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Gargoyle

Von Christoph Zerneke


Ich kann es nicht glauben. Wieder einer von diesen unfreundlichen Menschen. Warum sind in diesem Gebiet alle Menschen nur so feindselig. Dabei will ich doch nur etwas zu Essen und ein Platz in der Scheune zum schlafen. Ist das zu viel verlangt. Immerhin beschütze ich ihr Leben. Aber Undank ist der Welten Lohn. Musste ich halt zum nächsten Bauerhaus. Als ich auf das Haus zuging, gingen plötzlich alle Lichter aus. Also wieder nichts. Ich könnte mich natürlich einfach in die Scheune packen und etwas von den Kartoffeln in der Speisekammer klauen. Aber dazu bin ich zu stolz. Manchmal denke ich, dass betteln noch weniger ehrenhaft ist aber wenigsten bin ich kein Dieb. So lebe ich nun mal. Zwei Häuser weiter brannte noch Licht. Ich ging mit ein bisschen Hoffnung im Herzen auf die Tür zu, die plötzlich aufgerissen wurde. Ein Mann im besten Alter stand in der Tür. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, weil das Licht von hinter ihm kam. Das einzige, was ich sah, war seine Silhouette. Sie war gewaltig. Alls er mich ansprach bekam ich eine Gänsehaut. Er hatte eine Stimme, so tief wie das Grummeln eines Vulkans und so fest wie der Stahl meines Schwertes. "Was wollt ihr auf meinem Grundstück? Trollt euch oder ich werde euch aus dem Dorf hinausprügeln.", bellte er mich an. Diese Drohung war natürlich lächerlich. Er hatte zwar eine Stange, so dick wie mein Unterarm, in seinen großen Händen aber ich war ein ausgebildeter Kämpfer. Mit meinem Schwert könnte ich ihm den Schädel spalten, noch bevor er merkte, dass ich mich bewegte. Aber ich war nicht auf Ärger aus. Also antwortete ich in einem leisen und beruhigenden Ton: "Mein Name ist Pan. Ich bin seid zwanzig Tagen unterwegs und komme aus dem Süden. Bitte lasst einen armen Reisenden ein und ein Teller von der Suppe kosten, die so herrlich riecht." Kaum hatte ich meinen alltäglichen Satz aufgesagt, erklang im Hintergrund eine kratzige Frauenstimme. Sie keifte irgendwas von Fell über die Ohren ziehen und Totschlagen. Der Mann drehte sich darauf seinen Kopf zur Seite und schrie: "Sei ruhig, Alte. Ich höre nicht auf dich und die anderen." Die Stange in seinen Händen sank darauf nach unten. Vielleicht bekam ich doch noch etwas Warmes zu Essen. Aufgrund der Hoffnung und des Geruches lief mir das Wasser im Mund zusammen. Der Mann sah mich wieder an. "Was treibt euch in diese gottverdammte Gegend." Nach ein paar Mal schlucken antwortete ich: "Das darf ich euch nicht sagen aber ich kann euch versichern, dass ich nur Gutes im Schilde führe." "Wenn ihr mir nicht vertraut, so vertraue ich euch auch nicht.", antwortete er barsch. Der Speichel rannte mir schon aus den Mundwinkeln. Als er einen Schritt zurücktrat, hob ich die Hand. Ich sah mich um und flüsterte so, dass nur er es verstehen konnte: "Ich bin ein Gargoylejäger." Fünf Sekunden, die mir wie Minuten vorkamen starrte er mich an. Er atmete noch einmal tief durch und sagte dann freundlich: "Kommt herein." Nun starrte ich ihn mehrere Sekunden fassungslos an. Dann ging ich eiligen Schrittes auf das Haus zu, bevor er es sich noch anders überlegte. Dieses einfache Bauernhaus war schöner, gemütlicher und wärmer als jeder Gasthof und jeder Palast, in dem ich bis jetzt war. Als ich eintrat gluckste seine Frau einmal und trat zurück, bis sie mit dem Rücken gegen einen Schrank stieß. Sie war keine schöne Frau, besonders mit ihren großen Augen, mit denen sie mich jetzt anstarrte. Sie war dürre, faltig und mindestens zehn Jahre älter als ihr Mann. Aber sie war für mich trotzdem eine der liebsten Personen auf der Welt, wegen der Suppe. Ich versuchte sie anzulächeln. Es gelang mir schlecht. Ganz anders war ihr Mann Er war einen Kopf größer als ich, obwohl ich auch nicht gerade klein bin. Eine große Narbe zierte sein Gesicht. Als er merkte, dass ich sie sah, drehte er sich weg. Er roch nach Schweiß und nach Stall. Aber ich hielt ihn für einen der besten Menschen, die ich kannte. Er sah zu seiner Frau und sagte: "Bring Suppe und etwas Bier. Wir haben einen Gast." Sie gluckste nur. "Na los" schrie er. Darauf hin erwachte sie aus ihrer Erstarrung. Sie fing an irgendetwas zu schreien. Man konnte kaum etwas verstehen. Danach begann sie mit weinen und flehen. Aber als das auch nichts half wurde sie ruhig und stellte den Suppentopf auf den Tisch. Der Bauer bot mir einen Platz an, den ich dankend annahm. Die nächste halbe Stunde aß ich einen Teller nach dem anderen. Er saß mir gegenüber und stocherte nur in seinem Essen rum. Die ganze Zeit beobachtete er mich und sagte kein Wort. Mir war das nur recht, so konnte ich um so mehr essen. Die Frau stand, nachdem sie uns etwas Bier brachte, hinter ihrem Mann und brabbelte irgendwas in ihren Damenbart. Ich fühlte mich so wohl, wie lange nicht mehr, obwohl ich Schuldgefühle bekam. Ich hatte den größten Teil der Suppe, die bestimmt für ein paar Tage reichen sollte, aufgegessen. Ich fragte, ob ich mich irgendwie erkenntlich zeigen könne. Aber er winkte nur ab. Stattdessen beugte er sich etwas nach vorne und fragte mich: "Kannst du es wirklich mit diesen Monstern aufnehmen?" Ein Funkeln trat in seine Augen, das mir gefiel. Er war auf meiner Seite. Außerdem fühlte ich mich geschmeichelt, weil ich Bewunderung heraushörte. "Natürlich kann ich es mit ihnen aufnehmen. Am Besten ist es, sie am Tage zu erwischen, wo sie alle zu Stein werden. Dass kommt aber sehr selten vor, weil sie in Verstecken hausen, die für Menschen unerreichbar sind. Richtig spannend wird es im richtigen Kampf. Ich habe mal gegen drei Gargoyles gleichzeitig gekämpft." Ich verschwieg dabei, dass es sich um ein Weibchen mit zwei Jungen handelte. "Insgesamt habe ich schon siebzehn Gargoyles erlegt und fünf von ihnen am Tage zertrümmert." Er hörte gespannt zu, und zwar die halbe Nacht. Das Bier schmeckte zwar etwas wässerig aber ich war glücklich. So kam es, dass wir uns die nächsten Stunden angeregt unterhalten haben. Ich erzählte, dass meine Eltern von Gargoyles getötet wurden und ich deswegen Jagd auf all diese Monster machte. Er erzählte zuerst gar nichts. Aber ein paar Bier später konnte er gar nicht mehr aufhören. Er heißt Bore und ist Scharfzüchter. Seine Frau hat er nur wegen dieses Bauernhofs geheiratet. Und er hasst die Gargoyles, weil sie sich ab und zu ein Schaf stehlen. Einmal hat er versucht einen zu fangen, daher hat er die große Narbe. Wir sprachen bis in den Morgen. Ich habe Bore zum Schluss schon gar nicht mehr zugehört. Ich habe nur mitbekommen, dass er wohl noch eine Tochter und einen Sohn hat. Beide leisten zurzeit Frondienst beim Fürsten. Und er hat Angst, weil der Fürst nichts zum Schutz seiner Bauern tat. Nachdem ich am Tisch schon ein paar Mal eingenickt war und nur daran dachte, wo ich schlafen konnte, stand Bore auf. Er bot mir an auf dem Heuboden oder auf der Bank vor dem Kamin zu schlafen. Vor dem Kamin ist es natürlich wärmer aber ich wählte den Heuboden. Erstens war ich da ungestörter, zweitens wollte ich die Frau des Hauses nicht mehr als nötig verärgern.
Am anderen Morgen kam Bore zu mir in die Scheune. Es war schon einige Stunden nach Sonnenaufgang. Ich hatte so gut geschlafen, wie schon lange nicht mehr. Er wachte mich auf und sagte zu mir, dass der Bürgermeister mich sehen wollte. In Ordnung dachte ich, warum nicht. Bore wollte sofort los, sodass ich mich nicht mal mehr waschen konnte. Es war mir schon ein bisschen peinlich, so dreckig und zerzaust vor den Bürgermeister zu treten. Aber ich war neugierig, was er von mir wollte. So ging ich voller Erwartungen mit. Nach zwanzig Minuten Fußmarsch kamen wir auf den Marktplatz. Irgendwie war es unheimlich. Alle Leute auf dem Markt waren still. Man hörte kein einziges Wort, nur irgendwelches Getuschel. Bore ging vor mir geradewegs auf das Rathaus zu. Er sah nicht nach links und nicht nach rechts. Ich dagegen sah mir die Leute an. Jedem Menschen, den ich in die Augen sah, blickte sofort irgendwo anders hin. Sie hatten Angst vor mir. Ich konnte das nicht verstehen. Ich lief zwar mit einem Schwert herum und sah bestimmt sehr wild aus aber ich war ein Held, ein Gargoylejäger. Sie müssten mich doch lieben aber sie fürchteten und mieden mich. Irgendwann bin ich vielleicht ihr Retter. Dann müssen sie mich lieben und verehren. Nach einigen Minuten kamen wir vor dem Rathaus an. Es war das einzige Haus mit Stufen vor dem Eingang. Wir gingen die drei Stufen hoch und durch eine große mit Eisen beschlagende Tür. Drinnen folgten wir einem dunklen Flur. Links und rechts waren mehrere große dunkle Türen, die irgendwie schief in ihren Angeln hingen. Es roch nach modrigem Holz, kaltem Essen und feuchtem Staub. Kein Bild hing an der Wand. Irgendwie wirkte das Haus bedrohlich und finster. Mein Begleiter ging direkt auf die letzte Tür zu und klopfte an. Nachdem ich ein leises "herein" vernahm, öffnete Bore die Tür. Ich sah in einem kleinen Raum mit nur einem Schreibtisch und einem Stuhl davor. Hinter dem Schreibtisch saß ein kleiner hagerer Mann. Er bat uns herein und uns zu setzen. Bore deutete freundlich auf den Stuhl. Ich wollte lieber stehen, setzte mich aber aus Höflichkeit hin. Kaum saß in stand der Bürgermeister auf und lief zu dem kleinen Fenster hinter ihm. Seinen Bewegungen nach war er noch keine dreißig aber er sah um einige Jahre älter aus. Ohne Umschweife kam er gleich zum Thema. "Was wollen sie in meinem Dorf?" Seine Stimme war leise aber scharf. "Ich bin auf der Suche nach Gargoyles." antwortete ich. Er ging darauf ein paar Schritte auf mich zu und legte seine Hände auf dem Rücken zusammen. "Ich finde ihre Arbeit gut. Und ich bewundere sie." Ein falsches Lächeln umspielte seine Lippen. "Aber sie stören hier. Ich kann keine Aufregung gebrauchen." Bore wollte etwas sagen, als der Bürgermeister die Hand hob. "Deswegen habe ich einen Boten zum Fürsten geschickt. Er erwartet sie." Die nächsten Sekunden sagte keiner etwas. Ich überlegte, was der Fürst von mir wollte. War ich ihm ein Dorn im Auge oder sollte ich ihm helfen. Mich hatte noch nie jemand eingeladen. Beide Männer im Raum sahen mich an, als erwarteten sie eine Antwort. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen sagte der Bürgermeister noch: "Sie müssen nur drei, vier Stunden auf dem Weg Richtung Norden wandern. Schon sind sie da." Das war natürlich untertrieben. Ich wusste, dass man mindestens einen halben Tag für den Fußmarsch brauchte. Aber ich war neugierig, was der Fürst von mir wollte. Also sagte ich: "In Ordnung ich werde noch heute aufbrechen." Der Burgermeister nickte zufrieden und bedankte sich. Daraufhin verabschiedete ich mich und ging. Bore verbeugte sich tief und folgte mir dann. Als ich aus dem Rathaus trat wurde das rege Treiben auf dem Marktplatz wieder unterbrochen. Diesmal kümmerte es mich nicht. Ich dachte nur daran, was der Fürst von mir wollte. Ich hoffte, bald in seiner schönen Burg zu leben, schönen Damen den Hof zu machen, und Essen und Trinken zu können so viel ich wollte. Ich wollte mich gerade von Bore verabschieden, als er mir anbot noch eine Nacht bei ihm zu bleiben. Er wollte noch mehr Geschichten hören. Als er mir sagte es gäbe Lammbraten, weil seine Tochter nach Wochen wieder nach Hause kam, willigte ich gerne ein. Warum hungrig aufbrechen.
