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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Die Kinder des Drachenkreuzes

© Belladonna999


Man sagt, dass der Menschen Schicksal von Geburt an vorbestimmt sei. Mein Schicksal war es, ohne Eltern aufzuwachsen, ohne zu wissen wer ich war und woher ich kam. Ich wusste nicht warum man mich damals vor den Toren des Klosters zurückließ. Alles was die Nonnen damals bei mir fanden war ein Brief, aus dem hervorging das ich Liv hieß und bei Vollmond in einer Oktobernacht geboren wurde. Um den Hals hatte ich eine Kette mit einem Kreuz in Drachenform, das mit Rubinen besetzt war. Es wurde darum gebeten mich von allem Bösen fernzuhalten und mich nach der christlichen Lehre zu erziehen. So wuchs ich schließlich im Kloster auf, wohnte dort und ging in die angrenzende Klosterschule. Diese Zeit war nicht leicht für mich, ich konnte mich nie an das strenge Zeremoniell gewöhnen. In meiner Pubertät war es besonders schlimm, ich war kein Kind von Traurigkeit und gegen Regeln zu verstoßen war mein Hobby. Aus Trotz schloss ich mich der Gothic Szene an und aus anfänglichem Trotz wurde meine bis heute andauernde Lebenseinstellung. Damals entschloss ich mich altertümliche Literatur und Völkerkunde zu studieren. Nach meinem Studium arbeitete ich anfänglich in unserer Klosterbibliothek und nahm vor einem halben Jahr eine Stelle als Antiquarin in einer Bibliothek für mittelalterliche Geschichte an. Ich war mit meinen 24 Jahren die jüngste Spezialistin auf meinem Gebiet. Damit erfüllte sich mein größter Traum, schon in meiner Kindheit verbrachte ich heimlich jede freie Minute in der alten Bibliothek unseres Klosters. Natürlich interessierte ich mich hauptsächlich für die alten, verbotenen Bücher, ich versuchte Geheimnisse zu lüften und lernte fleißig alte Sprachen. Ich konnte meine Leidenschaft zum Beruf machen und versuchte vor allem mein eigenes Geheimnis zu lüften.
Ich hatte nur die Kette die auf meine Herkunft schließen ließ. Mein Name war germanischen Ursprungs und bedeutete Schutz. Ich wuchs in Mitteldeutschland auf, was den Namen erklären könnte. In alten tschechischen und rumänischen Aufzeichnungen fand ich ähnliche Darstellungen von Drachenkreuzen, die auf Familienwappen hinzudeuten schienen und immer wieder Parallelen zu einem sehr alten Geheimbund aufwiesen, der sich "Die Kinder des Drachenkreuzes" nannte. Die Motive dieses Bundes waren nicht näher auszumachen, jedoch waren die Bemühungen der Inquisition an seiner Vernichtung groß. Die wenigen, ungenauen Aufzeichnungen gingen zurück bis ins 12. Jahrhundert und reichten bis in die 30er unserer Zeit. Sie wiesen Verbindungen zur Kaballa und alchemistischem Glauben auf. Ich ging jeder Spur nach, doch die meisten verliefen im Sand. Natürlich studierte ich auch die geheimen Schriften der Kaballa was gar nicht konform war zu meiner christlichen Erziehung. Durch die strenge Erziehung wurde ich vom nichtchristlichen geradezu angezogen. Ich fühlte schon immer eine besonders starke mediale Kraft in mir, war sehr feinfühlig, hatte schon als Kind eine besonders helle Haut, feuerrotes Haar und leuchtend grüne Augen. Ich litt unter Alpträumen und hatte Visionen. Meine Vorliebe für die schwarze Szene verlieh mir den Ruf einer Hexe. Da war ich natürlich sehr froh über meine neue Stelle in der großen Stadt. Hier fiel ich nicht weiter auf, Menschen die sich mit alten Büchern befassten waren eh Einzelgänger. Ich konnte mir mittlerweile meine Aufträge aussuchen und befasste mich jede freie Minute mit meinen Forschungen. Vor ein paar Tagen erhielt ich den Auftrag nach Prag zu reisen und ein altes Buch auf seine Echtheit hin zu überprüfen. Natürlich nahm ich diesen Auftrag mit Freude an, ich hatte endlich die Möglichkeit vor Ort zu forschen. Ich flog bereits 2 Tage früher, denn ich wollte mir natürlich Prag ansehen. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Gegen Mittag kam ich im Hotel an, mein Auftraggeber Paul Havel hatte es bereits für mich gebucht. Er war einer meiner Stammkunden, leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit uns persönlich kennen zu lernen. Er wusste von meinen Forschungen und hatte mich immer wieder mit Informationen versorgt. Wir hatten uns erst für den nächsten Tag verabredet und deshalb nutzte ich die Zeit für einen Stadtbummel. Natürlich gab es einen ganz bestimmten Ort den ich zuerst aufsuchen wollte…"Das Alchemistengässchen". Ich interessierte mich hauptsächlich für Bücher, aber die Szeneläden lockten mich gleichermaßen an. Ich stöberte in alten wie neuen Bücher, sah mir Schmuck an und kaufte mir sogar eine schöne schwarze Chiffonbluse für wenig Geld. Ich setzte mich in ein Straßencafe, las ein altes Buch und genoss das rege Treiben in der Dämmerung.
Da fiel mein Interesse auf zwei Frauen, die am Tisch vor mir saßen. An ihrer Aufmachung erkannte ich, dass sie auch zur Gothic Szene gehörten. Eine der beiden beobachte mich, sie ließ mich nicht aus den Augen. Von ihr ging etwas Mystisches aus. Sie hatte schwarzes langes Haar, war sehr blass und hatte sehr ausdrucksstarke grüne Augen. Sie lächelte mich an, stand auf und kam zu mir an den Tisch. Sie stellte sich als Seraphine vor und fragte, ob sie sich setzen dürfe. Ich bejahte und bot ihr einen freien Stuhl an. Ihr Interesse fiel auf mein Buch, eine alte Ausgabe der Kaballa. Sie war begeistert und fragte ob ich in Prag wohnte und sagte, dass sie wenige Personen kannte, die dieser Sprache mächtig wären. Ich erzählte ihr, dass ich beruflich in Prag wäre und aus Deutschland käme. Sie rief ihre Begleiterin zu uns, stellte sie als Andrea vor und wir unterhielten uns über meine Arbeit. Sie war begeistert von meinem Beruf und erzählte mir dass sie sich ebenfalls mit alten Schriften befasste. Als ihr Blick auf meine Kette fiel, reagierte sie seltsam. Sie griff in ihre Tasche, zog Papier und Stift heraus, notierte etwas und schob mir den Zettel zu. Sie hatte eine Adresse notiert und bat mich heute gegen 22 Uhr in diesen Club zu kommen, ich sollte nach ihr fragen um reingelassen zu werden. Sie wollte etwas mit mir besprechen, das sie hier nicht konnte. Dann verabschiedeten sie sich, ich trank noch aus, bezahlte und ging zurück zum Hotel.
