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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Tom außer ordentlich

Gerald Weichseldorfer


Hallo, mein Name ist Tom. Ich könnte behaupten ich wäre wie du. Das würde solange funktionieren, bis du mich wirklich kennst. Denn dann wäre es eher wahrscheinlich, dass du gar nicht so sein willst wie ich. Es gibt einige die behaupten, ich sei nicht ganz dicht. Vielleicht stimmt das auch, vielleicht auch nicht. Woher soll ich das auch wissen, wenn ich verrückt bin. Ich bin jetzt endlich über zwanzig, und kann tun und lassen was ich will. Und ich habe nie Schwierigkeiten Unsinn zu machen, und den auch danach zuzugeben, denn Dummheit hat Vorrechte wie sonst fast keine andere Krankheit. Außerdem, ich stink wie ein Iltis. Mein Heimatland ist Österreich, das Land der Bürokratie und idealistischen Neinsager. In einer Stadt bin ich auch, aber welche verrate ich nicht. Immerhin will ich ja nicht, dass mich jemand besuchen kommt. Eines kann ich aber getrost verraten: Ich wohne in einem fünfstöckigen Haus, dort in der zweiten Etage. Ja ja, ich weiß, - interessiert dich nicht. Dann leg mich weg, du ignoranter Neinsager. Muss mich ja eh niemand mögen. Ach, ich bin ja so furchtbar trau... Vergiss es, mit dir red ich kein Wort mehr!
Noch immer da? Dann bleib halt da. Aber stör mich nicht!

Trautes Heim
Gut, derzeit bin ich zu Hause. Auf meinem Bett liegt noch die Unordnung von Vorgestern. Das ist mein Sinn für Ordnung. Meine Freundin hat` s deshalb keine zwei Stunden ausgehalten und ist deshalb nach einer viertel Stunde gegangen. Das war vor zwei Tagen, danach hab ich die Wäsche von den letzten drei Monaten weggeräumt. Dumme Ziege. Warum will sie den unbedingt im Bett. Muss ja nicht sein. So, da der Stapel Wäsche noch sehr ungenutzt ist, und kaum stinkt... doch, da hab ich noch was gefunden... ein Hemd das ich vor zwei Monaten anhatte. Na gut, macht ja nix. Die eine oder andere Woche wird es sich auf meinem Bett auch noch wohlfühlen. Immerhin hab ich ihm ja nicht befohlen liegen zu bleiben. Ja, verdammt! Es stinkt mich an. Die Wäsche und ich mich. Warum musste ich auch unter den Achseln riechen. Pfuii!!!! Ach, macht ja nix. Ein bisschen an die frische Luft, und ich fühl mich wieder wie neu. Abgesehen davon, verstreut sich der Gestank dadurch in alle vier Himmelsrichtungen. Doch vorher noch etwas Musik. Meine geile Anlage macht einen Höllenlärm, und meine Nachbarn können das auch.
Dann wetteifern wir immer miteinander. Ich mit der Musik, und sie mit ihren Drohungen. Leider versteh ich nicht viel, weil' s bei mir immer so laut ist. Einmal glaubte ich die Türklingel zu hören. Doch niemand kam rein. Ein Türschloss ist doch kein Hindernis. Ein organisierter Einbrecher oder der Aufschließdienst können so etwas. Das ist dann nicht meine Schuld, wenn da jemand selbstsüchtig draußen steht und glaubt, dass ich ihm aufmache. Ich hab andere Sachen zu tun.
Jetzt kommt mein Lied. Keine Ahnung wie es heißt. Ist ja auch egal. Mit meiner dreistimmigen Extasyartigen-Stimme bin ich sowieso nicht an irgendwelche interkulturellen Gepflogenheiten wie die Sprache gebunden. Ich röhre was das Zeug hält. Die Anlage quält sich, und die Nachbarn unter mir hämmern fröhlich im Takt mit dem Besen an ihrer Decke mit. Ich schalte etwas lauter, da die Nachbarn den Rhythmus nicht halten können. Ja, schon viel besser. Während ich der Musik lausche, kann ich noch was zu essen machen. Mjam, Baguette aus der Dose, ähem... Papierschachtel. Die achtunddreißigste in diesem Monat. Da führe ich nämlich Buch darüber. Es gibt in diesem Jahrhundert nur drei gute Erfindungen meiner Meinung nach. Die Hifi-Anlage, die E-Gitarre, und die Mikrowelle. Vielleicht auch die Gewerkschaft. Aber ich mag keine Leute, denen ich was zahlen muss.
Also bleiben es drei Dinge. So, meine Mikrowelle hat ‚Ping' gemacht, und mein Essen ist fertig. Ich hab's eigentlich nicht gehört, doch der Teller hat aufgehört sich im Kreis zu drehen. Da macht es immer ‚Ping'. Das weiß ich. Ich bin doch nicht blöd.
Abgesehen davon, werde ich von diesem Rotieren der Mikrowelle hypnotisch angezogen. Einen frischen Teller hab ich auch grad noch gefunden. Das andere gehört..... irgendwann mal abgewaschen. Die Betonung liegt auf "irgendwann".
Ich lass mir doch in meiner eigenen Wohnung, die meine Eltern bezahlt haben, keine Vorschriften machen.
Ok, das Baguette war lecker. Was?! Zu schnell? Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich wegen dir jeden Schritt meines Essens erläutere. So, und jetzt raus aus meiner Wohnung. Wer hat dich überhaupt eingeladen? .... und mach die Tür zu, sonst wollen die Nachbarn auch noch mitessen.
Eines ist wichtig. Nach dem Essen Zähneputzen. Es macht auch tierisch Spaß.