Gegen Mittag waren wir wieder auf dem Bauernhof. Ich lehnte das Angebot ab, mit ihm Mittag zu essen. Von der Suppe war sowieso nicht mehr viel da. Ich machte in der Scheune noch ein paar Übungen mit meinem Schwert und ruhte mich danach aus. Am frühen Abend holte mich Bore ins Haus. Seine Frau blickte mich immer noch mit Argwohn an. Aber es duftete herrlich. Mir lief schon das Wasser im Munde zusammen. Ich glaube, ich fing schon an zu sabbern. Dann stellte Bore mir seine Tochter vor. Sie hieß Marie. Ein schönes Mädchen. Aber ich beachtete sie kaum, sie war ja nur ein Bauernmädchen. Außerdem konnte ich nur an das Essen denken. Bore und ich setzten uns schon mal an den Tisch. Die beiden Frauen holten daraufhin das Essen aus der Küche. Es gab Lammbraten, grüne Bohnen und Kartoffelbrei. Es schmeckte herrlich. Ich hatte Angst, nicht mehr aufhören zu können. Aber Bore und Marie aßen sich auch richtig satt. Nur Bores Frau aß nicht mit uns. Sie hielt sich die ganze Zeit in der Küche auf. Na ja, sollte mir egal sein. Nach einer Stunde, wir hatten alle drei ziemlich viel gegessen, fragte mich Marie: "Stimmt es wirklich, dass ihr Gargoyles jagt?" Ich wollte schon antworten als Bore sprach: "Sei nicht so neugierig. Geh lieber deiner Mutter helfen und hole den Nachtisch." Sie schaute ihren Vater etwas grimmig an und ging dann sofort in die Küche. Bore sprach leise: "Sie ist ein gutes Mädchen" und lächelte. Jetzt erst fiel mir auf, wie schön sie eigentlich war. Ihre Figur war nahezu perfekt. Ihr Hüftschwung konnte Männer in den Wahnsinn treiben. Sie hatte langes, brünettes Haar, das wellig über ihre Schultern fiel. Als sie mit dem Nachtisch, irgendwelche eingelegten Früchte, zurückkam sah ich tief in ihre glänzenden Rehaugen. Sie lächelte mit ihrem vollen, roten Mund und gab mir meine Schale, wobei sie sich weit über den Tisch beugte. Ich konnte meine Augen gar nicht mehr von ihrem Dekollete lassen. Nach dem Essen saßen wir drei noch den ganzen Abend zusammen. Jeder erzählte ein paar Geschichten und wir alle fluchten über die Gargoyles. Der Hass in dieser Familie war sehr groß. Aber das gefiel mir. Endlich wurde ich mal bestätigt. Lange nach Mitternacht gingen wir alle ins Bett. Ich zog mich wieder in meine Scheune zurück. Aber ich konnte irgendwie nicht einschlafen. Lag es an dem Hass, der mich plagte oder an Marie, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Ich dachte lange darüber nach. Nach ungefähr einer Stunde ging plötzlich das Scheunentor einen Spalt auf. Ich griff nach meinem Schwert. Vielleicht waren es Gargoyles oder ganz normale Diebe, die sich ein Schaf stehlen wollten. Aber es war Marie. Was sollte ich jetzt machen. Ich war nicht sehr geübt im Umgang mit Frauen. Außerdem war ich schon lange nicht mehr mit einer Frau zusammen gewesen, schon gar nicht mit solch einer Hübschen. Wollte sie etwas von mir oder wollte sie nur reden? War ich ein Objekt ihrer Begierde oder ihrer Neugier? Ich würde ja sehen. Sie begrüßte mich mit einem einfachen Lächeln. Ich grinste zurück und sagte nur: "Hallo." Sie begann daraufhin zu erzählen und Fragen zu stellen. Wir redeten die sehr lange über Gott und die Welt. Mit jeder Minute gefiel sie mir mehr und mehr. Wir passten irgendwie zueinander. Ich glaube ich habe mich verliebt. Wir spazierten lange unter dem Sternenhimmel. Es war kurz nach dem Neumond. Irgendwie war das ein gutes Zeichen für etwas Beginnendes. Nachdem ihr kalt wurde gingen wir zurück zur Scheune. Ich war froh, ein so bezauberndes Wesen kennen gelernt zu haben. Wir legten uns ins Heu und erzählten uns unsere geheimsten Wünsche und Träume. Im Verlaufe des Gesprächs rutschte sie immer näher an mich ran, bis sie in meinen Armen einschlief. Ich dagegen konnte nicht schlafen, nicht mit ihr an meiner Seite. Sie roch so gut, irgendwie nach Blumen, und ihr Atem streifte sanft über die Härchen auf meinem Unterarm. Es kitzelte aber es war ein aufregendes Gefühl. Ihr ganzer Körper hob und senkte sich ganz ruhig mit jedem Atemzug. Manchmal zuckte sie mit den Augen. Ich hoffte, dass sie von etwas schönem träumt. So lag ich den Rest der Nacht mit offenen Augen da und starrte die Scheunendecke an.
Kurz nach Sonnenaufgang weckte mich Bore. Irgendwie war ich doch eingeschlafen und hatte gar nicht mitbekommen, dass Marie gegangen war. Bore gab mir ein Beutel mit etwas frischem, noch warmen Brot mit und sagte: "Wenn du rechtzeitig da sein willst solltest du so früh wie möglich gehen. Viel Glück." Ich bedankte mich herzlich und schaute in seine großen Augen. "Danke. Du bist ein guter Mensch und ein Freund." Er lächelte, drehte sich um und ging. Ich wusch mir noch schnell das Gesicht und trat dann hinaus ins grelle Sonnenlicht. Niemand war zu sehen, nicht mal Marie um mich zu verabschieden. Na ja, war vielleicht auch besser so. Ich hatte noch nie etwas für große Abschiede übrig. Also ging ich einfach Richtung norden los. Als ich am Haus vorbei ging sah ich Marie am Fenster stehen. Sie winkte mir mit einem traurigen Lächeln zu. Ich nickte ihr zum Abschied zu. Hoffentlich sah ich sie mal wieder. Dann wurde sie vom Fenster weggezogen und die Vorhänge wurden geschlossen. Das war bestimmt ihre Mutter. Schade, dass sie mich nicht mag aber wenigsten konnte ich mich noch von Marie verabschieden.
Am späten Nachmittag kam ich auf der Burg des Fürsten an. Es war keine sehr große Burg aber doch schon beeindruckend. Besonders die Anzahl der Wachen und Soldaten verwunderte mich. Auf der Burgmauer standen sehr viele Armbrustschützen und Speerträger. Ich fragte mich, wozu der Fürst solch eine Armee brauchte. War er im Krieg oder einfach nur ängstlich. Wenigstens war ich hier einigermaßen sicher. Man hörte immer wieder von kleinen Auseinandersetzungen zwischen den kleinen Fürstentümern. Ich ging direkt zum Herrenhaus und klopfte an. Sofort öffnete sich die Tür und ein alter Mann trat mir entgegen. Er begutachtete mich mehrmals von oben bis unten. Ich kam mir richtig schäbig vor. Er musste mich für einen Landstreicher halten. Nach einer Weile kam ein abwertendes und lang gezogenes "Ja", wobei er durch mich durch zu blicken scheint. Ich erklärte ihm einfach, wer ich war und dass der Fürst mich erwartet. Er antwortete gelangweilt: "Der wehrt Herr ist erst heute Abend zu sprechen. Ich führe sie solange in die Arbeitsräume. Dort können sie etwas essen und ein Bad nehmen." Danach rümpfte er die Nase und drehte sich dann sofort um. Ich folgte ihm ohne ein Wort in die Küche. Dort stellte er mir eine Magd vor und ging dann sofort wieder. Die Magd brachte mir sofort etwas zu essen und zu trinken. Danach führte sie mich in die Waschküche und ließ mir ein Bad ein. Endlich konnte ich den Dreck und Staub der letzten Wochen abwaschen. Es war wunderbar. Während ich badete wurden meine Sachen gereinigt. Ich bekam sogar neue Unterwäsche. Jetzt war ich wieder ein richtiger Mann. Nach dem Bad setzte ich mich zu den Küchenfrauen und wartete, dass ich abgeholt werde. Wir tranken alle ein Glas Wein und plauderten ein bisschen. Ich hatte gute Laune und freute mich auf die Begegnung mit dem Fürsten. Kurz nach dem Abendbrot holte mich der Butler, der mich empfangen hat, ab. Er brachte mich in den zweiten Stock zum Fürsten. Die Gänge in der Burg waren sehr groß aber kaum geschmückt. Nirgends hing ein Bild oder ein schöner Vorhang. Der Boden war kalt, feucht und kahl. Keine Säule war verziert und keine Treppe hatte ein Geländer. Es schien, dass der Besitzer kein reicher Mann war. Ohne mich eine Blickes zu würdigen brachte der Butler mich in einen großen Raum. Im Raum war nur ein großer massiver Holztisch mit zehn Stühlen herum. Am Giebel des Tisches saß ein kleiner dicker Mann mit einem großen Becher in der Hand. Er hatte ein einfaches dunkelgraues Gewand an. Als ich eintrat kam er sofort auf mich zu. Sein Gang war irgendwie schwankend und glich dem einer Ente. Er sah mich mit seinen kleinen glänzenden Augen an und sprach mit einem lallenden Ton: "Ihr müsst Pan sein. Ich habe euch erwartet. Ihr müsst unbedingt sehen, was ich habe. Ich brauche euren Rat. Kommt mit." Jetzt war ich aber gespannt. Ein Fürst der mir, einem unbedeutenden, freien Gargoylejäger etwas zeigen wollte. Er trank noch einen großen Schluck aus einem Becher und lief dann los. Ohne sich umzublicken lief er los. Ich folgte ihm langsam. Obwohl er lief blieb er an jeder Ecke stehen um Luft zu holen und noch einen Schluck aus seinem Becher zu nehmen. Außerdem lief er irgendwie im Zick Zack durch die Gänge, als wüsste er nicht wohin. Er führte mich in den Keller, wo es noch kälter und feuchter war. Es roch nach Fäulnis und Abfall. Wir kamen zu einer großen Metalltür, hinter der ich ein leises Wimmern vernahm an. Der Fürst drehte sich zu mir tief in die Augen. Seine Wangen waren ganz rot. Ich wusste nicht, ob von der Anstrengung oder vom Alkohol. Er flüsterte mir zu: "Alles, was ihr jetzt seht, muss unter uns bleiben." Er kicherte leise. Ich fühlte mich immer mehr und mehr unwohl in meiner Haut. Dann öffnete er die Tür. Sie knarrte ein bisschen. Ich betrat den Raum und sah ein Bild des Elends vor mir. An der gegenüberliegenden Wand war ein Gargoyle angekettet. Es war ein Weibchen, ein sehr junges Exemplar. Sie hing an mehreren Ketten, die um ihren Hals und ihren Handgelenken gelegt waren. Ihr Kopf hing locker zur Seite und sie jammerte leise vor sich hin. Die Sehnen an den Handgelenken waren ihr durchschnitten worden, genauso die Achillsehne an den Füßen. Wahrscheinlich, damit sie nicht fliehen konnte. Die Muskelstränge an ihren Flügeln waren durchtrennt worden. Sie hatte mehrere Schnittwunden im Gesicht und ein Auge wurde ihr ausgestochen. Ihr Körber war voll von großen Brandwunden, durch die man an einigen Stellen ihre Knochen sehen konnte. In ihrem Bauch steckten mehrere gewaltige Nadeln und Schläuche aus denen Blut und andere Körperflüssigkeiten flossen. Ihr Schwanz war längs aufgeschnitten und aufgeklappt worden. Es war ein schockierendes Bild. Und es stank bestialisch nach Kot und verbranntem Fleisch. Vor ihr standen zwei Männer mit Folterwerkzeug in den Händen. Der eine hielt gerade eine Zange in die Glut und der andere steckte eine Nadel in ihre Brust. Alles wurde von vier Fackeln an den Wänden erhellt. Durch das flackern des Feuers wurde alles in gespenstiges Licht getaucht mit zuckenden Schatten. Mir wurde richtig schlecht. Ich bekam kein Wort über meine Lippen, denn ich hatte einen riesigen Kloß im Hals. Ich musste mich an dem Türrahmen abstützen, damit meine wackligen Knien nicht unter mir nachgaben. Wer konnte so etwas tun. OK, es war ein Gargoyle, eine mordende Bestie, die zur Strecke gebracht werden musste. Aber so etwas tat man nicht mal einem Tier an. Ich rief: "Aufhören. Was soll das!". Beide Folterknechte schauten kurz mich verwundert an und machten dann sofort weiter. Auch das Gargoyleweibchen hob den Kopf und blickte mich mit ihrem verbliebenen Auge an. Es war stumpf und ausdruckslos. Ich sah, dass sie sich den Tot wünschte. Mit ihren Lippen formte sie mehrmals das Wort "Hilfe". Ich merkte, wie sich meine rechte Hand um den Griff meines Schwertes verkrampfte. Was konnte ich tun? Wer war jetzt das größere Monster? Eine Blutige Träne rann über ihr Gesicht bevor sie wieder wegsah. Der Fürst berührte mich am Arm. Ich drehte mich mit einem Ruck zu ihm um und starrte ihn verständnislos an. Vor Schreck trat er einen Schritt zurück und lächelte dann. Am liebsten würde ich ihm den roten, grinsenden Schädel von seinem fetten, stinkenden Körber schlagen. "Was soll das? Ihr könnt doch nicht…" Mitten im Satz blieb mir die Stimme weg. Er schüttelte den Kopf und sprach mit seiner lallenden Stimme: "Was denn. Das ist nur Forschungsarbeit." Forschungsarbeit? Ich wurde immer wütender und konnte über soviel Scheinheiligkeit nur den Kopf schütteln. "Ja, Ja. Forschungsarbeit. Wir versuchen rauszukriegen, bei welchem Verletzungsgrad und Blutverlust sie sterben. Wie ihr wisst, verwandeln sie sich jeden Tag zu Stein. Während sie Stein sind, regenerieren sie sich. Alle Verletzungen, die wir ihnen zugefügt haben, sind verschwunden. Es ist wahr, jeden Abend, wenn sie erwacht, ist sie wieder komplett geheilt." Dass sie sich heilen, wenn sie versteinert sind, ist mir bekannt. Ich frage mich nur, seit wie viel Tagen sie schon hier ist. Jeden Abend, wenn sie erwacht, beginnt die Folter von vorne. "Wir wollen doch nur wissen, ob sie verbluten oder durch Feuer sterben können." Auf der einen Seite, ist sie nur ein Gargoyle, ein Wesen, dass es verdient hat zu sterben. Auf der anderen Seite verdient es niemand, Tag für Tag, auf die schlimmste Art gefoltert zu werden. Ich war verwirrt. was sollte ich machen. Wozu brauchte der Fürst mich. Wollte ich überhaupt noch hier sein. Ich wünschte mich zu Marie. Wäre ich doch nie hierher gekommen. Nun war ich schon mal hier, also fragte ich: "Was wollt ihr von mir?" "Ich wollte nur einige Informationen über Gargoyles" seine Stimme wurde plötzlich leiser "und dass ihr mich beschützt, wenn einige andere Gargoyles versuchen, sie zu befreien." Jetzt wusste ich, wozu er die ganzen Soldaten hatte. Er hatte Angst. Dieser Mensch verdient es eigentlich nicht, beschützt zu werden. Aber ich konnte nicht Nein sagen. Erstens wollte ich den Fürst nicht verärgern, solche mächtigen Feinde sind immer schlecht. Zweitens bot er mir ein Leben in Luxus an, mit genügend Essen und einem richtigem Bett. Außerdem bot er mir Geld, viel Geld. Solche Annehmlichkeiten hatte ich nicht immer. Also sagte ich zu, eine begrenzte Zeit ihm zu dienen, und versuchte, das Bild des Gargoyle zu verdrängen. Die nächsten Tage waren grausam. Ich hatte zwar ein gutes Leben in der Burg aber ich fühlte mich jeden Tag mehr und mehr unwohl. Den Morgen verbrachte ich hauptsachlich mit der Dienerschaft. Sie erzählten mir ihre Sorgen und Nöte, die hauptsächlich auf ihren Herrn zurückzuführen waren. Zu einigen entwickelte ich sogar freundschaftliche Gefühle. Nach dem Mittag, wenn der Fürst aufgestanden war, musste ich dem Fürsten zur Verfügung stehen. Er war ein richtiger Sadist. Fast jeden Tag beobachteten wir, wie er irgendwelche Bauern auspeitschen ließ, nur weil sie ihre Abgaben nicht zahlen konnten. Bei Wiederholungstätern ließ er die ganze Familie auspeitschen. Beim dritten Verstoß wurden die armen Menschen aufgehängt. Das schlimmste war aber sein Grinsen und seine Witze. Er schien es zu genießen. Jeden Abend dann gingen wir in den Kerker, um seine ‚wissenschaftliche Forschung' zu betrachten. Zuerst wurden ihr immer die Sehnen durchtrennt, damit sie nicht mehr gefährlich werden konnte. Danach probierte er immer etwas anderes aus. Entweder er verbrannte er den Grossteil ihres Körbers oder ihr wurde das Blut an der Halsschlagader abgezapft bis zur Ohnmacht. Einmal wurde das Fleisch an einer ihrer Hände abgerissen. Ich konnte da nie hinsehen. Jedes mal drehte ich mich weg oder versuchte ins Leere zu starren, beantwortete seine Fragen und hoffte, dass sie so schnell wie möglich in Ohnmacht fallen würde. Nach ein paar Stunden ging er dann mit einem Lächeln auf den Lippen nach oben. Die Folterknechte gingen dann ohne ein Wort auch. Manchmal gab ich ihr dann etwas Wasser. Sie bettelte dann um ihren Tot. Manchmal war ich fast soweit ihren Wunsch zu erfüllen aber ich konnte nicht. Des Nachts lag ich wach in meinem weichen Bett. Aber ich würde es gern gegen jedes andere tauschen. Die halbe Nacht sah ich ihr schmerzerfülltes Gesicht, das zu einer Fratze wurde, vor mir. Manchmal glaubte ich ihr Wimmern zu hören. Oder war das nur Einbildung. Ich versuchte mich durch die Erinnerung an andere Zeiten abzulenken. Aber es klappte selten. Wenn ich dann endlich eingeschlafen war, verfolgten mich ihre Schmerzenschreie in meinen Träumen bis ich schweißgebadet aufwachte. So ging das Tag für Tag.
