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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Eine weite Reise

© Sabine Lemke


Es ist Sommer und Ella O'Brian ist am Fluss in der Nähe des Elternhauses. Es ist ruhig nur die Vögel zwitschern und der leichte Wind raschelt, mit den Blättern der Bäume. Ella ist gerne draußen auf der kleinen Lichtung, so kann sie das Geschehen im Wald beobachten.
Ihre Eltern haben nicht viel, außer einer kleinen Hütte aus Holz, mit einer notdürftigen Überdachung für den treuen Esel Harold. Dennoch leben sie dort zufrieden mit ihrer Tochter.
Die Hütte ist klein. Nur ein Raum für die drei, mit einer Kochstelle, zwei Schlafplätzen, in der Ecke stehen zwei Truhen und einem Tisch mit Bänken.
Sie liegt am Rande des Waldes, nahe der Lichtung, unweit des Flusses Moray Firth, südlich des kleinen Ortes Inverness.
Schon seit sie vierzehn Jahre alt ist schläft Ella im Sommer auf der Lichtung und versorgt sich mit der Jagd selbst. In einem Zelt, das sie mit Hirschfelle als Schlafplatz auslegt hat, verbringt sie die Nächte allein. In einer Truhe hat sie ihr Proviant, wie Salz, Brot und ein paar Kräuter.
Ella ist liebliche sechzehn Jahre alt, zierlich gebaut und kann inzwischen sehr gut für sich selbst sorgen. Mit den Jahren hatte sie sich zu einer passablen Jägerin entwickelt. Eine Eigenschaft die sie von ihrem Vater geerbt hat. Sie näht eine neue Decke aus Hirschfellen für die Schlafstelle der Eltern zusammen, es soll eine Überraschung werden.
Es ist schon fast dunkel und immer wieder schaut sie mit einem unguten Gefühl zum Haus hinüber. Trotzdem legte sie sich schlafen und wälzt sich unruhig auf ihren Lager. Am Morgen, die Sonne geht gerade auf, da bemerkt sie eine dunkle Rauchsäule, die verdächtig nahe an ihrer Hütte, emporsteigen.
Ella rannte so schnell sie ihre Beine trugen auf die Rauchsäule zu. Als sie beim Elternhaus an kam stand das Dach schon in Flammen. Sie riss die Tür auf und wollte ihre Eltern rausholen, aber die Hütte war so zu mit Rauch, dass Ella kaum die Hand vor Augen sah. Als sie in der Hütte war, bekam sie gleich einen Hustenanfall und ging wieder raus. Beim rausgehen nahm sie aber noch die Truhe mit die gleich neben der Tür stand.
Hilflos musste sie mit ansehen wie ihre Hütte, mitsamt ihren Eltern, verbrannte. Die einzigen Menschen in ihrem Leben, den ihre ganze Liebe gehörte, waren plötzlich nicht mehr da.
Nach den vergangenen trockenen und heißen Sommerwochen ohne Regen, war das Dach und die Hütte selbst, innerhalb weniger Augenblicke rasch ein Raub der Flammen geworden. Der Brand hatte als Tribut das Leben von Ellas Eltern gefordert. Nur Harold und eine kleine Truhe konnte sie noch aus den Klauen der Flammen entreißen.
Sie besaß jetzt noch weniger als vor dem Unglück. Ihre Kleidung die sie am Leibe trug, ihr Zelt und die Hirschfelle, ihre kleine Vorratskiste, ebenso die Truhe aus der Hütte.
Ella belud den sanften Harold mit der Truhe und ging zu ihrem Zelt zurück.
Dort machte sie sich ein Feuer, ging zum Fluss hinunter um sich einen Fisch zu fangen. Fast mechanisch bereitet ihn im Feuer zu. Erst nach dem Essen, als sie sich niedergelegt hatte, begann Ella um ihre Treusorgende Mutter und ihren geliebten Vater zu weinen. Irgendwann, der Mond war bereits aufgegangen, schlief sie schließlich erschöpft ein.
In dieser Nacht träumte Ella von ihren Eltern. Beide sahen sehr glücklich aus und lächelten sie an. Ihre Mutter sprach liebevoll zu ihr. "Gehe zu meiner Familie, in den Südwesten von Irland, Liebes. Dort leben die McFaddens, sie sind meine Brüder. Die McFadden werden dich bestimmt aufnehmen und dir auch helfen .Aber vielleicht findest du dein Glück dort oder sogar schon während der Reise" Mutter und Vater winkten Ella ein letztes Mal lächelnd zu und ein leichter Nebel hüllte sie.
Als sie am Morgen erwachte, quälte sie ihre Einsamkeit und die Ungewissheit.
Was soll ich jetzt nur tun, dachte Ella, ich hab nichts mehr. Der Winter naht bald und Harold ist auch schon alt. Was mache ich nun, soll ich wirklich nach Irland gehen? Ob Mutters Brüder mich aufnehmen werden? Wie soll ich diesen weiten Weg nur schaffen? Es ist der letzte Wunsch meiner Eltern und ich werde ihn befolgen, entschied sie sich nach langem Überlegen.
Ella hatte ihre Entscheidung getroffen und begann mit den Vorbereitungen.
Sie machte sich daran ihre Kleidung zu waschen. Wenn sie schon auf Reisen ging dann mit sauberen Kleidern. Sich selbst gönnte Ella ein ausgedehntes und erfrischendes Bad im Fluss. In der Sonne trockneten die Kleider, ebenso ihr langes, lockiges blondes Haar, welches sie kämmte und zu einem Zopf flocht. Sie packte ihre wenigen Habseligkeiten in die Truhen und belud später Harold damit. Als ihr gewaschenes Kleid getrocknet war zog sie es wieder an und machte sich auf den weiten, langen Weg.
