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3. Teil: Mobbel bleibt zu Hause und wir fliegen in den Süden

Von Kerstin Schwarz


Nach zwei anstrengenden Reisen im vergangenen Jahr hat sich Mobbel nun wirklich eine Pause verdient. Aber unsere Reiselust ist geblieben und jetzt im kalten Januar haben wir beschlossen, in die warmen Gegenden unseres Planeten zu reisen, um uns von den Strapazen der Weihnachts- und Silvesterfeier zu erholen. Wir buchten einen Flug in die Türkei. Die neuen Koffer, die wir uns vom Weihnachtsmann gewünscht hatten, wurden schnell gepackt und ab mit dem Auto nach Nürnberg zum Flughafen. Draußen lag weißer kalter Schnee und dies beschleunigte unsere Reise zum Flughafen. Nur weg von hier! Ich trat das Gaspedal so durch, dass wir viel zu schnell am Ziel ankamen. Stunden über Stunden hatten wir noch vor uns, bevor wir über den Wolken schweben würden. Na ja! Was soll's! Lieber zu früh, als zu spät! Es war gegen 11 Uhr und das Flugzeug sollte 20 Uhr starten. Also hatten wir genügend Zeit … (viel zu viel Zeit!)
Jetzt erst mal das Parkhaus gesucht und einen freien Platz ergattert. Auch das war gar nicht so schwer, doch nun mussten wir die Koffer selbst schleppen und jetzt wurden wir endlich gefordert. Bis jetzt war ja alles nur ein Kinderspiel! Unsere neuen Koffer hatten zwar Räder, aber beim Hinterherziehen derselben, versuchten sie sich ständig hinzulegen. Ich glaub', die hatten gar keine Lust auf ihren Rädern zu fahren und wollten lieber getragen werden. "Nöööh, dafür haben wir euch nicht mitgenommen. Ihr rollt!!!" Aber nee! Sie kippten von links nach rechts und von rechts nach links. Das muss für die anderen Touristen ein schönes Bild abgegeben haben. Bald bekamen sie ihren Willen und wir trugen sie, obwohl sie Räder hatten. Da hatte der Weihnachtsmann wieder mal einen schönen Fehlgriff gemacht… Endlich entdeckten wir einen Kofferwagen und nun war auch dieses Problem gelöst. Die Suche nach der Gepäckaufbewahrung stellte sich als eine neue Herausforderung dar. "Gepäckaufbewahrung? Keine Ahnung!" So rollten wir mit unserem Kofferwagen von einer Richtung in die andere. Nirgends war ein Hinweis zu erspähen. Aber so lernten wir wenigstens den Nürnberger Flughafen schon mal ausführlich kennen. Nach einer guten halben Stunde erklärte man uns endlich den Weg. "Ach, im Parkhaus ist die Gepäckaufbewahrung?!" Wir hatten also die Koffer die ganze Zeit umsonst spazieren gefahren und hätten sie gleich neben unserem Auto abgeben können. Na, das hätte man uns ja gleich sagen können. Also zurück ins Parkhaus und siehe da, da waren die lang ersehnten Schließfächer.
Nun waren wir befreit und selig. Langsam drückte die Blase und wir suchten erneut. Diesmal das WC! Auch das fanden wir bald und als ich das gewisse Örtchen aufsuchte, kam die Erleichterung. Aber was war das? Bei jeder Bewegung begann die Spülung von allein los zugehen. Hose runter: Spülvorgang! Hose hoch: Spülvorgang! Arm gehoben: Spülvorgang! Jacke zu: Spülvorgang! Das war vielleicht nervig! Die schienen von Wassereinsparung noch nie was gehört zu haben. Ich bemühte mich - ich habe ja was für die Natur übrig - meine Bewegungen auf ein Minimum einzuschränken und im Zeitlupentempo verließ ich diese Räumlichkeit, immer in der Angst, die Klospülung könnte schon wieder losgehen. Verdattert über meine eigenartigen Bewegungsabläufe starrten mich die anderen an. Kaum schloss ich die Tür hinter mir, hörte ich es wieder rauschen. Sch… Ach was soll's! Schnurstracks ging ich zu meiner Frau. Endlich konnten wir uns bei einer Tasse Kaffee von dem ganzen Stress erholen. Im Restaurante spielte ein Radio leise Musik. Dann, als ob jeder wusste, dass wir mit dem Flugzeug fliegen, kam ein Kommentar des Radiomoderators: "Von 200 Gepäckstücken kommt im Flugverkehr im Durchschnitt nur ein Gepäckstück weg! Aber