Abenteuer im Frisiersalon. Kurzgeschichten aus dem Internet. Edition www.online-roman.de  Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken.  160 Seiten 10 Euro ISBN 3-9809336-0-1
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Ein Beitrag zum Kurzgeschichtenwettbewerb "Im Frisiersalon"

Fasson mit Nachschlag

Eine Kurzgeschichte von Jens Uwe Stolte


In unserer Schule sind die Jungs mit längeren Haaren die mit dem höchsten Ansehen, aber unsere Eltern sehen uns alle am liebsten mit Fassonschnitt.
Eigentlich will ich lange Haare haben.
Das geht aber nicht lange gut. Irgendwann fällt es dann doch auf, dann bekomme ich Geld in die Hand gedrückt und darf ganz alleine zum Friseur gehen.
Schon beim Betreten des Geschäftes schlug mir der typische Geruch entgegen, damit war das Schicksal der Haare eigentlich schon besiegelt.
Beim Warten konnte ich schon einmal zuschauen wie das aussieht, wenn die summende Maschine am Hinterkopf und an den Seiten hochgeführt wird und nur millimeterkurze Haare auf dem Kopf zurücklässt. Wohlwissend gleich selbst dort zu sitzen und die vibrierende Maschine am Kopf zu haben.
Mein Vorgänger kletterte mit Haaren, die wegen der Kürze nicht mehr kämmbar waren aus dem Friseurstuhl. Alles stoppelkurz. Dann wurde ich aufgerufen, saß auf dem großen Friseurstuhl, unterstützt durch ein Kissen.
Wenigstens war ich ja schon so groß, dass ich nicht mehr in den Kinderstuhl gesetzt wurde, immerhin schon ein Fortschritt.
Der Papierkragen wurde umgelegt, ein großer weißer Umhang wurde übergeworfen.
Dann wurde noch einmal mit Ziepen durchgekämmt, ein letzter Blick auf die mühsam gezüchtete Haarpracht und dann wurde Strähne für Strähne hochgehoben, man hörte die Schere eifrig klappern, währen sich der Umhang mit den Haaren füllte. Es dauerte immer sehr lange, weil ich damals immer von den Lehrlingen bedient wurde.
Erst mit der Schere alles kurz, dann wurde die Maschine genommen. Zuerst die Seiten, das Ohr wurde umgebogen, dahinter ging die Maschine rauf und man sah meine abstehenden Ohren dann in aller Pracht. Genau das hasste ich.
Ich wollte meine abstehenden Ohren verdeckt haben, aber die Seiten wurden mit der Maschine anrasiert, ein Verdecken war unmöglich. Der Kopf wurde kräftig in die Schneideposition gedrückt, ergeben ließ ich es geschehen. Man spürte nach ein paar Minuten die Wärme der Maschine, wenn sie an den Seiten und den Nacken hochgeführt wurde. Dann hörte die Friseurin auf und ging in einen anderen Raum. Derweil betrachtete ich den kurzen Fassonschnitt, Ohren freirasiert, Seiten millimeterkurz, auf dem Oberkopf und der Stirn noch soviel Länge, das ein Kämmen kaum noch möglich war, die Haare sprangen immer wieder zurück in ihre Wuchsrichtung.
Wieder so kurz, wie ich es nicht haben wollte.
Die Friseurin kommt wieder mit einer anderen Friseurin wieder.
Beide schauen auf meinen Haarschnitt.
Die andere Friseurin nimmt einen Kamm und geht damit durch meine Haare. Sie reden etwas, während der Kamm durch meine Haare fast widerstandslos durchgeht, kein Ziepen mehr wie zum Beginn. Dann nimmt sie eine Schere und schneidet noch einmal etwas kürzer, wieder fallen Haare auf den Umhang.
Dann nimmt sie die Maschine und führt sie an den Seiten und am Hinterkopf gegen die Wuchsrichtung.
Dann legt sie die Maschine weg, wedelt mit einem Pinsel die Haare weg und öffnet den Umhang. Mein Haare fallen auf den Boden.
Jetzt darf ich den Stuhl verlassen.
An der Stirn kann man jetzt noch an meinen Haaren ziehen, sonst stoppelt das nur noch.
Und wieder warte ich dass die Haare wachsen........




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Eingereicht am 13. September 2003.
Herzlichen Dank an den Autor.
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