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Spätes Glück

Conny Claussner


Palmen rauschten leise im milden Abendwind. Das Meer schien heute seine Wellen im sanften Rhythmus zu schlagen. Das Wasser war glasklar. Der schwarze Sand knirschte leise unter Sylvias Füßen. Sie liebte diese langen Wanderrungen am Strand, die sie meist alleine unternahm. So konnte sie sich ungestört mit dem Meer unterhalten. Sie erzählte ihm von ihrer verlorenen Liebe und ihren Träumen. Das Meer gab leise seine rauschende Antwort. Sie hatte es geschafft, konnte ihren Lebensabend hier in diesem Paradies verbringen. Sie war heute 61, fühlte sich aber, seit sie unter spanischer Sonne lebte, nicht so alt.
Sie liebte es immer noch nackt zu baden. Suchte einsame Buchten dazu .Sie war fit und gesund, trotz der 61 Jahre und sie dachte immer noch voller Sehnsucht an den einen Mann, dem sie damals vor 20 Jahren ihr ganzes Herz gegeben hat. Ihr Herz schlug noch immer sehr heftig, voller Liebesgedanken, wenn sie nur an ihn dachte. Endlich hatte sie diese einsame Bucht erreicht. Sofort zog sie sich aus und sprang kopfüber in das kristallklare Wasser. Sie schwamm auf dem goldenen Strahl der untergehenden Sonne, fühlte sich so wohl, so frei.
Zu Hause in ihrem kleinen Häuschen am Meer, gönnte sie sich abends ein Glas Rotwein .Sie hatte wirklich großes Glück, als ihr Bruder dieses Vermögen vererbte. So konnte sie sich hier im Land der ewigen Sonne einen Traum erfüllen. Ihr Mann war gestorben. Die Tochter Melanie nach Australien ausgewandert. Was hielt sie also noch in Deutschland? Den Mann, den sie wirklich liebte, konnte sie nie haben, er war für sie unerreichbar geworden. Jahrelang hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Jahrelang hatte sie um ihn geweint und gehofft, dass er doch noch eines Tags zu ihr zu rück kommt. Doch Bertram schwieg eisern, all die Jahre hatte er sich nie wieder gemeldet Das Letzte was sie von ihm hörte, war ein Satz. "Jeder hat sein Schicksal"
Diesen Satz hatte sie aufgeschrieben und neben seinem Bild gestellt, das auf ihrem Nachttischschränkchen stand. Er strahlte sie so lieb an, mit seinen blauen magischen Augen.
Sie sah auf seine langen schwarzen Haare, die so liebte. Hatte sich so oft vorgestellt darin zärtlich zu raufen, wenn er sie küsst. Doch es waren nur Träume ihrer Fantasien Ein, zwei Mal waren sie sich sehr nahe gekommen, doch geküsst hatte er sie nie. Aber sie hat einmal in seine langen Haare gefasst, voller Zärtlichkeit, als er sehr verzweifelt war und sich von ihr umarmen ließ.
Es war nur dies eine Mal, da sie ihrem Traum sehr nahe war. Kein Mann konnte ihn je ersetzten. Er war einzigartig für sie.
Morgen würde Sylvia auf andere Gedanken kommen dachte sie. Da gab es im Hotel "Sun Royal" eine Feier zum Tag der deutschen Einheit, wozu man die Deutschen eingeladen hatte, die auf Teneriffa lebten. Sylvia hatte sich extra in Schale geworfen. Ihre Haare waren frisch frisiert. Rötlich schimmerten ihre schulterlangen Locken. Sie hatte eine duftende rote Blüte in ihr Haar gesteckt. Das sah besonders reizvoll aus. Wenn man Sylvia so sah, mit dem weißen Sommerleidkleid, dem dezenten Make Up und den unverkennbaren Rundungen, käme man nicht darauf, dass sie schon 61 Jahre alt war.
Sie betrat desinteressiert die Empfangshalle. Eigentlich hatte sie gar keine Lust zu dem Empfang zu gehen, da sie ja für immer hier in Spanien lebte. Die Sprache konnte sie nun auch fließend und sie nahm lieber an spanischen Fiestas teil. Aber sie wollte die werte Nachbarschaft nicht verärgern. Man reichte ihr ein Glas Champagner. Bekannte sprachen sie an und ein gelangweites Gespräch entstand. Sylvia sah in die Runde. Viele ältere Deutsche waren eingetroffen um den Tag der deutschen Einheit zu feiern. Ein großer Reisveranstalter hielt eine Rede. Dann gab es das übliche kulturelle Rahmenprogramm. Sylvia ging auf die Terrasse, von der aus sich ein herrliches Panorama auf das Meer bot. Irgendetwas schreckte sie aus den Gedanken. Es war diese Musik, Klänge, die ihr vertraut waren, die Art des Spiels. Es gab in ihrem Herzen einen Stich. Es war wieder da, wie von Zauberhand, diese Sehnsucht nach Bertram, war wieder erwacht. Sie betrat wie im Trance die Halle rempelte einen Mann an, der wie versteinert mit einem Sektglas an der Tür stand. "Können Sie nicht----"
Sie starrten sich an. Der Boden unter Sylvias Füssen schien zu schwanken. Sie sah in magisch blaue Augen. "Bertram!", schrie sie außer Atem. Er fing sie auf, da sie das Gleichgewicht verloren hatte. Sie fühlte seinen Atem und seine Lippen die auf den ihren brannten. Es war der erste Kuss von ihm. Bertram sah noch genau so aus wie vor 10 Jahren, nur seine Haare waren jetzt grau, aber immer schön, zum Wühlen.
Die untergehende Sonne warf einen goldenen Strahl auf das Meer als zwei glückliche Menschen eng umschlungen am Strand entlanggingen.



Eingereicht am 19. Januar 2005.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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