Ella O'Bryan ging neben Harold auf den sandigen Weg über die Berge. In der Stadt Perth würde sie sich erkundigen wie sie am besten nach Irland kam, und im Stillen hofft sie, dass sie sich einer Reisegesellschaft anschließen konnte. Aber zuerst muss sie herausfinden wie sie an etwas Geld und Reiseproviant kommen konnte. Sie hatte noch genug zusammen um auf dem Weg nach Perth nicht hungern zu müssen. Glücklicher weise besaß sie noch die kleinen Schätze aus der Truhe und jagen konnte sie auch.
Es war zwar nicht viel, aber es war etwas von ihren Eltern, aus ihrer Heimat sie möchte sich nur ungern davon trennen. In der Truhe befinden sich ein blaues Kleid, zwei Ketten ihrer Mutter, zwei warmen Decken, Vaters altem Bogen mitsamt Pfeilen und ein Beutel mit einer Handvoll Münzen. Den Beutel mit dem Geld trug sie fortan immer bei sich, jedoch die Ketten und die Truhe ihrer Mutter muss sie verkaufen. Die Decken würden sie im Winter warm halten und das Kleid passte ihr gut, da Ella fast die gleiche Figur hatte wie ihre Mutter. Dadurch hatte sie etwas zu wechseln für ihre Reise. Wenn die Truhe erst verkauft war hatte Harold leichter zu tragen und ihr würde es wieder möglich sein auf ihm reiten.
Ella war nun inzwischen zehn Tage unterwegs und überrascht wie angenehm die Reise bis jetzt verlaufen war. Erst als es dunkel wurde gönnte sie sich eine Rast, tagsüber ernährte sie sich vom Beeren und den Resten des Vortages.
Abends ging sie mit dem Bogen ihres Vaters auf die Jagd. Sie war jetzt mehr als froh darüber, dass er sie gelehrt hatte wie man Pfeile herstellte und wie man mit dieser Waffe umgeht.
Am ersten Abend gab es einen saftigen Kaninchenbraten, etwas Brot und Beeren. Die Reste ihrer Beute wickelt sie in ein Tuch und legt es in die kleine Truhe mit dem Proviant. So machte sie es fast jeden Abend. Bei einem Jagdausflug jedoch hatte sie besonders viel Glück und erlegt ein kleines Wildschwein, welches ihr drei Tage lang die allabendliche Jagd ersparte.
Der Sommer ging langsam zu Ende und die Nächte wurden merklich kühler, was das Feuer noch gemütlicher erscheinen ließ als sonst. Der Boden war noch von der Sonne angenehm erwärmt. Ella hatte keine Angst vor den Tieren und dem Wald. Sie liebt die Geräusche bei Nacht, das Rufen der Eulen, das sanfte wiegen der Äste. Am Tage kam sie immer zügiger voran und bereits nach zwei Wochen ihrer einsamen Reise, erreichte sie Perth.
Ella freute sich endlich wieder unter Menschen zu sein und will sich auf direktem Weg auf den Marktplatz machen, nachdem sie sich außerhalb der Stadtmauer einen Lagerplatz gesucht hatte um dort ihr Zelt aufzuschlagen.
Ella packte ihre Sachen in eine Decke, nahm die Truhe, die Hasenfelle, wie auch die Ketten ihrer Mutter mit auf den Marktplatz. Insgeheim hoffte sie auf einen guten Preis für diese Sachen, aber sie würde jeden Pfund nehmen.
Es dauerte nicht allzu lange als ein reich aussehender Herr, mit seine Gemahlin, sich Ellas Sachen genauer besah. Schnell war man sich einig und die Felle wechselten gemeinsam mit einer der beiden Ketten den Besitzer.
Ella hatte sogar noch mehr Geld dafür bekommen als sie zuerst angenommen hatte. Sie ruhte sich ein wenig von der Reise aus und war in Gedanken wieder bei ihrer Mutter, die sie sehr vermisst. Ein weiterer Herr in guten Kleidern bleibt bei ihr stehen, um sich nach dem Preis für die Truhe zu erkundigen, welche stabil und besonders schön geschnitzt war. Auch diese und brachte ihr ein guten Preis ein.
Ella beschloss die übrig gebliebene Kette wieder zu verstauen um sie ein anderes Mal zu verkaufen, falls es ihre finanzielle Lage erfordern sollte.
Sie ging noch einmal über den Markt um Brot und Käse zu erwerben, ebenso einen warmen Umhang für die kalte Herbst- und Winterzeit. Schnell fand sie einen Umhang, welcher überraschend günstig war. Sie behielt jedoch noch genug von ihren Einnahmen übrig und beschloss sich zusätzlich warme Stiefel zu kaufen. Mit diesen beiden Neuanschaffungen war sie für den kommenden Winter gerüstet. Ella ging wieder zum Zelt zurück und freute sich über die guten Geschäfte des heutigen Tages.
Am späten Nachmittag suchte sie ein Wirtshaus auf, Harold hatte sie davor angebunden. Im Inneren gönnte sie sich ein warmes Essen und ein ebenso warmen Wein. Sie hatte vor erst am nächsten Morgen weiter zu reisen und gönnte sich deshalb noch etwas Ruhe bei ihrem Becher Wein. Das Wirtshaus füllte sich gegen Abend. An ihren Tisch trat ein junger Mann, der von edler Herkunft zu sein schien. Er war stattlich gebaut, hat blaue leuchtende Augen und lockiges rötliches Haar, das er mit einem Lederband zusammen hielt und trug die Kleidung eines Edelmanns. Der Herr sprach Ella an.
"Entschuldigung", begann er freundlich, " dürften ich und mein Knecht uns an Ihrem Tisch setzten?" Dabei sah er entschuldigend auf die bereits besetzten Plätze in dem lauten Schankraum.
