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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Ruben und sein Freund Westegrün

Von Ingrid Linnenberger


Ruben hatte schreckliche Langeweile. Keiner hatte Zeit für ihn. Er lag im Garten auf der Wiese und hatte seine Augen geschlossen. Die Sonne schien warm und die Vögel zwitscherten.
Plötzlich spürte er einen Schatten, und er öffnete langsam seine Augen. Er konnte nicht genau erkennen, wer oder was es war. "Na Ruben ruhst du dich aus?", fragte ihn jemand. Ruben sprang erschrocken auf und sah vor sich einen Mann in seltsamer grüner Kleidung. Alles was er anhatte war grün: grüne Jacke, grüne Hose. grünes Hemd und einen grünen Hut! "Sag mal, bist du ein Jäger?", fragte Ruben. "Nein, ich bin kein Jäger. Ich heiße Westegrün und ich kann dir Wünsche erfüllen!", erwiderte der seltsame Mann.
Ruben lachte. "Wie heißt du, Westegrün? Ich kenn keinen Erwachsenen der so heißt. Und du kannst Wünsche erfüllen? Das gibt's doch nur im Märchen...!"."Wenn du mich auslachst, dann verschwinde ich gleich wieder!". Westegrün war beleidigt, "Ich dachte wir könnten Freunde sein, aber gut..., wenn du nicht willst". Ruben entschuldigte sich tausendmal und versprach ihn nie wieder auszulachen.
"Westegrünchen, du hast mir gesagt du kannst Wünsche erfüllen! Und ich glaube dir, ehrlich! Weil, ich würde so gerne mal wieder auf eine Kirmes besuchen!" Ruben war ganz aufgeregt und lief, während er von der Kirmes erzählt, hin und her. Er war begeistert und seine Augen leuchteten; jetzt auf einen Rummel, das wär Spitze!
Westegrün war sofort von seiner Begeisterung angesteckt: "Das ist eine supertolle Idee! Mmmh. das leckere Kirmes -Eis, die Musik, die Karussells...! Ich liebe den Rummel! Dann werden wir uns mal ins Vergnügen stürzen. Schließe deine Augen, fasse mit der rechten Hand an deine Nase und wünsche dir auf dem Rummelplatz zu sein. Ich zähle bis drei und los gehts! Eins, zwei, drei!".
Ruben folgte den Anweisungen und war gespannt, was ihn erwartete. Plötzlich wurde es sehr laut. Er hörte ohrenbetäubende Musik und Menschen, die lachten und schrien. Schnell öffnete er seine Augen. Da stand er mitten auf einem Rummelplatz und Westegrün musste ziemlich laut werden, damit Ruben verstehen konnte was er sagte: "Na, hab ich dir zuviel versprochen? Wie wärs mit einem leckeren Eis, komm!". Ruben konnte es immer noch nicht fassen. Erst nachdem er sein Eis gegessen hatte, wurde ihm klar, er träumte nicht.
Westegrün stupste Ruben am Arm und zeigte mit dem Finger in die Richtung, in der ein Kinder-Karussell stand. Ruben entdeckte es sofort und lief, ohne sich umzublicken, hin. Westegrün musste sich beeilen, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Er kaufte Ruben zehn Fahrkarten und Ruben hatte das große Problem, für welches Auto er sich entscheiden sollte. Erst einmal fuhr er zweimal mit dem Feuerwehrauto. Dann wechselte er in das Polizeiauto. Schließlich setzte er sich in einen Hubschrauber. Ruben war begeistert, glücklich und zufrieden. Stolz wie "Oskar" kletterte er am Ende in einen flotten Sportwagen.