wer nimmt schon 200 Gepäckstücke mit?" Diese Aussage ließ uns lange nachdenken. Hätten wir zur Sicherheit 200 Koffer mitnehmen sollen? Aber wie sollten wir die alle transportieren? Welche von den 199 Koffern kommen an? Und in welchen Koffer tun wir was? Es war sowieso schon zu spät. Wir hatten nur zwei und in einem waren die Sachen meiner Frau und in dem anderen meine. Wenn einer wegkommt, muss der andere eben die Sachen anziehen, die dann noch da wären. Aber ob ich in die Kleider meiner Frau passen würde? Und ob mir auch ihre Unterwäsche stehen würde? Wir hofften also darauf, dass alles gut gehen würde. Nach drei Tassen Kaffee und mehreren, unzähligen Spülungen auf dem gewissen Örtchen, die bald die Ostsee aufgefüllt hätten, beschlossen wir, uns noch ein bisschen die Beine zu vertreten. Wir genossen noch den Wintertag und in Gedanken an warme Tage freuten wir uns auf die bevorstehende Reise. Wir studierten den Flughafen und seine Umgebung. Wir entdeckten sogar einen Wegweiser, der uns genaue Auskunft über die Entfernung und Richtung zu unserem Zielort gab. Das war mal eine gute Idee!
Nur langsam verstrich die Zeit. Die Angestellten des Flughafens grinsten nur noch, wenn wir zum x-Male an ihrem Stand vorüber liefen. Aber endlich schickte man sich an, unseren Schalter gegen 18 Uhr doch noch zu besetzen und sofort bildete sich eine Schlange. Kurioserweise hatten alle Menschen, die auf dem Flughafen herumliefen, auf einmal die gleichen Anhänger an ihren Koffern. Wollten die alle in unser Hotel? Na, das kann ja lustig werden. Auch wir gesellten uns dazu, und wie die anderen auch, gaben wir unsere einzigen beiden Koffer der Angestellten, die sie uns mit einem Lächeln wegnahm. "Hoffentlich sehen wir euch bald wieder!" sprach meine Frau den Tränen nahe. "200:1"! Das war die Statistik! Ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. Langsam schlenderten wir nun durch die Abfertigung. Die Kontrolle verlief problemlos und endlich waren wir unserem Ziel ganz nahe. Plötzlich schall es durch die Halle: "Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!" Meine Frau wurde kreidebleich. "Wir haben unser Gepäck der Dame am Schalter gegeben. Es ist unbeaufsichtigt! Die klauen unsere Koffer…?", schrie sie hysterisch. Ich versuchte ihr zu erklären, dass unserem Gepäck nichts passieren kann! Doch schon wieder rief die Stimme aus dem Lautsprecher: "Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!" Diese Warnung kam ganz einfach zu spät! Meine Frau war fertig und ich fragte mich langsam auch, ob es richtig war, unser Gepäck einfach einer Wildfremden anvertraut zu haben.
Wir schauten tränenverschleiert durch die große Halle. Sie war riesig. Es waren kaum Menschen da und alle Sitzplätze waren schauerlich leer. Wo waren die ganzen Leute geblieben? Als ob die Leute im Flughafen wüssten, dass man die Leute beruhigen müsste, die wie wir hier verzweifelt waren, hatte man als Trost ein paar Puppen verteilt, die so taten, als ob sie Zeitung lasen. Wir sind natürlich auf diesen Trick nicht herein gefallen. Als ob uns das beruhigen würde? Aber langsam füllte sich doch noch der Saal und die Leute, die vorher am Schalter gestanden hatten, bequemten sich nun endlich auch zu uns. Und auch unser Flugzeug rollte uns langsam entgegen. Jetzt konnte es endlich losgehen! Ob nun mit oder ohne Koffer. Auf einmal strömten Massen von Menschen an die Abfertigung. Wo die plötzlich alle her kamen, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Am Schalter waren ja schon eine Menge Leute, aber nun waren es dreifach so viele. Ob die alle in das Flugzeug passen würden, war fraglich. Und da: da rollte ein Gepäckwagen auf das Flugzeug zu. Und da: da waren ja unsere Koffer. Erleichtert fielen wir in unsere zugewiesenen Sitze im Flugzeug. "Es wird alles gut!", flüsterte ich meiner Frau zu.