"Mein Name ist Michael Flynn, und das ist Sean wir sind aus der Nähe Dublins." "Ja, gerne ich bin Ella O'Bryan" sagte sie und deutet auf die leeren Plätze ihr gegenüber.
"Vielen Dank, Miss O'Bryan"
"Dublin? Das ist doch in Irland, nicht wahr?" fragte Ella.
"Dublin ist im Osten von Irland"
"Oh, im Osten. Das ist Schade" sagte Ella.
"Wieso schade, warum fragen sie"
"Entschuldigen sie meine Offenheit, aber ich suche eine Reisegesellschaft.
Ich bin auf den Weg zu meinen Verwandten in dem Südwesten von Irland" sagte Ella etwas traurig und schaute weg.
Michael bestellte bei der Wirtin sein Essen und einen Krug Ale. Beide hingen ihren Gedanken nach, und nach einer Weile schaute Ella sich ihren gegenüber etwas genauer an. Sie kam zu den Schluss das Michael und sein Knecht eine angenehme Gesellschaft sein könnten, welche sie gerne auf ihrer Reise hätte.
Michael hingegen wunderte sich das eine junge Frau alleine auf Reisen ging.
Ella fragt sich wohin genau seine Reise ging. Vielleicht bestand ja durchaus die Möglichkeit dass sie sich ihm anschließen könnte, wenigsten für eine Weile.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und führte das unterbrochene Gespräch, so belanglos wie möglich, fort.
"Wohin führt Sie Ihr Weg, wenn sie Perth verlassen, Mr. Flynn?" "Ich bin auf den Weg nach Hause. Meine Eltern erwarten mich Weihnachten in Dublin zurück." antwortet er und fragt sich ob er ihr seine Begleitung vielleicht doch anbieten konnte.
"Dann sind Sie ja in die fast gleiche Richtung unterwegs wie ich. Sind sie, außer mit ihrem Knappen Sean, alleine auf Ihrer Reise?" "Ja, und ich habe mich gefragt, ob Sie uns nicht bis Dublin begleiten möchten?" Ella war erstaunt und atmet gleichzeitig innerlich auf über sein Angebot, da sie sich heimlich dieselbe Frage gestellt hatte.
"Ja, gerne. Es ist angenehmer und vor allem sicherer wenn man nicht allein reist, Mr. Flynn. Ich weiß auch gar nicht was noch alles auf mir zukommt." Michael fragte noch: "Nächtigen Sie hier im Wirtshaus, wenn ich fragen darf?" "Nein, Mr. Flynn, ich habe mein Zelt vor der Stadt aufgeschlagen." "Wir habe ebenfalls ein kleines Zelt dabei und könnte es neben ihrem aufbauen." "Das wäre sehr nett von ihnen. So brauche ich nicht mehr alleine am Waldesrand sein." So schlossen sich Michael und Sean ihr an, als sie sich auf den Weg aus der Stadt macht. Am Waldrand schlugen sie ihr Lager auf, machten ein Feuer und unterhielten sich noch bei einem Becher Wein. Sean war ein sehr stiller junger Mann, der gut für seinen Herren sorgte. Er trug einfache Bauernkleidung und hatte kurz schwarze Haare, aber am auffälligsten waren seine abstehenden Ohren. Später legten sie sich in ihre Zelte und alle dachten unter ihren Hirschfellen über die glückliche Fügung des Schicksals nach.
Bei Sonnenaufgang wurde Michael wach und Sean packte seine Sachen zusammen.
Ella wurde durch die Geräusche, die sie machten, wach und folgte ihrem Beispiel. Sie belud Harold und Michael sein Pferd Moritz, Sean hatte seinen Esel schon beladen. Nach dem Frühstück machten sie sich auf den Weg nach Glasgow.
Vor ihnen lag eine wunderschöne Landschaft. Wohin sie auch schauten alles war von saftigem Grün und auf den Feldern, zur rechten Seite, wo die Ernte eingebracht wurde und links der Wald, wo die Tannen grün sind und die Laubbäume langsam bunte Blätter bekommen. Sie wussten der Weg würde gut sein wird, da Michael erst im Frühjahr diese Strecke geritten war. Ella hing wieder ihren Gedanken nach, für sie war das alles neu, sie kannte doch nur das Dorf in der Nähe ihrer alten Heimat und ihren geliebten Wald, wo sie einst so glücklich gewesen war. Vielleicht war es ja jetzt Zeit für eine Veränderung in ihrem Leben. Zuerst war sie über die Berge gegangen, jetzt lag das Hochland vor ihr und sie hatte seit Perth Gesellschaft. Sie war froh das vorerst mit Michael reisen konnte, und fühlte sich irgendwie sicher in seiner Nähe.
Michael ging abends mit Sean jagen, manchmal auch am Tage, wenn das Wild zu unvorsichtig war und ihren Weg kreuzte. Dadurch hatte Ella genügend Zeit die beiden Zelte aufzubauen und ein Feuer zumachen. Kaum das sie damit fertig war kam auch meistens Michael und Sean von der Jagd zurück. Während der Braten garte unterhielten sie sich bei einem Glas Wein oder Ale. Dadurch lernten sie sich besser kennen und erfuhren so mehr voneinander.
Michael erzählte, dass er bei Verwandten in Dundee den Sommer verbracht hatte. Michael war 25 Jahre alt und sollte ursprünglich in Dundee heiraten.
Jedoch seine Braut erkrankte unerwartet schwer und verstarb.