Westegrün freute sich mit dem kleinen Mann und machte ihm den Vorschlag, mit ihm zusammen mit dem Riesenrad zu fahren. Ruben hatte schon ein bisschen Angst, aber mutig stimmte er zu. Sie quetschten sich durch die Menschenmenge zum Riesenrad. Westegrün besorgte Karten und sie stiegen in eine Gondel. Das Riesenrad setzt sich in Bewegung und Ruben rückte immer näher an Westegrün. Sie kamen höher und höher. Es dauerte, bis Ruben sich traute, sich umzuschauen. Doch es lohnte sich. Von hier oben konnte er den gesamten Rummelplatz überschauen. " Westegrün, schau mal hier und da und dort! Hast du das gesehen? Dann guck doch mal und hier, ist das toll!". Langsam ging es wieder abwärts. Dann war die Fahrt zu Ende.
Ruben war überwältigt. Er ergriff Westegrüns Hand, um sicher durch die Menschenmenge zu kommen. Sie kamen an einem Losverkäufer vorbei. Ruben brauchte Westegrün nur anzuschauen und schon kaufte er ihm mindestens zwanzig Lose. An einer ruhigen Ecke, machte Ruben die Lose nacheinander auf. Er war schon traurig, weil er bis jetzt nur Nieten hatte. Doch dann erwischte er ein Los mit einer Nummer. Freudestrahlend ging er damit zum Losverkäufer. Der betrachtete sich die Nummer, dann schaute er auf Ruben, nahm sein Mikrofon zur Hand und sprach ziemlich laut: "Meine Damen und Herren, dieser kleine Knirps hier hat heute den Hauptpreis gewonnen. Sehen sie, es lohnt sich doch die Lose zu kaufen. Versuchen auch sie ihr Glück! Herzlichen Glückwunsch, mein Junge!". Der Losverkäufer überreichte Ruben einen riesengroßen Plüschbären. Stolz nahm Ruben seinen Gewinn und rannte zu Westegrün.
Der hob Ruben mit seinem Bären auf den Arm, drehte sich mit ihm ein paar Mal im Kreis und ließ ihn dann wieder auf den Boden. "Hast du ein Glück!. Der Bär ist ja fast so groß wie du! Nach all den Aufregungen hast du doch bestimmt einen Riesenhunger! Wie wärs mit einem Würstchen? Also, mein Magen knurrt und deiner?": Ruben lief das Wasser im Mund zusammen und Westegrün kaufte zwei Würstchen mit Brot. Mit großem Appetit aßen die Beiden. Dann gab es noch für jeden eine Limonade und frisch gestärkt stürzten sie sich wieder ins Getümmel.
Hand in Hand kämpften sie sich durch die Menge. Da entdeckte Ruben Ponys, auf denen man reiten konnte. Er zog Westegrün an der Hand und fragte ihn ob er reiten dürfe. Das wär überhaupt das Größte. Westegrün lachte und setzte ihn auf ein Pony. Und dann ging es los! Die Ponys wurden im Kreis herumgeführt, und immer wenn Ruben an Westegrün vorbei kam, winkte er ganz stolz. Ruben fühlte sich wie ein Cowboy. Er durfte so lange reiten wie er wollte. Das war sehr, sehr lange!
Nach diesem Ritt verspeiste Ruben noch eine Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, und Westegrün schenkte ihm noch ein Lebkuchenherz.
Nach einer Weile merkte Westegrün, dass Ruben immer langsamer wurde. Er musste ihn hinter sich herziehen, so schlapp war er. "Was ist los? Keine Lust mehr?", fragte er. Ruben blieb stehen und sagte: "Ich bin müde und ich möchte nach Hause. Es war so ein toller Nachmittag, aber ich habe jetzt genug und Mama sucht mich bestimmt schon!". Westegrün konnte seinen Freund gut verstehen. "Ich bin froh, dass es dir so gut gefallen hat! Mir hat es auch Spaß gemacht. Okay, dann schließe deine Augen, berühre deine Nase und stell dir vor, du liegst auf der Wiese im Garten!".
Ruben machte es genau so und siehe da, er lag wieder auf der Wiese! Die Sonne schien und die Vögel zwitscherten. Seine Mutter rief: "Ruben hast du ausgeschlafen?"




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Eingereicht am 19. Juli 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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