlich ein Schild, das uns dem Ziel näher brachte. Mobbel heulte auf. Ich fuhr nun endlich auf einen geteerten Weg und da standen wir vor dem Landgasthaus, welches die nächsten zwei Tage unser zu Hause sein sollte. "Hurra!" Wir hatten es endlich geschafft! Den Routenplan warfen wir in den nächsten Papierkorb. Angeblich hätte die Fahrt nur 4,5 Stunden dauern sollen, aber in Wirklichkeit waren wir seit früh um 6:00 Uhr unterwegs und nun war es mittlerweile schon 18:00 Uhr am Abend.
Wenn ich nach Hause komme, werde ich umgehend dieses Programm von meinem Computer entfernen. Das schwor ich mir!
Endlich konnten wir uns auch etwas zu Essen besorgen und unseren leeren Kühlschrank und Magen füllen. Die Welt war wieder in Ordnung! Mobbel hatten wir auf einer Wiese abgestellt, unseren Obolus bezahlt und nun konnten wir uns in der Gegend beruhigt umschauen. Schon hatten wir Mobbel abgesattelt und es ging ab - in die Natur.
Es ist eine herrliche Gegend, sag ich Euch! Und eine Stille!
Jetzt gehörten wir auch zu den "Touris" und genossen die Landschaft in vollen Zügen. Gesättigt und gestärkt, bemerkten wir hinter unserem Mobbel ein Ziegengehege mit fünf kleinen Ziegen - inklusive Baby und Ziegenbock. Mir schoss sofort ein Gedanke durch den Kopf und ich spürte schon den wohligen Geschmack auf meiner Zunge... "Hippelböckchen gebraten ...mmmh..."
Als ich meiner lieben Frau von meinem Vorhaben berichtete, bekam ich sofort Schelte und aus vorgenannten Gründen sah ich von meinem Vorhaben ab. Sie drohte mir noch, dass ich dann im Feuer lodern würde und nicht die kleinen Zicklein.
Ich zog lieber meine Wanderschuhe an und schon ging es mit meiner Frau kreuz und quer durch die schöne Gegend des Spreewaldes.
Für eine Kanufahrt war es Dank der "Halts" auf der Autobahn schon zu spät geworden, aber für die Suche nach einem Hafen hatten wir ja noch genügend Zeit. Verschlungene Wege taten sich vor uns auf und auch ein Schild "Hafen 2" zeigte sich uns unauffällig am Wegesrand. "Auf zum Hafen!" rief meine Frau voller Inbrunst. Und wir liefen und liefen ... und liefen und liefen.
Meine Frau hatte natürlich nicht die Wanderschuhe an, die man bei solchen Touren an hat ... Frauen! Es mussten natürlich neue Schuhe sein. Und so plagte sie bald eine Blase nach der anderen. Die Wegschilder waren wahrscheinlich ausgegangen und auch von menschlichen Wesen war weit und breit nichts mehr zu sehen. "Da, in der Ferne sind Leute!" schluchzte meine Frau.
Und wirklich, ein Paar war in der Ferne zu sehen. Sie kamen uns direkt entgegen.
"Hurra!" Auskunft; Wegbeschreibung, Hoffnung ..."Wo der Hafen ist, wollen Sie wissen? Keine Ahnung, wir sind hier selbst fremd!"
Nachdem sie uns erklärten, dass hinter ihnen gerade die Welt zu Ende war, liefen wir noch ein "kleines Stück" zurück in die selbe Richtung, bis wir dann doch noch einen Einheimischen trafen. Dieser teilte uns dann netterweise mit, dass der Hafen in der Richtung lag, aus der wir soeben gekommen waren. Am Ende der Welt!
Ganz nebenbei verkaufte er Tomaten, von denen wir nur zu gern eine Tüte mit uns nahmen. Dieses Geschäft mit verhungerten Touristen schien gut zu laufen. Also, den ganzen Weg zurück!
Und dann endlich - nach einigen Kilometern ohne eine menschliche Seele, geschweige menschlicher Behausungen - sahen wir den Hafen. Die Blasen an den Füßen meiner Frau liefen schon alleine und das Jammern hatte nun auch allmählich nachgelassen. Es hörte ja sowieso keiner, außer mir!
Und da waren doch tatsächlich noch Leute am Hafen, die uns freundlich anhörten und uns schließlich für den morgigen Tag zu einer Kanutour einluden. "OK, wir kommen morgen wieder!" hörte ich mich sagen. "OK! Dann bis morgen früh um 9:30 Uhr!"
Wir verabschiedeten uns freundlich, heilfroh mit der Erkenntnis, dass es hier doch noch Menschen gab und machten uns auf den Heimweg. Diesmal schien uns der Weg kürzer zu sein und an den Stellen, die wir vorher dreimal schon umrundet hatten, gingen wir nun schnurstracks vorbei, Richtung Mobbel.