Deshalb beschloss er wieder zurück nach Irland zu gehen um sich in der Nähe von Dublin erneut eine Braut zu suchen. Doch Michael war sich nicht mehr so sicher, ob er überhaupt noch einmal auf Brautschau gehen sollte. Er denkt gerne an den Tag zurück als er Ella im Wirtshaus traf und sie sich ihm anschloss. Zuerst war ihm nicht recht wohl dabei eine Frau mit auf Reisen zu haben, aber jetzt konnte er es sich kaum noch ohne sie vorstellen. Michael mochte irgendwie ihre Gesellschaft und schätzt dass sie sich allein versorgen konnte. All das deutet darauf hin dass Ella einen Haushalt zu führen wusste. Er dachte sogar daran ob sie vielleicht sogar seinen Haushalt führen könnte. Vielleicht würde sie gerne bei ihm als Magd arbeiten, schließlich war sie ja alleine und wusste noch nicht ob sie bei ihren Verwandten willkommen war. Seine Eltern würden sicher mit Ella einverstanden sein. Ging er abends auf die Jagd, dachte er an sie. Dieses junge scheue Mädchen ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er hegte zärtliche Gefühle für Ella, aber da er ein Sohn eines Gutsherrn ist und sie nur eine Bauerntochter, kam eine Heirat nicht in Frage, sein Vater wäre dagegen.
Wenn er Ella in seiner Nähe behalten möchte dann ginge es nur als Magd. Er sah sie immer vor sich, wie sie sich morgens ihre langen Haare flocht und hinterher das Frühstück zubereiten. Dieses tat sie mit einer Fürsorge die ihm sehr zu Herzen ging. Michael wollte gerne mit ihr darüber reden wagte es jedoch noch nicht. Aber wenn sie Irland erreichten würde er es ihr sagen, falls es sich nicht vorher ergab.
Ella ahnte noch nichts von seinen Gedanken. Sie hatte ihre eigenen Gedanken und Ängste. Sie fragte sich wie ihre Verwandten wohl waren und ob sie dort auch willkommen sein würde. Sie reisten gemütlich und ohne jegliche Hast.
Wenn sie durch eine Stadt kamen gingen sie im Gasthaus essen, und füllten ihren Reiseproviant wieder auf. Jedoch als sie in Glasgow ankamen, wollen sie zwei Tage Rast machen, sie gönnen sich dort ein Zimmer und schliefen in gemütlichen Betten.
Ella zog das Kleid ihrer Mutter an und legte auch die Bernsteinkette um, welche gut zu dem blauen Kleid passte.
Es war zwar mittlerweile etwas zu weit und hing schlaff an ihr herunter, aber sie hatte ja noch einige Münzen. Von denen konnte sich auf dem Markt sicher einen passenden Gürtel kaufen. Auch Michael hatte sich andere Kleidung angelegt um gemeinsam mit Ella zu Abend zu essen. Ella fragte ihm:
"Mr. Flynn, was möchten sie morgen machen?" "Ich dachte wir gehen am Nachmittag über den Markt und vielleicht nach dem Mittagessen am Fluss spazieren." "Ja, das wäre gut. Dann kann ich noch meine Kleidung waschen, soll ich ihre Reisekleidung mit waschen?" "Danke gerne, das wäre sehr nett, Miss O'Bryan" Und so verbrachte Ella den Vormittag damit die Reisekleidung zu waschen.
Nach dem Mittagessen gingen sie zusammen spazieren und dann zum Markt wie am Morgen besprochen. Ella erstand sich den Gürtel, und für Michael sah sie ein Lederband für seine Haare, das sie auch kaufte. Michael war ebenfalls eine Weile alleine an den Ständen unterwegs. Auch er kaufte etwas für Ella.
Als sie abends bei einem Becher Wein beisammen saßen fragte Michael: "Miss O'Bryan, sind sie eigentlich schon einmal mit einem Schiff mitgefahren?" "Nein, noch nicht Mr. Flynn. Wenn ich ehrlich bin, habe ich sogar ein klein wenig Angst vor der bevorstehenden Überfahrt nach Irland." "Sie brauchen keine Angst haben, wir werden bestimmt ein Frachtschiff bekommen. Diese Schiffe haben Kabinen für einige Passagiere, und selbst für Moritz, Harold und Seans Esel wird sich ein sicherer Platz darauf finden.
Die Irische See ist zu der jetzigen Jahreszeit noch nicht sehr stürmisch und wir werden höchstens vier Tage für die Überfahrt benötigen. Also seien Sie ganz unbesorgt Miss O'Bryan." Ella hoffte dass Michael Recht behalten würde, und vor allem das sie nicht Seekrank wurde. Bis zur Überfahrt hatten sie aber noch einen langen Weg vor sich. Sie schob den unangenehmen Gedanken daran erst mal beiseite. Sie gingen früh zu Bett, denn sie wollten zeitig aufbrechen um so den Tag besser nutzen zu können. Sean stand wie immer vor seinem Herren auf und sorgte für das Frühstück und auch dafür, dass sie nach dem Essen aufbrechen können.
Nachdem sie Glasgow verlassen hatten führte ihr Weg an der Küste entlang, wo sie vereinzelte Schiffe auf der Irischen See sahen. Ella mochte die frische, leicht salzige Seeluft und auch die Überfahrt bereitet ihr kaum noch Sorge.
Sie spürte den leichten Wind in ihrem Gesicht und die Zeit verging wie im Fluge.
In Ayr angekommen schlugen sie ihre Zelte auf. Michael ging wie gewöhnlich auf die Jagd und Ella auf den Markt um Brot, Kräuter und Käse zukaufen. Sie hatte alles bekommen und war auf dem Rückweg, als sie hinter sich herannahende Pferde hörte. Sie führte Harold an den Wegesrand um die Reiter vorbei zulassen, aber die Reiter hielten geradewegs auf sie zu. Ein Reiter kam gefährlich nah an Ella heran und griff sich das Bündel mit Brot und Käse. Er sagte kein Wort zu ihr, aber er zog seinen Dolch und stach auf Harold ein. Der Esel brach unter Schmerzen schreiend zusammen wodurch Ella stürzte. Sie sah entsetzt zu dem Reiter hoch und traute ihren Augen nicht, als der Mann auf sie ebenfalls einstechen wollte. Ella rollte sich geschickt zur Seite und wodurch wurde sie nicht zu stark verletzt wurde. Nachdem der Reiter das Blut von Ella sah ließ er von ihr ab und ritt rasch davon.
