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Die kleine Feder

Von Ingrid Linnenberger


Es war einmal ein dickes Daunenkissen. Jeden Morgen wurde es am Fenster gelüftet. In dem Kissen waren viele Gänsefedern. Was niemand bemerkte: Das Kissen hatte ein kleines Loch.
An einem sonnigen Morgen wurde das Kissen zum Lüften ans offene Fenster auf die Fensterbank gelegt. Da entwischte aus dem Loch eine kleine Feder. Sie war sehr neugierig und sie hatte immer schon davon geträumt aus dem dunklen Kissen heraus zu kommen, um endlich die Sonne zu sehen.
Sie wurde vom Wind weggetragen und landete sanft im Hühnerstall des Nachbarn. Sofort wurde die kleine Feder von einem Huhn entdeckt. Fressbegierig nach allem was sich bewegt, wollte das Huhn nach der Feder picken.
Die kleine Feder hatte große Angst. Doch rechtzeitig kam ein kleiner Windstoß und brachte sie außer Gefahr. Der Wind trug sie auf einen Feldweg, wo die Kinder Verstecken spielten.
Ein kleines Mädchen sah wie die Feder direkt vor ihren Füßen landete. Vorsichtig hob es die Feder auf, pustete sacht über sie hinweg und streichelte sie. Dann steckte es die kleine Feder in ihre Jackentasche.
Hier war es dunkel und ungemütlich. Die kleine Feder wurde traurig. Sie wollte doch nur einmal in Ruhe die Sonne sehen und ihre Wärme spüren.
Als das Mädchen zu Hause war, nahm es die Feder aus der Tasche und legte sie ein kleines Kästchen. Dort lagen alle Schätze, die sich mit der Zeit angesammelt hatten: Knöpfe, Perlen, Ketten, Armbänder, Schlüssel und vieles mehr.
Die kleine Feder wurde immer trauriger. Wie froh wäre sie, endlich wieder in ihrem Kissen zu sein. Sie wollte unbedingt wieder zurück zu den anderen Federn.
Das kleine Mädchen vergaß, die Tür zum Kinderzimmer zu schließen und die Feder wurde vom Wind aus dem geöffneten Fenster getragen. Endlich war sie wieder frei! Aber oh weh!
Das Wetter hatte umgeschlagen! Die Sonne war hinter dicken Regenwolken versteckt und es wehte ein starker Wind. Der hob die kleine Feder in die Luft, wirbelte sie hin und her und trug sie weit weg.
An einer großen Hecke verfing sich die Feder und kam endlich zur Ruhe. Der Regen prasselte nieder. Doch die kleine Feder wurde von den Blättern geschützt.
Allmählich ließ der Regen nach und die Sonne quetschte sich durch die Wolken. Es wurde wieder wärmer. Endlich konnte die kleine Feder die Sonne genießen! Dann wurde es plötzlich sehr laut.
Gänse kamen aus ihrem Unterschlupf und liefen auf die Wiese. Die Hecke, an der sich die Feder verfangen hatte, war genau in der Mitte der Wiese. Am frühen Abend zogen sich die Gänse wieder zurück um zu schlafen.
Jetzt konnte man auf der Wiese viele, viele Federn liegen sehen, die die Gänse verloren hatten. Die Bäuerin kam aus dem Haus, um wie jeden Abend die Federn einzusammeln.
Die Bäuerin hatte ein großes Kissen genäht und sie brauchte die Federn zur Füllung. Sie sammelte schon eine Weile und kam der Hecke immer näher. Da entdeckte die Bäuerin die kleine Feder, nahm sie und legte sie behutsam zu den anderen Federn.
Sie ging ins Haus und machte sich daran, die Federn ins Kissen zu füllen. Dann nähte sie mit geübten Händen das Kissen zu.
Die kleine Feder war glücklich wieder zu Hause zu sein.




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Eingereicht am 15. August 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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