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Schaukel der Liebe

Thomas Zumstein


Liebe ist wie eine Schaukel, die sich im Wind wiegt. Die Liebe schaukelte im Wind. Diese Gedanken strömten durch mich, als ich von ihr träumte. Ich lag in diesem weißen Raum. Nadinchen lag schlafend neben mir. Dieser Raum gehörte zu einem Luxushotel. Es gab so viele Zimmer. Ich hatte die Liebe die Poesie verloren an jenem ersten Herbsttag und es war alles schon so lange her, doch jede Nacht dachte ich an jenen Sommer, dachte an den Spiegel, an unsere Herzen.
Ihr hellblondes Haar, die grauen Augen, der schüchterne Mund, ein sanfter Strich, so lieblich und samten wie die Sonne. Ich fand sie unter einer Wolke. Sie machte einen traurigen Eindruck. Ich stand im Schatten eines Sterns. Ich bewunderte sie. Ihre Finger streichelten die Wolke. Gleichzeitig wechselte die Wolke ihre Farbe in all' erdenklichen Regenbogenfarben.
So ging es Tag für Tag. Ich war zu schüchtern aus dem Licht des Sterns zu kommen, ihr zu sagen, wie schön sie zauberte. Es würde sie eh nur erschrecken, denn ich war der Sohn des Kriegsgotts, ich war anders. Mein einziger Lichtblick war ihre Sonnenaura, der Schein der Freiheit.
Meine Augen wanderten über ihre weiche Haut, über die Wölbungen der Schultern. Sie mochte fünfundzwanzig Jahre alt gewesen sein, doch die Frau in ihr schien heraus wie ein göttliches Feuer. Manchmal lag sie auch einfach auf der Wolke und erzählte sich Geschichten. Ihre Stimme war so zart, so traurig und ich fragte mich, ob sie nicht versuchte sich zu befreien. Wir alle suchen nach Schutz, nach Antworten auf das Entsetzen unseres Lebens, denn wir alle kämpfen um jeden Tag in dieser Welt.
Als der Sommer verblich, geschah es, dass ich mich verriet. Ich hatte nicht vor, sie zu erschrecken, ich wusste nicht wie ich ihr begegnen sollte und als ich dann meinen Tod vorgab, erstarrte ich innerlich, als die Stimme verklang. In meinem Bett abends dachte ich drüber nach wie sie wohl heißen mochte. Ich nannte sie Sonnenjungfrau.
Plötzlich stand sie neben mir. Sie starrte mich an, aber da war kein Entsetzen. Mochte sie verstehen, dass die roten und blauen Flecken auf meinem Körper eine Krankheit waren? Dachte sie an die Pest, an irgendetwas Ansteckendes? Sie kniete an meiner Seite, stützte mich und tat als ob ich mich richtig verletzt hätte. Aber es war nichts Ernstes. Es war nur die Kraft in mir, die Tag für Tag von meinem Leben wich. Ich hatte nicht mehr viel Zeit und ich hatte nichts weiter als ihre Melodie, bis zu jenem Moment, da ich sie sagen hörte: "Wer hat dir wehgetan?" Sie fragte nicht wer ich bin, sie sagte nicht, dass ich ein Scheusal sei! Sie strich stattdessen durch meine wenigen Haare, hielt mich fest, wie nur mein Vater das vermag. Wie ich es kannte aus den frühesten Tagen und ich weinte, ich schluchzte.
Dieses Mal sah ich den Sonnenuntergang, als sie den Arm um mich schlang und wir in der Wolke lagen. Ich glaubte Honig zu riechen, das war ihr Haar. Tränen auch, wie Meer. Sie erzählte mir, dass die Wolke den Liebeshauch gab. Ich sagte ihr, ich dass ich sie jeden Tag beobachtete, damit ich nicht den Verstand verlor. Sie verstand nicht was ich meinte, aber es war nicht wichtig, dass sie wusste, was die Welt für mich bedeutete. Es war nur von Bedeutung, dass ich sie sah und sprechen hörte. Sie nahm ihre Wolke und streichelte sie. Als sie damit aufhörte, umarmten wir uns und sie sagte: "Wir werden uns nie vergessen."



Eingereicht am 13. Februar 2005.
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