Nach einigen Tagen, ich hatte kaum noch Hunger und schon lange nicht mehr richtig geschlafen, geschah dann das Unfassbare. Wir waren gerade bei der allabendlichen Folter, als Alarm geschlagen wurde. Zuerst wusste ich gar nicht was los war, bis ich die Wörter ‚Gargoyle' und ‚Angriff' heraushörte. Ich war im Zwiespalt der Gefühle. Auf der einen Seite keimte Angst und mein Hass in mir auf. Andererseits war ich froh, dass die Tortur für das Weibchen auf die eine oder andere Art vorbei war. Der Fürst bekam plötzlich große Augen. Ich konnte Panik darin erkennen. Endlich war er mal nicht der Großkotz, der er sonst war. Er schrie mit schriller Stimme: "Pan, mir folgen. Ich brauche euren Schutz." Dann drehte er sich zu den Folterknechten um: "Ihr tötet sie!" Daraufhin lief er los. Ich habe einen kleinen dicken Mann noch nie so schnell rennen sehen. Dabei jammerte er immerzu und bellte den Soldaten auf seinem Weg irgendwelche Befehle zu. Was sollte ich tun? Den Fürsten weiter unterstützen? Oder auf mein Gewissen zu hören? Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einer der Folterknechte eine Axt nahm und auf sein Opfer zuging. Sollte ich ihn aufhalten? Der Tot war eine Erlösung für sie. Dann rieb der andere sich die Hände und schrie: "Endlich, Du Bestie. Endlich können wir es dir zeigen." Das war zuviel des Guten. Wer war hier eigentlich die Bestie? Ich entschied mich, ihr zu helfen. Der eine Peiniger hob schon die mächtige Axt mit beiden Händen über den Kopf. Mit einer schnellen Bewegung war ich bei ihm und hatte mein Schwert gezückt. Ich schlug Ihm mit einem Schwertstreich die beiden Arme kurz über den Ellenbogen ab. Sofort sackte er zusammen und sah fassungslos auf seine Stummel. Dann sah ich den anderen an. Er fing an zu laufen und wollte um Hilfe schreien. Eine Horde Soldaten konnte ich hier gar nicht gebrauchen. Bis "Hi…" kam er noch, dann schlug ich ihm den Schädel von den Schultern. Er lief noch sechs oder sieben Schritte, dann brach der Körper mit einem Platschen zu Boden. Die Schlüssel für die Ketten hingen neben der Tür. Ich holte sie und schloss die alten Ketten auf. Das Gargoyleweibchen blickte mich mit ihren tiefen Augen dankbar an. Es war schon verrückt. Ein Garegoylejäger rettet einen Gargoyle. Ein Funkeln kam in ihre feuchten Augen zurück. Allein dieser Blick war Belohnung genug. Angespornt durch das Gefühl, eine gute Tat zu vollbringen, nahm ich sie über die Schulter und lief los. Sie war erstaunlich leicht. Obwohl sie bestimmt zwei Meter groß war wog sie nicht mehr als dreißig Kilo. Wahrscheinlich, weil sie in letzter Zeit nichts gegessen hat. Ich ging nicht zum Haupthaus, sondern direkt zum Hof hinaus.
Ich trat aus der Tür und blieb sofort stehen. Das Geschehen war unglaublich. Es war das pure Chaos. Vor Schreck ließ ich das Weibchen fallen. An die zehn Gargoyles flogen über der Burg ihre Kreise. Dann stießen sie wie ein Falke auf einen abseits stehenden Soldaten, schnappten ihn, flogen wieder hoch und ließen ihn aus fünfzig Metern wieder fallen. Der Boden war voll von zerschmetterten Leichen. Der Innenhof war blutrot. An den Wänden lief das Blut runter, als wenn Tomatensuppe überkocht und am Topf hinab rinnt. Einige Gargoyles trugen ihre Artgenossen durch die Luft, wahrscheinlich ihre Verletzten. Alles wurde in gespenstiges Licht getaucht durch den Mond und durch viele Fackeln. Der Lichtkreis um die Fackeln tauchte das Blut in ein leuchtendes Rot. An den dunklen Stellen sah das Blut aus wie Pech. Das Flackern des Feuers ließ zuckende Schatten über die Leichen flattern, so dass es aussah, als lebten sie noch. Überall hörte man Kampfgeräusche und Geschrei. Im Hintergrund vernahm ich das Jammern von den Burgbewohnern, die sich irgendwo verkrochen haben und das herzzerreißende Gestöhne der Verletzten. Aber das Imposanteste passierte in der Hofmitte. Ein riesiger Gargoyle war umringt von ungefähr einem Dutzend Schwertkämpfern und Speerträgern. Er ragte drei Köpfe über die Soldaten hinaus. Seine Schultern waren so breit, wie die eines Pferdes. Er kämpfte wie ein Berserker. Jedes mal wenn er mit seinen Pranken, die so groß waren wie mein Unterarm, jemanden zu fassen bekam zerquetschte er seinen Kopf wie eine reife Tomate. Es war ein Massaker. Die kopflosen Leichen stapelten sich um ihn herum, so dass die Schwertkämpfer gar nicht mehr an ihn herankamen. Einzig und allein die Speerträger setzten ihm zu. Er blutete aus einer Vielzahl von Wunden, obwohl ich nicht sagen könnte, ob das Blut seines oder das Blut seiner Gegner war. Ich war gefesselt von soviel Mut, Eleganz und Kampfkraft. Plötzlich war ich nicht mehr sicher, ob ich das richtige tat. Sollte ich wirklich diesen Bestien helfen? Aber sie waren ja nur hier um ihre Angehörige zu befreien. Ich sah auf die Gargoylefrau neben mir, die gerade ohnmächtig war. Sie atmete ruhig mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht Eigentlich sah sie sehr graziös und wunderschön aus. Und sofort wusste ich wieder warum ich es tat. Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei über mir. Ich sah hoch und erkannte den Fürsten, der aus einem Fenster sah. Seine Lippen zuckten und er war kreidebleich. In seinen Augen blitzte der Wahnsinn. Jetzt musste ich grinsen. Endlich bekam dieses Scheusal, was es verdiente. Ich überlegte, ob ich reinstürmen sollte um ihn töten. Aber er war bestimmt zu gut bewacht und so überließ ich ihn seinem Schicksal. Aber er wollte keine Ruhe geben. Er müsste nur seine Soldaten zurückrufen und die Gargoyles würden mit ihrer Frau abziehen. Aber er zeigte mit dem Finger auf mich und schrie "Verräter, Verräter. Tötet ihn." Seine Stimme überschlug sich regelrecht. Sofort kamen zwei Soldaten schreiend auf mich zugestürmt. Sie hatten keine Chance gegen mich. Mit fünf Schwertstreichen lagen beide ohne Kopf vor mir. Sie kämpften wie Bauern. Höchstwahrscheinlich waren es auch Bauern, die für ihren Fürsten kämpfen und sterben mussten. Es war traurig, dass sie so einfach geopfert wurden. Aber es sah ihm ähnlich, dass das Leben seiner Untertanen ihm nichts bedeutete. Ich konnte nicht verstehen, wie man so mit Menschenleben umging. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als einen Meter vor mir ein Mensch aufschlug. Es war ein schreckliches Geräusch. seine Knochen zersplittern zu hören. Mir wurde langsam schlecht. Ich wollte nur noch von hier verschwinden. Ich sah wieder in die Mitte des Hofes. Der riesige Gargoyle hatte gerade seine Hand um den Hals eines Soldaten gelegt, der mit seinen Füßen einen halben Meter über dem Boden schwebte. Dann kippte sein Kopf so komisch nach hinten. Er hatte ihm das Genick gebrochen. Es war so schade um jedes Menschenleben, was für den Fürsten geopfert wurde. Die übrigen Soldaten flüchteten daraufhin, weil sie einsahen, dass sie keine Chance gegen ihren übermächtigen Gegner hatten. Als der Gargoyle mitbekam, dass er keine unmittelbaren Gegner mehr hatte, streckte er seine Hände gegen den Himmel. Er breitete seine Flügel aus mit einer Spannweite von mindestens vier Metern. Dann brüllte er, dass ich eine Gänsehaut bekam. Das Brüllen hörte sich an, als wenn ein Berg einstürzen würde. Er schrie seinen ganzen Weltschmerz hinaus, dass es einem durch Mark und Bein ging. Es war so absolut beängstigend, wie solch ein mächtiges Wesen auf einem Berg von Leichen stand und in die tiefe Nacht hinausbrüllte. Nachdem er verstummt war, war es überall ruhig. Ich vernahm nicht ein Geräusch. Alle Menschen waren vor Schreck einige Sekunden erstarrt. Durch das Brüllen wachte die Gargoylefrau neben mir wieder auf. Ich vernahm ein leises fiepen. Man sah, dass sie sich freute. Das Brüllen ging langsam in ein bedrohliches Knurren über. Als er dann verstummte, sackte er auf Grund seiner Verletzungen zusammen. Er stützte sich mit seinem rechten Arm auf den blutigen Leichen ab. Für einen kurzen Augenblick war er nicht mehr so mächtig, er sah fast bemitleidenswert aus. Er schüttelte langsam mit dem Kopf. Man sah ihm an, dass er es hasste zu töten aber alles tun würde, um sich und seine Freunde zu beschützen. Dann hob er langsam den Kopf und sah sich um. Unsere Blicke trafen sich. Er sah mir tief in die Augen und dann zu der Frau neben mir. Langsam stand er auf und kam auf mich zu. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich vergas das Geschrei, das mich umgab. Ich vergas den Fürsten und seine grausame Art. Ich sah nur noch den Gargoyle, der langsam auf mich zu schritt. Seine Haut schimmerte im Mondlicht. Sie sah aus, wie Granit. Darunter sah man, wie sich die Muskeln in Harmonie miteinander bewegten. Zwei Meter vor mir blieb er stehen und blickte, mit einem fragenden Blick, abwechseln auf mich und seine Artgenossin. Sie blickte ihn mit einem dankbaren Lächeln an und sagte nur noch: "Endlich." Daraufhin fiel sie wieder in Ohnmacht. Hatte höllische Angst, dass er mich dafür verantwortlich machen würde. Aber er beachtete mich gar nicht mehr. Er ging auf sie zu und nahm sie in seine starken Arme. Dann breitete er seine mächtigen Flügel aus und lief los. Nachdem er genügend Geschwindigkeit aufgenommen hatte, stieß er sich ab und glitt majestätisch davon. Ich sah ihm nach, bis seine Silhouette am Himmel verschwand. Ich war vollkommen in Gedanken verunken, als plötzlich reger Verkehr auf dem Hof aufkam. Alle möglichen Menschen kamen auf den Hof gerannt. Soldaten, die ihre Gegner verfluchten, Frauen, die nach ihren Männern riefen, heulende Kinder und Andere, die nur fassungslos den Kopf schüttelten. Jetzt erst wurde mir bewusst, dass ich in großer Gefahr schwebte. Ich galt als Verräter und der Fürst wollte bestimmt meinen Kopf. Was sollte ich machen? Sollte ich versuchen, mich herauszureden? Oder lieber abhauen? Ich entschied, dass es besser ist, das Schicksal nicht herauszufordern. Ich überlegte, wie ich wohl ab besten aus der Burg entkommen konnte, ohne dass es jemand bemerkte, als hinter mir die Tür aufgerissen wurde. In der Tür standen zwei grimmig aussehende Männer. Sie gehörten zu der persönlichen Leibwache des Fürsten. Sie stürmten sofort, mit lautem Gebrüll auf mich zu. Den ersten erlegte ich sofort. Der zweite war schon besser. Er kämpfte hart und verbissen. Nach ungefähr zwei, drei Minuten, schlug ich ihm die rechte Hand ab, mit der er sein Schwert führte. Er lief laut schreiend davon. Währenddessen hat der Fürst sein Fenster wieder aufgerissen und schrie hysterisch: "Tötet ihn, tötet den Bastard." Jetzt wurde es aber wirklich Zeit für mich, zu verschwinden. Ich lief los, was durch das rutschige Blut auf dem Hof gar nicht so einfach war. Ich hatte es schon fast bis zum Tor geschafft, als mich ein Pfeil im den rechten Oberarm traf. Durch die Wucht und den Schreck fiel ich der Nase lang auf den Boden. Ein zweiter Pfeil traf mich in meinen Hintern. Ich fing an zu jammern. Es tat höllisch weh. Ein schwarzroter Schleier legte sich langsam vor mein Auge. Als ich versuchte aufzustehen, hörte ich den Fürsten noch jubeln. Mein Körper wurde immer schwächer. Dann sah ich, kurz bevor ich in Ohnmacht viel, zwei riesige Pranken vor mir auf dem Boden aufsetzten. Adrenalin durchflutete meinen angeschlagenen Körper. Ich mobilisierte noch mal alle Kräfte, weil ich dachte der Gargoyle wollte mich töten. Mein Schwert war zu schwer, also griff ich ihn mit bloßen Händen an. Währe ich bei Verstand gewesen, hätte ich wissen müssen, dass das keinen Zweck gehabt hätte. Aber ich wollte nicht aufgeben. Ich kam genau zwei kleine Schritte vorwärts, als er mich mit seiner riesigen Faust niederstreckte.
