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Verlangen

Von Helen-Laure Sallas


Es ist 22:08 Uhr. Ich kann den ganzen Tag an nichts anderes mehr denken, als an gestern Abend. Noch immer fühle ich deine Fingerspitzen auf meinem Decolleté, wie sie behutsam versuchen, meinen Herzanhänger gerade zu rücken, der nicht gerade zu rücken ist, weil er einfach so sein soll. Ich muss an den kurzen - viel zu kurzen Kuss - denken. Vor meinen Augen sehe ich deine Augen, und jeder Blick von dir trifft mich ganz tief in meinem Inneren, berührt mich dort, wo es nicht sein soll…
Ich kann nicht mehr aufhören, an dich zu denken… daran, was passieren - was sein - könnte. Meine Fantasie geht mit mir durch, sobald ich nur den Gedanken an dich habe.
Ich schließe meine Augen, und stelle mir vor, wie deine Hände über mein Decolleté hinunter gleiten… meine Brüste sanft kneten… ich spüre fast, wie deine Fingerspitzen hinunter wandern, über meinen Bauch bis hinunter zwischen meine Schenkel… ich stelle mir vor, wie ich aufstöhnen würde, wenn deine Zunge über die meine rasierte Scheide zwischen meine Schamlippen gleitet…
Dann stelle ich mir vor, wenn du in mich eindringst, hart und fest…
Ich lasse dabei meine Hände über deinen Oberkörper gleiten…
Diese Gedanken kommen mir in den Kopf, wenn ich dich sehe, an dich denke…
Und wenn ich dann meine Augen öffne, sehe ich vor mir, mein Notebook, auf dem Wohnzimmertisch, daneben ein Glas Rotwein. Es ist schon mein viertes an diesem Abend. Ich schaue auf die Uhr, und weiß genau, dass er gleich nach Hause kommt. Der Mann, den ich über alles liebe. Der Mann, den ich geheiratet habe. Heute Nachmittag habe ich ihn angesehen, und ich habe mich geschämt. Geschämt für meine Gedanken, die mich seit einem halben Jahr begleiten. Ich liebe ihn, aber ich träume von dir… ich träume davon, wie wir uns lieben an den unmöglichsten Orten. Kein Mann hatte je eine derartige körperliche Anziehungskraft auf mich, wie du sie ausstrahlst. Du könntest mein Vater sein. Doch die Träume, die mich auch nachts kaum schlafen lassen, haben sich festgesetzt in meinem Kopf. Ich will dich spüren, mit allem, was an dir ist. Ich will jede Faser deines Körpers in mich aufsaugen, will jeden Winkel deines Körpers ergründen…
Ich frage mich, was daraus - aus uns - werden soll. Ich weiß, dass ES irgendwann geschehen wird, irgendwo… wir werden es tun, und ich weiß, es wird der Wahnsinn sein.
Wir werden danach schweißgebadet daliegen, und wir werden Lust auf mehr bekommen haben, durch dieses eine Mal… wie kann es sein, dass ich dich so sehr begehre? Jeder Muskel meines Körpers verkrampft sich, sobald ich daran denke, mit dir zu schlafen… mir wird heiß und kalt, und ein Schauer jagt den anderen. Einen klaren Gedanken kann ich schon gar nicht mehr fassen, sobald ich in deine Augen sehe… denn ich sehe die Begierde darin. Die Begierde, die auch ich in jedem Moment spüre, in welchem ich bei dir bin…
Ich wünsche mir so sehr, dich zu spüren, doch ich weiß, es wird Konsequenzen haben. Konsequenzen, die wir vielleicht gar nicht tragen können...
Ich bin verheiratet, doch du bist es auch, bist achtzehn Jahre älter, und hast zwei Kinder, die du über alles liebst. Doch trotz allem sehne ich mich so sehr nach dir, dass jeder Tag weh tut, an welchem ich dich nicht sehen kann….




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Eingereicht am 06. März 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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