Als erstes den Wasserhahn aufdrehen. Danach die Zahnpastatube im Mund ausdrücken. Au! Scharf! Aber gut. Dann die Elektrozahnbürste nehmen, und im Mund damit kleine Kreise drehen. Nicht spektakulär? Dann versucht mal ‚nothing else matters' von den ‚metallicer'n' in diesem Zustand zu grölen. Ein wahrer Segen wie bunt der Spiegel davon wird. Mann kann ja später wieder draufspucken, damit er sauber wird. So, das war's. Fertig. Waschen muss ich mich noch nicht. Das tat ich erst letzte Woche. Und wenn da einer meint dass ich stinke, so kann ich nur sagen: Riech halt woanders hin!
Ein weiteres Teil in der Wohnung ist meine E-Gitarre. Sie zu quälen macht mir Riesenspaß. Diese atonalen Laute sind eine reine Wonne für mein Gehör.
Am meisten gefällt mir, wenn wir um die Wette heulen. Ich heule, und meine Gitarre mit mir. Irgendwann kommt was kommen muss. Sie kann höher jaulen wie ich. Wenn das passiert, dann stell ich sie weg, und schau sie bewusst nicht mehr an.
Konkurrenz in meiner Wohnung dulde ich nicht. Vor allem dann nicht, wenn ich unterlegen bin.
Eines hätte ich doch glatt vergessen. Ein Prunkstück in meiner Wohnung. Mein Computer. Strenggenommen gehört er gar nicht mir, sondern einem Freund namens Wolfgang. Aber warum über Besitz streiten. Was mir gehört, gehört mir, und was jemand anderen gehört, kann mir auch bald gehören. Steht ja nirgends ein Name drauf. Und wenn, kann man den ja abreißen, und seinen eigenen Namen darauf schreiben. Keine schwere Sache, Eigentum eines anderen sein eigenes Eigentum zu nennen. Ich habe mich also auf meinen Drehstuhl gesetzt, und warte, dass mein Freund bootet. Nach dem eine Warnung dastand, wie in etwa: Kein Befehlsinterpreter gefunden, hab ich ihn zornig wieder ausgeschaltet. Hab mich gestern ein wenig darauf herumgespielt. Irgendwann stand da: Wollen sie wirklich ihre Festplatte löschen? Natürlich hab ich auf ‚ja' gedrückt. Wie kann ich wissen, dass der Computer so naiv ist, und das tatsächlich glaubt. Da werde ich Wolfgang aber was erzählen. Gibt der mir doch einen Computer, der nicht weiß, was er will.
Wo soll das noch hinführen? Menschen die denken? Soweit kommt's noch.
Das Fernsehen denkt für mich. Und ich denke, was das Fernsehen denkt. Die Leute vom Fernsehen kennen sich aus, und ich somit auch.
So, dann wären da noch der Fernseher, eine Waschmaschine, ein Kleiderschrank.
Und.... nein, ich nerve dich nicht damit!

Im Einkaufszentrum
Mein Vorrat an Baguette ist alle. Das bedeutet, dass ich dringend wieder für Nachschub sorgen muss. Man hat ja sonst nichts im Leben. Baguette mein ein und alles, und die Mikrowelle - am besten ohne Gewerkschaft.
Für diesen Zweck begebe ich mich meistens ins Einkaufszentrum, direkt bei uns um die Ecke. Wenn du willst kannst du ja mitkommen. Ich weiß, dass ich dich vorher erst rausgeschmissen habe. Aber du kannst mir nichts vormachen, immerhin bist du ja noch immer da. Somit kannst du auch mitkommen.
So, die Schuhe muss ich noch anziehen und dann kann's auch schon losgehen.
Verdammt wo hab ich schon wieder die Schlüssel hingelegt? Aua! In den Schuhen sind sie. Wo sollen sie auch sonst sein. Gut, dann gehen wir. Die Türe lasse ich offen. Vielleicht legt ja wer was rein. Oder sie stehlen meinen Computer, dann muss mir Wolfgang einen neuen geben - wäre ja auch nicht gerade verkehrt.
Unterwegs klingeln wir bei Frau Hubermayr, die freut sich immer so, wenn sie jemand besuchen kommt. Aber sobald ich angeläutet hab, müssen wir uns schnell verstecken, denn ansonsten müssen wir bei ihr diesen ekligen Kinderkaffee trinken. Pfui! Und da sind wir auch schon. Bereit? Gut! Ich läute jetzt. drrrrrrriiiiiinnnnng
Ich hör sie schon kommen, diese 50 jährige Jungfrau. He! Versteck dich!
Zu spät. Dann gehst du halt Kaffe trinken und ich geh einkaufen. Ciao und bleib anständig. Die Strasse wäre überquert und ich begebe mich direkt ins Land der Träume. Überall sind so tolle Dinge und ich kann mich nicht satt sehen. Wo sind meine Baguettes? Ach egal, ich schau mich lieber mal in der Elektroabteilung um.
Wow! Nicht zu fassen, was die Leute alles liegen lassen. Fernseher, Stereoanlagen, und auch noch anderen technischen Krimskrams. Und unverschämt wie sie sind lassen sie auch noch ein Preisschild daran hängen. Vielleicht soll ich von da mal einen Computer mitnehmen. Wenn sonst keiner einen haben will... Immerhin sehe ich da laufend Männer in Anzügen herumlaufen, die ständig neue hinstellen. Das sind dann diejenigen, welche diese Preisschilder raufkleben. Gut, das werde ich jetzt machen. Schauen wir als erstes welchen ich nehmen soll. Anbei wie war der Kaffe? Grauslich, oder? Denn da, den nehme ich. Der sieht toll aus, und hat genügend Speicher. Hilf mir mal. Danke, du bist mir eine große Hilfe. Du tust ja gerade so, als ob du nicht da wärst. Da kommt ja schon dieser nette Herr, der den Computer da hingestellt hat. Jetzt schaut er aber gar nicht mehr so freundlich. Warum nur? Er meint, ich könnte den PC nicht einfach so mitnehmen. Was glaubt der denn? Das ich ihn bezahle? Nein, nicht mit mir. Soll er sich doch einen Idioten suchen, der ihm den Blechtrottel abkauft. Die Leute stellen was her und wundern sich dann darüber, dass es jemand mitnehmen will. Sollen Sie's doch zu Hause stehen lassen, wenn sie's nicht hergeben wollen.
