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Begegnung mit dem Wind

Von Agatha


Es ist noch immer Nacht, schweigende Dunkelheit, kein Laut durchbricht die Stille. Ich Stehe vor einem Spiegel und kämme mein langes schwarzes Haar. Dann lösen meine Finger die Schleife meines Umhangs, der meinen Körper wie ein Hauch enthüllt. Er fällt zu Boden, leicht und schwebend wie eine Feder. Andächtig schreite ich in mein Gemach, genieße meine Nacktheit und blicke durch das angekippte Fenster in die Weite des nächtlichen Himmels. Auf tief schwarzem Samt flimmern und funkeln die Diamanten am Horizont in der Ferne und verleihen dem Himmelsgewölbe einen blauen Schimmer. Die wundervollen Juwelen zum Greifen nahe und doch so fern. So fern wie du mir bist und doch könnte mir niemand näher sein als DU!
Mein Blick schweift durch den vom Mond erleuchteten Garten, doch kein Ast regt sich, kein Blatt. Die Ruhe singt ihr Lied, welches zu mir dringt in ihren schönsten und hellsten Tönen. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf meinen schwarzen orientalischen Kater. Langsam bücke ich mich, um ihn sanft streicheln zu können und plötzlich geht ein schwerer Luftzug durch den Raum, getragen von einem "huuuuuuuuuuuuuuu" des Windes. So zart und weich umschließt er meinen Körper und legt sich auf ihm nieder. Mich fröstelt der Augenblick des Bewusstwerdens. Einen tiefen Schauer des Glücks erfährt mein Körper, des Zögerns und des Annehmens der Wahrheit, die in ihm im Verborgenen liegt. Noch immer bewegen sich die Wedel der Pflanze auf der Fensterbank. Mit zittrigen Fingern berühre ich sie achtsam, als könnte ich deine Hand ergreifen. Wo kamst du nur so aus dem Nichts daher? Wo bist du wieder hingegangen, DU, der als der Wind zu mir kam ? Ich schlüpfe nackt unter meine Decke. Ob du noch immer bei mir bist und wir nun gemeinsam unter ihr liegen? Gebannt hänge ich noch immer dem Gedanken nach, schließe meine Augen und erinnere mich an deine Worte: "Mein Flammenherz", hast du mich genannt. Ich wage nicht meine Wimpern aufzuschlagen, atme den Augenblick immer und immer wieder ein, bis ich mich in Morpheus Armen wieder finde ohne Erinnerung. Am Morgen kitzelt mich ein Sonnenstrahl und meine erster Gedanke galt dem Wind.
Noch habe ich mich verkrochen unter meiner warmen Decke, die mich umschließt und meinen Körper liebkost. Leicht zögernd ziehe ich meine Arme unter ihr hervor und reibe meine Augen, denn die Sonne blendet mich, wo sich doch meine Augenlider gerade eben noch im Schatten ausruhten. Wo bist du nur geblieben mein Wind? Oder träumte ich nur von deiner Berührung, die schwindelnde Erinnerungen in mir auslösten? Entschlossen schiebe ich meine Decke beiseite und gehe zum Fenster der Terrasse. Die so plötzlich entzogene Wärme lässt meine Haut prickeln, unter der sich die zarten Knospen meiner Brüste aufstellen und erhärten. Die hauchdünnen seidigen Schals vor der Terrassentür fallen senkrecht zu Boden und dennoch beschwingt mich ihre Leichtigkeit, als ich nach dem dünnen Stoff taste und mich mit ihm ein wenig einhülle. Ich drücke die Klinke der Terrassentür hinunter und schenke ihr einen kleinen Schubs, so dass die Flügel sich öffnen in den Morgen. Ein frischer Lavendelduft zieht herein und erfüllt den Raum und meine Sinne. Träumend schließe ich meine Augen, lege meinen Kopf in den Nacken, lasse mich noch ein Weilchen so von den Strahlen der Sonne berühren und verharre im Gedanken an deine Gegenwart mein Geliebter. Die Erinnerung der fesselnden Nächte, die voller Lust, Begehren und Begierde waren. Dem Sehnen nach Schmerz, Liebe und Hingabe und den Augenblick der Erfüllung dieser Leidenschaften, die uns auf immer höhere Wellen hinaus in dieses weite Meer trieben. Mein Blick wandert an meinem nackten Körper hinunter und voller Stolz schiebe ich meinen linken Fuß etwas nach vorn und drehe und wende ihn ein wenig, um ihn zu betrachten. Ein Lächeln huscht in diesem Moment über meine Lippen und lässt meine Augen leuchten, denn der breite Metallring, der meinen Knöchel umfasst, hält mich solange gefangen, bis du wieder bei mir bist.