Diese Begegnung war äußerst seltsam, und dennoch ich war neugierig was sie von mir wollte und beschloss hinzugehen. Da sie erwähnte dass es sich um einen Gothic Club handelte, zog ich meine schwarze Lackhose, die neue Bluse und meinen Ledermantel an. Ich schminkte mich und bändigte meine lange Mähne zum Zopf. Es war bereits 21:30 Uhr, ich ging nach unten und stieg in ein Taxi. Nach 15 min. war ich am Club angekommen. Er lag abgelegen und versteckt, in einem alten Haus. Ich ging auf den Eingang zu, vor dem ein großer, breitschultriger Kerl stand und sagte ihm dass ich zu Seraphine wollte. Er sah mich von oben bis unten an und ließ mich schließlich hinein. Eine lange schmale Treppe führte nach unten und mündete in ein großes verwinkeltes gotisches Gewölbe. Der Club war gut besucht, die Gäste tummelten sich auf der Tanzfläche, an mehreren Bars und in den dunklen Nischen. Um die Tanzfläche standen zahlreiche Tische, die mit Kerzen geschmückt waren. Die Wände waren mit Grafittis und mittelalterlichen Artefakten geschmückt. Die Atmosphäre im Raum war faszinierend. Dieses alte Gemäuer kombiniert mit Scheinwerfern und dem hämmerndem Bass, der aus den Boxen drang. Ich ging zur Bar, bestellte etwas zu Trinken und erkundigte mich nach Seraphine. Der Barkeaper sagte mir dass sie sich um eine halbe Stunde verspäten würde und ich es mir inzwischen gemütlich machen sollte. Ich ging zur Tanzfläche, setzte mich an einen freien Tisch und beobachtete die anderen beim tanzen. Unter den Tanzenden erkannte ich Andrea, die mit einem gut aussehenden Typen tanzte. Sie sah mich ebenfalls und nachdem das Lied zu Ende war kam sie zu mir an den Tisch. "Darf ich mich zu dir setzen?" fragte sie und ich nickte. Sie war eine kleine, zierliche hübsche Frau hatte blonde Haare, braune Augen und trug ein gewagtes Outfit. Andrea fragte mich wie es mir gefiel und entschuldigte sich noch einmal für Seraphines Verspätung. Wir unterhielten uns und im Kerzenschein konnte ich die Umrisse einer Tätowierung hinter ihrem linken Ohr erkennen. Die Tätowierung glich einem Drachenkreuz und war ca. 3 cm groß. Ich sprach sie darauf an und Andrea sagte nur, dass sie die von ihrem Freund bekommen hätte. Ich fragte ob ich sie mir näher ansehen dürfte, doch sie reagierte ziemlich verängstigt. Blickte sich um und drehte kurz ihren Kopf zur Seite so dass ich einen Blick darauf werfen konnte. Das Tattoo glich wirklich meinem Kreuz, es hatte sogar einen leichten lila Schimmer. Ich fragte sie nach der Herkunft des Motivs, doch sie sagte nur dass sie darüber nicht reden dürfe. Ich sagte ihr dass dieses Motiv sehr selten sei und es kein Zufall sein konnte, dass sie dieses hatte. Plötzlich erschrak sie und wurde nervös, denn ihr Tanzpartner war zu uns an den Tisch gekommen und er hatte wohl etwas von unserer Unterhaltung mitbekommen. Unsanft zog er sie hoch und sagte mir in ziemlich schroffen Ton: "Seraphine wartet auf dich, folge mir". Ich stand auf und folgte ihm in eine dunkle Nische neben der Bar in der Seraphine saß. Sie begrüßte mich und freute sich sichtlich mich zu sehen. Der unfreundliche Typ flüsterte ihr etwas ins Ohr und verließ uns dann.
Sie entschuldigte sich für seine schroffe Art und meinte, dass er was Andrea anging ziemlich empfindlich sei. Der Kerl behandelte sie wie sein Eigentum. Sie freute sich jedenfalls, mich zu sehen und fragte mich wie mir ihr Club gefiele. Hier hätten nur ausgesuchte Gäste Zutritt und sie wollte mir unbedingt etwas zeigen. Unser kurzes Gespräch am späten Nachmittag wäre sehr interessant für sie gewesen. Sie holte ein altes Buch hervor und ich traute meinen Augen nicht. Es sah sehr alt aus und hatte mein Drachenkreuz auf dem Einband, ich konnte es deutlich erkennen. Ich nahm es entgegen und war sprachlos als ich es aufschlug. Es war zweifellos eine Schrift vom Geheimbund der Drachenkinder. Noch nie hatte ich eine so gut erhaltene, komplexe Schrift in Händen. Ich war bei meinen Forschungen immer nur auf Fragmente gestoßen. Seraphine bemerkt meine Verwunderung und fragte ob ich etwas damit anfangen könne. Sie fragte mich ob ich es für echt hielt. Ich sagte ihr dass ich es dazu näher untersuchen müsste. Es schien sich um eine Art Gremoir zu handeln, sehr alt und teilweise mit mir unbekannten Passagen. Bist du bei deinen Forschungen auf die Drachenkette gestoßen? Von welchem Händler hast du sie gekauft?" fragte sie mich aufgeregt. Ganz in Gedanken erzählte ich ihr dass die Kette mir gehöre, ich hätte sie als Baby umgehabt und da ich meine Eltern nicht kenne, wäre sie der einzige Hinweis auf meine Herkunft. Ungläubig sah sie mich an, stand auf und wollte kurz telefonieren. Seraphine war ins Nebenzimmer verschwunden um besser Telefonieren zu können. Hastig zog sie ihr Handy aus der Tasche und wählte die Nummer. Am anderen Ende meldete sich ein Mann. "Meister, ich habe euer Amulett gefunden!", sagte sie und wartete auf eine Reaktion. "Wo? fragte die Stimme am anderen Ende. Sie erzählte ihm von ihrer Begegnung mit Liv. Sie sei Antiquarin aus Deutschland, besäße das Amulett seid ihrer Geburt und wisse nicht wer ihre Eltern seien. Seraphine beschrieb ihm wie sie aussah und er entgegnete, dass sie ihrer Mutter sehr ähnlich sehe. Er gab Seraphine den Auftrag mehr über sie herauszufinden und wenn sie wirklich seine Tochter sei, sollte sie Liv zu ihm bringen. Sie müsste jedoch sehr vorsichtig sein, die Beweise gegen Darius hätten sich erhärtet, er hatte irgendetwas vor.
Ich war ganz in das Buch vertieft, als ich plötzlich bemerkte, dass mich jemand beobachtete. Ich sah mich um und mein Blick fiel auf einen großen Typen, der mich ins Visier genommen hatte. Er sah umwerfend aus, war genau mein Typ, mindestens 1.90m groß, hatte schwarze lange Haare, war geschminkt, trug eine Lackhose und ein eng anliegendes Oberteil, dass seine Muskeln abzeichnete. Plötzlich setzte er sich in Bewegung, kam auf mich zu und setzte sich zu mir. Er begrüßte mich und stellte sich als André vor. Sein Blick fiel auf das Buch und er fragt mich nach Seraphine. Er sagte mir ich dürfe das Buch nicht aus den Augen lassen, es wäre sehr bedeutungsvoll für die Familie. Ich sagte ihm dass ich es heute zum ersten Mal in Händen hielt und Seraphine gestern erst getroffen hatte. Was meinte er mit Familie? Er sah dass ich ziemlich verwirrt war. Sein Blick fiel auf meine Kette, er griff nach ihr und seine kalte Hand berührte meine Haut. Was mir einen Schauer über den Rücken liefen ließ. Er Blickte mir tief in die Augen und seine hellen braunen Augen strahlten etwas Wildes und dennoch Sanftes aus. Im gleichen Moment kam Seraphine zurück an den Tisch, ich wich sofort zurück und der Anhänger entglitt seiner Hand. Sie setzte sich neben mich so dass ich zwischen den beiden saß. Sie warf André einen Blick zu und stellte ihn mir noch einmal vor. Lachend sagte sie mir ich solle mich vor ihm in Acht nehmen, ihr Bruder wäre ein echter Schwerenöter, er vernasche alles was nicht bei drei auf dem Baum wäre. Ich musste lachen und sagte, dass ich mich nicht so leicht anknabbern ließe, das Beißen müsse mein gegenüber schon beherrschen. "Ach ja, das muss ich doch glatt ausprobieren, sagte er. Seraphine ergriff das Wort und fragte mich wann und wo ich geboren wurde. Ich sagte ihr dass ich nicht wusste wo ich geboren wurde, es musste aber der 13. Oktober 1980 gewesen sein, eine Vollmondnacht. Man hatte mich vor dem Kloster abgelegt und fand nur einen Brief und die Kette bei mir. Schweigend sah sie André an, der mich dann damit aufzog dass ich in einem Kloster aufgewachsen wäre. Gerade liefen die ersten Töne von meinem Lieblingslied an und da ich ziemlich hibbelig wurde zog mich André hoch, zerrte mich auf die Tanzfläche und tanzte mit mir. Er konnte sich wirklich sehr gut bewegen und ging ganzschön auf Tuchfühlung. Es machte Spaß mit ihm zu tanzen. Ich war wie verzaubert, von ihm ging eine wahnsinnige Ausstrahlung aus. Das nachfolgende Lied war langsam und er zog mich fest in seine Arme. Er war nicht gerade zurückhaltend und versuchte mich zu küssen, doch ich wich zurück und schüttelte leicht den Kopf. Er grinste und zog mich noch fester an sich. Er roch so gut, es war absolut verrückt, aber ich konnte ihm nicht widerstehen. Da bemerkte ich, wie er mit seiner Hand an meinem Hals entlang glitt und dann berührten seine Lippen meinen Hals. Er küsste ihn zärtlich und mir lief ein Schauer über den Rücken. Mein ganzer Körper bebte, mein Blut kochte, so etwas hatte ich noch nie erlebt.