Jetzt schaut der auch noch so dumm aus der Wäsche! Dabei hab ich ihm nur gesagt, dass er sich seinen Computer sonst wo hin stecken kann. Was kann ich dafür, wenn der Typ gleich so pervers denkt? War doch nicht meine Schuld, oder?
Gehen wir. Der Laden ist mir schon wieder unsympathisch. Und jedes Mal das Gleiche. So, jetzt gehen wir Baguettes kaufen. Die zahl ich dann auch gerne, weil mir die Verkäuferin so gut gefällt. Und... oh Mann, hast du die gesehen? Geil! So eine Wahnsinnsbraut rennt sich garantiert auch nicht die Nase an, wenn sie gegen die Wand läuft. Entschuldige mich mal. Wir haben etwas an einem stillen Örtchen zu erledigen. Ein langersehntes Rendevouz. Ich und... - das geht dich gar nichts an. Toll, und schon fertig. Jetzt tut mir aber die Hand weh. Verflixt. Am besten du hältst das Baguette. Super! Du Idiot, jetzt hast du die Schachtel fallengelassen. Auf dich ist auch überhaupt kein Verlass.
Ok, und ab zur Kasse. Da! Hast du das gesehen? Die Verkäuferin lächelt mir zu.
Nein! Sie hat was zwischen den Zähnen. So, jetzt lächle ich auch, hoffentlich denkt sie nicht dass ich was zwischen den Zähnen habe. Denn dann hätte ich vollkommen umsonst ‚nothing else matters' gesungen. Sie merkt es nicht. Ok, dann eben das nächste Mal.

Arbeitsplatz
Genaugenommen bin ich jetzt einundzwanzig. Die Tage habe ich zwar nicht einzeln gezählt, aber es dürfte stimmen. Natürlich habe ich bereits einige Jobs hinter mir. Gelernt habe ich nichts. Nichts in der Schule, und auch nicht in den Jobs. Außer, dass man selber schauen muss, wo's lang geht.
Derzeit bin ich in einem Lager, und staple per Hand Kisten von einem Regal ins andere, oder auf einen Laster. Vielleicht wirkt es nicht herausragend, aber ich bin zufrieden damit. Da heute Montag ist, sollte ich diesen Ort namens Arbeitsplatz wieder aufsuchen. Du kannst mir ja helfen, wenn du schon da bist.
Die Kisten sind zum Teil ganz schön schwer. Gefrühstückt hab ich schon, die Schlüssel sind noch immer in meinem Geheimversteck. Aua! An das Rausnehmen sollte ich allerdings vorher denken. Bei Frau Hubermayr läuten wir heute nicht an.
Bin noch viel zu müde. Und wenn ich sie im Morgenmantel sehen müsste, würde mir schlecht werden. Nein danke. Achselkontrolle. Es stinkt zum Himmel. Passt. Gehen wir. Verdammt, lass die Tür offen.
Da sind wir also. Die Firma Greidl & Co GmbH ist mein Arbeitsplatz. Wenn ich so heißen würde, würde ich mich umtaufen lassen. Eigentlich ist der Besitzer ein recht netter Typ. Er schaut nur zu oft ins Glas, und findet dort nicht dass was er sucht.
Kein Wunder, bei einer solch hässlichen Alten, würde ich auch zu trinken anfangen.
Da kommt auch schon Wolfgang. Er ist nicht nur mein Freund, sondern auch ein Arbeitskollege. Mit kurzen Worten erklär ich ihm, dass mein PC nicht funktioniert.
Er meint darauf nur, dass auf mich kein Verlass sei. Typisch. Immer die Schuld auf die anderen schieben. Das sind Freunde. Aber ich kenn ihn lang genug, und bin ihm deshalb nicht sauer. Der Vertriebsleiter ist auch gerade angekommen. Ein kleiner Wichtigtuer, und sein Auto ist genauso dick wie er selbst. Eigentlich bräuchte er ein Größeres, damit ihm die Naht am Hinterteil nicht immer reißt beim Aussteigen.
Um seine Anstellung beneide ich ihn nicht gerade. Immer dasselbe. Aus dem Auto aussteigen, die hässliche Sekretärin bezirzen, beim Chef einschleimen, die Hose vom Boten zum Schneider bringen lassen, und jeden Tag im Schnitt zwei Kunden in den Arsch kriechen. Und eine Tonne Fressalien wiederkäuen.
Nein, dieses Leben wäre mir zu langweilig, und abgesehen davon zu kalorienhaltig.
Da lob ich mir meine Baguettediät, die hält und wirkt. Mahlzeit.
Auf einem Schild steht: Der Genuss von alkoholischen Getränken ist absolut verboten! Ich bin kein Alkoholtrinker und dieser Spruch nötigt mich immer wieder aufs neue eine Flasche Bier zu trinken. Ich genieße alkoholische Getränke absolut nicht.
Komische Firmenphilosophie. Man wird doch davon trotzdem betrunken. So gesehen, bin ich der einzige der sich an diese Regel hält. Die anderen bleiben widerrechtlich alle nüchtern. Eigentlich könnte ich zum Chef petzen gehen, doch das tue ich nicht, das wäre unkameradschaftlich.
Nach der Mittagspause muss ich zu diesem Wichtigtuer. Ich armes Schwein, welches eigentlich er ist und gerade isst. Es ist ein wenig verkocht und hat dadurch eine etwas dunklere Farbe angenommen. Seine Mittagspause hat erst vor einer Stunde angefangen, und wie es aussieht wird sie noch weitere zwei Stunden dauern.