Als ich aufwachte, lag ich auf dem Boden auf einigen Fellen. Ich wurde umringt von einer Horde Gargoyles. Einige guckten grimmig, andere lächelten mich an. Ich wollte irgendetwas sagen aber ich konnte nicht. Meine Stimme, genauso wie mein Körper, wollten mir nicht gehorchen. Dann sah ich das Gesicht der Frau, die ich gerettet hatte. Sie lächelte mich an und sagte einfach nur "schlaf". Ich schlief sofort wieder ein, denn ich hatte nichts mehr zu befürchten. Sie wollten mich nicht töten, weil ich ein Gargoylejäger war, sondern sie hatten mich gerettet, weil ich ihnen geholfen hatte.
Als ich wieder erwachte, hörte ich eine wilde Diskussion. Ich schlug die Augen auf und sah wieder die Gargoylefrau aus dem Kerker. Hinter ihr standen drei andere Gargoyles. Sie sagte in ruhigem Ton:"Er ist wach." Sofort verstummte die Diskussion zwischen den anderen dreien. Alle kamen zu meiner Lagerstätte und sahen mich grimmig an. Plötzlich wurde ich mir der Gefahr wieder bewusst, in der ich schwebte. Um mich herum standen vier Monster. Einer größer und mächtiger als der andere. Ich sah mich nach einer Waffe um, fand aber keine. Dann sprach das Weibchen plötzlich: "Hallo ich bin Rass." Sie war zwar etwas abgehungert, sah aber wieder viel besser aus. Ich freute mich für sie und hoffte es nicht zu bereuen, sie gerettet zu haben. Durch ihr warmes Lächeln fühlte ich mich wieder etwas besser. Dann stellte sie mir die anderen vor. "Das ist Pagg." Sie deutete auf den Gargoyle, der auf dem Hof so verzweifelt gekämpft hatte. Er stand mit verschränkten Armen vor mir und blickte auf mich herab. Aber er blickte nicht sehr böse. Es war eher Neugier und Abscheu in seinen Augen. Von seinen Wunden waren nur noch einige kleinen Narben übrig. Also musste ich mindestens einen Tag geschlafen haben, damit seine Wunden heilen konnten, während er zu Stein wurde. Auch jetzt stand er da, wie ein Stein. Er verzog keine Miene und deswegen begrüßte ich ihn nur mit einem Nicken. Rass zeigte mit ihrer Hand auf den Nächsten in der Runde. "Das ist Ohm." Ich nickte auch Ohm zu aber wieder bekam ich keine Reaktion. Dieser Gargoyle sah noch gefährlicher aus als Pagg. Er war zwar nicht so groß und muskulös wie Pagg, eher alt und dick, aber er sah mich aus hasserfüllten Augen an. Seine Pranken waren zur Faust geballt, so dass seine Knöchel weiß hervortraten. Er sah wie ein richtiger Krieger aus mit seiner mit Dornen besetzten Lederrüstung. Vor ihm hatte ich die meiste Angst. Rass fuhr fort und stellte mir den letzten in der Runde vor. Er hieß Sarka und er war der einzige, der mich anlächelte und mir zur Begrüßung zunickte. Nachdem ich allen vorgestellt wurde, trat ein betretendes Schweigen ein. Keiner sagte etwas. Alle starrten mich fragend an. Ich wusste nicht, was ich zu ihnen sagen sollte. Noch vor ein paar Tagen waren sie meine größten Feinde und jetzt saß ich vor ihnen und hoffte darauf, hier unversehrt raus zukommen. Ich wollte gerade etwas sagen, als Ohm anfing zu sprechen. Seine Stimme passte zu seinem alten bulligem Körper. Es war eher ein Kratzen oder Knurren als eine dynamische Stimme. Er sah mich immer noch mit kalten Augen an und sagte: " Wir müssen ihn töten." Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Daraufhin sah Rass ihn an und protestierte. "Wir können ihn nicht töten, er hat mich gerettet. Warum habt ihr ich nicht gleich dagelassen?" "Das frage ich mich auch. Er ist gefährlich für unseren Klan." Sie stritten sich die nächsten Minuten so weiter. Ab und zu warf Sarka etwas Beschwichtigendes ein. Ich verfolgte gespannt die Diskussion, schließlich ging es um mein Leben. Pagg hatte bis dahin noch gar nichts gesagt. Er schwieg und schaute mich immer noch an als könnte er etwas an meinen Augen oder meiner Mimik ablesen. Dann hob er plötzlich die Hand. Sofort verstummten alle. Er verschränkte die Arme wieder und fragte mich "Du bist Pan der Gargoylejäger. Kann ich dir vertrauen?" Ich überlegte kurz und antwortete wahrheitsgemäß mit "Ja." Daraufhin wendete er sich um und sagte beim gehen "Ich vertraue ihm. Bei Anbruch der Nacht werde ich ihn fortbringen." Ohm wollte protestieren und setzte zum sprechen an. Dann überlegte er es sich aber anders und senkte den Blick. Er schüttelte noch verzweifelt den Kopf und folgte dann Pagg, der schon aus dem Zimmer hinausgegangen war. Sarka nickte mir mit einem Lächeln zu und verließ dann auch das Zimmer. Rass sah mich an und sagte freudestrahlend: "Das Vertrauen, was wir dir entgegenbringen ist eine große Ehre. Bis jetzt waren wir noch nie so verwundbar gegenüber eines Menschen." Jetzt verstand ich endgültig. Es musste kurz vor der Morgendämmerung sein. Alle Gargoyles würden zu Stein erstarren. Sie waren hilflos gegen mich, wenn ich mich entschließen würde, sie alle zu töten. Ich konnte in aller Ruhe einen Steinhaufen nach dem anderen zertrümmern. Es ehrte mich und erfüllte mich mit Stolz, dass sie mich, einen Gargoylejäger, ihren größten Feind, in ihrer Mitte aufnahmen. Ich war noch ganz in Gedanken versunken, als Rass plötzlich schmerzvoll aufstöhnte. Sie fing an zu knurren und sich unförmig zu bewegen. Ich rutschte sicherheitshalber auf meinem Felllager zurück, bis ich an die Wand hinter mir stieß. Es war faszinierend und erschreckend zugleich. Sie führte sich auf als würde sie von innen her verbrennen. Dann faltete sie ihre mächtigen Schwingen auseinander und ging leicht in die Hocke. Sie grinste mir noch einmal zu und wurde von einem Augenblick zum anderen zu einer Steinstatur. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Wahrscheinlich hatten bis jetzt nur wenige Menschen dieses Schauspiel miterlebt. Ich versuchte aufzustehen aber ich schaffte es nicht ganz. Die Wunden der Pfeile schmerzten immer noch. Außerdem bekam ich einen Brummschädel. Ich setzte mich wieder auf mein Lager. Mindestens eine halbe Stunde muss ich so dagesessen haben. Dann trieb mich die Neugier hoch. Ich wollte mich ein bisschen umsehen.
Langsam erhob ich mich. Ich hatte zwar Schmerzen aber ich konnte sie ertragen. Dann besah ich mir als erstes den versteinerten Körber von Rass. Er sah majestätisch aus. Ein Bildhauer, der solch eine Statur erschaffen könnte, wäre im ganzen Reich berühmt. Aber wahrscheinlich würde es niemand hinkriegen. Ich verließ den Raum durch die offene Tür. Vor mir war ein langer Gang in den Fels gehauen. Einige Fackeln erleuchteten den langen Flur. Das Zimmer, aus dem ich kam war fast am Ende de Flures. Ich ging los und sah in jedes Zimmer. Teilweise standen die Türen offen. Die meisten Zimmer sahen so aus wie das Zimmer, in dem ich aufgewacht bin. Ein Felllager, vielleicht noch ein Tisch mit zwei Stühlen. Alles war sehr spartanisch eingerichtet. In einigen Zimmern waren auch versteinerte Gargoyles. Sie alle sahen auf der einen Seite erschreckend und auf der anderen Seite wunderbar aus. Am Ende des Flures kam ich in einen großen Saal. Ich sah mehrere Tische und Stühle. Auf den Tischen standen alte Kerzenleuchter. An der gegenüberliegenden Seite war eine große Tür. Ich ging auf sie zu und wollte sie aufmachen. Sie war abgeschlossen. Es war eine riesige Tür. Sie war aus ganzen Baumstämmen gefertigt worden und mit Eisenplatten beschlagen. So leicht würde ich hier nicht rauskommen. Es war aber der einzige Ausgang. Ich musste mich nach einer Waffe oder dem Schlüssel umsehen. Ich drehte mich um und überlegte, wo ich langgehen sollte. Gegenüber war der lange Gang zu den einzelnen Zimmern. Links und rechts waren jeweils noch ein Durchgang zu einer anderen Höhle. Zuerst ging ich nach links. Ich kam in einen Raum, der so etwas wie eine Küche war. An der gegenüberliegenden Wand war ein riesiger Kamin. Die Asche qualmte sogar noch ein bisschen. Die rechte Seite der Küche war voll gestellt mit Blechgeschirr und Tonkrügen. Ich sah auch Kisten mit Rüben und Salat, was mich sehr überraschte. Bis jetzt dachte ich immer Gargoyles wären reine Fleischfresser. Aber anscheinend sind sie genau so Allesfresser wie wir Menschen. Auf der linken Seite war ein großer hölzerner Schlachtklotz. Neben ihm lagen noch Knochen und Felle von Schafen, Wild und Schweinen. Auf dem Klotz lagen zwei Messer und ein Schlachterbeil. Ich nahm das Beil an mich. Zur Sicherheit, man wusste ja nie. Dann ging ich wieder. Hier gab es nichts weiter zu sehen. Ich ging durch den Saal und kam in eine Kammer, die voll war mit versteinerten Gargoyles, unter ihnen auch Pagg, Ohm und Sarka. An den Wänden hingen überall die verschiedensten Geräte und Waffen. Hier musste ich mich etwas genauer umsehen. Langsam betrat ich den Raum. Vor Ohm hatte ich sogar in der versteinerten Form noch Angst. Er sah aus, als würde er mich jeden Augenblick anspringen. Im Gegensatz dazu Pagg. Er stand in der Mitte des Raumes breitbeinig da. Seine mächtigen Schwingen und seine kräftigen Arme ausgebreitet. Er blickte nach oben, als wollte er in die Sonne schauen oder zu seinem Gott beten. Ich ging ein paar Mal um ihn herum. Man sah auch jetzt, in der versteinerten Form, jeden einzelnen seiner mächtigen Muskelpakete. Solch ein edles und schönes Wesen, konnte nicht aus dem Schlund der Hölle kommen, es musste auch ein Geschöpf Gottes sein. Ich zählte neun Gargoyles in diesem Raum. Mit den fünf anderen, die ich in den Zimmern gesehen hatte musste der Klan aus vierzehn Gargoyles bestehen, was ein großer Klan war. Die meisten bestanden nur aus sechs bis maximal zehn Gargoyles. Wenn ich sie jetzt alle töten würde, wäre ich ein Held in meiner Welt. Ich bin schließlich ein Gargoylejäger. Man würde mich mit offenen Armen empfangen. Na gut nicht bei dem Fürsten, den ich verraten habe. Vielleicht würde ich sogar vom König persönlich honoriert werden. Einige Minuten lang überlegte ich hin und her aber letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass ich das in mich gesetzte Vertrauen nicht brechen wollte. Ich sah mir daraufhin die Werkzeuge und Waffen an den Wänden genauer an. Die meisten Waffen waren alt und rostig. Sie waren schon lange nicht mehr benutzt worden. Größtenteils waren es einfache Kurzschwerter und Krummsäbel. In einer Ecke sah ich ein paar Speere vor sich hinmodern. Zwischen ihren Speerspitzen hingen schon Spinnenweben. Alles nichts Besonderen. Die Werkzeuge sahen auch alt aus. Aber man sah ihn an, dass sie öfter benutzt wurden. Einige waren zum gerben von Fell, zum nähen von Kleidung und zum fangen und verarbeiten von Tieren und Fischen geeignet. Einigen Geräten konnte ich keine Aufgabe zuschreiben. In diesem Raum lag auch mein Langschwert. Ich nahm es an mich und freute mich, nicht mehr so ungeschützt zu sein. Obwohl ich wusste, dass mir hier nichts geschah, fühlte ich mich mit meinem Schwert doch wohler. Ich schaute mich noch ein bisschen länger um und fand schließlich einen großen Schlüssel. Ich nahm ihn an mich und probierte, ob er zur Eingangstür passte. Ich steckte ihn in das Schloss und drehte ihn. Tief im Inneren der Tür hörte ich ein leises Knacken. Ich zog an der Tür. Obwohl sie offen war, bewegte sie sich kein Stück. Ich ging zurück in die Waffenkammer und holte mir den Speer, der noch am besten aussah. Dann versuchte ich die Tür mit diesem Hebel zu öffnen. Sie bewegte sich auch ein bisschen bevor der Speer zerbrach. Jetzt erst wurde mir bewusst, wie stark die Gargoyles waren. Kein Mensch konnte jemals diese Tür ohne gute Hilfsmittel öffnen. Hier kam ich so leicht nicht raus. Den Schlüssel hing ich wieder an seinen Platz und beseitigte die Reste des Speers. Ich lief noch etwas rum und sah mir alles genau an. Dann setzte ich mich in den Saal und dachte nach. Ich bin oder war ein Gargoylejäger. Jetzt habe ich einige von meinen Feinden als Freunde gewonnen. Eigentlich eine gute Sache. Aber was sollte aus meinem Leben werden. Ich konnte einfach nicht weiterjagen. Aber etwas anderes hatte ich nie gelernt. Ich hatte mir auch keine Familie aufgebaut und gute Freunde hatte ich auch keine. Als Einzelgänger ist es schwer, gute wirklich gute Freunde zu finden. Die einzigen Menschen, die mich gut empfangen haben, waren Bore und Marie. Ich dachte über Marie nach und fing an zu träumen. Während ich so träumte, muss ich eingeschlafen sein.
