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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Simon auf Geisterjagd

Von Ina Schrader


Der Winter war endlich vorbei und draußen zeigten die ersten Frühjahrsblumen ihre Knospen. Allmählich wurde es warm und die Sonne lachte wieder.
Mama und Papa hatten an diesem Wochenende eine Überraschung geplant. Sie telefonierten mit der befreundeten Familie Lenz und verabredeten sich für den Nachmittag. Familie Lenz kam bei schönem Wetter oft zu ihnen und Papa holte dann den Grill heraus und sie machten sich einen schönen Tag im großen Garten. Oder aber sie machten alle zusammen einen Ausflug. Simon freute sich dann. Mit Lena konnte man immer spannende Sachen machen. Sie hatte immer so schöne Einfälle.
Simon fragte: "Was machen wir denn heute? Zum Grillen ist es doch noch viel zu kalt.". Aber weder Mama noch Papa verrieten ihm etwas. "Warte ab, Simon. Es soll doch eine Überraschung werden", sagte Papa.
An der Tür hatte es geklingelt. "Machst du bitte auf Simon?", hatte Mama ihn gebeten. Simon öffnete und begrüßte die Freunde. Mit dabei war auch Lena. Sie war schon fünf und Simon fand sie sehr nett. Mama ärgerte ihn immer, das er in Lena verliebt wäre. Na ja, vielleicht ein kleines bisschen. So fand Simon, der sonst gar nicht so für große Ausflüge zu begeistern war, das alles nicht mehr so langweilig. So hatte er doch ein wenig Zeit, mit Lena zu spielen. Alle waren fertig und die Fahrt ging los.
Sie waren in den Hellbergen angekommen. Hierher fuhren Simons Familie und ihre Freunde jedes Jahr, sobald das Wetter besser wurde. "Was wollen wir denn hier?", fragte Simon noch einmal. Mama antwortete ihm: "Es ist doch ein schöner Tag. Die Sonne lacht und recht warm ist es heute auch. Zuerst gehen wir zu der kleinen Hütte, wo wir schön Kaffe trinken und den leckeren Kuchen essen. Und ihr Kinder könnt ja ein wenig spielen. Wir haben doch extra deinen neuen Ball und die Springseile mitgebracht.". Simon musste sich damit abfinden. So versuchte er das Beste daraus zu machen.
Als sie an der Hütte angekommen waren, packten die Erwachsenen Kaffe und Kuchen aus und machten es sich auf den alten Holzbänken gemütlich. Die Kinder hielten sich etwas abseits und überlegten noch, was sie nun spielen sollten. Lena hatte eine prima Idee: "Wir können uns ja verstecken. Unsere Eltern sind beschäftigt und merken gar nicht, wenn wir allein los gehen. Mal sehen, ob sie uns finden.". Ganz begeistert stimmte Simon ihr zu und so kletterten sie den kleinen Berg hinter der Holzhütte hinauf. Nach einer Weile fiel Mama auf, das sie die Kinder nicht mehr sehen konnte und zu hören war auch keiner von ihnen. Papa rief nach Simon und Lena, bekam aber keine Antwort. Etwas nervös liefen alle umher.
"Wir werden die Kinder wohl suchen müssen", schlug Mama vor. "Das hat sich bestimmt wieder unsere Lena ausgedacht", sagte Lenas Vater. Er wusste, das Lena immer für einen dummen Streich zu haben war und so gab er die Richtung an, in der sie zuerst suchen wollten.
Nachdem sie sich ein ganzes Stück von der Holzhütte entfernt hatten und weder Lena noch Simon zu sehen war, blieb Papa stehen: "Mir fällt da etwas ein. Ich gehe zum Auto und hole etwas. Jetzt spielen wir den Kindern mal einen Streich", sagte er zu den anderen.
Papa kam mit einer großen Tüte und einem weißen Bettlaken zurück. "Was hast du denn da?", fragte Mama. "Wir hatten doch später vor, eine Geisterstunde mit den Kindern zu machen. Das können wir genauso gut schon jetzt", antwortete Papa. Alle waren einverstanden. Mama und Lenas Eltern nahmen die große Tüte, in der lauter kleine Süßigkeiten waren und machten sich auf den Weg. Sie versteckten mal hinter dem einen, mal hinter dem anderen Baum etwas. Papa hatte sich unterdessen das Bettlaken umgehangen und lief zwischen den Bäumen umher. Er machte dabei ganz seltsame Geräusche, fast hätte man denken können, er wäre wirklich ein Geist. Lena und Simon wussten natürlich nichts von dem Plan der Eltern.
Nach einem kurzen Stück durch den Wald hörte Papa ganz leise Kinderstimmen. Das mussten die beiden sein, dachte er sich. So schlich sich Papa ganz vorsichtig weiter heran. Und recht hatte er. Da saßen Lena und Simon auf einem umgefallenen Baumstamm. Papa machte wieder seine komischen Geräusche und sprang zwischen den Bäumen umher. " Huh, huh, ich bin der Waldgeist!", rief er mit verstellter Stimme. Lena fing an zu schreien. Auch Simon hatte sich mächtig erschrocken und sprang auf. Aneinandergeklammert standen die beiden nun direkt vor dem Waldgeist. " Was macht ihr hier in meinem Wald?", fragte der. Simon sagte mit leiser angstvoller Stimme: " Wir sind mit unseren Eltern bei der alten Holzhütte.". Lena konnte immer noch nichts sagen. " Und wo sind eure Eltern? Ich kann hier niemanden