Bei vollem Mund sagt er mir, dass fünf Kisten falsch gelagert seien, und unbedingt Korrektur nötig wäre. Wäh! Dieses Ferkel spuckt auch noch! Ich mache ihn auf seine lamaartige Esskultur aufmerksam. Da wird er purpurrot wie das Schwein, das er gerade verspeist. Welch ein Anblick. Für einen Augenblick weiß ich nicht, wer wer ist.
Ach ja, das Schwein mit Armani-Anzug. Unglaublich, dass es solche Grössen gibt. Und es spricht: "Passen's auf was Sie sagen, denn..." - der Rest bleibt ihm buchstäblich im Hals stecken, denn soeben kommt die Sekretärin herein, die er zu bezirzen pflegt. Da will er natürlich nur gut dastehen.
So spricht er: "Wenn sie so nett wären, mein lieber Tom..." Schon besser, mein Schweinchen. Hast dich selbst gehabt. Dann geh ich meiner Aufgabe nach.
Natürlich beauftrage ich Wolfgang mit dieser Lappalie. Der kann das, und ich schau ihm mit Interesse zu.

Disco
Eines der wichtigsten Dinge in meinen Leben ist Beharrlichkeit. Ohne diese Beharrlichkeit gibt es keinen Fortschritt. Keinen im Leben und schon gar keinen bei den Frauen. Um diese Hypothese zu erkunden muss man sich einen Ort aussuchen, um diese Theorie zu untermauern. Was wäre da wohl besser geeignet als eine Disco. Ausgenommen ein Kloster mit geifernden Jungfrauen.
Ich begebe mich also mit Wolfgang, meinem Freund, Computertechniker und Arbeitstier zum Eingang der Disco Plaza. Gleich zu Beginn hält mich vor der Türe in Form eines überzüchteten Rhinozerosses jemand auf.
"Name?!" fordert er scharf auf.
"Tom" erwidere ich wahrheitsgetreu.
"Was willst du hier?!" fordert er noch aufdringlicher.
"Ich will da rein, und du stehst mir im Weg!", antworte ich auch wahrheitsgetreu.
Wolfgang zehrt mich vom Fleischklops weg, der begonnen hat mit dem Fuß zu stampfen und mit den Nüstern zu schnauben. Hinweg in Richtung "Klecks" eine kleinere Disco wo kein Türsteher obweilte.
Wir gehen hinein, und sofort hallt uns ohrenbetäubende Musik entgegen. Ich bekomme Sehnsucht nach meiner E-Gitarre, obwohl sie manchmal ungezogen ist. Nach der Musik fällt uns das Gedränge auf, in dem wir uns bereits mitten drin befinden. Wir suchen uns einen leeren Tisch aus, und ich schnippe mit den Fingern so dass Personal antraben soll. Es kommt niemand. Was für ein Service. Somit bleiben wir vorerst im Trockenen sitzen, was man vom Tisch nicht behaupten kann. Aus den Lautsprechern hört man die typische Musik aus der Dose. Der DJ verhält sich nach Überraschungs-Ei - Manier: jedes siebente Wort birgt die Überraschung:
Man versteht es.
Somit ist also Zeit dafür, dass ich mich etwas umsehe. Überall sieht man viele Mädchen und Jungs. Detailliert betrachtet sind es Tussis und Machos. Mann, was für eine Show. Lauter Bodybuilder aus der Plastikbox und Püppchen aus dem Schminkkästchen. Nein, wie süß. - Das ist nicht sarkastisch gemeint.
Denn diese Jungs beziehen sicher ihre Aufbaustoffe aus einem kleinen Plastikböxchen - mein Gott, sie nehmen die Pille - wie pervers!!
Und die Mädels sind garantiert vor ihrem 'Auftritt' in einen Topf Farbe gefallen, den Sie beim Maler um die Ecke um das fünfzigfache billiger bekommen hätten, wenn sie nicht in einem teuren Kosmetikgeschäft eingekauft hätten.
Das war Sarkasmus. ...
Und zugleich die Wahrheit.
Ein paar Gogogirls tanzen auf erhöhten Plattformen. Ihr Blick bedeutet immer dasselbe:
1. Wer will mich?
2. Schau mich nicht an!!
3. Hätte ich doch was Anständiges gelernt.
Nach zehn Minuten Wartezeit schickt sich jemand uns zu bedienen. Mein Gott! Was für eine süße Maus. Schöne blaue Augen, und die anderen Dinge über die ein Mann nicht redet.
Ich nehme allen Mut zusammen und sage: "Verdammt! Ich kann nicht!"
Die Maus sieht mich wissend an.
"Stimmt", sagt sie. "Was möchtet ihr zu trinken?" fügt sie sachgemäß hinzu.
Dienstbewusst wischt sie den Tisch mit einem blauen Tuch ab. Wir bestellen unsere Lieblingsgetränke, und ich tue so, als ob sie mich nicht mehr interessieren würde. Verdammt!
Nachdem der Tag und mein Drink schon längst zur Neige gehen, sinnieren wir drei noch über den Sinn des Lebens.

Arbeitsamt
So wie bei jedem alles im Leben schief gehen kann, geht eben alles schief.
Das ist Fakt, und wenn man es sich einredet, funktioniert es exponentiell.
Nun, eigentlich bin niemand, der alles gerne schwarz malt, jedoch bleibt mir mein Glück auch nicht immer hold.
Ich gehe wie jeden morgen bei Frau Hubermayr vorbei. Natürlich klingle ich nicht, da ich sie ja im nüchternen Zustand nicht ertragen kann. - an ihr vorbei direkt in die Arbeit, wo unser Klugscheißer und Übergewicht von Betriebsleiter den Boden durch sein Vorhandensein beleidigt. Er meint, dass er mich öfters in der Mittagspause betrunken gesehen hat. Ich will Einwände erheben und ihm das Schild erklären, doch dies lässt er erst gar nicht zu. Dies hätte unwiderruflich eine fristlose Kündigung zur Folge. Dann nimmt er mich zu sich - anbei: unter seinen Schultern stinkt es noch mehr wie unter meinen; wahrscheinlich hat er deshalb keine Chance bei der Sekretärin. - und meint: ‚außerdem hab ich sie sowieso nie leiden können.' Dann lässt mich der Stinker wieder los.