Ich wurde geweckt durch ein lautes Brüllen. Ich schreckte von meinem Tisch hoch und fiel fast über meinen umstürzenden Stuhl. Zuerst wusste ich nicht genau wo ich war. Das Brüllen wurde immer lauter. Ich zog mein Schwert und begab mich in Kampfstellung. Dann sah ich mich um und beruhigte mich etwas. Das Brüllen kam durch die Gargoyles, deren Gast ich war. Die Sonne musste gerade untergegangen sei, so das alle Gargoyles aus ihrem Schlaf erwachten. Ich hatte so etwas noch nie miterlebt und stand wie angewurzelt da. Das Brüllen verstummte und alle begrüßten sich untereinander. Sie kamen alle in die große Halle. Als sie mich sahen, mit meinem gezogenen Schwert, verstummten sie alle. Ohm kam einen Schritt auf mich zu und bellte mich an: "Steck das Schwert weg, Menschlein, oder ich werde dich töten!" Ich verstaute mein Schwert wieder und sah ihm in die Augen. Aber lange hielt ich das nicht durch. Nach einer kurzen Zeit, die mir viel länger vorkam, sah ich betroffen auf den Boden. Pagg grinste mich an und sagte zu Ohm: "Lass ihn. Er hat sich als vertrauenswürdig erwiesen." Sie schlossen die Tür auf und öffneten sie dann zu dritt. Ich ging mit den anderen hinaus. Am Horizont war noch der Schimmer der untergegangenen Sonne zu sehen. Von hier oben schimmerte es noch roter, als sonst. Der Höhleneingang war kurz unter der Spitze eines Berges gehauen. Dieser Berg musste sich im Karumgebirge befinden. Ich war gar nicht soweit von Marie entfernt. Ich konnte das Dorf in dem sie und Bore wohnen sehen. Und auch die Burg des Fürsten war zu sehen. Pagg stellte sich neben mir und sah mit mir einige Minuten in die Ferne. Der Mond war noch nicht zu sehen aber ich sah so viele Sterne, wie noch nie. Keine einzige Wolke war an Himmel zu sehen. Ich kann mich nicht erinnern, mich dem Himmel jemals so nah gefühlt zu haben. Es war großartig hier. Plötzlich wendete sich Pagg an mich und sprach mit leiser Stimme: "Ich wusste, dass du ein Ehrenmann bist. Alle deine Sünden sollen dir vergeben sein. Keiner hier wird dich wegen deiner Taten in der Vergangenheit anklagen." Über soviel Großmut und Ehrgefühl war ich sehr gerührt. Stolz schwellte meine Brust an und Dankbarkeit ließ mich fast eine Träne vergießen. Ich freute mich und dankte ihm aus vollem Herzen. Wir reichten uns die Hände und blickten uns fest in die Augen. Lange hielt ich dem festen Händedruck nicht stand. Einige Sekunden später zog ich meine Hand zurück und verschränkte meine Hände hinter dem Rücken. Mit der linken Hand musste ich die rechte massieren. Sie tat höllisch weh. Ich muss mir merken einem Gargoyle so schnell keine Hand mehr zu reichen. Trotzdem war ich glücklich. Sie luden mich ein mit ihnen zu essen. Ich nahm dankend an. Irgendwie ist es schon komisch als einziger Mensch zwischen vierzehn Gargoyles zu sitzen. Aber sie aßen gut und tranken etwas Wein. Nachher sangen sie mir sogar noch etwas vor. Es war schrecklich. Selbst Katzen, die man ertränken wollte, hörten sich besser an. Aber ich ließ mir nichts anmerken und versuchte mitzumachen. Nach dem Essen, es musste so gegen Mitternacht sein, fragte mich Pagg, was ich machen wollte. Ich dachte kurz nach und teilte ihm meine Entscheidung, die eigentlich schon lange feststand, mit. Ich wollte zu Marie. Nur bei ihr habe ich mich in der letzten Zeit wohl gefühlt. Pagg wollte mich sofort ins Dorf fliegen aber ich wollte mich erst noch verabschieden. Ich ging wieder hinein und suchte Rass. Sie stand im Eingang zur Küche. Ich ging auf sie zu und hielt ihr meine Hand zum Abschied entgegen. Hoffentlich hatte sie nicht so einen festen Händedruck wie Pagg. Aber sie legte nur den Kopf etwas schräg. Ihre Lippen fingen an zu zucken, als wollte sie gleich anfangen zu weinen. Sie schob meine Hand zur Seite und umarmte mich. Es war schon irgendwie beängstigen, von einer Frau, die einen Kopf größer war als ich und lange Klauen hatte, umarmt zu werden. Aber ich spürte ihre Wärme und ihre Dankbarkeit. Ich schloss die Augen und gab mich ihrer Umarmung hin. Als sie mich losließ, standen ihr Tränen in den Augen. Sie sagte zum Abschied: "Danke. Ich werde immer in deiner Schuld stehen." Ich nickte ihr zu und drehte mich um. Als ich gehen wollte stand Ohm auf und kam auf mich zu. Ich merkte, dass es ihm unangenehm war als er sprach. "Danke, Freund der Gargoyles." Er legte mir die Hand auf meine Schulter und sah mich an. Ich war erstaunt so etwas von ihm zu hören. Ich antwortete ihm mit fester Stimme. "Danke, Ich werde euch nie enttäuschen." Dann ging ich zum Ausgang, wo Pagg schon wartete. "Bereit?" fragte er. Ich nickte ihm zu. Daraufhin packte er mich von hinten unter die Arme und sprang. Ich schrie vor Angst auf. Wir fielen einige Meter bevor er seine Schwingen öffnete. Ein Ruck ging durch meinen Körper und wir segelten von dannen. Langsam gefiel es mir über die Landschaft zu gleiten. Die Bäume sahen aus wie kleine Sträucher und die Straßen wie kleine Striche auf einem Blatt Papier. Der Mond tauchte alles in ein zauberhaftes Licht. Manchmal sah ich ihn auf der Erde funkeln, wenn er sich in einem See oder Bach widerspiegelte. Ich genoss die Luft, die hier oben noch frischer war als auf der Erde. Es muss ein schönes Gefühl sein so gleiten zu können wie die Gargoyles. Kurz vor dem Dorf setzte er mich auf einem Feldweg ab. Obwohl es schön war zu fliegen, war ich trotzdem froh wieder auf festem Boden zu stehen. Er verabschiedete sich kurz mit den Worten: "Vielleicht sehen wir uns mal wieder. Es würde mich freuen." Ich sagte: "Mich auch." Daraufhin drehte er sich um und lief in die Nacht. Ich konnte noch sehen, wie er abhob, dann war er in der Dunkelheit verschwunden. Ich stand noch einige Zeit in der Dunkelheit da und betrachtete die Sterne. Soviel hatte sich in meinem Leben geändert. Ich war jetzt ein Freund der Gargoyles und somit in unserer Gesellschaft geächtet. Außerdem hatte ich nie etwas anderes gelernt als zu Töten und zu jagen. Was sollte nun aus mir werden. Ich entschied meine Bekanntschaft mit den Gargoyles geheim zu halten. Nach einiger Zeit ging ich langsam auf das Dorf zu. Ich wollte kein Aufsehen erregen, also schlich ich mich hinter den Häusern entlang, bis ich vor Bores Haus stand. Es brannte kein Licht mehr und so entschied ich mich nicht zu klopfen. Ich ging in den Stall und legte mich erschöpft ins Stroh.
Ich schlief sofort ein und wurde erst geweckt, als das Scheunentor geöffnet wurde und ein Lichtstrahl genau auf mein Gesicht fiel. Zuerst war ich geblendet aber dann erkannte ich Marie. Sie lächelte mich an und schrie lauthals: "Vater komm her, Pan ist wieder da." Ich stand auf und lächelte auch sie an. Dann kam sie auf mich zugelaufen und umarmte mich stürmisch. Beinahe wäre ich wieder umgefallen. Jetzt wusste ich, warum ich wieder hierher wollte. Hier wurde ich geliebt und geachtet. Um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen gab sie mir einen kleinen Kuss auf den Mund. Ich sah sie ganz überrascht an, als Bore durch das Tor trat. "Was machst du denn hier?" fragte er mich mit einem freudestrahlenden Gesicht. Ich grinste und wurde ganz rot im Gesicht. Hoffentlich hatte er den Kuss nicht gesehen. Ich reichte ihm die Hand zur Begrüßung und jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen. Aber er ließ mich gar nicht zu Wort kommen und fing an zu erzählen. "Man sagt sich, die Burg des Fürsten soll angegriffen worden sein. Es muss eine große Schlacht gewesen sein. Aber komm erstmal rein und frühstücke etwas." Ich nickte und folgte ihm. Was sollte ich ihnen erzählen. Die Wahrheit kam nicht in Frage. Wir gingen ins Haus und ich überlegte noch was ich ihnen sagen sollte. Als wir das Haus betraten, kam Bores Frau aus der Küche. Sie blieb stehen und starrte mich an. Ich glaubte sogar ein Grummeln von ihr zu hören aber ich kann mich auch irren. Zur Begrüßung nickte ich ihr freundlich zu. Daraufhin drehte sie sich um und ging wortlos zurück in die Küche. Bore bot mir einen Platz an und ging dann seiner Frau hinterher. Marie setzte sich mir gegenüber und blickte mich mit ihren wunderschönen, großen Augen an. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, also blickte ich betroffen auf meine Hände. Zum Glück kam Bore und seine Frau aus der Küche bevor es zu peinlich für mich wurde. Sie trugen ganze Tablette mit Brot, getrocknetem Fleisch und Käse auf. Dazu gab es frische Schafsmilch. Ich aß mich richtig satt. Zum Glück sagte niemand etwas solange ich aß. Als ich nicht mehr konnte und fertig war blickte Bore mich neugierig an und sagte: "Ich habe gehört es war eine große Schlacht. Erzähl uns bitte davon." Mir war unwohl in meiner Haut, weil ich sie anlügen musste. Aber ich erzählte ihnen, was sie hören wollten. Dass es eine große Schlacht war und wir die Gargoyles vertrieben hatten. Ich erzähle ihnen, wie ich drei Gargoyles persönlich getötet habe und wie schwer es war gegen sie zu kämpfen. Bore und Marie hörten mir aufmerksam zu während Bores Frau den Tisch abräumte. Ich hoffte, dass die Wahrheit nie herauskam. Aber der Fürst konnte auch nichts anderes erzählen. Schließlich sollte niemand etwas von seinen grausamen Experimenten wissen. Somit war ich ziemlich sicher, dass niemand herausfand, was wirklich geschah. Bis zum Mittag verbrachten wir die Zeit damit alle Gargoyles zu verfluchen und ihnen den Tot zu wünschen. Bores Frau sah ich die ganze Zeit nicht mehr. Wahrscheinlich war sie einkaufen oder irgendetwas anderes erledigen.
