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Die Kaninchenschau

Von Ingrid Linnenberger


Unsere Gemeinde veranstaltet jedes Jahr eine Kaninchenausstellung. Katrin und Nadine haben sich für den Nachmittag verabredet, um die Kaninchenschau zu besuchen. Katrin hat ihr Taschengeld eingesteckt, um sich Lose kaufen zu können. Sie hat die leise Hoffnung, dass sie bei der Verlosung ein Kaninchen gewinnt. Sie weiß genau, dass die Eltern nicht einverstanden sind. Aber wenn sie das niedliche Kaninchen sehen, können sie gar nicht anders und sind bestimmt begeistert.
Hoch motiviert machen sich Katrin und Nadine auf den Weg. Beide sind sich sicher, dass sie ein Kaninchen gewinnen. Die Ausstellung findet im Gemeindesaal statt. Die Kinder bezahlen den Eintritt und sind überrascht, dass so wenig Besucher da sind. Nadine rümpft die Nase: "Pfui, hier stinkt's aber!"
Katrin erwidert: "Stell dich nicht so an! So viele Kaninchen zusammen stinken, aber ein Kaninchen allein stinkt bestimmt nicht! Komm, wir kaufen uns Lose!"
"Wollen wir uns nicht zuerst die Kaninchen anschauen? Schau mal wie süß!"
Nadine kann sich kaum beherrschen. Sie läuft von Käfig zu Käfig und kann sich nicht satt sehen an den possierlichen Tierchen. Katrin hingegen hat nur die Lose im Kopf. Doch sie lässt sich von Nadine überreden und beide schauen sich die Tiere an. Langsam wird Katrin ungeduldig.
"Nadine, jetzt komm! Wir können ja nachher die Kaninchen weiter beobachten. Doch lass uns jetzt die Lose kaufen!"
Die Kinder gehen zum Losverkäufer. Dieser steht hinter einer Theke und hält die Lose in einer Art Kiste bereit. Auf Regale aufgebaut liegen die Dinge, die man gewinnen kann. Zum Beispiel Kleinigkeiten für die Schule, Blumentöpfe, Knabbergebäck und vieles mehr. In einem großen Stall kann man viele kleine Kaninchen bewundern und die sind zu gewinnen!
Katrin und Nadine schauen sich natürlich die kleinen Kaninchen an. Man darf die Tiere auch streicheln. Es laufen bestimmt 20 kleine Hopser herum, unterschiedlich gefärbtes Fell und verschiedene Rassen. Katrin und Nadine streicheln die Tiere ausgiebig.
"Schau mal, Katrin. Das niedliche Kaninchen da in der Ecke, das hol ich mir, wenn ich gewinne. Ist es nicht süß?".
Katrin hat sich auch ein kleines Kaninchen ausgesucht.
Der große Augenblick ist gekommen. Katrin und Nadine kaufen sich die Lose. Katrin kauft sich gleich fünf Lose und Nadine zwei. Aufgeregt und mit zittrigen Händen öffnen sie die Lose. Katrin ist verzweifelt: "Schon vier Nieten! Hoffentlich gewinne ich jetzt!".
Pech, sie lässt den Kopf hängen. Nadine hat auch kein Glück. Jeder kauft sich noch fünf Lose.
Die Spannung wächst! Hurra, Katrin hat eine Nummer! Schnell werden die anderen Lose geöffnet. Dann, noch eine Nummer! Doch dann sind es nur noch Nieten. Nadine ist sehr zappelig. Sie muss aufpassen, dass sie die Lose nicht zerreißt. Endlich! Auch sie hat zwei Nummern. Mit strahlendem Gesicht und einem sicheren Gefühl, dass sie Kaninchen gewinnen, geben sie dem Losverkäufer die Lose. Er sieht sich die Nummern an, greift nach hinten und überreicht Katrin eine Tüte Knabbergebäck. So, eine Nummer ist weg. Jetzt kommt das Kaninchen! "Hier was Nützliches für die Schule!". Leider! Der Losverkäufer hält einen Zeichenblock in der Hand. Katrin ist enttäuscht.
Nadine geht es nicht besser. Sie gewinnt einen Kaktus und Malstifte. Nadine kämpft mit den Tränen. Die Enttäuschung ist groß. Der Losverkäufer spricht die Mädchen an: "Was ist denn mit euch los? Was macht ihr für Gesichter?"
Nadine schimpft: "Wir haben uns so auf ein Kaninchen gefreut! Unser Taschengeld haben wir ausgegeben und wofür? Blumentöpfe, Knabberzeug und Schreibkram!"
Der Losverkäufer versucht die Mädchen zu trösten. "Denkt doch mal an eure Eltern. Mutter kriegt den Blumentopf und Papi das Knabbergebäck. Die werden sich bestimmt freuen!".
Katrin und Nadine gehen stumm zum großen Kaninchenstall und streicheln ihre Kaninchen. Dann verabschieden sie sich und verlassen traurig die Ausstellung.
Die ersten zehn Minuten wird kein Wort gesprochen. Dann unterbricht Nadine die Stille und sagt: "Schade! Ich habe mich so sehr darauf verlassen. Das war ein Fehler".
Katrin nickt. Sie erwidert: "Vielleicht ist es besser so. Ich hab eh keinen Kaninchenstall, es ist Arbeit und außerdem hab ich noch unseren Hund!"
Nadine sagt noch: " Außerdem ist nächstes Jahr wieder eine Kaninchenschau!".
Sie nehmen sich an den Händen und hüpfen davon.




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Eingereicht am 25. September 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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