Ich soll also bei der Frau "Chefsekretärin", wie er sie immer nannte" mein Kündigungsschreiben unterzeichnen und dann sofort von dannen ziehen. Wolfgang stand etwas angewurzelt daneben und will mir gegenüber loyale Einwände erheben, doch der Fettsack schüchtert ihn wohl mit seiner Korpulenz ein.
Alsbald gehe ich also zur "blonden Tussi", so wie ich sie immer nenne, und unterschreibe meine Kündigung.
Dann gehe ich etwas angewidert vom Achselgestank nach Hause.
Nachdem ich meine E-Gitarre zwei Stunden lang gequält habe beginne ich nachzudenken.
Etwas, dass ich im Normalfall nur einmal im Jahr tue. Zu Silvester, wo die Familie eins wird.
Für mich gibt es keine Familie. Wir wurden nie eins.
So saß ich also auf meiner Wohnzimmercouch und warte auf Einigkeit die nie eintreffen wird.
Weder im Bezug auf meine Familie noch im Einklang mit mir selbst.
Ich kann Ziele erreichen, jedoch weiß ich gar nicht welche.
Keine Ziele - kein erreichen!
Mein Gott, ich muss mich duschen.
Sofort am nächsten Tag in aller Frühe mache ich mich auf den Weg zum Arbeitsamt. Seit einigen Jahren heißt es Arbeitsmarktservice. Von Service kann ich weit und breit nichts entdecken. Wo ist der rote Teppich, wo der Butler der sich höflichst danach erkundigt, was ich zu trinken wünsche. Etwas verdrießlich stelle ich fest, dass erst um neun Uhr Einlass gewährt wird. So stehe ich etwas gelangweilt auf dem Bürgersteig herum. Es dauert nicht lange und ein junger Mann, so ungefähr in meinem Alter kommt auf mich zu. Ich ignoriere ihn. Nach Reden ist mir derzeit nicht zumute. Natürlich geht er nicht vorbei. Eben einer dieser Menschen, die vor Freude zu hecheln anfangen, wenn sie bemerken, dass sie nicht alleine auf der Welt sind.
Er stellt sich kurz vor und beginnt mir seine Lebensgeschichte zu erzählen. Über Familie, Heim, Kinder, Arbeit, blablabla, seine Tanten, seine Onkeln und all das Zeugs was ihm sonst noch so im Leben über den Weg gelaufen war. Ich höre ihm aufmerksam zu. Derweil er quasselt denke ich darüber nach, wie lange ich schon nicht mehr ferngesehen habe. Nach dem fünfundsechzigsten aufmerksamen "Mhm" komme ich darauf, dass es wahrscheinlich schon zehn zuviel sind. Weit und breit war von diesem Typen nichts mehr zu sehen. Unhöflich nennt man so was! Aber dafür war mir eingefallen, dass übermorgen wieder eine meiner Lieblingssendungen läuft. Etwas Gutes hatte die Quasselstrippe an sich; die Zeit war vergangen. Na wenigstens etwas.
Ich trete durch eine Schiebetür ein. Sofort gehe ich zu diesem Mann, der offenkundig ein Portier sein muss. Er sieht mich griesgrämig an und raunt:
"Was wollen Sie?".
Den Mann habe ich natürlich sofort ins Herz geschlossen. So direkt und ungepflegt wie er war, will ich ihn schon fast Papa nennen.
"Mein Name ist Tom!" teile ich ihm mit.
"Und?" forschte er weiter.
Einen Moment lang war ich verunsichert, denn ich dachte der Mann würde mir sofort alles sagen und zeigen können, vielleicht einen Rundgang anbieten.
"Ich bin seit gestern Arbeitslos und möchte Geld sehen!"
Ich hoffe durch meine Direktheit, die mir an ihm so gut gefällt Eindruck zu schinden. Das ist natürlich nicht der Fall.
"Sie glauben wohl, dass geht alles ganz einfach, was?!" fragt er herausfordernd.
"Ja" erwidere ich, ohne mir darüber den Kopf zu zerbrechen.
"Gut ich sag ihnen wie hier der Hase läuft" schnaubt er.
"Als erstes müssen sie ihr Geburtsdatum wissen. Dort vorne" er deutet mit den Fingern gerade aus "befindet sich ein Informationsblatt. Dort sehen sie welcher Geburtstag, welchem aaadministraatiiiiven Berater zugeordnet ist. Und jetzt stören sie mich nicht länger, ich habe zu tun wie sie sehen!"
Ich sehe nicht was er tut, oder ob er überhaupt etwas tut. Ich drehe mich um und klatsche frohgemut in die Hände. Hinter mir höre ich ein "Mist!".
In der Früh schon nette Menschen und ich bin bereits im Bilde wie der Laden hier läuft. Im dahinschlendern mache ich noch mal einen Blick zurück, wo der Portier sich verärgert den Kaffee aus dem Hemd wischt. Vielleicht hat er auch geklatscht.
Es ist nicht weiter schwer herauszufinden welchem aaadminwarratiiiven (ist ja auch ein schwieriges Wort) Berater ich zugeordnet bin.
Für mich ist Frau Mayrhofer vom fünften Stock zuständig, Zimmer 512. So! Auf zum Lift. Beim Einsteigen bemerke ich, dass er ziemlich eng ist. Kaum Platz für zwei oder drei Personen. Wie es nicht anders kommen kann sind wir zu fünft bis ich oben angekommen bin. Und überall sind diese Ausdünstungen. Eklig! Ich glaub ich bin krank. Oben angekommen, gehe ich schnurstracks zur Tür mit der erforderlichen Nummer, drückte die Schnalle runter und gehe rein. Sehr unhöflich werde ich darum gebeten wieder auszutreten, dabei muss ich gar nicht.