Nachmittags verrichteten Bore, seine Frau und Marie ihre Tagesarbeit. Ich fragte, ob ich helfen konnte. Bore nahm danken an und ich half ihnen. Gegen Abend fragte mich Marie, ob ich mit ihr Wasser holen wollte. Ich stimmte zu, weil ich gern in ihrer Nähe war. Der Brunnen war hinter dem Haus auf dem Acker. Wir beide nahmen jeweils einen Eimer und gingen los. Sie schwang ihren Eimer vor und zurück wobei ihre Hüfte sich hin und her drehte. Dabei sah sie mich von unten her an. Diese Frau machte mich warnsinnig. Wir kamen am Brunnen an und sie stellte ihren Eimer ab. Langsam kam sie auf mich zu und legte ihre Hände auf meine Schultern. Ich wurde immer nervöser. Ihr schelmisches Grinsen mit ihrem verführerischen Mund sorgte dafür, dass mir heiß und kalt wurde. Sie kam mit ihrem makellosen Gesicht immer näher und schloss dabei die Augen. Alles um mich herum war jetzt unwichtig. Es gab keine Gargoyles, keinen grausamen Fürst und keine Arbeit. Ich küsste sie und fühlte mich wieder, als würde ich fliegen. Es war sogar noch schöner als das Fliegen. Ich fiel in einen Schacht und hoffte nie auf dem Boden aufzutreffen. Wir küssten uns leidenschaftlich und vergaßen alles um uns herum. Nach einiger Zeit, ich weiß nicht wie lange, lösten wir uns voneinander. Sie lächelte und ging zum Brunnen. Während sie die Eimer mit Wasser füllte konnte ich die Augen nicht von ihr lassen. Ich war bis über beide Ohren verliebt. Jeder von uns nahm ein Eimer und wir gingen Hand in Hand zurück. Der Abend verlief ruhig. Wir drei aßen etwas. Nur die Hausdame aß in der Küche. Ich hatte keinen Hunger mehr. Die ganze Zeit konnte ich nur an Marie denken. Bore erzählte irgendetwas vom Halten der Schafe und von seiner Arbeit. Ich hörte ihm kaum zu. Kurz nach dem Abendessen verabschiedete sich Marie und ging. Auf der Treppe drehte sie sich um und warf mir einen Handkuss zu. Dann war sie weg. Auch ich sagte, dass ich müde wäre und ins Bett wollte. Bore guckte etwas enttäuscht aber nickte dann. Er bot mir an im Haus zu schlafen und führte mich in eine kleine Kammer. Es musste die Abstellkammer sein, denn es standen allerlei Sachen in den Ecken rum. In der Mitte war eine Matratze ausgebreitet auf der eine große Decke lag. Es war nicht gerade eine Luxusunterkunft aber sie haben sich angestrengt um mir ein gutes Nachtlager zu geben. Also nahm ich dankbar an. Nachdem Bore gegangen war legte ich meine Waffen und meine Oberbekleidung ab.
Ich überlegte, ob ich zu Marie gehen sollte aber ich war Gast in diesem Haus und konnte Bore nicht hintergehen. Aber ich mochte sie und sie mich auch. Ich war noch ganz in Gedanken versunken und hin und her gerissen als plötzlich die Tür aufging. Marie stand in der Tür und lehnte sich lässig gegen den Türrahmen. Ihr Nachthemd war zwar aus einem rauen Stoff aber es umspielte verführerisch ihre atemberaubende Figur. Ihre eine Hand legte sie leicht auf ihr tief ausgeschnittenes Dekollete. In der anderen Hand hielt sie eine große Kerze. Das flackernde Licht warf zuckende Schatten über ihre weiblichen Rundungen. Ihre Augen zwinkerten verheißungsvoll. Ich starrte sie an und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich sah bestimmt aus wie ein Idiot. Aber sie schritt auf mich zu und schloss die Tür hinter sich. Wir liebten uns die ganze Nacht voller Leidenschaft. Wir waren immer noch umschlungen als die Kerze abgebrannt war. Kurz vor Morgengrauen erhob Marie sich, zog sich an und ging. Ich lehnte mich zurück und schmunzelte. Mann, war ich ein Glückspilz. Solch einer Frau begegnete man nicht alle Tage.
Nach einer halben Stunde ging ich in den Wohnraum und sah mich um. Alle waren schon wach und frühstückten. Ich saß mich zu ihnen aß auch etwas. Dieses Mal saß sogar Bores Frau mit am Tisch. Sie schien gut gelaunt zu sein. Der Tag verlief ganz normal und ruhig. Ich half etwas bei der Arbeit, wobei ich mich meistens in der Nähe von Marie aufhielt. Dann reinigte ich meine Waffen und Ausrüstung. Den ganzen Tag dachte ich nur an Marie. Gegen Abend, es dämmerte schon etwas, schickte Bores Frau Marie ins Dorf, etwas vom Markt zu besorgen. Hoffentlich kam sie bald zurück. Ich schärfte noch etwas mein Schwert als Bore ins Haus gerannt kam und mit panischem Blick sprach: "Viele Reiter kommen zu unserem Hof." Seine Frau fing daraufhin an zu Lachen und sagte zu mir: "Ich habe sie gerufen. Sie werden dich töten und wegbringen, weil du den Fürsten verraten hast."
"Warum hast du das getan?" fragte ich sie daraufhin verständnislos. "Ich wollte euch doch nie etwas Böses" "Doch du bist das Böse."
Sie schrie schon fast. Bore und ich gingen nach draußen um nachzusehen was sie von mir wollten. Wir stellten uns mitten auf den Hof und sahen, wie zwölf Reiter auf uns zuritten. Alle hatten glänzende Rüstungen an und ritten auf gepanzerten Schlachtrössern. Ich hatte nicht die geringste Chance gegen sie. Langsam bekam ich Angst. Ich hatte gehofft, dass der Fürst es auf sich beruhen lassen würde. Aber er hatte sich wohl entschieden mich zu bestrafen. Sie kamen auf den Hof gestürmt und hielten kurz vor uns an. Ihre Fackeln leuchteten in die hereinbrechende Nacht. Der Ritter vor mir zog eine Schriftrolle aus der Satteltasche und rollte sie auseinander. "Anordnung unseres großen Herrschers. Der flüchtige und unehrenhafte Verräter Pan ist aufzustöbern und zu exekutieren.", las er mit monotoner Stimme vor. Daraufhin drehte er sich zu den anderen Reitern um und befahl: "Tötet alle und brennt den Hof nieder." Bore wurde immer blasser. Vier der Reiter ritten auf mich zu und wollten mir den Kopf spalten. Ich wich ihnen aus und lief auf den Stall zu. Sechs andere Reiter ritten auf das Haus zu und warfen ihre Fackeln auf das Strohdach und in die offenen Fenster. Die beiden letzten Reiter warteten, was passierte. Anscheinend waren es höhere Dienstgrade und sie gaben sich nicht mit der Drecksarbeit ab. Das Haus fing sofort Feuer und es wurde plötzlich sehr hell. Ich versteckte mich hinter einer großen Karre und wartete ab. Ich hoffte, dass Bore und seine Frau so klug waren, sich auch zu verstecken. Dann hörte ich einen markerschütternden Schrei. In diesem Schrei steckte soviel Schmerz. Durch den Schrei erwachte Bore aus seiner Starre. "Marie" schrie er voller Verzweiflung und rannte auf das Haus zu. Zuerst bekam ich einen Schock. Marie war im Haus? Ich wollte schon losrennen, um sie zu retten, als eine brennende Person aus dem Haus gerannt kam. Es war seine Frau. Da begriff ich, dass seine Frau auch Marie hieß. Ich war etwas beruhigt, obwohl ihr Tot nicht weniger schlimm war. Aber wenigstens war meine Marie nicht hier. Marie, mit ihrem bizarren Feuerkleid, brach kraftlos zusammen und hörte auf zu schreien. Einige Sekunde zappelte und wimmerte sie noch bevor sie still und reglos wie ein verkohltes Stück Holz dalag. Bore fing an zu weinen. Es war zwar nie die große Liebe gewesen, wie er oft genug betont hatte, aber seine Familie und sein Hof waren alles was er hatte. Auf einmal verlor er alles, was im lieb und teuer war. Höchstwahrscheinlich auch sein Leben. Aber das war ihm egal. Er wischte sich die Augen trocken, schluckte einmal und ging in meine Richtung. Aber er beachtete mich gar nicht. An dem Stall lehnte eine Forke. Er nahm sie und ging wie ein Lebensmüder auf die Reiter zu. Währenddessen waren die vier Reiter, die mich verfolgt hatten, abgestiegen. Dann auf ihren Pferden konnten sie mich in meiner Nische hinter dem Wagen nicht erreichen. Sie konnten mich nur von links oder rechts angreifen, weil hinter mir der Stall und vor mir der Wagen war. Ich hoffte, dass keiner auf die Idee kam unter den Wagen zu kriechen und mir meine Füße abzuhacken. Aber es sah gut aus. Zwei kamen von links und zwei von rechts. Der Spalt war aber so schmal, dass mich von jeder Seite nur einer angreifen konnte. Vielleicht überlebte ich das hier sogar. Aber ich konnte Bore in seinem ausweglosen Kampf nicht helfen. Er rannte ohne Nachzudenken auf den ersten Reiter in seiner Nähe zu. Der war so überrascht, das Bore ihm ohne Gegenwehr die Forke in den Hals rammte. Genau zwischen Brustpanzer und Helm stach Bore zu. Der Reiter ließ sein Schwert und sein Schild fallen und griff sich an den Hals. Blut ran über seine eisernen Handschuhe. Ich hörte noch ein Röcheln als er nach hinten von seinem Pferd fiel. Bore zog die Forke aus dem Hals, wobei ein Blutstrahl hervorspritzte. Er musste die Halsschlagader getroffen haben. Der Ritter blieb regungslos liegen und presste beide Hände an seinen Hals. Er ging über zum nächsten Reiter, der sein Schwert hob und sein Schild vor seinen Körper hielt. Dieser war bestimmt nicht so leicht zu besiegen. Er wollte gerade zuschlagen als Bore in die Knie ging und mit dem Stil auf den Hals des Pferdes hieb. Er musste den Kehlkopf getroffen haben. Auf jeden Fall richtete sich das Pferd auf seine Hinterbeine auf und warf seinen Reiter ab. Er fiel mit einem Scheppern auf den sandigen Hof. Bore hob die Forke und hieb sie zwischen sein Gesichtsvisier. Zwei Zinken brachen ab aber Einer kam durch die schlitze im Visier. Der Reiter erschlaffte sofort und war tot. Beim dritten hatte er weniger Glück. Obwohl er heldenhaft gekämpft hat kam ein weiterer Ritter von hinten und spaltete seinen Kopf. Er fiel leblos zu Boden und starb in einer riesigen Blutlache. Tief in meiner Brust spürte ich einen tiefen Schmerz. Er war ein guter Mensch gewesen und hatte es nicht verdient, wegen mir zu sterben. Aber ich hatte keine Zeit für Trauer und Schuldgefühle, denn ich musste mich gegen meine Angreifer wehren. Ich hoffte nur, dass Marie nicht zurückkam und auch noch in Gefahr geriet.
Zuerst wendete ich mich der rechten Seite zu. Ich hieb mit voller Kraft zu. In diesen Schlag legte ich all mein Hass und meine Verzweiflung. Allein durch die Wucht des Schlages zersplitterte das Schwert meines Gegners und ich traf ihn auf der Schulter. Das verursachte zwar keine Verletzung aber eine tiefe Delle in seiner Panzerung. Aus Schreck fiel er nach hinten um und riss den anderen Ritter mit von den Beinen. Aufgrund der Rüstung war es nicht einfach für die Beiden aufzustehen. So hatte ich für einige Sekunden erstmal Ruhe von dieser Seite. Ich wendete mich zur linken Seite, wo Einer schon zum Schlag ausholte. Ich hob mein Schwert und parierte seinen Schlag. Ich schlug daraufhin sein Schwert zur Seite und trat ihn mit voller Wucht gegen den Bauch. Er taumelte einige Schritte zurück. Der Ritter hinter ihm hatte nicht soviel Glück. Er hatte nicht mit einem Angriff von mir gerechnet und noch keine Abwehrhaltung angenommen. Er stand einfach da und hatte außerdem sein Visier noch nicht zugeklappt. Also stieß ich ihm meine Schwertspitze genau zwischen die Augen bis die Spitze den hinteren Teil des Helmes berührte. Seine Augen verdrehten sich, bis ich nur noch Weißes in den Augen sah. Dann sackte er zusammen, wie ein nasser Sack. Mit lautem Geschrei stürmte ich auf den Ritter zu, den ich mit einem Tritt wegbefördert hatte. Er hob Schild und Schwert ging in Kampfstellung. Aber ich merkte, dass er Angst hatte weil er sich etwas wegdrehte. Das konnte ich zu meinem Vorteil nutzen. Ich hieb mit meinem Schwert auf seine Schulte, so dass mein Schwert anfing zu vibrieren. Die Hand tat mir weh, von diesem Schlag. Aber ich erreichte, dass er in di Knie ging. Ich drehte mich um ihn herum und stand dann hinter ihm. Mit dem Schaft meines Schwertes hieb ich auf seinem Hinterkopf, so dass er nach vorne überfiel. Von hinten waren die Rüstungen nicht so gut geschützt, so dass ich ihn mit einem Stich in den Nacken tötete. Ich hörte ein leises Knirschen, als ich seine Halswirbel durchtrennte. Das Dumme war nur, dass ich meine Deckung verlassen habe. Die Beiden zu meiner rechten Seite waren wieder auf den Beinen und standen auf meinem Platz hinter dem Wagen. Vor mir standen die anderen Ritter auf ihren Pferden. Es war fast aussichtslos aber ich wollte meine Haut so teuer wie möglich verkaufen. Ich überlegte mir gerade eine Taktik, wie ich meine Überlebenschancen vergrößern konnte, als plötzlich die Hölle los war. Die Pferde spielten unerwartet total verrückt und warfen zwei Reiter ab. Im Hintergrund hörte ich panische Schreie, die nur Menschen in Todesangst ausstießen. Was war los. Ich sah mich um und sah nichts als huschende Schatten. Dann sah ich, wie zwei Ritter von oben durch das brennende Dach ins Haus fielen. Jetzt begriff ich. Es waren die Gargoyles. Sie waren zu meiner Rettung gekommen. Sie waren die huschenden Schatten. Dann viel noch ein Ritter von oben ins brennende Haus. Funken stoben aus dem Dach. Die qualvollen Schreie mischten sich mit dem Prasseln des Feuers zu einer grausamen Melodie der Zerstörung. Dann landete Pagg mitten in dem Getümmel. Er breitete seine Arme uns Schwinge aus und brüllte. Dieses Brüllen versetzte Reiter und Pferde gleichermaßen in Panik. Sie versuchten zu flüchten aber die Gargoyles setzten ihnen hinterher. Ich schrie: "Lasst sie! Heute wurde schon genug getötet."
