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Warten auf ein Wunder

Patricia Bauer


Sie hasste diese Sonntage. Hatte sie immer gehasst. Ein sentimentaler Film hatte sie bis in ihr Innerstes aufgewühlt. Durch den Abspann und die Vorschau auf den nächsten Film kam all die Einsamkeit zurück, in der sie sich noch vor dem Film befunden hatte. Schleppend stand sie auf, ging in die Küche an den Kühlschrank, in dem die Flasche Wein wartete. Sie wusste, es würde ihr nach dem Wein noch schlechter gehen, aber genau das wollte sie.
Die Sehnsucht nach ihm war riesengroß. Dabei hatten sie sich erst gestern gesehen. Sie wusste nicht, wo er war und was er jetzt tat, aber sie wünschte sich, er wäre jetzt bei ihr. Oft hasste sie sich dafür, dass sie ihn so sehr liebte. Wieder und wieder fragte sie sich, ob ein Leben ohne Liebe nicht ruhiger sei, ohne die vielen Qualen, ohne die vielen Tränen. Viele Nächte hatte sie durchweint, weil sie alleine in ihrem Bett lag. Viele Stunden sich nach ihm gesehnt. Nach seiner Nähe, nach der Wärme, die er ausstrahlte. Sie wusste, je mehr sie von dem Wein trank, desto größer würde die Sehnsucht werden.
Oft fragte sie sich, ob sie nicht zu viel wollte. Ob sie nicht geduldiger sein sollte, oder ob sie nicht einfach aufgeben das Beste war. Doch sie war eine Kämpferin, und aufgeben war das Letzte was sie wollte. Sie konnte nicht ohne ihn leben.
Immer wieder kamen Erinnerungen zurück, Erinnerungen an die vergangenen zwei Jahre. Zuerst waren es nur die schönen Erinnerungen, an die wunderschönen Momente mit ihm. Sie lächelte und zündete sich eine Zigarette an. Schloss die Augen. Sie sah in vor sich, mit seinem spitzbübischen Lächeln, welchen Spaß sie miteinander hatten. Doch unmerklich machten sich die Gedanken selbstständig. Da waren sie wieder, die hässlichen Gedanken, die sie oft so fertig machten. Sie wusste, dass er sie nicht liebte. Er hatte es ihr oft genug gesagt, wenn sie sich gestritten hatten. Sie brauchte nur diesen einen Gedanken, um in wieder in ihre Trauer zu versinken. Da war kein Platz mehr für schöne Erinnerungen, sie verblassten in Sekunden.
Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Wo war er jetzt, warum meldete er sich nicht, war ihm etwas passiert? Wer würde es ihr sagen, wenn ihm was zustoßen sollte? Sie spürte wie ihre Hände feucht wurden. Eine innere Unruhe überfiel sie. Ob sie ihn anrufen sollte? Was würde er denken? Würde er sich über den Anruf freuen? Überhaupt, würde er zuhause sein?
Sie goss sich das dritte Glas ein. Der Wein begann langsam zu wirken, ihr wurde warm. Langsam drehte sie sich um, sah auf das Bild von ihm an der Wand. Er strahlte sie an. Sie stand auf, nahm das Bild von der Wand und legte es in den Schrank unter ihre Wäsche. Das machte sie oft, und genauso oft nahm die Bild wieder aus dem Schrank und hängte es an seinen Platz zurück.
Sie versuchte, die Notbremse zu ziehen und schaltete Musik ein. Sie war ein sehr emotionaler Mensch, und die Musik würde ihr helfen, die nächsten Stunden zu überstehen. Sie musste nur die richtige wählen. Die Klänge taten ihre Wirkung. Sie dachte immer noch an ihn. Aber nicht mehr sehnsuchtsvoll. Sie war sich sicher, ihn irgendwann vergessen zu können. Sie kannte das Gefühl, ihn nicht mehr zu haben. Oft genug hatte sie mit ihm Schluss gemacht. Sie wusste, irgendwann würde sie ihm widerstehen können, wenn er sie wieder anrief.
Viele Fragen brannten auf Ihrer Seele. Fragen, die sie ihm immer stellen wollte, die sie sich aber nie getraut hatte. Warum er mit ihr zusammen war, was sie ihm bedeutete, doch ihre Angst vor den Antworten war größer als die Ungewissheit. Doch immer wieder nahm sie sich vor, ihn endlich zu fragen.
Sie war sich sehr, sehr sicher, ihn endlich eines Tages vergessen zu können.
Das Handy unterbrach ihre Gedanken. Es war eine Nachricht von ihm: Hallo mein Schatz, ich vermisse dich. Ich hab dich lieb ...
Sie lächelte und ihr wurde warm ums Herz. Und sie wusste, dass sie niemals ohne ihn sein wollte. Ihre Sehnsucht nach ihm war riesengroß, doch sie wusste, sie würde ihn bald wieder sehen und es würde wunderschön werden. Sie musste nur Geduld haben ... dann würden all ihre Wünsche in Erfüllung gehen ...



Eingereicht am 16. Januar 2005.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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