sehen. Nur euch zwei. Du willst mich wohl beschwindeln was?", sagte der Geist. Simon wurde immer mulmiger zu Mute. Aber dann dachte er an Lena. Er musste stark sein und sie beschützen. So stellte er sich vor sie und sagte: " Hier gibt es doch gar keine Geister. Du willst uns wohl beschwindeln was? Hau ab und wir tun dir nichts!". Lena traute ihren Ohren nicht. Simon war sehr mutig, aber hoffentlich hatte er den Geist nicht noch mehr verärgert. " So, so. Du hast also gar keine angst vor mir?", fragte der Geist. Nach einer kurzen Pause sprach er: " Ich bin eigentlich auch kein böser Geist. Soll ich euch meine Geschichte erzählen?", fuhr er fort. Simon und Lena waren neugierig geworden: " Ja bitte!". Der Waldgeist setzte sich zwischen die Beiden auf den Baumstamm und begann seine Geschichte zu erzählen: " Vor vielen Jahren kamen die Soldaten des Herren von Hellbergen in diesen Wald. Sie schlugen fast alle Bäume und der Wald wurde immer kahler und nur wenige Bäume blieben übrig. So mussten wir uns, also die Menschen, die in den Wald gezogen waren und hier lebten, etwas einfallen lassen. Alle setzten sich an einem Lagerfeuer zusammen und besprachen, was man gegen die Soldaten und dem Herren von Hellbergen tun könne. Die Ältesten machten e ht zwei von den Männern als Waldgeister verkleiden. Wenn es dunkel geworden war, schlichen sie zwischen den wenigen Bäumen umher und machten dabei sehr seltsame Geräusche. Das hörte sich ziemlich gruselig an. Und in ihren Händen hielten sie kleine Fackeln.
Die Soldaten sahen sie schon von weitem und bekamen einen so großen Schreck, das sich bald niemand von ihnen mehr in den Wald traute. Diese Geschichte wurde von den Älteren immer an ihre Kinder weiter erzählt, bis heute. Nun gibt es zwar keine bösen Soldaten mehr und auch der Herr von Hellbergen lebt schon lange nicht mehr, aber ab und zu kommen immer noch Menschen her, die hier am liebsten große Häuser und Hotels bauen wollen. Um unseren Wald zu beschützen, sind wir Waldgeister noch immer auf der Lauer, um sie zu erschrecken. Ihr glaubt ja gar nicht, wie schnell diese Menschen aus dem Wald laufen, weil sie angst bekommen.". Ein breites Grinsen zog sich um seinen Mund. Nach einer kleinen Pause, sprach er weiter: " Und weil wir Geister nicht euch Kinder erschrecken wollen, solltet ihr nicht allein hier umherlaufen. Geht nun zurück zu euren Eltern, die suchen euch doch bestimmt schon.". Simon und Lena hatten die Zeit ganz vergessen. Sie machten sich also auf den Weg zurück. " Ach ja Kinder, für unsere lieben Besucher des Waldes, haben wir hinter einigen Bäumen kleine Süßigkeiten versteckt. Schaut doch mal nach, ob ihr etwas findet", rief der Waldgeist ihnen nach.
Simon und Lena hatten wirklich nicht bemerkt, das der Geist Simons Papa war. Der musste erst einmal richtig lachen, als die Kinder nicht mehr zu sehen waren. Nun machte er sich ganz schnell in die andere Richtung auf den Rückweg zum Auto. Schließlich musste Papa sich noch vom Bettlaken befreien und den anderen die Geschichte erzählen.
Simon und Lena sahen hinter jeden Baum, ob der Waldgeist auch nicht geschwindelt hatte. Das hatte er nicht! Hier und da lagen kleine Süßigkeiten hinter den Bäumen. Die Kinder hoben sie auf: "Na da werden unsere Eltern aber staunen, was hier alles zu finden ist im Wald", sagte Lena. Dann sahen sie auch schon die alte Holzhütte, an der ihre Eltern saßen und sich angeregt unterhielten. Simon und Lena rannten den kleinen Berg herunter. Sie mussten ihren Eltern unbedingt von dem Waldgeist erzählen und die vielen Süßigkeiten zeigen.
An der Hütte angekommen, sprudelte es aus beiden heraus. Mama versuchte sie zu beruhigen: " Nun mal langsam. Man versteht ja gar nichts. Setzt euch mal hin und holt tief Luft.". Nach einer kurzen Pause begann Simon von ihrem Abenteuer mit dem Waldgeist zu erzählen. Lena unterbrach ihn irgendwann und erzählte den Rest der Geschichte. Nun legten sie die gesammelten Süßigkeiten in den Korb. Die Eltern waren ganz erstaunt und taten natürlich so, als ob sie von allem nichts wussten. " Da habt ihr ja wirklich was tolles erlebt", sagte Papa. " Aber wir sollten das nächste mal lieber alle zusammen durch den Wald gehen. Vielleicht sind nicht alle Waldgeister so nett", sagte Simon.
Doch etwas müde von der ganzen Aufregung, fuhren alle gemeinsam nach Hause. Mama und Papa freuten sich, das ihr Plan so gut funktioniert hatte. Lena versprach, nun etwas vorsichtiger zu sein. So ganz allein traute sie sich nun nicht mehr in den Wald. Und Simon hatte nun eingesehen, dass so ein Ausflug doch ganz spannend sein kann und viel Spaß machte.




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Eingereicht am 23. Mai 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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