Kurze Zeit später gingen wir wieder zurück zu unserem Platz. Seraphine sah uns grinsend an und sagte, ich solle mich nicht beschweren sie hätte mich gewarnt. Sie warf André einen seltsamen Blick zu. Da kam die Bedienung an unseren Tisch und brachte 3 neue Getränke. André und Seraphine hatten das gleiche Getränk bestellt. Es war trübe und dunkelrot, ich bevorzugte Met. Seraphine fragte mich ob ich morgen Zeit hätte um das Buch zu überprüfen, ich bejahte, aber erst ab dem späten Machmittag weil ich zuvor zu meinem Auftraggeber musste. Ich nahm das Buch wieder an mich und schlug eine Seite auf, die mein Amulett zeigte und einen Text beinhaltete der in henochischer Schrift verfasst war. Ich las den Text durch, es handelte sich um ein Ritual bei dem die Kraft des Drachens beschwört wurde. Von den Druiden kennen wir die Drachenlinien, sie beschworen mit ähnlichen Ritualen die Energieströme der Erde. Viele Mystiker wissen um die Astralebene, aus der wir ebenfalls Energie schöpfen können und viele verstehen es sich in ihr zu bewegen. Manche glauben dass sich der Drachenorden in mehrere Gruppen gespalten habe, von denen manche ihre Kräfte dem Teufel verschrieben haben. Das war auch der Grund für ihre Verfolgung im Mittelalter. Ich erklärte den beiden, dass ich Anzeichen für Vampirismus in manchen Unterlagen gefunden hatte und Hinweise die auf allerlei alchemistische Praktiken schließen ließen. Ich fand verschiedene Darstellungen von Drachenkreuzen was ein Hinweis auf verschiedene Clans sein könnte. Doch meinen Drachen sah ich heute zum ersten Mal. Ich hatte die Kette untersuchen lassen, ihr genaues Alter war nicht bestimmbar, sie war jedoch sehr alt und sie war verziert mit 9 Sternrubinen. Diese Steine waren in bestimmten Kreisen beliebt für die Praktiken des Astralvampirismus. André nahm den Anhänger in die Hand und sagte dass eine große Kraft von ihm ausging. "Aber wer bin ich und warum ist diese Kette in meinem Besitz, " sagte ich und sah beide fragend an. Seraphine durchbrach die Stille und sagte dass ich morgen zu ihr kommen sollte, ich dürfe niemandem von unserem Gespräch erzählen. André solle mich morgen abholen. Daraufhin verabschiedete Seraphine sich, wechselte noch ein paar vertrauliche Worte mit André und ließ uns alleine.
André wollte mehr über meine Arbeit wissen und ich erzählte ihm von meiner Zeit im Kloster, meinem Studium und von meinen Forschungen. Kurz darauf gingen wir noch einmal auf die Tanzfläche. Auf dem Weg zurück zu unserer Nische wurde ich plötzlich von André weggerissen, ein aufdringlicher Typ zog mich in seine Arme und betatschte mich. André war gleich zur Stelle und ging dazwischen. Er war wütend und kochte vor Zorn. Der Typ packte mich und drehte meinen Hals zur Seite und sagte zu André dass ich nicht sein Eigentum wäre. André droht ihm er solle die Finger von mir lassen, ich gehöre zu ihm. Als er die Kette an mir entdeckte lachte er laut auf, drehte sich um und verschwand. André ging zu unserem Tisch holte meine Sachen und verschwand mit mir durch eine Hintertüre nach draußen. Wir gingen zu seinem Auto und stiegen ein. Er fluchte und sagte dass ich hier nicht sicher sei. Nicht Sicher? Was war hier los? Wohin wir fuhren wusste ich nicht, während der Fahrt sprach er kein Wort mit mir.
Eine halbe Stunde später waren wir an unserem Ziel angekommen. Wir fuhren in eine Tiefgarage, das ganze Haus glich einer Festung, alles war Computerüberwacht. Er führte mich in eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung, nahm sich etwas zu trinken und reichte mir ebenfalls etwas. Ich fragte ihn was hier los sei, ob das seine Masche sei Frauen zu sich nach Hause zu locken. Er musste lachen und nahm mich in den Arm. Ich sagte ihm dass ich die Szene von vorhin nicht für gestellt hielt, dieser Typ meinte es ernst. André erzählte mir das Darius sein Bruder sei und dass es nur Schwierigkeiten mit ihm gab, ich solle mir nicht meinen Kopf darüber zerbrechen. Er nahm mir das Glas aus der Hand stellte es ab, zog mich in seine Arme und küsste mich zärtlich. Ganz nebenbei streifte er mir den Mantel ab und zog mir meine Bluse über den Kopf. Ich spürte seine Hände an meinem ganzen Körper und seine Küsse wurden immer leidenschaftlicher. Langsam zog er mich in sein Schlafzimmer und natürlich landeten wir auf seinem Bett. Er überhäufte meinen ganzen Körper mit seinen Küssen, ich zog ihm sein Hemd aus, saß aufrecht auf seinem Schoß und liebkoste seinen Oberkörper. Er zog mich hoch und küsste meinen Hals, erst zärtlich und dann immer leidenschaftlicher, bis ich auf einmal seine Zähne spürte. Ich riss mich los, drückte ihn aufs Bett und glitt langsam mit meiner Zunge über seinen nackten Oberkörper. Ganz nebenbei streifte ich ihm die Lackhose ab und biss zärtlich in seine Brustwarzen. Wir küssten uns leidenschaftlich und ich ließ meine Lippen über seinen Hals wandern, dann setzte ich meine Zähne ein und vergrub sie in seinem Hals, wobei er sich aufbäumte und leise stöhnte. Ich biss immer fester zu und gab mich ganz meiner Leidenschaft hin. Plötzlich riss er mich herum, gab mir einen wilden Kuss und begann meinen ganzen Körper zu liebkosen. Er brachte mein Blut zum Kochen. In seinen Augen brannte ein Feuer und eine Gier die ich nie zuvor gesehen hatte. Dann schliefen wir miteinander, als ich meine Zähne in seinem Hals vergrub machte ihn das rasend vor Lust. Meine Fingernägel krallten sich in seinem Rücken fest und rissen Wunden in sein Fleisch. Seine Zähne bohrten sich in meinen Hals und am Höhepunkt unserer Lust spürte ich einen kurzen Schmerz als er seine Zähne in mein Fleisch grub.
Als ich am nächsten morgen erwachte fühlte ich mich etwas erschöpft, kein Wunder nach so einer Nacht. Wahnsinn, dieser Mann! Ich wollte gar nicht an meine Rückreise denken. Ich sah mich um, doch er lag nicht mehr neben mir, so stand ich auf und ging ins Wohnzimmer. Er stand mit dem Rücken zu mir und telefonierte. Er sagte, dass Darius gestern Ärger gemacht hätte und ich deshalb bei ihm sei, es wäre zu gefährlich mich alleine zu lassen, er wäre sich nun 100 % sicher. Als er mich bemerkte beendete er das Gespräch, kam er zu mir, nahm mich in den Arm und küsste mich. Ich sprach ihn auf das Telefonat an und fragte ihn, warum ich in Gefahr sei, ich wollte endlich wissen was hier los sei. Er erzählte mir dass es großen Ärger in der Familie gab. Darius versuchte mit allen Mitteln einen Keil zwischen die Familie zu treiben. Und er könnte mich dazu benutzen um ihn unter Druck zu setzen. "Wieso sollte er das wir kennen uns doch erst seit gestern Abend", sagte ich. "Ich glaube er konnte an meiner Reaktion gestern Abend erkennen, dass du mir viel bedeutest" sagte André und drückte mich fest an sich. Ich bat ihn mich in mein Hotel zu bringen, es war schon spät und ich hatte nur noch 2 Stunden bis zum Treffen mit Paul. Kurze Zeit später waren wir im Hotel angekommen, ich duschte und machte mich fertig. André wollte mich zu Paul bringen doch ich lehnte dies ab, mein Auftraggeber lebte sehr zurückgezogen und deshalb beschloss ich mit dem Taxi zu fahren. Wir tauschten unsere Handynummern und ich versprach mich bei ihm zu melden, wenn ich auf dem Rückweg wäre. Ich nahm meine Unterlagen und bestellte an der Rezeption ein Taxi. André ließ mich ungern alleine gehen. Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf den Weg.