Ella war schockiert über den Überfall und hatte Angst dass die Reiter zurückkommen könnten. Sie besah sich kurz ihre Wunde und war erleichtert dass sie nicht sehr tief, aber trotzdem sehr schmerzhaft ist. Als sie aufstehen wollte schmerzte ihr Bein und sie brach frustriert zusammen. Was sollte sie jetzt tun? An aufstehen war nicht zu denken, und der arme Harold rührte sich auch nicht mehr. Würden Michael und Sean wohl nach ihr suchen, wenn sie nach der Jagd ein leeres Lager vorfinden? Sie hoffte es und lies sich wieder zurücksinken.
Michael kam später als sonst von der Jagd zurück und wunderte sich sehr, dass vor dem Zelt noch kein Feuer brannte. Er ging in Ellas Zelt um zusehen ob vielleicht etwas mit ihr nicht stimmte. Ihr Zelt war leer. Er fragte sich wo sie sein konnte. War ihr etwas zugestoßen als sie auf dem Markt war? Sean trug er auf das Feuer und das Essen zumachen. Er machte sich auf den Weg um Ella zu suchen.
Er brauchte nicht weit zu reiten, denn am Wegesrand lag der Esel. Das Tier war tot, und Ella lag ganz in seiner Nähe. Sie rührte sich ebenfalls nicht mehr. Michael ahnte fürchterliches. Er kniete neben ihr nieder und erkannte jetzt, dass sie noch atmete. Erleichtert schaute er nach was ihr fehlte und entdeckte die Schnittwunde an ihrem linken Oberarm. Er verband sie geschickt mit einem Streifen von seinem Unterhemd. Während er sie noch verband, kam Ella wieder zu sich. Geschwächt und kurz schilderte sie ihm was passiert war. Sie sagte ihm das sie nicht aufstehen konnte. Michael sah sich ihren rechten Fuß an, und stellte fest dass er stark angeschwollen war. Er suchte nach Stöcken die er als Schienen für ihren Fuß nutzen konnte. Nachdem Ella versorgt war half er ihr auf Moritz und brachte sie in ihr Zelt.
Ella hatte starke Schmerzen und machte sich Gedanken ob Michael und Sean vielleicht ohne sie weiter reisen würden, wie lange wird sie nicht weiter reisen können und was würde sie tun, wenn er ohne sie von hier fort ging.
Sie war voller Zweifel. Ella war inzwischen froh über jeden Tag den Michael bei ihr ist.
Michael machte sich ernsthaft Sorgen um Ella, da er sah welche Schmerzen sie hatte. Was sollte er jetzt tun? Er wollte doch Weihnachten zu Hause sein, aber er konnte doch Ella nicht sich selbst überlassen. Sie braucht ihn gerade jetzt nötiger den je. Wie sollte sie alleine sich versorgen, geschweige denn auf die Jagd gehen. Daher beschloss er bei ihr zubleiben und Ella so lange zu pflegen, selbst wenn es Wochen dauert sollte, bis sie wieder reisefähig war.
Ella konnte bereits nach vier Tagen wieder etwas laufen und die Schnittwunde hatte sich nicht entzündet und schien gut zuheilen. Sie war Michael sehr dankbar für seine Hilfe und seine Fürsorge. Abends saßen sie wie zuvor am Feuer und speisten gemeinsam. Als Ella eines Morgens aus ihrem Zelt kam, traute sie kaum ihren Augen. Michael stand mit einem fremden Pferd da und sagte freundlich: "Das ist Susanna, das Pferd ist für sie, da sie werte Ella, ja ihren Esel verloren haben. Sie können ihr auch einen anderen Namen geben, sie gehört jetzt ihnen" Michael lächelte sie an.
"Oh Danke, Michael, das ist sehr lieb von ihnen. Entschuldigen Sie Mr.
Flynn, aber ich bin ganz durcheinander. Ich habe noch nie ein Pferd besessen." Ella ging zu der Stute und streichelte sie über die Blesse und flüsterte ihr
zu: "Oh Susanna, du bist so schön und siehst so kräftig aus" zu Michael sagt
sie: "Danke, vielen Dank. Susanna ist so eine wundervolle Stute. Ich weiß gar nicht wie ich es Ihnen je danken kann. Sie haben schon so viel für mich getan, mich gefunden und gepflegt und jetzt noch die schöne Stute. Warum sind Sie so nett zu mir?" Michael sah die Gelegenheit ihr zu sagen was er für sie empfand und dachte über seine Wortwahl nach, schließlich sagte er: "Liebe Miss O'Bryan, ich hege schon seit einiger Zeit zärtliche Gefühle für Sie und frage mich ob es bei Ihnen auch so ist" erschaute sie fragend an und zögerte noch einen Moment bevor er weiter sprach. "Aber vor allem dachte ich daran, das sie Herold verloren haben, und da der Weg zu Fuß sehr anstrengend ist, und da könnten sie vielleicht ein Pferd gebrauchen. Wenn es Ihnen jedoch nicht recht ist, dann kann ich ihnen die Stute auch leihen bis wir am Ende unserer Reise angekommen sind. Die Entscheidung liegt ganz allein bei ihnen." Ella zog sich erst mal zurück. Sie war noch zu verlegen und musste sich über das Gesagte erst klar werden. Konnte sie überhaupt ein so wertvolles Geschenk annehmen, oder sollte sie Susanna sich lieber leihen? Und was sollte das mit den zärtlichen Gefühlen? Weshalb sprach er so offen darüber?
