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Das Orchester

Von Ingrid Linnenberger


Die Orchesterprobe ist heute sehr anstrengend. Die Musiker sind erschöpft und sie sehnen die Pause herbei. Doch der Dirigent bittet noch einmal um volle Konzentration. Schließlich ist das Konzert in Kürze und es werden immer noch Fehler gemacht.
Nach einer Stunde ist es dann so weit. Endlich Pause! Der Dirigent ist zufrieden. Die "Slawischen Tänze" von Antonin Dvorak sollen aufgeführt werden. Dieser Tanz Nr.1 in C-Dur ist schwer zu spielen und die Musiker müssen immer wieder üben und proben.
Bevor die Musiker aufstehen werden die Instrumente vorsichtig abgelegt, die Pikkoloflöte, die Oboen, die Klarinetten, die Fagotte, die Hörner, die Trompeten, die Posaunen, die Pauken, die große Trommel, das Becken, die Triangel und die Streichinstrumente,
Oboe und Klarinette sind erschöpft. Die Flöten und Pikkoloflöten meinen dagegen: "Wir können das nicht verstehen, dass ihr müde seid. Wir sind noch frisch wie am Anfang der Probe! Unsere Möglichkeiten sind noch lange nicht erschöpft!"
Das Fagott mischt sich nicht in die Unterhaltung ein und bleibt sehr ruhig und gelassen.
Die Pikkoloflöte deutet dies als hochnäsig und eingebildet und sagt dann: "Die Probe muss für Sie ja sehr anstrengend gewesen sein. Sie sind nicht mal in der Lage Ihre Meinung zu äußern. Ich gebe zu, dass Sie es als Bassinstrument nicht leicht haben. Aber andere auch nicht!".
Die Oboe mischt sich ein und sagt zu der Klarinette: "Sie haben ja Recht! Aber ich muss auch sagen, dass der Klang des Fagotts sehr schön ist; so weich und sympathisch."
Die Klarinette regt sich auf: "Ich will mich ja nicht in den Mittelpunkt stellen. Doch meine Töne sind mindestens genau so schön."
"Jetzt reicht es aber!" Die Posaune ist sehr aufgebracht. "Was bildet die Klarinette sich überhaupt ein? Schließlich hat sie hier in diesem Tanz zunächst mal nichts zu tun. Den Rhythmus des Stückes haben wir anzugeben: die Blechinstrumente und die Schlaginstrumente. Und erst viel später kommen die Klarinetten zum Einsatz!"
Die Meinungsverschiedenheiten dauern an. Dann wird es der Trompete zu viel und sie meldet sich lautstark mit einem kräftigen, kurzen Trompetensolo. Sofort sind alle verstummt. "Warum streitet ihr? Überlegt mal. Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, damit das Stück gut wird. Jeder hat seine Aufgabe und alle wollen gute Musik machen! Das und nichts anderes ist unser Lebensinhalt!"
Die Instrumente sind nach kurzer Bedenkzeit einsichtig geworden, noch rechtzeitig vor Pausenende. Die Musiker kommen zurück, nehmen ihre Plätze ein und greifen ihre Instrumente. Nach kurzem Einstimmen hebt der Dirigent den Taktstock. Dann der Einsatz!
Der Tanz Nr.2 in C-Moll wird geprobt. Oboe und Fagott, die das Thema bilden, musizieren sehr harmonisch. Dann beginnen die Violinen, schließlich die Trompeten. Das Stück wird ohne Fehler gespielt. Der Dirigent und die Musiker sind sehr zufrieden!




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Eingereicht am 10. September 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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