Nach kurzer Zeit hielt das Taxi vor einem kleinen Haus inmitten der Altstadt. Ich bezahlte den Fahrer, stieg aus und betätigte die Türglocke. Die Türe ging auf und vor mir stand ein schlanker, alter Mann, ca. 65 Jahre, graue Haare mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen. Er begrüßte mich, bat mich herein und verriegelte die Türe. "Man muss vorsichtig sein, in Prag lebt es sich gefährlich", sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen. Wir kannten uns von unzähligen Telefonaten und duzten uns. Für mich war er so etwas wie der Großvater aus dem Telefon. Er nahm mir meine Sachen ab und führte mich ins Wohnzimmer, wo er schon Kaffee und Kuchen bereitgestellt hatte. Er schenkte uns ein und fragte mich wie mir Prag gefiele. Ich erzählte ihm von meinem Stadtbummel und das ich interessante Leute kennen gelernt hätte. "Du strahlst ja so meine Liebe, bist du verliebt?" fragte er. Ich berichtete ihm von meiner Begegnung mit Seraphine und André und dass es mich ganzschön erwischt hätte. Dann wurde ich ernst und erzählte ihm von dem Buch das Seraphine mir vorgelegt hatte, es wäre in Familienbesitz und das ich es auf seine Echtheit hin überprüfen sollte. Ich erzählte ihm von den Streitigkeiten die es in der Familie geben musste und das André in einer elektronischen Festung lebte. Paul wurde ganz blass, er sah aus als ob er jeden Moment umkippen würde. Ich stand auf, reichte ihm ein Glas Wasser und fragte ob es ihm nicht gut ginge. "Oh mein Gott, sie haben dich gefunden und alles ist meine Schuld, ich hätte dich nicht nach Prag holen dürfen", sagte er aufgeregt. "Du schwebst in höchster Gefahr Liv, ich habe deinen Vater ausfindig gemacht, doch er darf dich nie in seine Gewalt bringen", sagte Paul. "Was…du hast meinen Vater ausfindig gemacht?" sagte ich verzweifelt. Er stand auf und ging zu einem Regal und nahm ein Buch heraus. Er gab es mir und mir stockte der Atem. Auf dem Einband sah ich die gleiche Abbildung wie auf Seraphines Buch. Sprachlos sah ich ihn an, als er zu erzählen begann: "Ich bin vor ein paar Wochen darauf gestoßen und habe Nachforschungen angestellt, ich habe gute Kontakte zur Unterwelt die mich mit Informationen versorgt. Wie du ja weißt habe ich versucht Informationen über den Geheimbund der Drachenkinder zu bekommen. Dieser Bund bestand aus 9 Clans, jeder Clan hatte sein eigenes Drachenkreuz, so konnten sich die Mitglieder untereinander identifizieren. Jedem Clan stand ein Meister vor, dem die anderen Mitglieder bedingungslosen Gehorsam schworen. Sie agierten im Geheimen, im Untergrund, nur wenige wussten von ihrer Existenz und wenn Informationen nach draußen drangen töteten sie Mitwisser bedingungslos. Einige Clans befassten sich mit alchemistischen Praktiken und der Beschwörung des Teufels. Andere waren skrupellose Mörder und töteten rein aus der Lust am Töten. Der Ursprung der Clans liegt im Dunkeln, manche Schriften sagen sie wären die Nachkommen Kains und Lilihts andere sagen sie würden aus dem Geschlecht Judas hervorgehen. Eines ist sicher, diese Clans sind sehr alt und sie existieren noch heute. Dieses Buch gehört dem Clan der Libra. Er ist der Mächtigste aller Clans und sein Meister ist der uneingeschränkte Herrscher. Sie halten sich Lakaien die sie mit dem Drachenkreuz brandmarken, wenn sich ein Lakai als würdig erweißt erhält er das Blut der Libra. Dieses Blut macht sie unsterblich. Vor 25 Jahren ging der Herrscher der Libra eine Verbindung mit einer aus Island stammenden Hexe ein. Er wollte ein Kind mit ihr Zeugen, dass über die Kräfte der Libra und die der Hexen verfügte. Er verführte sie und sie gebar ihm ein Kind. Als sie hinter seine wahre Natur kam floh sie und brachte ihr Kind in Sicherheit.
Niemand hat je wieder etwas von Mutter und Kind gehört. Doch die Clans suchen seid Jahren nach diesem Kind, denn einige wollen das Kind dazu benutzen um den Meister der Libra zu stürzen. Dieses Kind hat das Blut der Libra durch Geburt übertragen bekommen. Es gibt nur wenige Mitglieder die in den Clan geboren werden. Kein Mitglied des Clans darf ohne Zustimmung der Meister einem Lakaien sein Blut geben. Dieses Kind ist etwas besonderes, es war ein kleines Mädchen das in einer Vollmondnacht im Oktober zur Welt kam. Deine Mutter hat dir die Kette deines Vaters umgemacht und dich in einem Kloster in Deutschland zurückgelassen."
Mit den Worten: "Du bist dieses Kind meine liebe Liv", schloss er seine Erzählung. Ich war sprachlos, suchte nach Worten. "Willst du damit etwa sagen mein Vater ist ein Vampir und meine Mutter eine Hexe, das ist doch verrückt, es gibt keine Vampire, sagte ich bestürzt. Ich zweifelte an Pauls Verstand. "Wenn wir Glück haben wissen sie noch nicht wer du bist, du musst Prag sofort verlassen", sagte er. Was, ich sollte Prag verlassen? Nein, nie im Leben würde ich gehen und André zurücklassen. Das alles war doch verrückt. Ich überlegte und mir fiel wieder das Tattoo hinter Andreas Ohr ein, wie Seraphine mich ausgefragt hatte und meine Nacht mit André. Diese wunderbare Nacht, ich erinnerte mich an seine Küsse und…an seine Bisse! Er hatte mich gebissen und da fiel mir auch auf, dass ich heute Morgen keine Kratzspuren auf seinem Rücken gesehen hatte. Eigentlich hätte er Striemen haben müssen, aber da waren keine und dann das seltsame Telefonat, er hat auch gesagt, dass ich in Gefahr wäre. Ich griff mir an den Hals um nach Wunden zu suchen. Ängstlich sah ich Paul an. "Er hat mich gebissen", sagte ich nur. Er stand auf und sah sich meinen Hals an. Es war keine Wunde zu sehen. Schon wenn ich mich als Kind verletzte heilten meine Wunden immer relativ schnell. "Das ist das Blut der Libra, das in dir fließt", sagte er. Ich erzählte ihm von Andreas Tattoo und das auch André andauernd davon sprach, dass ich in Gefahr wäre. Paul fragte mich ob André auch das Tattoo hatte. Ich sagte, dass er tätowiert wäre, aber kein Drachenkreuz hätte. "Dann ist er ein geborener Vampir und er hat wahrscheinlich dein Blut getrunken, das hat ihn noch Stärker gemacht", antwortete Paul. "Er könnte ein Libra sein, vieles spricht dafür, er weiß das du in Gefahr bist und versucht dich zu beschützen", sagte Paul. Ich erzählte ihm auch von Darius, das es Probleme mit ihm gab und über seine Reaktion gestern im Club. "Was sind denn dass für Manieren, man spricht doch nicht schlecht über jemanden der nicht anwesend ist", hörten wir eine Stimme im Hintergrund sagen und ich erschrak als ich Darius im Zimmer stehen sah. "Darius!", sagte ich und sprang auf. "Ja mein Schatz", sagte er "und ich habe euch lange genug zugehört um zu wissen wer du bist und das mein Bruder seine dreckigen Finger an dir hatte". Erstarrt stand ich da und sah ihn an, er war etwas kleiner als André, hatte kurze schwarze Haare, die gleichen grünen Augen wie seine Schwester, trug eine Lederhose und einen dreiviertel langen Ledermantel. Hinter seinem schadenfroh verzogenen Mund konnte ich deutlich zwei Spitze Zähne erkennen. "Du glaubst also nicht an deinesgleichen, ach ja, du bist ja zum Teil noch ein Mensch meine schöne, dass kann ich aber schnell ändern", sagte er und kam langsam auf mich zu. Ich wich zurück und eh ich mich versah stellte sich Paul mit drohender Geste vor ihn. "Alter Mann, was willst du gegen mich ausrichten", sagte Darius, packte Paul und drehte ihn herum. Er riss Pauls Kopf zu Seite und sagte, " erst sein Blut und dann deines mein Schatz, wobei mir deines mehr munden wird wie dieses alte verbrauchte Blut". Dann biss er zu und Paul zuckte und stöhnte auf. "Nein, schrie ich laut auf, lass ihn sofort los". Ich schrie mit ganzer Kraft, doch Paul rührte sich bereits nicht mehr, er war bereits tot, als Darius ihn zu Boden warf. "So und jetzt bist du dran mein Schatz, sagte er, ich wollte schon immer mal das Blut des Meisters kosten". Ich wollte gerade zur Tür rennen, als diese jemand von draußen eintrat und ins Zimmer stürmte. Es war André mit zwei weiteren Männern. Seine Begleiter folgten Darius, der im Angesicht der Übermacht den Rückzug vorzog. Sie verfolgten ihn nach draußen. André kam auf mich zu, doch ich wich zurück und er versuchte mich zu beruhigen. Ich fing an zu weinen und kniete neben Pauls totem Körper nieder. André sah mich an und kniete sich neben mich. "Warum", sagte ich weinend und fiel in seine Arme. Da kamen die beiden Männer zurück ins Zimmer. Darius war ihnen entkommen. Erschrocken wich ich zurück. "Du brauchst keine Angst haben, niemand wird dir etwas tun, dafür sorge ich schon", sagte André und gab den beiden ein Zeichen sich um den toten Paul zu kümmern. Wir standen auf, ich nahm meine Sachen, Pauls Buch und verließ mit André das Haus. Ich stieg in sein Auto und wusste nicht was ich denken sollte.
