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Hoffen auf Nichts

Von Jens Staffel


Wut. Fassungslosigkeit und Wut. Und Leere. Die Leere ist das Schlimmste, sie frisst sich in meinen Körper und windet sich wie eine Schlange in meinen Eingeweiden. Und sie legt ihre Brut in mir. Wut. Was soll ich tun? Aufgeben? Nie! Ich darf sie nicht aufgeben, niemals, auch nicht nur daran denken. Ich liebe sie. Mehr als alles Andere. Aber sie liebt mich nicht. Ich soll sie vergessen, wird mir geraten. Aber wie könnte ich jemals? Ich brauche sie, ebenso nötig wie mein Blut. Sie ist ein Teil von mir, mehr als das. Sie ist wichtiger als ich selbst. Wenn ihr etwas passieren würde... Die Anderen werden sie verletzen, ich möchte ihr doch nur helfen. Doch möchte sie Hilfe? Oder muss sie erst verletzt werden? Ich möchte doch nichts, außer ihr nahe zu sein, ist das denn zu viel verlangt? Ich sauge ihre Nähe auf, wie ein Verdurstender das Wasser. Was ich an ihr liebe? Es ist vor allem ihre Art. Sie ist lustig, intelligent und macht sich sehr viele Gedanken um Alles und Jeden. Genau wie ich. Sie sagt, deswegen könnten wir keine Beziehung führen, wir wären einfach zu gleich. Oder ist es nur eine Ausrede? Höchstwahrscheinlich. Wie sollte es sonst sein? Sie hätte wenigstens auf meinen Brief reagieren können. Ich habe ihr mein tiefstes Inneres anvertraut, und sie hat es ignoriert. Ignoriert! Hätte sie mir eine Ohrfeige verpasst, okay. Oder sonst irgendwas gemacht. Aber das ist mit Abstand das Schlimmste. Ich fühle mich nur noch verarscht. Daher die Wut. Aber wer kann sie mir verübeln? Und dann macht sie sich, anstatt mit mir zu reden, vor meinen Augen an einen Anderen ran. Habe ich sie falsch eingeschätzt? Macht sie sich doch nicht so viele Gedanken? Oder will sie mich einfach nur verletzten? Aber warum? Weil ich sie liebe? Es tut schon weh genug, zu wissen, dass sie mich niemals lieben wird. Was soll ich jetzt tun? Warten? Vielleicht reagiert sie ja doch noch auf meinen Brief. Oder sollte ich den Kontakt zu ihr komplett abbrechen? So könnte sie mir nicht noch mehr weh tun. Aber ich kann sie nicht aufgeben. Ich bin wie auf Drogen. Sie macht mich abhängig. Und sie frisst mich von Innen auf. Sie ist meine Lebensflamme und mein innerer Tod. Werde ich jemand Anderen so lieben können wie sie? Oder ist die Leere schon zu groß? Ich sollte eigentlich froh sein. Immerhin mag sie mich. Sie hat wunderschöne Augen. Wenn man in ihre blauen Augen schaut, guckt man in die Unendlichkeit. Man denkt, man könnte fliegen, alles schaffen, wenn man nur will. Und ihre roten Haare. Sie leuchten wie Feuer, ganz im Kontrast zu ihren Augen. Es ist Wahnsinn. Wie könnte ich anders, als sie zu lieben? Doch es ist hoffnungslos. Hoffnung ist ein Scheiß-Wort. Es ist der Glaube an die Zukunft. Ich habe keine Zukunft mit ihr. Gib sie auf, sage ich jeden Tag aufs Neue zu mir, aber ich kann nicht. Doch die Leere wird immer größer. Es wird irgendwann vorbei sein. Ich weiß es. Nur wann?




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Eingereicht am 29. Februar 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
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