Hatte sie ihn doch zu lange angesehen oder gar angestarrt? Ihr war bewusst, das sie es tat, war sich jedoch sicher gewesen das er es nicht bemerkt hatte. Ja. Sie mochte Michael und fühlte sich sichtlich wohl in seiner Nähe. Er hatte sie gepflegt über Tage und sie sehnte sich inzwischen nach jeder seiner flüchtigen Berührungen. Michael ging ihr jetzt kaum noch aus dem Kopf und sie wartete jedes Mal sehnsüchtig wenn er auf Jagd war. Was soll ich nur tun fragte sie sich immer wieder, schließlich war er ein edler Herr und sie nur eine Bauerntochter.
Michael war erstaunt über ihre heftige Reaktion, aber sie hatte ihn Michael genannt. Aber als sie sich zurück zog fragte er sich was sie jetzt von ihm dachte und wie sie sich entscheiden würde.
In ihrem Zelt suchte Ella das Lederband, welches sie für Michael gekauft hat. Nachdem sie es gefunden hatte ging sie wieder zu Michael.
"Mr. Flynn, ich möchte gerne die Stute vorerst leihen! Vielleicht entscheide ich mich ja später anders, wenn dann Ihr Angebot noch bestehen sollte. Aber ich möchte Ihnen etwas geben. Das ist für Ihre Mühe, die Sie mit mir hatten um mich so bei Ihnen zu bedanken. Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber ich hoffe dennoch dass es Ihnen gefällt. " "Oh, danke Miss O'Bryan, es ist ein sehr schönes Band, das ist sehr lieb von Ihnen. Darf ich fragen ob ich Sie vorhin verletzt habe als ich ihnen meine Gefühle so offen darlegte?" "Nein, Sie haben mich nicht verletzt. Es kam nur etwas unerwartet. Wenn ich ebenfalls offen sein darf?", erwartungsvoll schaute sie Michael an. Er nickte, "auch ich hege zärtliche Gefühle für Sie, wagte jedoch noch nicht sie zu zeigen, da Sie ja erst ihre Braut verloren haben und auch von edlerer Herkunft sind als ich." "Oh Miss O'Bryan, ich bin erleichtert. Ich dachte schon Sie würden nur mit mir reisen wegen der Gefahren. Ich hatte kaum zu hoffen gewagt, dass Sie auch für mich etwas empfinden." Michael ging auf Ella zu und nahm sie in seine Arme. Sie schaute zu ihm auf und ein Lächeln umspielte ihren Mund, ihre Augen leuchteten, und auch Michael sah glücklich aus. Zaghaft hielten sie sich in den Armen und küssten sich.
Später fragte Michael: "Was meinen sie können wir weiter reiten?" "Sie haben Recht. Es ist schon Ende September und der Winter naht. Wir sollten bald weiter reiten. Wenn Sie mir helfen auf die Stute zu steigen können wir es versuchen. Würden sie mir helfen?" "Trauen Sie sich denn schon zu, zu reiten? Ich bin ihnen gerne behilflich." Sie gingen zum Pferd und Ella saß auf, es klappte besser als sie gedacht hatten. Während des Ausritts schauten sie sich immer wieder verlegen an und hingen beide ihren Sehnsüchten nach. Michael dachte darüber nach wie es wohl sein würde bei Ella zu liegen und sie immer wieder zu küssen. Auch wann es sich wohl ergeben würde, ohne das er sie zu sehr bedrängte.
Ella ahnte noch nichts von dem was auf sie zukommen würde. Sie hatte nur jedes Mal dieses angenehme Kribbeln im Bauch, wenn Michael sie nur ansah oder etwa berührte. Dann verspürte sie den fast unwiderstehlichen Drang ihre Lippen auf die seinen zulegen. Und dennoch fragte sie sich wie es wohl sein würde, ihn zu spüren und ihn richtig zu küssen. Wann würde es soweit sein?
In Gedanken versunken ritten sie eine Weile nebeneinander her.
Das Absitzen vom Pferd war noch etwas zu schmerzhaft für Ella. Deshalb warteten sie noch weitere zwei Tage ab. Erst dann brachen sie wieder auf, um ihre Reise fortzusetzen.
Bis nach Stranraer gab es keine weiteren Zwischenfällen und sie ritten noch immer an der Küste entlang. In Stranraer angekommen gingen sie zum Hafen und erkundigten sich nach einem Frachtschiff das sie mitnehmen konnte. Sie hatten Glück. Der Kapitän des zweiten Schiffes sagte: "Ich habe noch eine Kabine frei, die Sie mit Ihrer Gemahlin gerne haben können. Ihr Knecht kann bei den Tieren oder bei der Mannschaft schlafen. Ich laufe morgen früh aus." Michael schaute Ella fragend an und Ella gab nickend ihr Einverständnis. So mieteten sie die letzte freie Kabine und die Plätze für Moritz, Susanna und Seans Esel. Nachdem alles auf dem Schiff verstaut war suchten sie ein Gasthaus auf um dort ihr Abendessen einzunehmen.
Sie unterhielten sich beim Essen und Michael fragte vorsichtig: "Miss Ella, ich hoffe es ist nicht zu unangenehm mit mir eine Kabine zu teilen. Ich werde meine Felle in einer Ecke legen und dort schlafen. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen." Ella war etwas verlegen und gleichzeitig erleichtert. Sie wusste, dass man zuerst verheiratet sein musste, um beieinander liegen zu können. Dennoch sehnte sie sich inzwischen sehr danach ihn neben sich zu spüren, ebenso wie Michael.
Nachdem sie wieder an Bord waren sahen sie sich ihre Kabine genauer an und verstauten ihr Gepäck, anschließend legten sich zur Nacht nieder.