"Aber sie werden wiederkommen." entgegnete mir Pagg. "Nein, vielleicht lernen sie daraus."
"Hoffentlich hast du Recht." Ich hoffte es. Neben ihm landeten Ohm und Sarka. "Menschenpack, denen haben wir es gezeigt" sagte Ohm. Dann sah er mich an und merkte, dass er etwas Falsches gesagt hatte. Er blickte daraufhin betroffen zu Boden. Ich sagte: "Nichts für Ungut und danke, dass ihr mich gerettet habt." Wir unterhielten uns noch ein paar Minuten über den sinnlosen Hass aufeinander und dann verabschiedeten sie sich. Sie schnappten sich noch ein Pferd und flogen von dannen. Ich begann aufzuräumen und dachte über die Freundschaft zu den Gargoyles nach. Dann hörte ich Schritte, die sich schnell dem Hof nährten. Ich griff zu meinem Schwert, weil ich dachte, dass es einer der Ritter war, der zurückkam. Dann aber hörte ich einen Schrei, der zu Marie passte. Marie! Was sollte ich ihr sagen, wie sollte ich ihr das alles erklären. Ich lief auf sie zu und wollte sie abfangen, bevor sie die verkohlte Leiche ihrer Mutter oder den gespaltenen Schädel ihres Vaters sah. Aber sie stieß mich zur Seite und lief auf das Haus zu. Sie stand vor den brennenden Ruinen ihres Heimes und sah wie ein Bild des Elends aus. Ihr Schreien hatte sich in ein heiseres Schluchzen verwandelt. Dann sah sie die Leiche ihres Vaters und brach ohnmächtig zusammen. Zum Glück hatte ich sie schon eingeholt und konnte sie auffangen. Da lag sie nun wie ein Häufchen Elend in meinen Armen. Ich trug sie in die Scheune und bettete sie in das Stroh. Dann machte ich mich wieder an die Arbeit und begrub die Leichen, schaffte die Überreste des Kampfes fort und versuchte den Rest des Feuers zu löschen. Dann hielt ich Wache vor ihrem Bett. Ich war zwar erschöpft aber schlafen konnte ich sowieso nicht. Kurz vor Morgengrauen gab ich den Schafen etwas zu essen und erledigte die täglichen Aufgaben.
Dann setzte ich mich neben Marie und versuchte sie zu wecken. Sie schlug die Augen auf und starrte einige Sekunden lang nur ins Leere. Anscheinend musste ihr Gehirn erst realisieren, was passiert war. Ich wollte schon etwas sagen, als der Blick sich plötzlich klarte und sie mich ansah. Mit ertickender Stimme fragte sie: "Vater?" Ich senkte den Kopf und schüttelte ihn leicht. Dann wollte sie mich noch was fragen aber ihre Stimme versagte völlig. Ich konnte an ihren Lippen aber das Wort "Mutter?" ablesen. Wiederum schüttelte ich leicht den Kopf. Nach dieser vernichtenden Antwort sackte sie in meinen Armen zusammen. Sie versuchte zu weinen aber kein Ton verließ ihren Mund. Ihr Hals war wie zugeschnürt. Trotzdem bebte ihr Körper. Sie weinte lautlos in meinen Armen. Nach einigen Minuten begann sie zu Schluchzen und lauthals zu schreien. Ich hielt sie stundenlang in meinen Armen und versuchte sie zu trösten. Irgendwann war sie zu erschöpft zu weinen und legte sich jammernd hin. Ich brachte ihr etwas zu essen und zu trinken, wovon sie nichts anrührte. In der Nacht legte ich mich neben sie. Sie kuschelte sich sofort an meine Brust und schlief ein. Auch ich schlief kurz danach ein. Ich war einfach zu erschöpft. Ich wachte mehrmals in der Nacht von Alpträumen geplagt auf aber morgens konnte ich mich nicht mehr erinnern, was ich geträumt hatte.
Wir standen gemeinsam auf und sie ging auf den Hof. Sie sah die qualmende Ruine, die mal ihr Heim gewesen war. Dann verfluchte sie die Gargoyles. Sie reckte ihre rechte Faust gen Himmel und schwor Rache. Anscheinend hielt sie es für einen Angriff der Gargoyles, die sich an mir rächen wollten. Ich ließ sie in dem Glauben. Schließlich konnte ich ihr nicht erzählen, dass sie mich gerettet hatten und ich ein Freund von ihnen war. Also entschließ ich mich sie anzulügen. Mir war sehr unwohl dabei aber vielleicht konnte ich ihr später erzählen, wie es wirklich war. Sie ging zum Brunnen und wusch sich ihr verheultes Gesicht. Dann fing sie an ihre Arbeit zu machen. Sie lehnte jegliche Hilfe von mir ab. Ich ließ sie arbeiten. Vielleicht half es ihr sich abzulenken. Ich räumte den ganzen Tag die qualmenden Überreste der Ruine, die Mal ein Haus waren, weg. Am Nachmittag kamen einige Nachbarn vorbei und boten Marie ihre Hilfe an. Mich schauten sie missbilligend an. Marie nahm dankend an und versprach sich zu melden, wenn sie Hilfe brauchte. Abends lagen wir wieder im Heu. Sie fragte mich, ob ich bei ihr bleiben wolle. Ich war froh, dass sie mich fragte. Ich hatte schon Angst, dass sie mir die Schuld gab an dem Tot ihrer Eltern. Ich stimmte gerne zu. Ich war ab jetzt also ein Schafbauer. Dann sollte ich ihr versprechen, den Mörder ihrer Eltern zu töten. Was sollte ich jetzt machen. Den wahren Mörder, die Ritter des Fürsten, konnte ich nicht töten. Und sollte ich meine Freunde töten, nur wegen ihrer Rachegefühle und ihr Hass auf Gargoyles. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Aber ich versprach ihr auch das. Irgendwann wird sie schon ruhiger werden. Ich konnte sie bestimmt davon abbringen, wenn sie diese schlimmen Tage verarbeitet hatte. Jetzt war es erstmal wichtiger für sie da zu sein. Ich fragte nach ihrem Bruder. Sie wollte am nächsten Tag zu ihm gehen. Er leistete immer noch Frondienst beim Fürsten. Aber erst musste sie es selber verarbeiten, bevor sie es ihm erzählen wollte. Sie fing wieder an zu weinen. Ich zog sie etwas näher zu mir heran und bald darauf schliefen wir wieder ein.
Diese Nacht plagten mich wieder Alpträume. Mitten in der Nacht wachte ich davon auf. Ich stand auf und wollte mir etwas die Beine vertreten. Ich ging raus und schlenderte nachdenklich vor mich hin als ich eine Bewegung vor mir sah. Es war Pagg. "Was machst du denn hier?", fragte ich ihn. "Ich muss mit dir sprechen. Wir müssen den Fürsten angreifen." Jetzt war ich überrascht. "Wieso willst du ihn angreifen?"
"Ich habe von Plänen gehört, uns alle zu vernichten. Wir brauchen deine Hilfe!" "Aber ich bin beim Fürsten in Ungnade gefallen. Wie kann ich euch helfen?" "Du musst ihn rauslocken. Wenn er sich verschanzt, kommen wir nicht an ihn heran."
"Na gut. Ich helfe euch. Wann geht es los?"
"Jetzt sofort."
Pagg packte mich und flog los. Mir war unwohl an der Seite der Gargoyles gegen Menschen zu kämpfen. Aber vielleicht konnte ich mit meiner Hilfe einigen Menschen das Leben retten. Wir waren zu siebend. Ich und sechs Gargoyles. Ich fragte, wo die anderen waren. Pagg erklärte mir, dass die Gargoyles beim letzten Angriff aus anderen Klans waren. Sie haben geholfen, Rass zu befreien. Ihr Klan bestand nur aus sechs Gargoyles. Pagg, Rass, Ohm und Sarka kannte ich schon. Die anderen beiden hießen Rol und Lori. Jetzt begriff ich, warum sie nicht wie beim letzten Mal einfach die Burg angriffen. Sie hatten sich Hilfe aus anderen Klans geholt. Jetzt mussten sie eine List anwenden und brauchten meine Hilfe. Wir landeten außerhalb der Reichweite ihrer Bogenschutzen vor dem Tor. Die Gargoyles versteckten sich in der Dunkelheit. Ich rief laut: "Hier ist Pan. Ich möchte mit dem Fürsten sprechen." Einige Minuten verstrichen und ich wollte noch mal rufen, als plötzlich das Tor geöffnet wurde. Hindurch kam der Fürst begleitet von zwölf Speerträgern. Ich wollte laufen aber meine Aufgabe bestand darin ihn herzulocken. Also blieb ich stehen. Die Speerträger umringten mich und ich fühlte mich immer mehr unwohl. Der Fürst hatte ein breites Grinsen in seinem Gesicht. Jetzt wusste ich wieder, warum es gut war ihn zu beseitigen. Würde er am Leben bleiben, würden Marie und ich nie in Ruhe leben können. "Jetzt sehen wir uns endlich wieder.", sagte er. "Wenn du um Gnade winseln willst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt." Ich hob mein Schwert, was das Zeichen für die Gargoyles war. Sie kamen von überall her und griffen die Speerträger an. Zwei Köpfe zerplatzten sofort wie zwei reife Tomaten in den riesigen Pranken von Pagg. Die anderen Gargoyles nahmen sich jeweils einen Soldaten vor und brachen ihnen das Genick, noch bevor sie wussten, was hier vor sich ging. Die anderen liefen sofort weg. Auch der Fürst wollte weglaufen aber Rass stellte sich vor ihm auf. "So sehen wir uns wieder." Er kniete sich sofort nieder und winselte um Gnade. Aber er war ein zu großes Risiko für die Gargoyles und für mich. Er blickte mich hoffnungsvoll an, als wenn wer Hilfe erwartete aber ich wendete mich ab und sagte nur: "Mach es schnell!" Dann riss Rass ihm das Herz aus der Brust. Seine Augen würden immer größer bis er leblos zusammensackte. Wir verließen den Ort ohne ein weiteres Wort.
Sie brachten mich zum Bauernhof zurück. Wir verabschiedeten uns kurz, dann flogen sie in die Nacht hinein. Ich reinigte mich am Brunnen, Dann ging ich in die Scheune zurück. Marie schlief immer noch. Trotz ihrer roten Augen sah sie aus wie ein Engel. Den Rest der Nacht starrte ich die Decke an. Ich konnte nicht mehr schlafen. Schließlich hatte ich eine Hinrichtung miterlebt. Am nächsten Morgen, nach getaner Arbeit ging sie zur Burg des Fürsten. Sie wollte ihren Bruder suchen. Während sie weg war beschlich mich eine böse Vorahnung. Gegen Abend kam sie wieder. Ich fragte, ob sie erfolgreich war. Sie sagte nichts. Nach einer halben Stunde fing sie an zu erzählen. Der Fürst wurde von Gargoyles getötet. Das wusste ich schon. Aber ich schwieg. Dann erzählte sie mir, dass ihr Bruder letzte Nacht auch von Gargoyles getötet wurde. Sie vergoss nicht eine Träne. Sie erzählte es mir als würde sie über das Wetter erzählen. Sie war eine gebrochene Frau und würde nie wieder so lebensfroh sein, wie sie früher einmal war. Warum musste der Fürst seine Bauern auch zum Soldatendienst heranziehen. Es war schrecklich. Marie hatte ihre ganze Familie verloren. Ich fühlte mich schuldig. Vielleicht würde ihr Bruder noch leben, hätte ich mich nicht verpflichtet gefühlt, meinen Freunden zu helfen. Dann starrte Marie mich mit einem Funkeln in den Augen an. "Du musst sie alle töten! Du bist ein Gargoylejäger. Versprich es mir!" Und wieder versprach ich es ihr. Ich war in einer Zwickmühle. Sollte ich meine Freunde töten. Die einzigen Wesen, die mich so akzeptierten, wie ich war. Oder sollte ich mich auf ihre Seite schlagen, Marie verlassen und der Menschheit den Rücken zukehren. Ich hoffte, dass mit der Zeit Ruhe einkehrte.
Die Monate und Jahre gingen ins Land. Unser Fürstentum wurde unter anderen Fürsten aufgeteilt, wovon wir auf dem Dorf kaum etwas mitbekamen. Das Haus wurde mit Hilfe der Nachbarn wieder aufgebaut. Zu einige entwickelte ich sogar eine Bekanntschaft. Sie mochten mich nicht aber sie tolerierten mich. Wenigstens verstummten nicht mehr alle, wenn ich die Dorfkneipe betrat. Ich heiratete Marie. Es war ein wunderschöner Tag. An diesem Tag lächelte sie sogar wieder ein bisschen. Neun Monate später schenkte sie mir einen Sohn. Wir nannten ihn Bore. Ich mochte meine Arbeit als Schafbauer, wenn ich nicht jeden Abend aufs Neue schwören müsste, meine Freunde zu töten. Besonders, da ich ein gutes Verhältnis zu den Gargoyles aufgebaut habe. Manchmal, wenn Marie nicht zu Hause war, ging ich zu ihnen und wir redeten über Gott und die Welt. Einige Male kamen sie zu mir und brauchten meine Hilfe. Ich half ihnen gern und so verbrachten wir so manches Abenteuer. Wir halfen vielen Menschen und anderen Gargoyles. Pagg und Rass bekamen auch einen Sohn. Sie nannten ihn Rigg. Ich hoffte, dass dieser kleine Gargoylejunge eines Tages vielleicht mit meinem Bore spielen würde. Dann eines Abends, Marie und ich feierten gerade, dass Marie zum zweiten Mal schwanger wurde, kam ein Nachbar aufgeregt auf unseren Hof gelaufen. Er berichtete, dass jemand aus dem Dorf den Unterschlupf der Gargoyles entdeckt hatte und dass eine Gruppe aus dem Dorf losziehen und sie vernichten wollte. Ich wurde leichenblass. Marie bekam wieder dieses wahnsinnige Funkeln in ihren Augen und holte sofort mein Schwert. Sie sah mich an wie eine Fremde und sagte: "Du hast es mir geschworen." Was sollte ich jetzt sagen. Also ging ich wohl oder übel mit. Marie zog sich ihren Mantel über. Ich wollte sie daran hindern mitzukommen aber sie ließ sich nicht davon abhalten.
