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Die fliegende Kuh

Von Ingrid Linnenberger


Ruben und Severine spazierten über eine Wiese und sprachen von Andreas, einem Freund, der sie furchtbar geärgert hatte. Doch plötzlich blieb Severine wie angewurzelt stehen und zeigte mit dem Finger auf eine Kuh, die dort weidete. "Ruben, ich glaub ich träume! Schau mal, da steht eine Kuh, die Flügel hat!"
"Manno, Severine, wir unterhalten uns über Andreas, wie wir ihm eins auswischen können und du redest dummes Zeug!". Ruben war sauer.
"Ich spinn doch nicht, bleib mal stehen und schau ganz genau hin! Jetzt bleib doch mal stehen!".
Severine stellte sich vor Ruben und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. Au weia! So hatte er Severine noch nicht erlebt. Also gut! Er blickte in die Richtung, in die Severine gezeigt hatte und wäre beinah in Ohnmacht gefallen! Ruben fielen beinahe die Augen aus dem Kopf! Da stand eine schwarz-weiß gefleckte Kuh mit FLÜGELN!
Sie stand auf der Wiese und kaute genüsslich das frische Gras. Auf jeder Bauchseite hatte sie einen großen, weißen Flügel.
Severine flüsterte: "Eh, Ruben, wenn die Flügel hat, dann kann die doch bestimmt fliegen!". Severine kicherte. Sie versuchte sich vorzustellen, wie das wohl komisch aussieht, wenn die Kuh mit ihren Eutern durch die Luft fliegt.
Ruben sagte nur: "Mädchen sind echt bescheuert! Klar kann die fliegen. Wozu sind denn die Flügel sonst da? Wir werden die Kuh genau beobachten. Vielleicht fliegt sie gleich!".
Die Kuh schien Probleme zu haben, denn plötzlich drehte sie ihren Kopf schnell hin und her, bewegte ihren Schwanz wie eine Peitsche, so schnell. Ruben und Severine hörten, dass die Kuh fluchte und schimpfte. Das war so komisch, dass die beiden laut lachen mussten. Sie konnten nicht mehr, Severine liefen die Tränen vor Lachen und Ruben hatte sogar Schluckauf!
Tja, die Kuh hörte natürlich die Kinder und trottete langsam auf sie zu. Ruben und Severine bemerkten erst die Kuh, als sie sagte: "Hallo, alles klar?"
Sie zuckten vor Schreck zusammen und Severine fing an zu schreien. Ruben schnappte Severins Hand und wollte losrennen.
"Stopp! Hier geblieben! Ich bin nur eine Kuh und kein Menschenfresser!", sagte die Kuh energisch.
Die Kinder schauten die Kuh ängstlich an.
"Du meine Güte, bleibt doch mal locker! Jetzt schaut doch nicht so, als hättet ihr ein Gespenst gesehen. Ich bin eine Kuh, heiße Frieda und ich kann fliegen. Okay, ich geb ja zu, das ist schon ein bisschen ungewöhnlich. Na und? Wollt ihr mal eine Runde drehen?"
Erwartungsvoll schaute Frieda die Kinder mit ihren großen braunen Augen an. Ruben und Severine verloren allmählich ihre Angst. Frieda hatte aber auch einen Blick ... da konnte man gar nicht anders.
"Du meinst, wir sollen mit dir fliegen? Das ist unmöglich! Wir sind doch nicht lebensmüde!". Severine war außer sich.
Diese Reaktion konnte Frieda nun überhaupt nicht verstehen. "Hör mal zu, mein liebes Kind! Erstens bin ich die weltbeste fliegende Kuh auf diesem Planeten. Zweitens, sind Kinder, wenn sie nett und lieb sind, meine besten Kumpels. Oder habt ihr etwa Angst, hä?".
Das hatte eingeschlagen wie ein Blitz! Ruben wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Er und Angst...! "Wo solls denn hingehen? Ich kann es kaum erwarten!", sagte er ziemlich leise.
Severine war entsetzt! Ruben, der größte Angsthase weit und breit, wollte ihr Leben aufs Spiel setzen? "Ruben, spinnst du? Ich will jetzt sofort nach Hause!".
Frieda konnte Severine dann doch beruhigen und sie überreden, es wenigstens mal zu versuchen. Na ja, Ruben ist schließlich Severins bester Freund und sie konnte ihn doch nicht einfach im Stich lassen.
Frieda war glücklich und Ruben und Severine schlotterten die Knie.
Es gab nur ein winziges Problem Wie sollten die kleinen Knirpse es schaffen, sich auf die Kuh zu setzen? Die war ja doch ganz schön hoch! Frieda hatte eine Superidee! Zu dritt marschierten sie zum Weidezaun. Die Kinder kletterten nacheinander am Zaun hoch und setzten sich auf die Kuh. Severine hielt sich an den Hörnern fest und Ruben umklammerte seine Freundin. Frieda trottete langsam zur Mitte der Weide. Dann blieb sie stehen und fragte: "So, letzte Anweisung! Aufgepasst! Haltet euch gut fest! Ihr braucht keine Angst zu haben! Wenn es euch flau im Magen wird, tief durch durchatmen. Das vergeht wieder! Alles klar?"