Noch bevor es richtig hell wurde lief das Schiff aus. Die Irische See war während der Überfahrt ziemlich ruhig, wodurch es ihnen möglich war die Schiffsreise zu genießen. Auch der Fuß von Ella schmerzte jetzt kaum noch.
Sie ging deshalb oft an Deck und genoss die frische Seeluft. Michael hingegen blieb lieber unter Deck. Er vertrug die Seefahrt nicht so gut und hatte sich die meiste Zeit übergeben. Nun pflegte Ella ihn, es waren Gott sei Dank nur vier Tage, als das Schiff endlich in Larne anlegte.
In Larne nahmen sie sich im nächsten Gasthaus ein Zimmer und Michael erholte sich dort von der Schiffsreise. Auch Ella genoss die ungeplante Ruhepause.
Michael und Ella gingen oft spazieren und auch über den Markt. Sie speisten zusammen und unterhielten sich gut. Seit der Abreise in Ayr hatten sie sich noch besser kennen gelernt und auch ihre Gefühle zueinander waren gewachsen.
An ihrem letzten Tag in Larne gingen sie nochmals aus zum Abendessen. Sie saßen alleine am Tisch. Michael bestellte für Ella Wein und für sich selbst warmes Ale. Ein Gespräch wollte sich nicht recht einstellen, und so schauten sie sich nur an und hingen ihren Gedanken nach.
Ella fragte sich, wie es wohl im Süden von Irland oder in Dublin sein würde, ob sie vielleicht über Weihnachten bei Michaels Familie bleiben konnte oder vielleicht für immer? Und vor allem, wollte er sie überhaupt für immer bei sich haben? Sie war sich so unsicher und doch hofft sie auf die Güte und Liebe von Michael. Was sollte nur aus ihr werden in diesem fremden Land? Was ist wenn sie doch nicht bei ihm bleiben kann? Was ist mit ihren Verwandten, nehmen sie auch auf in ihrer Not?
Michael hingegen war sich nur über eines unklar. Mochte Ella ihn genau so sehr wie er sie? Würde sie bei ihm bleiben wollen um ihn zu heiraten oder wenigstens als Magd, falls sein Vater gegen eine Heirat unter dem Stand ist.
Oder sollte er vielleicht mit ihr gehen zu ihren Verwandten? Ja, das könnte er machen und damit dann auf sein Erbe verzichten.
Entlang der Küste von der Irische See ritten sie in Richtung Dublin. Michael fühlte sich wohl, das Grün seiner Heimat und die feuchte Seeluft, er war wieder in Irland und hatte Ella bei sich.
Ella genoss die schöne Landschaft. Dennoch sah sie die Zeit nahen, wo sie sich entscheiden muss. Sie wusste jetzt was sie wollte, aber wird sie es auch bekommen? Wie würden wohl seine Eltern auf sie reagieren und würden sie einer Heirat überhaupt zustimmen? Diese Gedanken waren schuld daran, das sie diesen Teil der Reise nicht wirklich genießen konnte. Vor allem die Angst vor der Zukunft nahm sie gefangen.
Sie machten oft Rast und gingen auf Märkten um noch etwas Stoff und andre Kleinigkeiten zu kaufen. Anfang Dezember kamen sie in Dublin an, und Michael erzählte immer mehr von seinen Eltern um Ella die Furcht vor ihnen zunehmen.
Sie waren nur noch wenige Meilen von Michaels Gutshof entfernt, und Ella konnte es nicht mehr ertragen, diese Ungewissheit vor dem Neuen.
Der Gutshof war wirklich beeindruckend. Ein großes Steinhaus und drei Nebengebäude, wo die Pferde, Kühe und Schafe untergebracht waren, eine große Scheune und einen gut bestückten Kräutergarten. Es war soviel neues für Ella, aber sie fühlte sich jetzt schon wohl und freute sich auf die Zeit bei Michaels Eltern. Sean brachte die Pferde und den Esel in den Stall.
Sie gingen zum Wohnhaus und Michaels Mutter kam ihnen entgegen. Mrs.
Elisabeth Flynn freute sich sehr ihren Sohn wiederzusehen und umarmte ihn herzlich. Die Freude hielt nicht an und sie sagte traurig zu Michael:
"Michael, dein Vater hatte im September einen Unfall gehabt. Es war der erste stärkere Herbststurm, die alte Birke stürzte auf ihn. Wir konnten ihn zwar von ihr befreien aber er hatte sich einige Rippen gebrochen. Zwei davon
durchbohrten seine Lunge. Der Arzt konnte ihm nur noch die Schmerzen erleichtern. Dein Vater ging eine Woche später von uns.
Es tut mir so leid, aber du warst auf Reisen und ich wusste nicht wohin ich dir schreiben könnte, also habe ich bis heute, damit gewartet um dir zu sagen das du jetzt der Herr vom Flynn Gutshof bist." Ella stand etwas verlegen hinter Michael, der sagte zur Mutter:
"Aber Mutter, ich bin jetzt ja hier und ich möchte Dir erst mal Miss Ella O'Bryan vorstellen. Wir reisen seit Perth zusammen, und ich möchte dich um dein Einverständnis bitten, das Miss Ella über die Feiertage hier bleiben kann. Aber darüber und Vaters Nachlass können wir beim Essen noch reden. Wir sind hungrig und auch ziemlich durchgefroren. Lass uns am warmen Kaminfeuer platz nehmen." Als sie am Kamin saßen, ging Mrs. Elisabeth in die Küche und lies das Essen zubereiten. Sie kam mit einem Krug warmer Ale und drei Bechern zurück. Sie setzte sich auf einen Schemel und die drei unterhielten sich über die Reise von Michael, und über Ellas Gründe nach Irland zu kommen.
Mrs. Flynn berichtete Michael alles, was er jetzt machen und beachten muss, damit sein Erbe als Gutsherr gerecht wird. Mrs. Flynn hatte nichts dagegen das Ella ein Weile auf dem Hof blieb und bot ihr bei allem ihre Hilfe an.