Widerwillig gehe ich dann doch. Die Toilettenfrau hat anscheinend seit zwei Monaten Urlaub. Nachdem ich fertig bin mit meinem Austritt setzte ich mich auf einen der Sessel anno 1957. Vor der Türe warten Leute um danach ein- oder auszutreten. Am Sessel halte ich es allerdings nicht lange aus, und ich beginne im Gang auf und abzugehen. Nach einiger Zeit des Marschierens bemerke ich einen Computer auf der Seite stehen. Mein erster Gedanke ist ihn mitzunehmen, da meiner ja durch Kaputtsein glänzte. Nachdem ich mir zweimal fast das Kreuz veriss, lasse ich ihn stehen und sehe ihn mir genauer an. Wo ist nur die Tastatur geblieben. Irgendwo lese ich dann, dass man auf das gewünschte Symbol mit dem Finger tippen muss. Das tue ich auch. Hier gefällt es mir nicht. Ich tippe Ausgang.
Der Computer rumort. Nichtsdestotrotz bin ich immer noch im Arbeitsamt. So ein Betrug. Der Bildschirm zeigt anscheinend das Hauptmenü. Danach versuche ich verzweifelt irgendwelche tollen Spiele darauf zu finden. Alles was ich finde, sind irgendwelche Stellenanzeigen von Firmen die ich nicht kenne, und die mich auch nicht interessieren. Eine Zeitlang später habe ich es aufgegeben. Außerdem ist es auch noch eine verdammt beschissene Grafik. Nach dieser Feststellung drehe ich mich um. Zum Glück sehe ich niemanden mehr vor der Türe warten.
Ich trete ein und zu meiner Zufriedenheit, werde ich diesmal nicht wieder auf die Toilette geschickt. Die Dame vor mir bittet mich Platz zu nehmen. Das tue ich auch.
Frau Mayrhofer gehört zu dieser Gattung, welche als Kind immer brav und artig bei Oma waren, und anderen Kindern das gefährliche Spielzeug entrissen, damit sie sich nicht verletzten. Ihrem Blick nach zu urteilen, spielte sie nicht selbst damit, sondern suchte sich eine für sie autoritär befindliche Aufsichtsperson um zu petzen.
"Mein Name ist Tom!" fing ich an.
"Tom?" fragte sie. "War das ihr Vor- oder Nachname?"
"Alle nennen mich so" erwiderte ich.
"Haben Sie auch noch einen anderen Namen als Tom?"
Ich sagte ihr den anderen Namen, der zu Hause auf meinen Dokumenten prangte. Danach will sie mein Geburtsdatum wissen. Und dazu hab ich nur eines zu sagen. Ich bin da sehr empfindlich. Das geht niemanden etwas an. Nachdem ich ein oder zwei Minuten mit ihr darüber streite, findet sie mich schließlich in ihrem heiligsten Heiligtum. Der PC wirft meine Daten aus. Neugierig will ich schauen, ob da Dinge von mir stehen die ich noch gar nicht weiß. Zum Beispiel ob ich meine Baguetteliste einmal nicht richtig ausgefüllt habe, oder ob Wolfgang sauer auf mich ist, weil ich meinen Computer auf der sein Name stand ruiniert habe. Wie schon gesagt: Es ist ihr heiligstes Heiligtum. Sie gewährt mir keinen Blick darauf.
"Was wollen Sie jetzt machen?" fragt sie herausfordernd.
Ich antworte ihr darauf, dass ich wegen des Geldes gekommen bin, und nicht um mit ihr zu schwatzen. Etwas angewidert gibt sie mir dann ein Formular für die Anmeldung meines Geldes. Lang und breit erklärt sie mir, dass alles nur in Grossbuchstaben auszufüllen sei.
"Mein Geburtsdatum auch?" frage ich höflich.
In diesem Moment wird ihr Gesichtsausdruck unbeschreiblich. Am Nähesten käme die Beschreibung Tomate mit Wutanfall.
"Nein ihr Geburtsdatum nicht!" zischt sie.
"Gut dann lass ich das aus."
"Nein das müssen sie ausfüllen!!"
"Sie meinten doch gerade, das Geburtsdatum nicht!?"
"Sie sollen das Geburtsdatum nicht in Grossbuchstaben ausfüllen!"
"Gerade vorher soll ich aber noch alles in Grossbuchstaben ausfüllen"
Ich warte darauf, ob die Tomate wie eine Rakete starten würde. Gegen alle Regeln der Physik bleibt sie am Boden, noch immer rot. Also ein absoluter Fehlstart.
Nachdem ich ihr mitteile, dass ich Daten über meine Familie nicht ausfüllen würde, da sie mich nicht interessiert, und sie nicht zu interessieren hat, war sie kurz vorm Explodieren. Beim Hinausgehen sagt sie mir, dass das Geld immer am siebenten des Monats kommen würde, und dass ich den Wisch, sie sagt "Formular" dazu, spätestens in zwei Wochen abgeben soll. Ich will nicht dabei sein, wenn sie detoniert. Soll doch wer anderer den Dreck aufräumen. Der Portier wäre eine gute Idee. Immerhin hat er schon Übung darin.

Zu Besuch bei Wolfgang
Eines muss man Wolfgang lassen. Sein Sinn für Ordnung ist unübertrefflich.
Selbst die Kleidung hängt in ihrem Schrank. Gebügelt und sauber.
Soviel Ordnung muss nicht unbedingt sein, aber vorwerfen tue ich ihm das nicht.