Im nächsten Moment bereute ich schon meinen Satz! Die Stewardessen sahen aber gar nicht gut aus. Sie waren blass und müde. Ein Passagier bekam die Kofferklappe nicht auf und eine von den Stewardessen wurde herzitiert. Jetzt probierten beide die Klappe zu öffnen, aber nichts geschah. Die zarte Frau hing an der Klappe wie ein Schluck Wasser. Und als ich mich so umschaute, sah ich noch andere Dinge, die nicht so waren, wie sie sein sollten. In meinem Bauch rumorte es fürchterlich. Hoffentlich war nur die Kofferklappe kaputt und was funktionierte hier überhaupt noch? Und wenn die Stewardessen schon so schlecht aussahen, wie sieht erst der Flugkapitän aus? Ich suchte die Hand meiner Frau. Dann brummten die Motoren und der Flug begann. Zum Glück ging alles gut und endlich schwebten wir über den Wolken. Kurz vor dem Ziel kam eine Unwetterwarnung. Das hatte mir noch gefehlt. Ich schaute zaghaft zum Fenster hinaus und sah, dass jemand die Maschine mit Wassereimern zuschüttete. Ich las mir das Prospekt durch, was man im Notfall beachten muss, und dabei kam die nächste Frage, die sich mir stellte: "Warum gibt es in Flugzeugen Schwimmwesten statt Fallschirme?" Ich glaube nicht, dass mich eine Schwimmweste rettet, wenn ich aus Verzweiflung aus dem Fenster springe. Das Flugzeug setzte zur Landung an und da, da war es, was ich erwartete. Das Flugzeug wurde herumgerissen und mein letztes Stündlein schien geschlagen zu haben. Egal, ich hatte keine 200 Koffer und nun brauchte ich sie auch nicht mehr. Nun war alles egal. "Mobbel, auf Nimmerwiedersehen!" Doch dann fing die Maschine sich wieder und unter großem Getöse landeten wir auf der Erde, immer noch begleitet von den Wassereimern, die vom Himmel fielen. Ob ich nun doch die Schwimmweste gebrauchen könnte? Wann ich meine normale Gesichtsfarbe zurück erhielt, kann ich nicht mehr sagen.
Es war nun schon weit nach Mitternacht. Die Reisebusse standen schon bereit und die Massen wurden aufgeteilt. "Gott sei Dank!" dachte ich so bei mir. Die schlafen nun doch nicht alle in unserem Hotel. Der Reiseleiter begrüßte uns freundlich mit den Worten: "Leben Sie und genießen Sie Ihr Leben! Tot sind Sie länger als Sie leben!" Ach, er wusste gar nicht, wie recht er nach diesem Flugerlebnis hatte. Er riet uns noch, dass wir uns seine äußere Hülle merken sollten, denn für diese Woche wäre er unser Ansprechpartner und Reisebegleiter. Schnell waren wir in unserem Hotel. Erleichtert über unsere überstandenen Abenteuer fielen wir in unsere Betten. Am Morgen danach sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Das Hotel war traumhaft. Soviel hatten wir für die Reise gar nicht bezahlt, so nobel wie es hier war. Im Speisesaal liefen Katzen umher, aber sie waren im Gegensatz zu unseren auch nobel. Keine kletterte auf Stühle oder Tische. Wenn ich da an unsere denke… Eine unserer Katzen habe ich sogar schon in unserem Kühlschrank erwischt. Doch die Katzen hier waren so nobel, wie das Hotel selbst. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden wir wieder von unserem Reiseleiter empfangen. Die erste Tour mit einem Reisebus ging nach Side und … es regnete weiter. Von Sonnenschein keine Spur. Trotzdem genossen wir die Fahrt. Plötzlich bremste ein Taxi vor dem Bus und ich wurde leichenblass. Der Reiseleiter schaute mir geradewegs in die Augen "Also, wenn solche Reaktionen öfters kommen, setzen Sie sich lieber ganz nach hinten!" Das tat ich dann auch. Doch viel half das auch nicht. Wir fuhren nun auf Berge und durch tiefe Schluchten. Da sah ich doch einen abgestürzten LKW in einem ca. 50 Meter tiefen Graben liegen. Was, wenn wir abstürzen? Mir war nur noch schlecht! Doch endlich erreichten wir unser Ziel und konnten unsere Beine für kurze Zeit im Regen vertreten. Meiner Frau erzählte ich lieber nichts von meinen Sorgen. Die wäre doch nie wieder in den Bus gestiegen. Mir fiel es schon schwer, die Beherrschung zu bewahren. Die Rückfahrt fand nun im Nebel statt. Der Reiseleiter erzählte von goldenen Brücken und Moscheen mit 16 Türmen, die die Straße säumten und an denen wir soeben vorbei fuhren. Ich sah gar nichts! Ich beobachtete den Reiseleiter, der dabei grinste und sprach: "Zum Glück hat die Zunge keine Knochen!" Ob er uns etwa belog? Ich habe jedenfalls keine goldenen Brücken gesehen und ob es Moscheen mit 16 Türmen überhaupt gab? Na ja, was soll's! Aber das wundervolle Neandertal und den Salzsee, den habe ich gesehen. Nur keine Pelikane, die hier Rast machen sollen. Angeblich kommen sie hier schneeweiß an und fliegen rot weiter und auf dem See kann man im Sommer spazieren gehen? Ach, ich weiß auch nicht mehr, was man noch glauben kann und was nicht.
