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Der Gockelhahn lebt nicht mehr

Ingrid Kubisch


Die bezopften Mädchen der Hedwig Heyl Haushaltsschule standen um den Holzblock herum und hörten aufmerksam doch zitternd den Ausführungen der Hauswirtschaftslehrerin zu. Alle wussten, was nun kommen würde. Eine unter ihnen würde die Axt schwingen, würde dem Hahn, der sich energisch wehren würde den Kopf abhacken müssen.
Es sollte Liese sein. Warum gerade Liese? Warum nicht Liese!
Lieschen nahm erst zögernd, dann wild entschlossen das Hackebeil in die Rechte und versuchte mit der Linken den Hahn so fest wie möglich auf den Schlachtblock zu drücken, um dann schnell zuzuschlagen.
Sie schlug zu. Das Beil hieb dem Hahn ein paar Federn aus. Dieser schaute empört um sich und tat seinen Unmut laut krächzend und mit schlagenden Flügeln kund. Lieschen ließ los. Der Hahn entflog. Alle Mädchen außer Lieschen rannten flugs hinterher und fingen den Hahn wieder ein. Nun, da sie wussten, dass der erste Schritt der Zubereitung des Hahnes nicht in ihr Aufgabengebiet fiel, hatten sie mehr oder minder wertvolle Vorschläge zu dem Thema Schlachten.
Liese musste noch einmal die Axt schwingen. Dieses Mal traf sie, aber der Schlag war nicht kräftig genug. Zwar flog der Hahn nicht fort, aber er strampelte und ließ ein schauerliches "Kröh-Kröh" hören. Die Lehrerin sprach ein strenges Wort und Lieschen, die Wangen hoch gerötet mit fliegenden blonden Locken, ließ die Axt niedersausen!
Der Hahn bewegte sich nicht. War er tot? Die Schülerinnen umringten Liese und ihr Opfer - der Kopf war noch dran! Ein schwaches Röcheln war zu hören und ... oh weh! Er fing wieder an zu zappeln.
Man wird es nicht glauben mögen, aber Liese musste noch einmal ...! Endlich war der Kopf ab und ein kollektiver Seufzer der Erleichterung erklang.
Nun mag der Eine oder Andere schon gehört oder sogar erlebt haben, dass Hähne nach dem Schlachten noch eine Weile ohne Kopf herumrennen. Dieser nicht. Er war einfach zu müde.


Eingereicht am 21. Dezember 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.


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