Wir fuhren in seine Wohnung, oben angekommen sah ich dass er meine Sachen aus dem Hotel hergebracht hatte. Ich sah ihn fragen an. "Du bist dort nicht mehr sicher", sagte er. "Was hast du letzte Nacht mit mir gemacht, fragte ich ihn,…hast du mich gebissen, hast du mich gebissen verdammt noch mal?" schrie ich ihn an. "Ja…ich habe dich gebissen, ich musste doch Prüfen ob du wirklich die Tochter des Meisters bist, ich wollte nicht dass es jemand anderes tut, weil...!" "Weil was, schrie ich, dazu musstest du auch noch mit mir schlafen und mir etwas vorspielen". "Verdammt noch mal, ich habe dir nichts vorgespielt, ich...ich habe mich in dich verliebt und ich wollte nicht dass dich ein anderer anrührt, wenn dein Vater erfährt, dass ich mit dir geschlafen habe und dass ich von dir getrunken habe, dann wird er mich vermutlich vernichten lassen"."Du liebst mich?" sah ich ihn fragend an. Er nahm mich in den Arm und sagte:" Ja, vom ersten Augenblick als ich dich sah hast du mich verzaubert, genauso wie deine Mutter deinen Vater verzauberte, du siehst ihr so ähnlich. "Meine Mutter, sagte ich, ich denke mein Vater hat sie nur benutzt um mich zu bekommen." "Nein, er hat sie geliebt, er hat mir nächtelang von ihr erzählt, ihr verschwinden hat ihn gebrochen, er sucht seid Jahren nach euch, ohne eine Spur…bis gestern"."Wie gut kennst du meinen Vater?" fragte ich. "Er ist wie ein Vater für mich, ich bin seine rechte Hand und wenn er jetzt erfährt wie sehr ich sein Vertrauen missbraucht habe...er wird toben vor Wut"."Und was wird nun aus mir, werde ich ein…wie"? mir stockte der Atem. "In dir fließt das Blut der Libra, du wirst den Kuss eines geborenen Libra erhalten und sein Blut wird dich zu einer der unsrigen machen". "Nur geborene Libra können neue Mitglieder erschaffen, sagte er, und es gibt nur 4 geborene Libra, deinen Vater, Seraphine, Darius und mich. "Darius, er wollte mich töten", sagte ich. "Nein, er hätte dich nicht getötet, er will dein Blut, da es sehr mächtig ist, er versucht schon lang die Macht der Libra zu untergraben, er will der neue Meister der Libra werden". "Solange du noch deine menschliche Seite hast bist du in großer Gefahr", sagte er und drückte mich fest an sich. "Und wenn du…ich meine jetzt!" sagte ich und sah ihn fragend an. "Nein…sagte er, ich bräuchte die Zustimmung deines Vaters und er wird sie mir wohl nicht mehr geben". "Darius wurde die Erlaubnis offiziell entzogen, was ihn aber keineswegs daran hindert es doch zu tun, also bleiben nur noch Seraphine und dein Vater". "Nein, sagte ich, entweder du oder keiner, können wir denn nicht einfach fort gehen"? "Sie würden uns überall finden, wir hätten keine Chance, ich werde mit deinem Vater sprechen, auch wenn es mich vielleicht den Kopf kostet" sagte er und küsste mich. "Und wie ist das mit dem…ich meine, wie ernährst du dich? Tötest du Menschen"? fragte ich ihn. "Nein…er lachte, wir müssen niemanden töten", er ging zum Schrank, nahm eine Flasche heraus und sagte, "es geht auch so". "Und wenn wir wirklich einmal trinken, dann nur so viel dass die Person nicht stirbt, sie wird am nächsten Tag nicht einmal wissen was passiert ist und auch keine Wunden haben". "Ich habe dich doch auch nicht getötet, sagte André, ich habe nur ein wenig von dir gekostet". "Die letzte Nacht mit dir war Wahnsinn, ich lasse dich nie wieder gehen" sagte er. Er gab mir einen langen zärtlichen Kuss und sagte dass wir uns auf den Weg machen müssten. Ich hatte Angst, wusste nicht was mich erwartete. Doch ich wusste dass ich André liebte, obwohl er kein Mensch war.
Wir verließen Prag und kamen an ein riesiges Anwesen. Alles war hermetisch abgeriegelt, überall Sicherheitstechnik, bewaffnete Wachen und freilaufende Hunde, die es jedem Eindringling schwer machen würden. Wir hielten vor einem großen Herrenhaus. Stiegen aus und gingen hinein. Auch im Haus waren überall Wachen zu sehen, wir gingen durch mehrere prunkvoll ausgestattete Räume und fuhren in einem Aufzug mehrere Stockwerke nach unten. Beim verlassen des Aufzugs gelangten wir in schöne und gut erhaltene Gewölbe, auch hier war alles mit Kostbarkeiten ausgestattet. Hier unten war das reinste Labyrinth, alleine hätte ich mich zweifellos verlaufen. In jeder Ecke hingen Überwachungskameras die jeden unserer Schritte verfolgten. Wir stoppten vor einer großen Flügeltüre, vor der ebenfalls schwerbewaffnete Männer standen. "Wir sind da, sagte André, ich gehe zuerst alleine zu deinem Vater, du wartest hier". "Nein…sagte ich und drückte mich fest an ihn,…nein ich komme mit dir, ich könnte es nicht ertragen, wenn er dir etwas antun würde. Ich will dich nicht verlieren". Ich küsste ihn doch, er löste meinen Griff und gab einer Wache die Anweisung mich in die Bibliothek zu bringen. Nur widerwillig folgte ich ihm. Ich sah André noch nach wie er in der Tür verschwand.
Die Wache führte mich in einen großen Raum voller Bücher. Im Normalfall würde das mein Herz höher schlagen lassen, doch mein Herz raste wie verrückt, aus Sorge um André. Die Wache wies mich an hier zu bleiben und ließ mich alleine. Nervös ging ich auf und ab, ich achtete nicht auf meine Umgebung, bis mein Blick plötzlich auf ein Gemälde an der Wand fiel. Es zeigte eine Frau, die ein Kind in ihren Armen hielt. "Oh mein Gott, dachte ich, das ist sie, das ist meine Mutter." Ich trat an das Bild heran und war wie gebannt. Ich sah ihr wirklich sehr ähnlich, von ihr hatte ich meine roten Haare und meine grünen Augen. Und im Arm - hielt sie mich, ein kleines Baby. Sie sah so glücklich aus und da sah ich auch meine Kette um den Hals des Kindes. Sie musste wirklich sehr glücklich gewesen sein, als man dieses Bild von ihr Malte.
