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Gedanken

Von Kirsten Bergen


"Du hast mich tausendmal belogen ..."
Ich hasse diesen Schlager. Ich hasse ihn und wenn ich diese Zeilen höre, wird mir jedes Mal bewusst, dass ich ihn hasse, weil er mich viel zu sehr an meine eigene Situation erinnert.
"Du hast mich tausendmal verletzt ..."
Total dämlicher Text, Herzschmerz, der zum Weglaufen ist.
Zum Weglaufen, so wie unsere Beziehung.
Nur ich laufe nicht weg, denn ich bin viel zu feige.
Feige, ja, das ist das richtige Wort. Ich bleibe in einer Beziehung, die mich alles andere als glücklich macht, die mir die Luft zum Atmen nimmt und in der ich von Tag zu Tag mehr das Gefühl bekomme, dass meine gesamte Energie aus mir verschwindet wie Luft aus einem kaputten Fahrradreifen. Ich bleibe aus Angst vor der Reaktion meiner Eltern, der Nachbarn, der Arbeitskollegen, aus Angst vor der Zukunft.
Denn hier habe ich immerhin noch ein bisschen Gewohnheit. Manchmal denke ich mir auch, dass es mir gar nicht mehr soviel ausmacht. Dass es mir eigentlich egal ist, bei welcher Frau du jetzt wieder bist, denn du kommst ja zurück zu mir.
"Ich bin mit dir so hoch geflogen ..."
Dann denke ich mir, dass ich es verdrängen kann, dieses Gefühl der Verletztheit.
Diese Stunden, in denen du weg bist, existieren einfach nicht, versteckt in den hintersten Ecken meines Herzens und meiner Seele. Dann gibt mir dieses bisschen Gewohnheit Sicherheit.
Bis diese Stunden sich mit einem Schlag in den Vordergrund drängen. Auf mich einstürzen wie die Steine eines zusammenfallenden Hauses. Dann weiß ich, dass ich eigentlich nicht bei dir bleiben kann. Dass mich diese Gewohnheit nicht auffängt, wenn du mich wieder einmal fallen lässt.
Und dann sitze ich da und warte auf den entscheidenden Impuls um mein Leben endlich wieder selbst in die Hand zu nehmen. Aber Warten bringt nichts, eigentlich weiß ich das.
Und trotzdem klammere ich mich an dieses verdammte bisschen Gewohnheit.
Kann Warten auch zur Gewohnheit werden?
"Du hast mich tausendmal belogen ..."
Ich weiß, dass diese Beziehung mir meine gesamte Kraft raubt, mir mein gesamtes Selbstwertgefühl nimmt. Und trotzdem bleibe ich. Ist das noch Liebe oder Hörigkeit?
Bin ich dir hörig?
Dir, einem Mann, für den sein eigenes Wort nichts zählt? Einem Mann, der wissentlich die Gefühle eines anderen mit Füßen tritt?
"Du hast mich tausendmal verletzt ..."
Ich will dir nicht hörig sein.
Ich werde meine letzten Kräfte sammeln um den einen, den entscheidenden Schritt zu tun, den Schritt zurück in mein Leben, ein Leben ohne dich.
Ich weiß, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem ich dich verlasse, so wie du mich schon tausendmal verlassen hast.
Nur ich gehe ganz.
Ich warte nur noch auf den richtigen Moment ...



Eingereicht am 10. November 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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