Heute soll ich ihm einen Besuch abstatten. Wir hatten uns ausgemacht über den kaputten Computer der bei mir zu Hause steht zu reden. Selbstverständlich darfst du dabei auch mitkommen. Wird dich sicher interessieren wie es bei ihm aussieht. Du weißt ja wo die Schlüssel sind. Du kannst ihn gleich ins Türschloss stecken. Aua! Auf dich ist wirklich kein Verlass. Typisch! Immer muss ich alles selber machen. So, komm jetzt, wir sind schon spät dran. Wolfgang wird ansonsten wieder sauer wenn ich zu spät komme. Pünktlichkeit ist auch etwas, dass ihm sehr am Herzen liegt, und ich will meinen besten und einzigen Freund nicht enttäuschen. Vergiss Frau Hubermayr, dafür haben wir heute keine Zeit. Zum Glück wohnt Wolfgang gleich in der Nähe, nur zweimal nach links abbiegen. Da sind wir auch schon. Warte ich muss mal anklingeln.
"Tom bist du das?" kommt es soeben aus dem Lautsprecher.
"Ja, lass mich rein es ist saukalt!" erkläre ich ihm.
Der Winter hat überhaupt einige sehr unangenehme Eigenschaften. Er ist kalt und... eigentlich war's das schon. Denn zu gerne veranstalte ich kleine Schneeballschlachten. Mein größter Freund in diesem Spiel ist der Schneepflug, den der ist in der Lage mich ordentlich von oben bis unten schmutzig zu machen. Und vor lauter Jux werfe ich ihm dann ein paar Schneebälle nach. Der Fahrer winkt dann immer fröhlich aus dem Führerhaus heraus und meint ich soll verdammt noch mal wo anders spielen gehen.
So, die Tür ist offen. Wolfgang wohnt im dritten Stock und natürlich gibt es hier keinen Lift. Dieses Treppensteigen ist viel zu viel Sport für mich. Da muss ich mich ja gleich noch Duschen gehen danach. Nein danke! So, geschafft! Prinzipiell klopfe ich anstatt zu klingeln, wenn ich vor der Wohnungstüre stehe. Sofort als Wolfgang aufmacht, bemerke ich etwas, das mich jedes Mal stört. Er hat überall Plastiküberzüge ausgelegt, damit kein Schmutz auf die Teppiche kommt. Nebenbei wurden auch sämtliche anderen Dinge mit Planen versehen. Als ob ich so ein Schmutzfink wäre. Wolfgang mein bester Freund also. Nachdem wir die Begrüßung mit einem Handschlag besiegelt hatten gehe ich rein. Selbstverständlich hinterlasse ich deutliche Spuren auf den Überzügen. Wenn ich schon mal da bin, muss es auch offensichtlich sein. Warum er den Teppich wegen mir abdeckt ist mir schleierhaft.
Ich als sein bester Freund. Höflich wie ich bin, rede ich ihn deswegen nicht an.
"Was machen wir jetzt mit meinem Computer?" frage ich ihn.
"Deinem Computer?" fragt er mich.
"Meinem Computer!" bestätige ich.
"Meinem Computer!!" stellt er fest.
Ich schau ihn an, und kann es nicht glauben. Wir, die wir uns schon seit der Schulzeit kennen. Ich, der immer bei ihm bei den Schularbeiten abgeschrieben habe und ihn nicht verpfiff. Er, der mir alles leiht und nie zurückbekommt -
Streitet mit mir über Besitztümer. Absolut lächerlich so was.
"Ich werde ihn mir ansehen, wenn du ihn nächstes mal mitnimmst" sagt er dann.
Tom: "Genauso hab ich es mir vorgestellt"
Wolfgang: "Was?"
Tom: "Dass du wegen mir wieder alles abdeckst!"
Wolfgang: "Du weißt doch selbst was du für ein Schmutzfink bist, Tom!"
Tom: "Na und, du musst ja nicht mit dir selbst wohnen, so wie ich"
Wolfgang: "Doch das muss ich, ich bin ja da"
Tom: "Aber ich bin nicht bei mir!"
Wolfgang: "Nein, dafür bist du jetzt da und machst Saustall!"
Tom: "Wo?"
Wolfgang: "Dreh dich um!"
Mir fiel nichts Besonderes auf, außer dass der Schmutz, der sich in drei Zentimeter hohen Furchen hinter mir herzieht, noch nass ist. Er würde bestimmt bald trocknen.
Wolfgang betrachtet die braune schleimige Masse verärgert und zuversichtlich zugleich. Nichts würde auf den guten Teppich durchgehen. Tom ist schließlich nicht ätzend.
Na ja, vielleicht doch. Aber das würde den Teppich nicht ruinieren. Er würde Tom Tee anbieten und selbstgemachte Suppe und Pizza, den sonst würde er nie etwas anständiges essen. Immerhin ist Tom bereits einundzwanzig und hat vom Leben so gut wie keine Ahnung. Schlimmer noch, er lebt in seiner eigenen kleinen Welt,
hat absurde Regeln, die nur für ihn gelten und ihn des Öfteren in obskure Situationen bringen. Manchmal ist es Wolfgang schleierhaft wie Tom auf diese Weise überhaupt überleben kann.
Bei Wolfgang gibt es Pizza und vorher eine Suppe. Weiß er denn nicht wie gut Baguettes sind? Aber ich bin nicht so. Wenn er meint das sei gut, dann mein ich es auch. Wolfgang vertraue ich fast mehr als dem Fernsehen, obwohl ich schon lange nichts mehr gesehen habe.

Bankprobleme
Drei Wochen nachdem ich mich beim Arbeitsamt gemeldet habe, und eine Woche nachdem ich den Wisch beim selben abgab, kommt ein Brief von meiner Bank, dass sie nicht mehr in der Lage wären meine fälligen Rechnungen zu zahlen. Da stellt sich mir sofort eine Frage: Warum nicht in der Lage?
Ich dachte immer Banken hätten viel Geld. Deshalb vertraue ich es ihr an.
Wenn die Bank nicht fähig ist meine Rechnungen zu zahlen, wer dann?
Wolfgang? Gute Idee! Aber er jammert auch immer er hätte kein Geld. Mist!
Bleibt also wieder alles an mir hängen. Wirklich - so ein verdammter Mist. Immer muss ich mich um meine Angelegenheiten kümmern. Wieso kann sich nicht jemand anderes um das kümmern. Als ob ich nicht schon genug zu tun hätte.