Hinter einem großen Schreibtisch saß der Meister der Libra und sah gebannt auf die Monitore auf seinem Schreibtisch. Er war ein Mann von Mitte 40, war eine stattliche Erscheinung und trug einen purpurfarbenen Gehrock. Er hatte kurzes blondes Haar und braune Augen. Er strahlte pure Macht aus. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er schlug wütend auf den Tisch. Im gleichen Moment betrat André den Raum und trat vor den Tisch. "Meister ich habe eure Tochter hergebracht, sprach André, wir konnten gerade noch verhindern das sie Darius in die Hände viel. Darius konnte uns entkommen, aber von einem Informanten habe ich Kenntnis über seinen Unterschlupf erhalten, wir…" "Darius…schrie der Meister, ist dein kleinstes Problem, vielleicht erklärst du mir erst einmal was die Szene vorhin auf dem Gang sollte. Was hat dieser Kuss zu bedeuten? Du solltest sie finden und ihr nicht den Kopf verdrehen". Verzweifelt versuchte André die richtigen Worte zu finden. Doch er kam gar nicht dazu. "Hast du sie angefasst André? schrie der Meister, während er aufstand und mit beiden Fäusten auf den Tisch schlug. "Ja…sagte er stockend, wir haben miteinander geschlafen und ich habe…"Verdammt André wie konntest du mein Vertrauen so missbrauchen, du warst immer wie ein Sohn für mich, du solltest mein Nachfolger werden und wer weiß, vielleicht hätte ich dir Liv zur Gefährtin gegeben und nun hast du mich genauso enttäuscht wie dein missratener Bruder. Ich bin sehr von dir enttäuscht André, du weißt dass das Konsequenzen haben wird, sagte er mit leiser werdender Stimme und lies sich in seinen Sessel fallen. Konntest du deine Triebe nicht in Zaun halten, sie ist meine Tochter." Er blickte auf einen der Monitore und sprach kein Wort. "Welche Motive hast du ihr gegenüber, fragte der Meister". "Meister ihr wisst, das ich euch bedingungslos gehorche, ich nehme jede Strafe an für meinen Verrat, nur bestraft sie bitte nicht, sie kann nichts dafür. Ich würde alles für sie tun…Ich liebe sie mehr als mein Leben". "Du stehst unter Arrest, ich werde später entscheiden, wie deine Bestrafung sein wird" sagte der Meister. Rief nach seinen Wachen und befahl ihnen André bis zur Entscheidung im Haus festzuhalten, er dürfe sich Liv bis auf weiteres nicht nähern. Wortlos führten sie ihn fort. Tief verletzt saß der Meister an seinem Tisch und starrte in den Monitor.
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, ich stand nur da und starrte das Bild an. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, lebte sie noch oder war sie schon tot, wie würde ich auf die Begegnung mit meinem Vater reagieren. Sie war ein wundervoller Mensch deine Mutter", hörte ich eine Stimme hinter mir sagen, du bist ihr Ebenbild". Erschrocken drehte ich mich um und da stand er mitten im Raum, ich hatte ihn nicht hereinkommen gehört. "Bist du…mein Vater", sagte ich mit zitternder Stimme. "Wo ist André, was hast du mit ihm gemacht, wo ist er". Langsam ging ich einige Schritte zurück. "Du brauchst keine Angst vor mir zu haben und was André angeht, er wird dich vorerst nicht wieder sehen. Er hat sich über meine Befehle hinweggesetzt, seine Bestrafung hat dich nicht zu interessieren." "Bitte du darfst ihn nicht bestrafen, er ist unschuldig, gegen unsere Gefühle können wir doch nichts tun", sagte ich verzweifelt. Plötzlich lachte er laut auf und meinte, dass André ihm das gleiche gesagt hätte. "Keine Angst, ich werde ihn schon nicht vernichten lassen, er war immer wie ein Sohn für mich und schließlich besitzt du den gleichen Scharm wie deine Mutter, da war es eigentlich vorauszusehen, dass er sich in dich verliebt". Er trat an das Gemälde heran und sagte nachdenklich: "Ich habe sie vom ersten Augenblick an geliebt, euer verschwinden war mir immer ein Rätsel, sie hätte mich nie freiwillig verlassen. Ich war immer der Meinung, dass ihr Entführt worden wärt, ich konnte jedoch nie eine Spur dafür finden. Ihr ward einfach verschwunden". In seinem Gesicht stand der reine Schmerz und als ich langsam auf ihn zu ging fiel er mir in die Arme. Er hielt mein Gesicht in seinen Händen und küsste mich auf die Stirn. "Meine kleine Liv endlich habe ich dich wieder, du ahnst nicht wie glücklich mich das macht. Und bald wirst du eine richtige Libra sein. Du wirst das Blut erhalten und endlich zu uns gehören. Er wurde nachdenklich und sagte: "Du wirst das Blut von einem geborenen Libra erhalten, es muss freiwillig und in Liebe gegeben und empfangen werden". "Liebst du André? fragte er mich. "Ja…von ganzem Herzen, entweder ich empfange es von ihm oder von keinem". "Du bist genauso Stur wie deine Mutter, sagte er, du sollst deinen Willen haben, wie könnte ich dir etwas abschlagen. Wir lassen ihn aber noch etwas schmoren". Plötzlich erdröhnte ein lauter Alarm und er lief zur Tür um nachzusehen. "Wir werden angegriffen Meister, schrie einer der Wachen auf dem Gang. Er drehte sich zu mir um, befahl mir die Bibliothek nicht zu verlassen und schickte eine Wache zu meinem Schutz ins Zimmer. "Du beschützt sie mit deinem Leben, sagte er ihm und verschloss die Tür.
André wurde in einen der Nebenräume gebracht und dort alleine zurückgelassen. Er machte sich sorgen um Liv, er konnte den Gedanken nicht ertragen, sie nicht wieder zu sehen, als er den Alarm hörte. Er riss die Tür auf und stürmte auf den Gang. "Wir werden angegriffen, schrie einer der Wachen und da tauchten auch schon die Eindringlinge im Gang auf und lieferten sich einen harten Kampf mit den Wachen. André griff in den Kampf ein und nachdem sie die Kontrolle über den Angriff hatten, lief er zur Bibliothek.
Von draußen waren Kampfgeräusche zu hören, ich hatte Angst und zitterte. Meine Leibwache versuchte gerade mich zu beruhigen, als sich hinter uns auf einmal eine Geheimtüre öffnete und mehrere Männer hereinstürmten. Er schrie ich solle mich verstecken. Doch da war auch schon einer bei mir, drückte mir ein Tuch aus Gesicht und ich wurde ohnmächtig.
André schloss die Tür zur Bibliothek auf und fand die Wache schwer verletzt am Boden liegend vor, von Liv fehlte jede Spur. Er beugte sich zu ihm hinunter und fragte ihn wo sie sei. "Es war ein Hinterhalt, sie kamen da durch die Wand. Es war Darius, er hat sie geholt, es waren zu viele, ich"…dann sagte er kein Wort mehr, er war tot. Der Meister stand in der Tür und sah André verzweifelt an. "André hohl sie zurück…!