Die Kinder riefen: "Jaaaaaaaa!".
Frieda nahm einen Anlauf und wurde immer schneller! Ruben und Severine wurden ordentlich durchgeschüttelt. Dann hob Frieda ab! Sie flog höher und höher!
Ruben traute sich als erster die Augen zu öffnen! Er war überwältigt! "Severine, boah! Da unten ist unsere Kirche zu sehen und das Schwimmbad!"
Severine blickte noch etwas ängstlich nach unten.
"Festhalten, wir werden uns das Schwimmbad mal näher betrachten!"
Langsam flog Frieda tiefer und kreiste über dem Schwimmbad. Das Schwimmbad war gut besucht und die Leute konnten nicht fassen, was sie sahen.
Ruben und Severine lachten und riefen: "Und, ist das Wasser schön warm?"
Frieda wurde die Sache zu heiß. Sie wollte keinen Aufruhr und schon gar keine Presse. Sie flog also höher und höher. Die Häuser, die Autos und Menschen waren winzigklein. Severine quietschte vor Vergnügen.
Ruben fragte Frieda, ob sie nicht zum Kindergarten fliegen könnte.
Severine war sofort dabei. "Au ja! Die werden Augen machen! Bitteee! Ich zeig dir wie du fliegen musst. Ja?".
"Kein Problem! Wenn die Kinder nicht vor Angst in die Hosen machen?".
Frieda flog wie Ruben ihr sagte und schon sahen sie unter sich den Kindergarten.
"Das wird nicht einfach werden. Da ist nicht viel Platz zum Landen. Haltet euch gut fest!".
Frieda setzte zum Landen an und kam neben der Rutschbahn zum Stehen. Geschafft! Die Kinder kletterten von der Kuh auf die Rutschbahn und dann gings abwärts. Endlich hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen! Severine streckte und reckte sich.
Ruben blickte sich um und sah, dass die Kindergartenkinder dicht gedrängt an den Fenster standen und sich die Nasen platt drückten. Ruben winkte den Kindern zu!
Da erschien die Leiterin des Kindergartens. Sie war sehr aufgeregt und sprach mit Händen und Füßen. "Was geht hier vor? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu! Ist das Zauberei oder wird hier grober Unfug betrieben? Ich werde wohl die Polizei rufen müssen. Was habt ihr beiden Kinder damit zu tun? Hat man euch gezwungen?".
Frieda sagte nur: "Sind Sie jetzt fertig? Du meine Güte, Sie reden ja wie ein Wasserfall! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Frieda und das sind Ruben und Severine. Ich hatte die beiden zu einem Flug eingeladen. Ruben wollte die Kindergartenkinder überraschen. Wenn Sie erlauben, dürfen Ihre Kinder auch mit mir fliegen. Ich verspreche Ihnen, es wird ihnen nichts passieren!".
Die Leiterin des Kindergartens dachte einen Augenblick nach und ließ sich dann überreden.
Im Nu waren Frieda und die Kinder umringt von plappernden, schreienden und kreischenden Kindern.
"R U H E E E!", schrie Frieda, "Seid doch mal ruhig! Das ist ja nicht zum Aushalten! Wer jetzt die Klappe hält, darf mal mit fliegen."
Dann war es urplötzlich mucksmäuschenstill!
"Geht doch!", sagte Frieda, "also, die ersten beiden Kinder aufsteigen!".
Eine Erzieherin hob die Kinder auf die Kuh .Severine erklärte den Kindern, wie sie sich verhalten sollten. Und los gings! Den Kindern machte es einen riesengroßen Spaß!
Für Frieda war es sehr anstrengend. Sie musste ungefähr zwanzig Mal starten und landen. Das gab einen schlimmen Muskelkater in den Flügeln!
"Ach du grüne Neune! Ich muss froh sein, wenn ich noch auf meine Weide komme! Papperlapap, Hauptsache es hat euch Spaß gemacht! So, Ruben und Severine, aufsitzen wir fliegen nach Hause!".
Die beiden Freunde und Frieda verabschiedeten sich. Die Kuh setzte sich in Bewegung und hob dann ab in die Lüfte .Die Kindergartenkinder winkten bis sie Frieda aus den Augen verloren.




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Eingereicht am 30. August 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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