Jedenfalls haben wir viele, viele Pappelbäume gesehen und der Reiseleiter erklärte uns, dass diese von den Vätern des Ortes für ihre Kinder angepflanzt und bei der Hochzeit als Mitgift abgeholzt und verkauft werden. Je mehr Pappeln, umso mehr ledige Frauen und Männer gebe es im Ort. Das sollten die mal in Deutschland einführen. Ich alleine hätte schon zwei Pappelfelder in unserer Straße angelegt. Und unser Nachbar hat auch einen Sohn und der andere zwei. Allein unsere Gegend wäre ein Pappelurwald… (von den Kerlen hat keiner vor, je irgendwann zu heiraten…) Dann kamen wir auf das sensible Gespräch mit den Kopftuchträgerinnen in der Türkei und auch die in Deutschland leben, zu sprechen. Der Reiseleiter meinte nur: "In Deutschland sieht man viele Türkinnen, die ein Kopftuch tragen, im Gegensatz zu hier. Aber keine Angst, die die hier mit dem Kopftuch herumlaufen, schicken wir auch noch zu Euch rüber!" Das war ja wieder mal eine plausible Erklärung! Dann fuhren wir durch das Taurusgebirge. Überall Schnee und Bergstraßen, die ich nicht mal zu Fuß begehen würde. Unser Bus fuhr und fuhr. Die Hinweißschilder über die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden ignoriert und statt der erlaubten 30 Stundenkilometer fuhr der Busfahrer diese pro Rad. Meine Blicke schweiften wieder in die Gräben. Doch sie waren leer. Dann plötzlich, mitten auf der Straße wieder ein umgekippter Lkw, der bei niemanden Interesse weckte. Ich überlegte, ob ich mich nun vom Leben verabschieden sollte, oder nicht. Doch den Reiseleiter interessierten meine Gedanken nicht und er machte uns auf die Nomaden aufmerksam, die hier am Straßenrand leben würden. "Da! Nein doch nicht!" "Aber da! Die sind auch weg!" Aber hier bestimmt! Die waren alle wie vom Erdboden verschwunden! Oder hatte hier wieder mal die Zunge keine Knochen! Doch fast am Ende unserer Reise entdeckten wir doch noch ein Zelt. Müde und geschafft - und vor allem noch am Leben - sanken wir wieder in unsere Betten.
Gleich am nächsten Morgen klingelte das Telefon: Hier ist Ihr Weckdienst!"
Und wieder stand eine Reise mit dem Bus an. Diesmal ging es zur Pumuckelallee. Ach, Entschuldigung! Nach Pamukkale. Diesmal verlief die Reise ruhiger. Sogar die Sonne schien und mein Mut kehrte langsam wieder. In einer Pause sah ich auch zum ersten Male ein Kamel. Aber meine Wissenslücke wurde sofort geschlossen, als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, dass Kamele extra wegen uns Touris eingeflogen werden und hier gar keine leben. Bei der weiteren Reise wurde uns erklärt - langsam entwickelte sich diese Fahrt zu einer Bildungsreise - dass im Islam ein Tropfen Alkohol eine Sünde ist. Also kaufen sich die Türken eine große Flasche Schnaps, nehmen den einen Tropfen Alkohol - den, der die Sünde beinhaltet - heraus und können nun beruhigt die ganze Flasche austrinken, ohne dass sie Allah dafür bestraft. Klasse Idee! Ne' Flasche Schnaps täte mir jetzt bestimmt auch ganz gut!