Als ich erwachte lag ich auf einem Bett und musste mich erst einmal orientieren. Ich versuchte aufzustehen, doch mir war schwindlig. Da ging die Türe auf und Darius kam herein. Er lachte und sagte: "Na mein Schatz so schnell sieht man sich wieder. Jetzt bist du ganz alleine und da ist kein André der dir zu Hilfe eilt. "Was willst du von mir du Mistkerl", schrie ich ihn an. "Dich meine schöne und das Blut das in deinen Adern fließt. Ich bin mir sicher dass ich es dir bestimmt genauso gut besorgen kann wie mein Bruder", sagte er lachend. "Du wirst lernen mich zu lieben, mein Engel und um dir zu Zeigen, das ich es gut mit dir meine habe ich eine Überraschung für dich". Er ging zur Tür, öffnete sie und befahl jemandem hereinzukommen. Was ich dann sah verschlug mir die Sprache. In der Tür stand meine Mutter, sie musste es sein. Sie sah genauso aus wie auf dem Gemälde. Nur ihr Blick spiegelte endlose Trauer wieder. "Ich lasse euch nun alleine, ich glaube ihr habt euch viel zu sagen". Darius schloss die Türe hinter sich und ich war mit ihr alleine. Ich versuchte aufzustehen. "Mutter…sagte ich, mehr brachte ich nicht heraus. Bist du es wirklich?" Sie setzte sich zu mir aufs Bett und sagte: "Mein Kind, meine kleine und nahm mich in den Arm." Ich dachte du wärst tot, was ist mit dir geschehen", fragte ich sie. Sie fasste sich wieder und erzählte mir dass sie vor 24 Jahren von Darius entführt worden war. Mich hätte sie noch rechtzeitig in Sicherheit bringen lassen, doch für sie kam jede Hilfe zu spät. Darius hätte sie zum Vampire gemacht und hielt sie seither hier gefangen. Er hätte sie Jahrelang damit unter Druck gesetzt, mich zu finden und mir etwas anzutun. "Du musst fliehen mein Kind, ich lasse nicht zu, dass er dir dasselbe antut wie mir. Er hat mir Mann und Kind genommen. Dein Vater hat die Suche aufgegeben, wir müssen uns selbst helfen", sagte sie. "Das stimmt nicht, sagte ich, Vater hat dich überall gesucht, er hat nie aufgehört dich zu lieben. André wir mich suchen und finden, ich weiß dass er mich suchen wird und er hat Darius bereits in Verdacht". "André…sagte sie fragend. "Ja, wir lieben uns er wird alles versuchen mich zu finden". "Ach André, sagte sie, er war immer der Liebling deines Vaters. "Darius darf dir nichts antun, das muss ich verhindern, sagte sie und nahm mich in den Arm.
Im Hauptquartier der Libra herrschte reges Treiben. André hatte alle verfügbaren Einheiten zusammenkommen lassen. Selbst die anderen Clans hatten dem Meister ihre Unterstützung zugesagt. Das Waffenarsenal wurde gelehrt und die nötigen Vorbereitungen wurden getroffen. André hatte noch einmal mit seinem Informanten gesprochen und die Bestätigung erhalten, dass sich Darius am vermuteten Ort aufhalte und dass er aus sicherer Quelle wisse, dass Darius eine Frau in seine Gewalt gebracht hatte. Jetzt hieß es schnell zu Handeln, sonst könnte Darius seinen Aufenthaltsort wechseln und es wäre nahezu unmöglich ihn dann noch zu fassen. André suchte den Meister der Libra auf um ihm über die geplante Aktion zu unterrichten. Er hatte den Arrest aufgehoben, denn André war der einzige der diese Aktion leiten konnte. Der Meister hatte sich umgezogen und trug nun einen schwarzen Kampfanzug unter seinem Mantel und volle Bewaffnung. Er hatte ein großes Schwert in der Hand und schwang es über dem Kopf. Schwerter gehörten neben, halbautomatischen Waffen und Flammenwerfern zur Grundausrüstung, wenn es in den Kampf gegen ihresgleichen ging. "Ich werde euch begleiten, die Ehre der Libra steht auf dem Spiel. Wir werden den Verräter aus den eigenen Reihen zur Strecke bringen. Darius hat das Recht auf den Schutz des Clans verwirkt…ab sofort ist er Vogelfrei", sprach der Meister.
Mein einem lauten Knall, sprang die Türe auf und Darius betrat das Zimmer. "So meine liebe, das war erst einmal genügend Zeit um euch kennen zu lernen", sagte er und zog meine Mutter vom Bett. Sie wehrte sich und leistete heftigen Widerstand. "Nein Darius, schrie sie, du wirst sie nicht anrühren. Das lasse ich nicht zu". "Und wie willst du dass verhindern du alte Hexe, willst du mich vielleicht verhexen", sagte er und lachte laut auf. Im gleichen Moment zog sie einen Dolch hervor und versuchte auf ihn einzustechen. Doch er lachte nur und schlug ihn ihr aus der Hand. Ich war inzwischen aufgesprungen, stand vor ihm und schrie ihn an, er solle sie loslassen. Doch er dachte gar nicht daran und zog sie mit festem Griff an sich. "Eigentlich brauche ich dich jetzt nicht mehr Hexe. Ich habe etwas viel besseres, deine junge hübsche Tochter und sie wird bestimmt bald alles tun was ich will", sagte er. Er riss ihren Kopf zur Seite und legte ihren Hals frei. Mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen sah er mich an und strich genussvoll mit der Zunge über seine Zähne. Oh nein, er wollte sie beißen. Und im gleichen Augenblick als ich den Gedanken dachte, biss er zu und sah mir dabei genau in die Augen. "Nein Darius…bitte…töte sie nicht. Ich werde alles, wirklich alles tun was du von mir verlangst, bitte nicht"…schrie ich. Er ließ von ihr ab und schmiss sie vor meine Füße. Sofort kniete ich mich nieder und nahm sie in den Arm. Sie lebte noch, war aber sehr schwach. Darius lachte, beugte sich zu mir nieder, riss mich an sich und küsste mich. Ich wehrte mich nicht, ich wollte ihr Leben nicht noch einmal riskieren. "So gefällt mir das mein Engel, du wirst dich mir nie wieder widersetzten denk immer an das Wohl deiner Mutter, es liegt in deinen Händen. Heute Nacht wirst du mein sein", sagte er, stand auf und verließ das Zimmer.
Nach einer Stunde Fahrzeit war der Zielort erreicht. Alle positionierten sich an den vorgegebenen Orten. Das Anwesen lag mitten im Wald, war sehr schlecht überschaubar und bot viele Versteckmöglichkeiten. Zuerst wurden die Wachen außerhalb zum Schweigen gebracht. Alles musste so schnell und so leise wie möglich von statten gehen, je später sie entdeckt wurden desto besser. Sie durchkämmten jeden Gang und jedes Zimmer, vernichteten jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Sie waren bereits tief ins Haus vorgedrungen, als sie entdeckt wurden. Es entbrannte ein blutiger und unerbittlicher Kampf.
Ich beugte mich über sie und strich über ihr Haar. Sie war sehr schwach, ich wusste nicht ob sie diesen Angriff überleben würde. Es gab nur eine Möglichkeit um sie am Leben zu erhalten, sie musste mein Blut trinken. Ich schob den Ärmel meines Pullovers hoch und legte mein Handgelenk frei. "Mutter…du musst trinken, sonst stirbst du, sagte ich und legte ihr meinen Arm auf die Lippen. Sie versuchte den Kopf zu drehen und meinen Arm wegzuschieben, doch sie war zu schwach. "Nur so viel dass du wieder zu Kräften kommst…bitte" flehte ich sie an. Ich will dich nicht schon wieder verlieren…trink", befahl ich ihr. Als ihre Zähne mein Fleisch durchbohrte, ließ der Schmerz mich zusammenzucken. Mit jedem Schluck meines Blutes schien es ihr besser zu gehen. Dann ließ sie von mir ab und ich half ihr aufzustehen und sich auf das Bett zu setzen. "Mein Kind, du hast mir das Leben gerettet, sagte sie und nahm mich beschützend in den Arm. Doch zu welch einem Preis, jetzt hat Darius dich in der Hand. Er wird dich nie gehen lassen. Wir sind verloren". Plötzlich hörten wir Schüsse und laute Stimmen außerhalb des Zimmers. "Das ist André, sie sind gekommen um uns zu befreien", rief ich und rannte zur Tür. Ich schrie und hämmerte mit den Fäusten dagegen. "Geh zurück", hörte ich eine Stimme schreien, wir brechen die Tür auf". Begleitet von einem riesigen Knall, flog die Tür aus den Angeln. Mehrere bewaffnete Männer stürmten den Raum. Ich wich erschrocken zurück, doch einer der Männer zog ein Funkgerät aus der Tasche und gab durch, dass sie mich gefunden hätten, wir wären in der 2. Etage und sie würden über die Treppe nach unten kommen. "Ich komme euch entgegen", hörte ich Andrés Stimme sagen. Die Männer befahlen uns ihnen zu folgen. Sie nahmen uns in die Mitte, denn die Gefahr war noch nicht vorüber.