Ella war erleichtert und bedankte sich bei ihr. Etwas verlegen fragte Ella Michaels Mutter: "Mrs. Flynn könnten Sie mir bitte zeigen wo ich schlafen werde? Ich möchte mich vor dem Essen noch etwas frisch machen und meine Truhe ausräumen." Michael ging raus, brachte die Truhe von Ella hereinrein und trug sie in ihre Kammer. Der Raum war sehr geräumig. Es befand sich einen Kamin, ein Bett und einen Tisch auf dem eine Schüssel und ein Wasserkrug stand darin.
Im Kamin brannte bereits ein munteres Feuer. Es gab ein Fenster welches mit einem Fenstergitter, das mit einem Harz und Talg getränkten Leinentuch, verschlossen war. Ella ging darauf zu, nahm das Tuch raus und lies die frische, kalte Luft hinein. Sie entdeckte den Wald hinter dem Hof und fühlte sich, etwas wehmütig, an ihre Heimat erinnert.
Sie war noch in Gedanken versunken und fuhr zusammen als es an der Tür klopfte. Es war Michael der Ella zum Essen holte. Er ging auf sie zu und küsste sie. Ella genoss diese Momente wo er ihr so nahe war, aber etwas war jetzt anders. Michael schob sie auf Armeslänge zurück sah sie ernst an.
"Miss Ella, jetzt sind wir schon so lange zusammen gereist und meine Gefühle für Sie haben sich geändert." Ella sah ihn entsetzt an. Wollte er dass sie jetzt doch weiter reiste? War seine Mutter etwa doch gegen sie? Aber Michael wischte ihre trüben Gedanken, nach einer kleinen Pause, mit einem einzigen Satz beiseite.
"Ich liebe Sie, Miss Ella und ich möchte Sie bitten meine Frau zu werden." Ella hielt die Luft an. War es wirklich wahr, was sie eben gehörte hatte?
Sie sah Michael verliebt an und antwortete: "Oh Michael, sie sind so gütig zu mir gewesen auf unserer gemeinsamen Reise. Sie haben mich gepflegt und mir Susanna geschenkt und jetzt möchten sie mich heiraten? Aber ich habe keine Mitgift und nur eine Bauerntochter. Außer jagen und etwas kochen kann ich nichts. Dass einzige was ich ihnen geben kann ist mein Herz und meine ganze Liebe zu ihnen." Michael nahm sie glücklich in seine Arme und küsste sie erneut. Gemeinsam gingen sie hinunter, wo Mrs. Flynn bereits am gedeckten Tisch auf die beiden wartete.
Sie speisten gemeinsam und Michael eröffnete seiner Mutter dass er Ella liebte und sie heiraten wollte. Mrs. Flynn sah nun Ella genauer an und sah die strahlenden Augen der jungen Frau. Elisabeth wusste jetzt dass ihr Sohn eine gute Frau bekommen würde. Lächelnd gab sie gerne ihren Segen für die Ehe. Michael und Ella schauten sich verliebt an und waren glücklich das Mrs.
Flynn nicht gegen ihre gemeinsame Zukunft einzuwenden hatte. Nach dem Essen gingen sie spazieren gaben sich ihrer frischen Liebe hin und küssten sich immer wieder.
Am nächsten Morgen saß Mrs. Flynn am Fenster und stickte. Ella sah ihr fasziniert zu. Elisabeth bemerkte es: "Miss Ella setzten Sie sich doch zu mir und sticken sie auch ein wenig." "Mrs. Flynn es tut mir leid, aber ich habe noch nie gestickt oder etwa gewebt. Ich ging nur jagen da wir in einem Wald lebten. Meine Eltern und ich holten, was wir zum Leben brauchten, aus dem Wald und tauschten auf dem Markt Fleisch gegen Stoffe, Salz oder Käse." Wenn auch Mrs. Flynn anfangs etwas schockiert war, das eine junge Frau nicht sticken kann, zeigte sie es Ella nicht, sondern bot ihr an es von ihr zu erlernen. Und so lernte Ella sticken, weben, nähen und auch das Spinnen der Schafswolle. Sie ist sehr geschickt, begriff schnell und fand bald Gefallen an diesen Arbeiten. Ella fertigte ein besticktes Hemd für Michael, das er am Heiligen Abend von ihr bekommen soll.
Im Januar begannen die Vorbereitungen der Hochzeit die im Februar stattfinden sollte. Ella war so glücklich wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
Sie bestickte gekonnt ihr Hochzeitkleid. Es war das blaue Kleid ihrer Mutter welches sie mit Stickereien verzierte. Von Mrs. Flynn bekam sie den Brautschleier, welchen sie selbst vor vielen Jahren, bei ihrer eigenen Hochzeit getragen hatte.
Der Februar nahte und Ella dachte viel an ihren Eltern. Sie war traurig, dass die beiden nicht daran teilnehmen konnten, geschweige denn jemand anderes aus ihrer Familie. Sie kannte ja auch keinen von ihnen, wussten sie überhaupt dass sie existierte? Das war jedoch nicht mehr weiter wichtig.
Michael liebte sie. Ella würde für immer bei ihm bleiben und versuchen ihm eine gute Ehefrau zu sein.
Epilog
Kurz nach der Hochzeit, im Mai verstarb Michaels Mutter an einem heimtückischen Fieber. Ella merkte einige Tage später, dass sie schwanger war. Trotz der traurigen Ereignisse der letzten Monate freute sich Michael auf das Baby. Ende Januar bekam Ella einen Sohn dem sie den Namen von Michaels Vater Seamus gaben. Ella hatte jetzt wieder ein zu Hause. Sie war überglücklich mit ihrer kleinen Familie.



Eingereicht am 25. Juli 2005.
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