Kaum waren wir in Pamukkale angekommen, strömten wir, wie viele andere Menschen auch, aus den Bussen und ab zu den Sehenswürdigkeiten. Ich sag euch, das ist eine herrliche Gegend. Trotz Schnee in Deutschland und Schnee im Taurusgebirge und Schnee auf der Herfahrt. Dieser Anblick ist mit nichts zu vergleichen. Denn es ist kein Schnee! Es ist einfacher Kalk. Der Kalk, über den sich meiner Frau zu Hause in der Kaffeemaschine und in der Waschmaschine aufregt. Der Kalk, der sich bei uns ständig in der Dusche aufhält und die polierten Armaturen versaut. Doch hier regte sich niemand auf. Nicht einmal meine Frau! Hier empfindet man dies als Naturschauspiel und wird sogar noch von den Naturschützern geschützt. Ich werde doch mal mein Bad zur Verfügung stellen…
Tja, und dann haben die gleich praktisch gedacht. Damit man nicht solange mit dem Bus fahren muss, haben die für die Touris gleich Hierapolis dazugebaut. Dies war eine gute Idee. So musste man nicht lange herumlaufen. Überall lagen Steinsärge herum: Diese lagen überall quer verstreut. Keine Ordnung in dem Laden. Es war schon ein komisches Gefühl auf den Schritten der alten Römer zu wandeln. Aber klein waren die… von wegen der große Nero. Dem hätte ich ja auf den Kopf spucken können …
Da schon langsam die Abenddämmerung hereinbrach kam der Befehl: "Alle wieder einsteigen!" und der Bus fuhr uns in ein weiteres Hotel. Hier nahmen wir ein Bad aus Rostwasser. Ich hatte dabei mächtige Angst, dass sich meine Badehose rot färben würde. Aber nichts dergleichen passierte. Gut ausgeschlafen ging die Reise weiter.
Nun kam der geschäftliche Teil. Erst fuhren wir in eine Fabrik, die Gold bearbeitete und auch Menschen, die es dann kaufen sollten. Natürlich habe ich meiner Frau einen Ring gekauft. So gehört sich das ja auch. Oder? Dann fuhren wir in eine Teppichfabrik. Dort legte man uns die schönsten und teuersten Teppiche zu Füßen. Alles mit dem Nachsatz: "Die können wir Ihnen sofort nach Deutschland liefern und Sie bezahlen dort auch!" Die kennen wohl nicht unsere Preise. Erst kürzlich habe ich im Sonderangebot Auslegware erstanden und die hat meine Finanzen schon ruiniert. Und jetzt soll ich mindestens 5000 € dafür ausgeben? Nee! Das überschreitet meine Kompetenzen. Und dann haben die uns noch erzählt, je mehr Leute auf dem Teppich herumlaufen, umso wertvoller wird er beim Wiederverkauf. Na, ich glaub nicht mal, dass jemand unseren neuen Teppich in Zahlung nimmt, geschweige denn den, der von unserem Hund schon angeknabbert wurde. "Oder ob ich doch bei den Sperrmüllaktionen die Teppiche raushole und sie zum An- und Verkauf bringe?" Meine Frau zeigte mir einen Vogel, als ich kurz laut darüber nachdachte. Dann wurden wir weiter an eine Lederfabrik gesandt. Auch dort hatte man kein Glück bei uns. So schön, wie die Klamotten auch waren, aber wenn wir zuviel Geld hätten, hätten wir dann das Sonderangebot dieser Reise genutzt? Traurig ließen wir auch diese Verkäufer zurück.
Nun ging auch dieser Urlaubstag zu Ende und unser freier Tag stand uns bevor. In der Nacht wurde ich von einem Sturm geweckt. Blitze zuckten am Himmel. Am Morgen war zwar der Sturm vorbei, aber Regen über Regen fiel vom Himmel. Der Ausflug zum Strand endete bald, als wir total durchnässt waren, ohne im Meer zu baden und so genossen wir den Tag im hoteleigenen Schwimmbad und bei Kaffee und Kuchen.
Für den nächsten Tag war eine Abendveranstaltung geplant. Die durften wir natürlich auch nicht verpassen. Erwartungsvoll traten wir wieder eine Reise mit dem Bus an. Langsam kannten wir nun auch die Leute, die uns immer wieder begleiteten. Da war einer, der aß nur Apfelsinen. Die Kellner brachten ihm schon von ganz alleine einen großen Korb voll. Dann war da noch ein Mann, der sich ein Harem um sich scharte, welcher aber nur aus alten Weibern bestand (ich nehme an, er war Betreuer aus einem Altenheim und musste immer mit). Eine von den älteren Damen schaute so aus, als ob sie jeden Moment den letzten Zug an ihrer Zigarette machte. Obwohl sie ständig am Glimmstängel hing, überlebte sie dennoch diese Reise, was einem Wunder gleich kam. Und auch ein Paar in unserem Alter war dabei. Ein "Selbständiger". Nach seinen Erzählungen konnte und war er alles. Ich beobachtete seine Frau und verstand sehr schnell, dass er gar nicht so selbständig war, wie er vorgab. "Die Zunge hat keine Knochen!" und dieser Spruch schien sich auch hier zu bewahrheiten. Der Rest der Truppe war ebenfalls ein nettes Völkchen und wieder ging es gemeinsam auf Reisen.