"Bleib stehen du Feigling, diesmal entkommst du uns nicht, schrie der Meister und versperrte Darius den Weg. Er war umzingelt von den Männern des Meisters und lieferte sich einen blutigen Kampf mit ihnen. Er hatte das Schwert eines toten Feindes aufgenommen und kämpfte gegen seine Verfolger. Die Klingen prallten aufeinander und Darius lieferte sich schließlich mit dem Meister persönlich einen unausweichlichen Kampf auf Leben und Tot. Langsam gingen wir den Gang entlang, bis wir endlich die Treppe erreichten. Da sah ich André auch schon die Stufen herauf rennen. Ich rannte an den Männern vorbei und fiel ihm in die Arme. "Meine Liebste, geht es dir gut, hat er dir etwas getan", sagte André und sah sich meinen Hals und meine Handgelenke an. Er sah die Wunde an meinem Handgelenk und wollte schon etwas sagen als ich ihn unterbrach. "Nein…Darius hat mich nicht gebissen", sagte ich, drehte mich um und zeigte auf meine Mutter. Sprachlos blickte André sie an, bis er wieder die Fassung fand und auf sie zuging. "Meine Herrin, ihr lebt, das ist doch nicht möglich", sprach er und nahm sie in den Arm. "Wie …Darius, sagte er wutentbrannt, drehte sich um und befahl uns ihm nach unten zu folgen. Wir gingen nach unten und hörten bereits das Kampfgeschehen aus der großen Halle zu der die Treppe führte. Wir sahen wie der Meister sich mit Darius einen heftigen Kampf leistete. Im gleichen Augenblick stolperte Darius und landete auf seinen Knien. Ein wuchtiger Schlag des Meisters beförderte Darius Schwert aus dessen Reichweite. Unbewaffnet lag er vor ihm. "Meister…", schrie André, der blickte nach oben und sah seine Frau langsam die Stufen hinabsteigen. Nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde später, blickte er auf Darius nieder, holte zum Schlag aus und trennte ihm mit einem hasserfüllten Schrei den Kopf von den Schultern. Er ließ das Schwert fallen und ging in Richtung Treppe, wo sich beide in die Arme fielen. Ich ging zu meinen Eltern um sie zum ersten Mal gemeinsam in die Arme zu schließen. Kurze Zeit später waren wir wieder in der Unterkunft der Libra angekommen. Meine Mutter hatte meinem Vater, alles von Darius üblen Machenschaften erzählt. Er führte uns in die Bibliothek und blickte auf das Gemälde. "Endlich ist die Familie wieder vereint", sagte er und nahm meine Mutter in den Arm, ich dachte ich hätte dich verloren und nun seid ihr beide zu mir zurückgekehrt. André nahm mich in den Arm und sagte: "Ich hätte es nicht ertragen dich zu verlieren". "André…sagte mein Vater mit lauter Stimme, so dass ich erschrak. Ich hatte dir doch befohlen die Finger von meiner Tochter zu lassen", sagte er und ging auf André zu. "Meister…ich", mehr brachte er nicht heraus. "Dir fehlt immer noch die Zustimmung ihrer Mutter, sagte der Meister lachend, ich finde du solltest sie erst einmal um ihre Erlaubnis fragen, mein Sohn. Du hast dich heute mehr als würdig erwiesen mein Nachfolger zu werden", sagte er und nahm André in den Arm. "Ich hätte sie keinem anderen außer dir gegeben". "Nun meine Liebe, sagte er und drehte sich um, die Entscheidung liegt bei dir". "Wie könnte ich ihm das abschlagen, schließlich war er es der uns wieder vereint hat. Er hat mir mein Kind und meinen Mann zurückgegeben. Sie haben meinen Segen, meine Liebe und meine Dankbarkeit". Mein Vater sah mich an und sagte: " Nun liegt es in deiner Hand mein Kind, den Zeitpunkt zu wählen".
Stunden später waren wir wieder in Andrés Wohnung angekommen. Ich ging erst einmal in die Wanne um mich etwas zu entspannen. Ich brauchte einfach eine Stunde für mich um noch einmal über alles nachzudenken. In den letzten Tagen war einfach zu viel passiert. Ich hatte meine Eltern wieder und André, den ich über alles liebte. Doch zu welch einem Preis, Paul war getötet worden und mein gewohntes Leben konnte ich nicht mehr weiterleben. Alles würde sich ändern. Ich wäre kein Mensch mehr. André brachte mir ein Glas Rotwein und setzte sich auf den Rand der Wanne. Ich nahm einen großen Schluck, reichte ihm das Glas und fragte ihn ob uns Wasser Schaden könne. Er verneinte und ehe er sich versah landete er in der Wanne und stieß das Glas um, das in tausend Scherben zerbarst. Lachend blickte ich über den Wannenrand. Wir hatten eine richtige Überschwemmung verursacht. Das übergelaufene Wasser vermischte sich mit dem Rotwein und färbte den Boden rot. André lachte, gab mir einen zärtlichen Kuss und stieg vorsichtig aus der Wanne. Er zog die nassen Sachen aus und legte ein Handtuch um. Nun zog er mich aus der Wanne, wickelte mich in ein Handtuch, nahm ich auf die Arme und trug mich in sein Schlafzimmer.
Er hatte Kerzen angezündet und die Musik angestellt. Vorsichtig legte er mich aufs Bett und begann mich zu küssen. Er öffnete mein Haar und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht. Mit einem fragenden Blick sah er mich an. Ich sparte mir die Antwort indem ich mein Handtuch öffnete, seines wegriss und es auf den Boden schmiss. Dann zog ich ihn in meine Arme und küsste ihn Leidenschaftlich. Seine Hände wanderten über meinen ganzen Körper. Seine Zunge glitt über meine Haut und mit seinen Küssen zauberte er mir eine Gänsehaut. Ich drehte mich und saß nun auf ihm, griff zum Nachttischchen und griff eine Kerze die dort stand. Mit einem durchdringenden Blick sah er mich an und bäumte sich auf, als ich die ersten Tropfen des heißen Wachses über seinem Körper vergoss. Mit meiner Zunge strich ich über seinen Oberkörper, biss und küsste ich ihn abwechselnd. Die Extasse wuchs zusehends und dann schliefen wir leidenschaftlich miteinander. André wurde immer wilder. Ich saß auf ihm und spürte seine Bisse. Er küsste meine Brüste und voller Leidenschaft stieß er seine Zähne fest in mein Fleisch. Ich spürte wie er mein Fleisch durchdrang und der feuchte Lebenssaft über meine Brust lief. Stöhnend bäumte ich mich auf. Ich sah zu ihm hinunter und beobachtete ihn, wie er gierig mein Blut trank. Mit einer schnellen Drehung lag er nun auf mir, löste seinen Biss und glitt mit seiner Zunge über meine nackte Haut. Fest hatte ich meine Nägel in seinen Rücken gekrallt und glitt nun mit einer Hand zu seinem Hals. Ich streifte sein Haar bei Seite, zog ihn an meine Lippen und biss leidenschaftlich in sein Fleisch. Ich spürte seine rhythmischen Bewegungen und biss immer fester zu. Er wurde immer wilder unter meinen Bissen. Plötzlich warf er seinen Kopf zurück. Ich sah das Feuer in seinen Augen und seine Zähne glichen zwei spitzen Klingen. Er zog meinen Kopf zur Seite, so dass sich die Haut straffte und biss zu. Ich spürte einen stechenden Schmerz und schrie auf. Mein ganzer Körper bebte, mir wurde heiß und kalt zugleich. Ich bäumte mich auf und gab mich ganz dieser grenzenlosen Leidenschaft hin. Dann löste er seine Lippen von meinem Hals, küsste mich zärtlich und setzte sich aufrecht hin. Ich konnte ihn nur anstarren. Er sah so verführerisch aus und sein Blick war sanft und wild zugleich. Er beugte sich zum Nachtschrank, öffnete die Schublade und holte einen Dolch hervor. Er setzte die Klinge an seine Brust und schnitt eine tiefe Wunde hinein. Das Blut lief aus der Wunde und rann über seine Brust. André legte den Dolch bei Seite und reichte mir die Hand. Ich griff sie und langsam zog er mich hoch. "Trink…meine Geliebte und werde eins mit mir", sagte er. Ich setze meine Lippen auf seine Brust und spürte wie sein Blut in meinen Mund lief. Es war warm und sein Geschmack war süß. Und als es mir die Kehle hinab rann, spürte ich seine Kraft und gierig saugte ich es in mich auf. Es erfüllte mich mit Leben. Keinem menschlichen Leben. Ich wurde endlich was ich von Geburt an sein sollte…ein Vampir! Von nun an sah ich die Welt mit anderen Augen…ich sah sie mit den Augen einer Libra!



Eingereicht am 02. August 2005.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.



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