Die Bienen summen im Garten und lassen sich auf die Blütennarben nieder, um den Honig zu trinken. Wie sehr wünschte ich mir in diesem Augenblick, dass die Zeit der Trennung vorüber wäre und wir uns wieder vereinen würden. Bis du es wieder zulässt von dem Nektar meiner eigenen Blüte zu kosten und wir auf den Schwingen der Lust davon schweben. Du mich dann zurück holst auf den Boden und mich in deine starken Arme nimmst. Wann werde ich wieder vor dir knien dürfen in voller Demut, neben deinen Füßen hockend auf dem Kissen, welches du mir schenktest, für meine Hingabe, damit der Boden mich nicht so sehr kühlt? Meine Wimpern glänzen im Sonnenlicht, denn sie sind leicht feucht geworden von meinen Tränen, die mein Herz rühren in der Erinnerung an dich.
So begebe ich mich nackt in den Garten hinaus und wandere durch die Blütenpracht und über die große Wiese. Breite meine Arme aus und drehe mich im Kreis, wie ein verspieltes Kind. Pflücke ein Gänseblümchen, zwirbel es zwischen meinen Fingern hin und her, rieche daran und sehe uns auf dem Parkett tanzen zwischen all den Herrschaften. Solang ist dies schon her, als wir uns so zum ersten Mal näher kamen. Du mich fest und nah an dich drücktest, während des Tanzes und keine Sekunde deinen Blick von mir abgewandt hast. Noch heute spüre ich den Puls an meiner Halsschlagader hinaufjagen, wenn ich an deinen Gesichtsausdruck denke, als sich dabei meine Wangen röteten, hervorgerufen durch meine innere Verlegenheit meiner lüsternen Gedanken, die mich trugen. Ich ahnte damals schon, dass du meine Gedankenbilder bereits erkanntest und dein herzliches Lachen und Zwinkern in dieser Sekunde ließ mich nervös werden, so dass ich glaubte, du könntest mein Herz pochen hören. Als ich den Blick senken wollte voller Scham, hieltest du inne, während um uns herum alle Anwesenden sich im Kreise noch drehten. Dieser Moment war mir dann noch peinlicher, als zuvor die Sekunden, denn es kam mir vor, als würden alle Blicke sich auf uns beide richten, beobachtend aus dem Hinterhalt, um sich an uns zu ergötzen. So stand ich wie gelähmt vor dir, doch mein Blick war gesenkt, da ich nicht wagte dir in die Augen zu sehen. Du streicheltest zärtlich über meine Augenbrauen, den Nasenrücken entlang, bis hin zu meinen vollen, geschwungenen Lippen und zogst eine Linie den Hals hinunter. Dann beugtest du dich zu mir hinunter und flüstertest in mein Ohr: " Meine Liebste, so lässt du deinen Blick gesenkt, dann werde ich gehen und wir sehen uns nie wieder. Richtest du hingegen freiwillig deinen Blick hinauf zu mir, dann kann ich mir sicher sein, dass du mir zukünftig folgen wirst, denn du weißt, was uns verbindet." "Meine Liebste", nanntest du mich, nach so kurzen Augenblicken.
Nun spaziere ich seufzend zwischen all den Blüten umher und schmunzel über unsere erste Begegnung. Mit bedächtigen Schritten schreite ich wieder zum Haus und durchquere die Terrassentür mit ihren seidigen Tüchern, die meinen Körper einen Augenblick streicheln und an mir hinuntergleiten während des Gehens. Ich drehe mich noch einmal um, als könnte ich dich im Garten erblicken, da zieht ein schwerer Hauch durch die offene Tür, fährt durch mein Haar, als wollte er es kämmen: "huuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu". Die leichten Schals bewegen sich schwebend und umspielen meinen Körper und noch einmal : "huuuuuuuuuuuuuuuuuuu". Dann, ganz plötzlich, legt sich der Hauch des Windes wieder nieder und meine Gedanken begleiten den Magier der Winde.



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Eingereicht am 10. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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