An die zwanzig Leute trafen sich auf dem Dorfplatz. In all ihren Gesichtern standen der Hass und der Blutdurst geschrieben. Ich versuchte sie zu überreden, erst nächsten Tag anzugreifen, wenn alle tu Stein geworden sind. Vielleicht hatte ich dann noch die Chance sie heute Nacht zu warnen. Aber alle wollten sofort angreifen. Die Massenhysterie spülte ihre Angst und ihre Vorsicht einfach fort. Außerdem hatten sie Angst, dass sie bis morgen weg wären. Also liefen sie los. Ich musste notgedrungen hinterher. Während des Aufstiegs fielen einige zurück. Einen halben Kilometer vor dem Gipfel hielten sie an. Ich versuchte ein letztes Mal sie aufzuhalten indem ich ihnen Angst einjagte. Das einzige Ergebnis war, dass sie noch wilder wurden und dass ich alleine hineingehen sollte. Alle sahen auf mich und feuerten mich an. Keiner wusste, dass ich keine Angst hatte sondern dass ich einfach nicht wollte. Dann trat Marie auf mich zu. "Du gehst jetzt in diese Höhle und tötest sie alle oder ich stürze mich mit deinem ungeborenen Kind von dem Felsen." Sie trat eine Schritt auf den Abgrund zu und blickte mich mit traurigen Augen an. Jetzt war also die Zeit der Entscheidung da. Ich hatte gehofft, dass dieser Tag nie kommen würde. Ich flehte Marie, meine liebe Marie, an. "Du kannst doch nicht wegen deiner Rachegefühle sterben wollen. Komm bitte wieder her."
"Aber ich lebe für meine Rache. Dieser Gedanke ist das einzige wofür es sich noch zu leben lohnt. Sie haben meine Familie getötet und du hast es mir geschworen." Ich merkte, dass ich sie nicht davon abbringen konnte. Ich blickte auf den Boden und entschied mich für Marie. "Gut. Ich gehe." Ich drehte mich ohne ein weiteres Wort um und ging langsam weiter. Marie setze sich auf einen Stein und lächelte ein bisschen. Keiner konnte erahnen, was sie von mir verlangten. Ich sollte meine besten Freunde töten. Aber ich ging. Als ich in die Höhle eintrat waren Pagg, Ohm und Rol im großen Saal. Pagg kam sofort auf mich zu und begrüßte mich. Ich streckte ihm diesmal wieder meine Hand zur Begrüßung hin. Zum letzten Mal wollte ich ihn richtig begrüßen. Er lächelte und erwiderte den Handschlag. Diesmal drückte er nicht ganz so stark zu. Trotzdem spürte ich seine überwältigende Kraft. Er war der stärkste Gegner. Ihn musste ich zuerst töten. Ihn töten! Mir kam es immer noch falsch vor, solch ein stolzes und ehrenhaftes Wesen einfach zu töten. Aber ich musste an Marie denken. Damit es mir leichter fiel, versuchte ich mich zu erinnern, wie sie viele Menschen töteten. Ich erinnerte mich an den Angriff auf die Burg mit all den Bergen von Menschenleichen. Und an den Kampf mit den Rittern auf dem Bauernhof, wie sie einfach die Menschen in ein brennendes Haus warfen, wo sie qualvoll verbrannten. Dann erinnerte ich mich an die Exekution des Fürsten, als sie ihm das schlagende Herz aus der Brust rissen und an viele andere grausame Taten, die sie vollbrachten. Es half aber nichts. Alle diese Taten waren dazu bestimmt, Gutes zu tun und anderen zu helfen. Pagg und ich gingen zum Tisch. Er ging links von mir und legte den Arm um mich. Diese freundschaftliche Geste machte es mir nicht gerade einfacher. Wir gingen bis zum Tisch an dessen anderem Ende Ohm saß. Pagg und ich kamen am Tisch an. Rechts neben mir saß Rol. Er nickte mir freundlich zu, während er aß. Ohm sah vom Essen auf und sagte: "Hallo Menschlein. Wie geht es dem Freund und Helfer unseres Klans." Er begrüßte mich jedes Mal so. Wahrscheinlich um mir zu zeigen, dass ich ein hohes Ansehen im Klan und bei ihm hatte. Ich glaube er drückt so seine Zuneigung zu mir aus, ohne es direkt zu sagen. Es war doch schwieriger als ich dachte aber es musste sein. Innerhalb von Sekundenbruchteilen zog ich mein Schwert und hieb nach links oben. Mit einem Schlag enthauptete ich Pagg. Sein Kopf viel nach vorne über. Dann im gleichen Zug hieb ich nach rechts, wo Rol saß. Er schaffte es noch seine Hände zur Abwehr nach oben zu reißen aber es half ihm nicht viel. Ich durchtrennte seine Beiden Unterarme und schlug in seinen Hals. Der schlag hatte zwar durch die Arme nicht mehr die Kraft ihn zu Köpfen aber ich durchtrennte seine Kehle und die Halsschlagadern. Stark blutend viel er nach hinten. Jetzt hörte ich Paggs Kopf mit einem lauten Platschen auf dem Boden aufschlagen. Alles lief wie in Zeitlupe. Seine rechte Hand, die noch immer auf meiner Schulter lag, verkrampfte sich kurz. Ich spurte einen stechenden Schmerz, als seine Krallen sich leicht in mein Fleisch gruben. Kurze Zeit später ließ der Druck nach und er viel nach hinten über. Seine Hand löste sich von meiner Schulter. Es war bestimmt das letzte Mal, dass ich solch eine freundschaftliche Geste erfuhr. Dann sprang Ohm auf und riss dabei den Tisch um. "Was soll das, Verräter?", schrie er mich an. "Es tut mir leid.", antwortete ich mit einem traurigen Kopfschütteln. Er schrie: "Das wird es!", und stürmte auf mich zu. Soviel Schnelligkeit hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Ich sprang zur Seite aber er erwischte mich noch an meiner Hüfte. Drei lange Schrammen wurden durch meine Haut gerissen. Es tat weh aber es war nicht sehr tief. Wieder sprang er auf mich zu und wieder wich ich ihm aus. Ich hatte noch großes Glück, weil im gleichen Moment Lori aus der Küche gerannt kam. Er hatte gerade das Fleischerbeil geworfen, was mich nur knapp verfehlte. Jetzt wurde es kritisch, denn ich musste mit zwei Gargoyles gleichzeitig kämpfen. Die nächsten Minuten versuchte ich es mit Ausweichen. Ich hoffte irgendein Fehler im Angriff meiner Gegner zu entdecken, den ich nutzen konnte. Aber ich fand keinen. Beide umkreisten mich und sprangen dann auf mich zu. Ich konnte den Attacken zwar meistens ausweichen aber langsam wurde ich müde. Während des Kampfes sah ich Sakra aus den hinteren Räumen kommen. Ich hatte schon Angst, dass er mich auch angreifen würde. Aber er stand nur reglos da, schaute auf das Blut überall und schüttelte nur mit dem Kopf. Irgendwie stand er unter Schock. Am ganzen Körper zierten Schrammen meinen Körper. Ich musste mir etwas einfallen lassen. So konnte es nicht weitergehen. Dann hatte ich eine Idee. Ich ließ mich erschöpft an einer Wand niedersinken und tat so als wenn ich nicht mehr konnte. Ohm kam auf mich zu, packte mich am Hals und hob mich hoch. Er presste mich an die Wand und knurrte mich gefährlich an. "Warum hast du das getan? Warum? Wir haben dir vertraut." Mein Glück war, dass er Antworten von mir haben wollte und mich nicht sofort tötete. Genauso hatte ich es geplant. Denn aufgrund seiner Wut hatte er übersehen, dass ich immer noch mein Schwert in der Hand hielt. Ich sagte nur noch: "Es tut mir wirklich leid. Es ging nicht anders." Dann zog ich mit meinem Schwert einmal nach oben durch ihn hindurch. Seine Innereien rannen über meine Beine und Stiefel. Die Augen wurden immer größer und ich hörte noch ein leises Knurren, bevor er erlahmte. Lori starrte mich ungläubig an und ging wieder zum Angriff über. Sarka stand immer noch regungslos da und besah sich das Schlachtfeld. Gegen Lori hatte ich eine bessere Chance. Ich wich zwar meistens immer noch aus aber er war nicht so erfahren wie Ohm. Langsam gewann ich die Oberhand im Kampf und fügte ihm auch einige Wunden zu. Nach einigen Minuten traf ich ihn wieder mal an der Hand und er wendete sich kurz von mir ab um zurückzuweichen. Diese Gelegenheit nutzte ich und setzte ihm nach. Ich war etwas schneller und erstach ihn von hinten. Er riss die Arme in die Luft und fiel mit einem Fluch über alle Menschen tot nach vorne über. Ich atmete dreimal tief durch und richtete mich dann auf. Überall am Körper hatte ich Schrammen aus denen Blut quoll. Ich sah mich um und betrachtete mein grausames Werk. Die seelischen Schmerzen waren um ein weiteres größer als die körperlichen. Aber meine Aufgabe war noch nicht erledigt. Ich ging auf Sakra zu, der mich erst gar nicht bemerkte. Tränen trübten seine Augen und er schüttelte immer noch mit dem Kopf. "Es tut mir leid mein guter Freund.", sagte ich den Tränen auch schon nahe. Dann blickte er mich mit einem traurigen Blick an, der nur Unverständnis ausdrückte. Er schien gar nicht zu verstehen, was hier passierte. Er hob fragend die Hände. "Ich verstehe das nicht." Ich köpfte ihn um ihn von seiner Qual zu erlösen. Jetzt rann mir auch eine einzelne Träne über die Wange. Ich durchstöberte die einzelnen Zimmer im hinteren Bereich der Höhle. Vor dem letzten Zimmer hielt ich an. Jetzt kam die letzte und vielleicht auch schwerste Aufgabe.
Ich musste Rass und ihren Sohn töten. Ich klopfte an und wartete. Sie öffnete mir die Tür und blickte mich erstaunt an. "Wie siehst du den aus? Was ist passiert?" Sie hatte gar nichts vom Kampf mitbekommen. Ich wollte es schnell machen und stach ihr mit meinem blutigen Schwert mitten ins Herz. Den Ausdruck in ihrem Gesicht werde ich nie vergessen. Es war soviel Entsetzen und Unglauben in ihren wunderschönen großen Augen. Ihr makelloses, längliches Gesicht war zu einer verzerrten Fratze verzogen. Mit einem flehenden Ausdruck, sackte auch sie tot zusammen. Die letzten Gedanken waren bei ihrem Sohn. Jetzt konnte ich die Trauer nicht mehr zurückhalten. Ich setzte mich neben das Kinderbett und heulte lauthals los. Was hatte ich nur getan? Ich habe meine Hände mit dem Blut meiner Freunde, meine einzigen Freunde, beschmutzt. Ich war ein Brudermörder. Ich hatte ihr Vertrauen gebrochen und sie schändlich hintergangen. Ich konnte Rigg nicht töten. Er war noch so klein, dass er gar nicht wusste, was geschah. Er lachte mich mit seinem Kinderlachen an und reckte seine Arme zu mir empor. Er wollte von mir auf dem Arm genommen werden. Es war schwierig ihn zu töten aber ich musste es tun. Wenn ich es nicht tat, machten es die Dorfbewohner. Und sie würden ihn foltern oder verbrennen. Das letzte Geschenk von mir an ihn war ein schneller schmerzloser Tot. Ich hob mein Schwert und jagte es ihm mitten durch den Kopf. Er war auf der Stelle tot. Sogar sein Lächeln war noch auf seinem toten Mund zu sehen. Es grinste mich immer noch an und ließ mich noch schlechter fühlen.
Ich ging langsam Richtung Ausgang und zurück zu den Dorfbewohnern. Als sie mich sahen verstummte ihr Gemurmel vollständig. Alle sahen mich fragend an. Ich Sagte nur. "Es ist vollbracht. Alle Monster sind tot." Dabei war ich das Monster. Alle fingen an zu jubeln und liefen an mir vorbei in die Höhle. Pure Neugier und Blutrausch trieben sie an. Ich ging zu Marie und fragte: "Zufrieden?" Das dumme war, dass ich sie ewig lieben aber auch ewig hassen würde, weil sie mich zu dieser Tat gezwungen hatte. Wir gingen nebeneinander zurück zum Dorf. Ich wusch mich ausgiebig und verbrannte die Sachen. Dann legte ich mich ins Bett und fing lautlos an zu weinen. Marie lag mir abgewannt aber ich konnte am Atem hören, dass sich auch nicht schlief. Die ganze Nacht wiederholte ich den Kampf in Gedanken immer und immer wieder. Ich sah alle Gesichter vor mir, wie sie im Augenblick des Todes aussahen. Am nächsten Tag packte Marie ihre Sachen. Sie verließ mich. Jetzt begriff ich den Ausdruck ‚Ich lebe für die Rache' erst richtig. Sie hatte mich benutzt um ihre Rache zu vollenden. Ich ließ sie ohne ein Wort gehen. Ich hörte nie wieder etwas von ihr. Vielleicht war es besser so, denn ihre Anwesenheit erinnerte mich immer an meinen Verrat den Gargoyles gegenüber. Die Dorfbewohner feierten mich noch eine kurze Zeit. Aber dann ließ das auch nach. Ich war dann wieder der Fremde. Aber mir war es ganz recht so, in Ruhe gelassen zu werden. Sie mochten mich ja auch nur, weil ich ein Mörder war. Jedes Jahr, zum Jahrestag meiner grausamen Tat, schickte mir der Neue Fürst einen Obstkorb, den ich aber sofort wegschmiss. Für ihn war ich ein Held, weil ich in seinem Land Gargoyles getötet hatte. Für mich war es unerträglich jedes Jahr aufs Neue an diesen Tag erinnert zu werden. Manchmal dachte ich darüber nach den Hof einfach abzubrennen und wieder auf Wanderschaft zu gehen. Mal sehen, vielleicht morgen.



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Eingereicht am 25. März 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.