Müde und erschöpft fielen wir in unser Bett. Heute war mit uns wohl kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Nur noch schnell den Wecker stellen "ÄHHH! Weißt Du wie das geht?" "Nöhhh! Du?" Und da waren sie wieder, diese sch... Probleme ohne Plan!
Über eine halbe Stunde versuchten wir dann unser Glück mit der neuen Technik.
"Wenn wir es sein lassen?" schluchzte meine Frau.
"Nein! Dann verschlafen wir es und der ganze Tag ist versaut! Keine Pünktlichkeit - keine Kanufahrt!"
Und so probierten wir und probierten. Die Gebrauchsanleitung lag natürlich zu Hause. Durch einen dummen Zufall haben wir es dann doch noch geschafft. Der Wecker war gestellt und wir konnten endlich schlafen. Nun schliefen wir erst einmal tief und fest bis in den Morgen hinein. Und siehe da, bevor der Wecker klingelte stand meine Frau schon auf der Matte.
Wenn ich das gewusst hätte, dann hätten wir uns auch nicht so abquälen brauchen ... "Hätte! Hätte! Hätte!"
Nun, auf zu frischen Taten! Gemütlich frühstückten wir und dann ging es den gleichen Weg, den wir gestern schon bestritten hatten, nochmals entlang. Diesmal unter Zeitdruck!
Kurz vor der Abzweigung zum Gasthaus begrüßte uns ein Schäferhund freundlich. Er begleitete uns bis auf die Straße, dann bis zum nächsten Feldweg, dann zur nächsten Abbiegung und dann ...
Der Hund machte gar keine Anstalten uns zu verlassen. Auch auf eine Diskussion ließ er sich nicht ein. Im Gegenteil! Er jaulte, als ich versuchte, ihn nach Hause zu schicken. Also lief er weiterhin mit uns mit und begleitete uns bis zum Hafen.
Dort erbrach er sich und wir suchten das Weite!
Nun waren wir auch das Problem wieder los! Gott sein Dank!
Endlich konnten wir uns gemütlich umschauen und genossen unsere wiedergewonnene Freiheit. Schnell wurden wir einer Reisetruppe zugeteilt, welche statt 32 Passagieren nur 30 waren und somit uns zwei Plätze genau vorne reservierten - ohne es zu wollen. Trotz der 32 erlaubten Plätze ging der Kahn ganz schön in die Tiefe. Der Kahnkapitän beruhigte uns Touristen mit dem Satz: "Im Spreewald ist noch keiner ertrunken, es sei denn, er war zu faul aufzustehen!"
Und nun ging die Reise im Kanu los. Wir fühlten uns wie in den Urwald versetzt. Am Ufer lagen umgestürzte alte Bäume. Kleine Schlangen schwammen durch den Fluss und kaum eine Menschenseele war zu sehen. Wir mussten uns ja nicht umdrehen, denn ansonsten hätten wir ja doch noch 30 Touristen gesehen. Aber darauf haben wir freiwillig verzichtet.
Wir genossen die Ruhe und so entspannt haben wir uns schon lange nicht mehr.
Nach einer Mittagspause, in der die Massen von Touristen wortwörtlich abgespeist wurden, ging die Tour weiter. Wir leisteten uns eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen und wurden dabei 10 € los. Aber der Hunger war größer, als die Vernunft.
Gesättigt und müde, der Kahn nun noch schwerer und dem Wasser noch näher, ging es zurück zum Heimathafen.
Einige der Touris hatten zuviel "Spreewaldmedizin" zu sich genommen und lachten nun albern herum. Aber das störte nicht weiter. Vor uns war Natur pur. H e r r l i c h ! Wasser, Enten, Bäume Pflanzen - Ruhe!
Der Kahnkapitän erklärte uns anhand der Kanufahrer, die ebenfalls unterwegs waren, die aber selber paddeln mussten, dass diese hier Kreuzfahrten gebucht hatten. Wir sahen die Leute im Kanu sitzen und sie hatten meist die Ruder über Kreuz. Das konnte man eindeutig sehen. Der erste schöpfte das Wasser mit dem Ruder nach links zur der Seite, der hintere in die andere Richtung.
Und beide versuchten vergeblich, voran zu kommen. Das sah ziemlich gefährlich aus.
Das waren also die berühmten Kreuzfahrten von denen wir ständig im Fernsehen hörten. Nun, jetzt hatten wir auch diese mal leibhaftig gesehen. Aber so eine Fahrt buchen? "Nöööh, doch nicht so das Wahre!", sagte ich zu meiner Frau, die nun ausnahmsweise der gleichen Meinung war, wie ich. "Wir ziehen diesen Kahn vor, statt selbst zu schwitzen. Ge?"
