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Yesterday

Von Renate Probst


Gestern war wieder mal so ein Tag, an dem man morgens wach wird und ein komisches flaues Gefühl in der Magengegend verspürt. Vielleicht weil ein stressiger Tag im Job ansteht, man eine schwierige Arbeit schreiben muss. Es gibt aber auch Tage, und so einer war gestern, da steht man mit einem unangenehmen Gefühl auf und weiß nicht mal warum. Es war jener Tag, der voller Missgeschicke, mit einem Umschmeißen der Wasserflasche neben dem Bett begann.
Missmutig geht man mit seinen Klamotten ins Bad und wünscht sich, der Tag hätte sein Ende. Beim Anziehen stellt man fest, dass der Pullover, den man am Abend zurecht gelegt hat, einen riesigen Fleck hat. So groß, dass es unmöglich ist, den Schmutz ohne Einwirkung von starken chemischen Mitteln oder mit Hilfe der Schere zu entfernen. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als sich was Neues auszusuchen. Vor dem Spiegel denkt man, dass man durch das neue Oberteil total schrecklich aussieht, obwohl es objektiv gesehen natürlich nicht so war. Noch schlechter gelaunt schlurft man wieder ins Bad und versucht sich zu schminken. Alles geht daneben und am liebsten würde man sich mit ätzenden Mitteln das Gesicht wieder kräftig abschrubben, aber alles hat an solchen Tagen keinen Sinn.
Das Frühstück fällt dann aus Zeitgründen ins Wasser und voller Hast steigt man in sein Auto. Genau als man losfährt, denken hundert andere im selben Augenblick das selbe. Dem Explodieren nahe, steckt man in einem unendlich vorkommenden Stau. Abgehetzt viel zu spät angekommen, stürzt man sich in die Arbeit. Das Protokoll ist fertig geschrieben und wird mit einem kurzen "Hallo, hier ist das Protokoll der letzten Sitzung" an alle Teilnehmer auf dem elektronischen Weg verschickt. Die nächste Aufgabe steht bevor und während man vertieft und hochkonzentriert über den Unterlagen sitzt, wird man gefragt, wo denn das Protokoll in der E Mail versteckt ist - diese Botschaft wird im Gehirn umgewandelt und klingt dann so: "Du Trottel hast den Anhang nicht mitgeschickt." Man schlägt sich an den Kopf und eine Hitze steigt innerlich auf. Nach einem sehr langen Arbeitstag fährt man kraftlos nach Hause und freut sich auf einen schönes ausklingendes Tagesende.
Völlig entspannt und über die Vorkommnisse fast gar nicht mehr nachdenkend, wird man von der Türklingel aus der Ruhephase brutal rausgerissen. Man öffnet die Tür und denkt sich: Super, jetzt steht auch noch der Tod vor der Tür. Und bevor einem bewusst wird, was man gerade von sich gegeben hat und wem man die Tür geöffnet hat, fällt einem das mulmige Gefühl am Morgen wieder ein und nun weiß man auch den Grund dafür.



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Eingereicht am 02. Juni 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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