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Bahnbrechende Erfindungen?!?

Von Ilka Göbel


Wenn ich so über die neuesten technischen Errungenschaften nachdenke, kommt mir jedes Mal die Frage in den Sinn, was sich der gemeine Erfinder eigentlich bei seinen Erfindungen so gedacht hat. Und ich meine jetzt gar nicht diese bahnbrechenden Erfindungen wie Atomkraftwerke oder Flugzeuge. Nein, nehmen wir doch einmal die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens. Zum Beispiel die allseits bekannte Kaffeemaschine. Zur Zeit ihrer Erfindung sollte sie also der damaligen Hausfrau ein Stück ihrer täglichen Arbeit erleichtern und ihr helfen kostbare Zeit einzusparen. Jetzt brauchte sie das Kaffeemehl also nicht mehr von Hand mit kochendem Wasser übergießen sondern hatte eine Maschine, die ihr das abnahm.
Ich muss vielleicht gestehen, das ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht auf der Welt war und das deshalb vielleicht auch nicht so gut beurteilen kann, aber wie lange kann denn das Kaffee aufbrühen von Hand gedauert haben? Doch höchstens ein paar Minuten. So ein technischer Aufwand für ein paar Minuten mehr Zeit? Hätte der werte Herr Erfinder seine kostbare Zeit statt in die Erfindung einer Kaffeemaschine lieber in andere Erfindungen gesteckt, wären jetzt vielleicht Millionen geplagter Hausfrauen besser dran. Wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, der Herr hätte eine Suchmaschine erfunden, hätte ich heute die Zeit um wöchentlich zwei Romane zu schreiben, einen weiteren Job anzunehmen und, wenn es das Talent zuließe, mehrere Galerien mit Aquarellen zu füllen. Wenn ich mir also vorstelle, ich müsste meinen Kaffee weiterhin von Hand aufbrühen, müsste aber nie wieder Schränke und Schubladen durchwühlen auf der verzweifelten Suche nach einem Feuerzeug, hätte ich glaube ich einen sehr guten Tausch gemacht. Ich möchte es mir gar nicht ausrechnen, wie viel Zeit ich am Tag so im Schnitt damit verbringe, Dinge zu suchen. So lange ich zu Hause bin, suche ich wie eben schon erwähnt Feuerzeuge, Kugelschreiber, wichtige Briefe, Unterlagen für die Steuererklärung, meine Hausschuhe, Notizzettel, Schals, Handschuhe, Mützen, Jacken und Kinderschuhe. Nicht zu vergessen natürlich verloren gegangene Socken, wobei ich gestehen muss, dass ich diese Suche mittlerweile fast vollständig aufgegeben habe und stattdessen darauf warte, dass mal jemand einen Wettbewerb ausschreibt, wer in der kürzesten Zeit die meisten einzelnen Socken zusammenbringt. Ich hätte wahrscheinlich sehr gute Chancen zu gewinnen, ich habe für dreißig Stück nur knappe zwei Wochen gebraucht. Und damit ich aus dem Suchen nicht aus Versehen einmal herauskomme, habe ich mir auch gleich noch den passenden Job dazu gesucht. Ich arbeite halbtags als Sekretärin und so genanntes Mädchen für alles und kann demnach 20 Stunden in der Woche zusätzlich mit Suchen verbringen. Ab Mittags um eins suche ich also dann bevorzugt mein tragbares Telefon, Telefonnummern, Adressen, wichtige Dokumente, verschiedene Chefs, Lieferscheine und weil es zu Hause so schön ist, noch mehr Kugelschreiber. Sollte ich zufällig mal einem Erfinder begegnen, werde ich ihm die Erfindung einer Suchmaschine also dringend ans Herz legen.
Aber eines müssen wir der guten alten Kaffeemaschine ja dann doch lassen, sie funktioniert wenigstens und erfüllt die allgemein an sie gestellte Anforderung tatsächlich Kaffee zu kochen. Was man ja leider nicht von allen Erfindungen für den modernen Haushalt behaupten kann. Nehmen wir da zum Beispiel mal diese neuartigen Topfdeckel mit Ventil, in denen nichts mehr überkochen kann. Ich besitze diese Deckel, seit ich einen Haushalt mein Eigen nenne. Trotzdem bin ich immer noch Tage nach einem Spaghettiessen damit beschäftigt, die Stärke aus dem Nudelwasser von meinem Herd zu scheuern. Und die Flut von Reinigern und Mittelchen zum Schutz vor Neuanschmutzung oder wie die das nennen mit zum Teil unaussprechlichen Namen nützt mir dabei wie zu erwarten war auch nicht viel. Wahrscheinlich könnte ich auch ein Monatsgehalt für einen Topf ausgeben, in dem garantiert nichts mehr anbrennen kann, nur um die Hersteller binnen einer Woche vom Gegenteil zu überzeugen. Und was die schnelle Neuanschmutzung angeht, wenn man ständig auf den Knien unter diversen Möbelstücken entlang kriecht, auf der Suche nach verloren gegangenem was-auch-immer, hält die sich schließlich schon von alleine relativ in Grenzen. Und sollte ich doch irgendwann einmal die Zeit finden, kann ich ja immer noch selbst durch meine bahnbrechenden Erfindungen in die Geschichte eingehen.


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Eingereicht am 18. Oktober 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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