Der Raum, in dem der orientalische Abend stattfinden sollte, war ein riesiges Zelt. Busse fuhren heran und entleerten sich im Minutentakt. Auch wir wurden ausgeladen. Dann kamen die nächsten und die übernächsten. Das hörte gar nicht mehr auf. Das Zelt schien zu platzen. Tausende Menschen strömten in das Zelt herein und es schien gar nicht mehr aufzuhören. Nach einer Stunde des Strömens und des Wartens begann nun endlich der orientalische Abend. Wir saßen im hinteren Bereich und vor uns befand sich der Weg der Kellner und derer, die zum Buffet oder zur Toilette wollten. Als endlich das erste Lied erklang, zählte einer unserer Mitreisenden die Störenfriede, die uns ständig die Sicht versperrten: 152! Beim nächsten Lied gab er auf! Es hatte ja doch keinen Zweck. Wir sahen nur Köpfe und was auf der Bühne geschah, war kaum zu erspähen. So unterhielten wir uns auf unsere eigene Art. Wir taten den Türken gleich und tranken Schnaps. Natürlich ohne den sündigen Tropfen! Nach drei Stunden schwankten wir heiter die Heimreise an. Wie ich dann ins Bett gekommen bin, kann nur meine Frau berichten.
Endlich, am letzten Tag schien die Sonne. Wir haschten nach den Sonnenstrahlen und bevor unser Flugzeug wieder startete, spazierten wir ausgiebig am Strand entlang. Aus dem Nichts entstanden kleine Kaffeestuben und wenn die Tische voll waren, wurden sofort neue Tische und Stühle herangeholt. Innerhalb einer Stunde war der Strand voll mit Touristen und Kaffees. Aus der Strandwüste wurde in kürzester Zeit ein kilometerlanges Strandkaffee. Auch wir gönnten uns noch eine heiße Tasse Nescafé und saugten die bezahlten, aber bisher nicht gelieferten Sonnenstrahlen in uns hinein.
Dann begann unsere Heimreise. Zum letzten Male wurden wir in den Bus gepfercht und ab ging es zum Flughafen. Ich riet meiner Frau, sich noch die Steine aus den Schuhen zu kratzen. Sie könnten Anlass für eine Gefängnisstrafe werden. Im Fernsehen hatte man ja schon so einiges über mitgenommene Steine gehört… Ohne Probleme kamen wir durch den Zoll und wurden wider Erwarten nicht festgenommen. Danach warteten wir auf die Ankunft unseres Fliegers und mein Magen meldete sich unauffällig wieder - stets im Gedenken des ersten Fluges. Ich bekam Durst und naiv, wie ich nun mal bin, bestellte ich mir eine Fanta. "4 € bitte!" Ich schaute den Kellner an: "4 € für eine kleine Büchse Fanta?" Mir verging der Durst schlagartig und ich flüchtete aus dem Lokal. Im Flugzeug, das wesentlich besser ausgestattet war als das erste, bekam ich dann endlich meine Fanta - diesmal kostenlos. Nun beschäftigte ich mich mit einem anderen Problem. Man sprach hier ständig von Füßen. "Wir haben jetzt eine Höhe von 30000 Fuß erreicht." Was sollte denn das nun schon wieder? Welche Füße? Die meiner Frau oder meine. Sie hat Schuhgröße 37, ich 44. Und mein Sohn hat die Schuhgröße 47. In der Zeit meiner Überlegungen verging die Zeit ziemlich schnell und bald waren wir in Nürnberg gelandet. Unser Auto stand auch noch da und glücklich über eine gesunde, überlebte Landung und wieder um ein paar Erfahrungen reicher, fuhren wir nach Hause.
Ach Mobbel! Mit dir ist es doch am Schönsten!!! Wie freue ich mich auf das Frühjahr!




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Eingereicht am 20. Mai 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.