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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Ein grandioses Gewitter

Rosemarie C.Barth


Ich liebe dieses Gefühl. Ich lehne mich weit aus dem offenen Fenster und der Himmel fängt langsam an zu dämmern.
Der Wind weht immer stärker und ich spüre ihn vibrierend auf meiner Haut. Kühl ist er, aber nicht kalt, ein sehr angenehmes Gefühl.
Mir läuft ein behagliches Prickeln den Rücken hinunter. In der Ferne sehe ich sie schon blitzen, bläulich und violett zittern sie am Himmel, diese zackenförmigen Wetterleuchten.
Da, war das nicht der erste Tropfen? Nein, doch noch nicht.
Die Menschen rennen hektisch umher und versuchen ihre sieben Sachen zu sichern. Bunte Liegestühle werden zusammen gestellt und Campingtische abgedeckt. Schneller, noch schneller - gleich ist es da. Sekunden später herrscht eine bleierne Stille. Doch dann rollt plötzlich das erste Donnerwetter durch die Luft, und ein gewaltiger Blitz zuckt hinterher. Nun immer öfter, es kommt unerbittlich mit lautem Groll näher, noch viel näher. Der Donner kracht jetzt länger und viel lauter.
Ein Hausportal quietscht, doch das mächtige Himmelsgeschmetter übertönt alles. Prächtige Kastanienbäume biegen sich im böigen Wind, immer stärker heult er, doch immer noch nicht unangenehm.
Und kein einziger Tropfen fällt. Zieht es etwa doch an uns vorbei?
Trockene Laubblätter wirbeln durch die drückendschwüle Luft.
Schon wieder ein kräftiger Donnerschlag. Ich warte jetzt beinahe ungeduldig. Wann beginnt es denn endlich zu regnen?
Da, der Himmel färbt sich tiefschwarz. Endlich, der erste sehnlichst erwartete Tropfen. Er kullert an meinem nackten Arm herunter, ganz langsam, als wolle er diesen innigen Moment nie mehr vergessen.
Und - jetzt beginnt es! Immer ausgelassener fallen die Tropfen, platsch, platsch... Riesentropfen - immer größere prallen auf den heißen Boden. Jetzt stürzt das Wasser aus dem Himmel. Und ich genieße es. Ein grandioses Gewitter. Oh ja, ich liebe dieses Gefühl.
Zufrieden schließe ich das Fenster, lege mich auf mein Ledersofa und beginne zu träumen - von sonnenheißen, strahlenden Sommertagen, die vielleicht wieder ein solch wunderbares Gewitter hervorrufen.



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Eingereicht am 14. Mai 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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