Nach einiger Zeit ging nun auch diese Reise zu Ende. Die Touris wurden ausgeladen, doch da wir "Extra-Touris" waren, wurden wir zwei nach einer weiteren Kaffeepause wieder in den Kahn eingeladen und bis in den Heimathafen mitgenommen, wo auch der Käpten zu Hause war. Nur meine Frau und ich. Das war erst romantisch, sag ich Euch!
In meinem Übermut fing ich an, laut zu träumen. "Wie schön es doch ist, wenn man der Natur freien Lauf lässt!"
Da sagt doch meine Frau plötzlich empört zu mir: "Wenn ich den Haushalt naturbelasse, dann passt Dir das überhaupt nicht und hier schwärmst Du davon?"
Ich hielt ganz schnell meinen Mund, bevor ich noch mehr Ärger mit meiner Frau bekam.
Nun fiel uns auch der Schäferhund wieder ein, den wir am Hafen zurückgelassen hatten. "Ob der auf uns gewartet hat?"
Ein ungutes Gefühl beschlich uns. Waren wir Entführer? Hatten wir das Glück der Gasthausbesitzer zerstört? Aber der Hund ließ doch einfach nicht mit sich reden. Was hätten wir tun sollen? Unsere Kanufahrt absagen und den Hund wieder zurückbringen? "Abwarten und Tee trinken!" sagte ich zu meiner Frau. "Wir tun so, als ob wir von nichts wüssten!" Und damit waren wir uns einig!
Als wir am späten Nachmittag wieder in unserem Mobbel saßen, sahen wir auch unseren Begleiter wieder.
Ehrlich gesagt, fiel uns doch ein Stein vom Herzen. Aufgeregt erzählte uns die Gastwirtin, dass der Hund schon mehrmals mit Gästen mitgelaufen ist und dies heute wieder passiert sein muss. Sie wüsste nur nicht, mit wem. Er findet doch nie zurück und voriges Jahr war er sogar ein 3 Monate lang weg gewesen und man hat ihn dann im Tierheim wieder gefunden.
Und heute hatte man ihn wieder - allerdings nur von einer 20 km weiten Kneipe hergebracht.
"So?", sprach ich verwundert. "So was machen die Gäste? Eine Frechheit!"
Schnell waren wir aus den Augen der Gastwirtin verschwunden.
Nach einer Flasche Schnaps in mir und einer Flasche Rotwein in meiner Frau beschlossen wir noch einen kleinen Abendspaziergang zu unternehmen. Als wir das Gelände verließen schauten wir uns um, ob der Hund wieder in der Nähe war.
Zum Glück war er weit und breit nicht zu erspähen. Schließlich hätte er uns vielleicht doch noch verraten können.
Erleichtert wanderten wir los. Links Möhren, rechts Kohlrabi, vor uns Zwiebeln und auch Kartoffeln waren im Angebot.
In unserem Übermut sammelten wir ein, was wir tragen konnten. Unser Abendbrot war gesichert. Das war ein tolles Wandern! Ansonsten gab es um die Uhrzeit keine weiteren Sehenswürdigkeiten und so saßen wir eine Stunde später in unserem Mobbel und ließen es uns gut gehen. Hund da, Möhren und Kartoffeln da. Kohlrabi als Nachtisch. Ach wie kann die Welt doch schön sein! "Aber nie wieder nach Routenplan!" Das schworen wir uns noch bevor wir glücklich ins Bett versanken - Hand in Hand.
Am nächsten Morgen ging die Fahrt zurück nach Hause. Schnell war Mobbel wieder für die Fahrt bereit.
Und schon ging es wieder los. "In welche Richtung müssen wir eigentlich?", fragte meine Frau.
"Tja, aus der sind wir gekommen."
"Nein, aus dieser Richtung!"
"Nein, aus der da!"
Schon hatten wir uns verfahren.
Der Routenplan? Der lag im Mülleimer des Gasthauses. "Sch...!"
Aber irgendwie fanden wir den Weg zurück. Die Autobahn war frei und von einem Stau nichts zu bemerken.
"Komisch, wo wir sind, ist doch immer Stau?", sagte ich zu mir und meine Frau stimmte mir zu.
"Naja, vielleicht fahren heute mal keine Idioten auf der Straße!" lächelte sie mir zu.
"Na zum Glück für uns!"
Entspannt fuhren wir ohne Routenplan und Hektik nach Hause und auch einen Parkplatz konnten wir vor unserer Haustür erwischen. Was will man mehr?
So eine Tour unternehmen wir bald wieder. Mal sehen, was da wieder für Abenteuer auf uns lauern.
Na dann! Bis zum nächsten Mal!




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Eingereicht am 27. Dezember 2003.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.