Na gut, so ist es halt im Leben. Wenn man nicht alles selber macht, dann macht es niemand.
Nachdem ich für diesen Monat das dreizehnte Baguette verspeist habe, mache ich mich auf den Weg zu meiner Hausbank. B&Z heißt sie. Anbei wie jede Bank eine Aktiengesellschaft. Das Ambiente gefällt mir wesentlich besser als am Arbeitsmarktservice. Alles sieht sehr nobel aus, und die Putzfrau hat wahrscheinlich nie Urlaub. Es hat sich einiges geändert seit ich das letzte mal da war. Das war vor ungefähr fünf Jahren, als ich mein erstes Konto eröffnet habe.
Wesentlich mehr Computer stehen an ihren Plätzen. Jetzt hat jeder Mitarbeiter einen. Letztes Mal gab es lediglich einen Zentralrechner um den sich alle stritten um die Gunst des Kunden besser erwerben zu können. Saubere Anzüge bei den Männern und verschlossene Kleidung bei den Damen. Meist schwarz oder rot gehalten bei den zweiten. Nachdem ich mir genügend Einblick verschafft habe, gehe ich zum nächstbesten Schalter. "Hallo, mein Name ist Tom" beginne ich. Der Bankier gibt mir ein Zeichen, dass er zu tun hat. Wenigstens bittet er mich nicht darum auszutreten.
Ich bleibe einfach stehen, und schaue ihm interessiert bei der Arbeit zu. Kurze Zeit später ist es ihm zu unangenehm und er drehe sich um und lächelt sein perfektes
Zahnarztlächeln. "Herr Tom, was kann ich für sie tun?" fragte er.
"Nur Tom", sage ich sachlich, und fühlte mich wie James Bond.
"Gut Tom, was kann ich für Sie tun?"
Ich gebe ihm den Zettel, auf dem deren Inkompetenz festgehalten wird.
Er beachtete ihn kurz. Auf einem Schild am Schreibtisch lese ich Günther Coverak.
"Ich werde kurz ihr Konto prüfen." Fast neige ich dazu zu sagen ‚Tun sie das, bitte tun sie das'. In gewissen Gesellschaften fühle ich mich nahezu verpflichtet mein Verhalten zu ändern. Außerdem war ich frisch geduscht. Neben ein paar Katzenwäschen, dusche ich einmal alle drei Wochen. Doch ich widerstand der Versuchung und blieb einfach still. Der Mann mit Zahnarztlächeln suchte meine Daten am Computer und im Gegensatz zum Arbeitsamt lässt er mich diese einsehen.
Ich muss gestehen, dass er es auch nicht machen müssen hätte, denn ich verstand kein Wort und keine Zahl von dem was am Bildschirm stand, außer dass das Endergebnis eine kaum euphorisch klingende Summe meldete.
"Sieht nicht gut aus" meint die Krawatte.
"Das sehe ich, kaufen sie sich doch eine andere Grafikkarte"
"Ich meine ihren Kontostand, da schaut es ziemlich düster aus."
"Ich kauf mir eine Taschenlampe" was sonst soll ich auf diese theatralische Aussage meinen.
"Spaß beiseite, woher beziehen sie derzeit ihr Geld?"
"Momentan bin ich arbeitslos und kriege es direkt vom Arbeitsamt."
"Wie viel bekommen Sie da etwa im Monat?"
"Ich weiß nicht, ich warte auf meinen ersten Auszug."
"Wann soll den das erste Gehalt vom Arbeitsamt eintreffen?"
"Die Tante meint am siebten jeden Monat."
"Tante?"
"Vergessen Sie's"
"Heute ist der neunte", er deutet auf den Kalender der neben ihm am Schreibtisch steht. "und es ist noch nichts da!"
Ich bin keinen Moment überrascht.
"Keine Ahnung, was da los ist, muss ich gestehen"
"Ist wohl besser ich mach Krawall dort."
"Aber nicht zu wild, nicht dass sie Ihnen dann kein Geld mehr geben"
Mir wird ganz warm ums Herz, soviel Mitgefühl hätte ich von einer Bank, auch wenn sie meine Rechnungen nicht zahlen kann, nicht erwartet.
"In Ordnung ich werde fromm wie ein Lamm sein!"
Nach einer kurzen Verabschiedung gehe ich wieder nach Hause.
Ich muss Wolfgang anpumpen, ob es ihm passt oder nicht.

Kleine süße Maus
Es ist wieder an der Zeit etwas zu unternehmen, ein wenig rauszukommen.
Zuhause halte ich es nicht mehr sonderlich aus, denn alles geht mir über den
Kopf hinaus. Ich sollte wieder ein wenig Ordnung machen. Keine Ahnung, warum ich jetzt so denke. Vielleicht bin ich aber nur so drauf, weil Wolfgang momentan auch nicht flüssig ist, und ich sozusagen dastehe wie ein Pfarrer ohne Gemeinde. Kein Geld, kein Leben. Doch etwas raus und unter Leute kommen, ist für mich unumgänglich, da ich Zuhause nicht versauern will. Kurzerhand rufe ich Wolfgang an, der mir sofort sagt ich soll nicht fortgehen, weil ich kein Geld habe. Schöner Freund. Für ein zwei Drinks muss immer Geld da sein, sonst kann man gleich unter der Brücke schlafen, und poetische Konversation über die Weltentfremdung mit anderen Betrunkenen führen.
Danach ist mir gerade nicht. Das Gespräch mit Wolfgang war kurz. Heraus kam, dass er nicht mitkommen will, weil er auch sparen muss. Na gut, dann geh ich eben allein. Gesagt, getan. Schuhe muss ich noch anz... Aua! Immer dasselbe Lied.
Dann kann's auch schon losgehen. In die Nobeldisco will ich heute sowieso nicht- kein Geld, und auch keine Lust mir mittelschwerverdienende Machos anzuschauen.
Lieber schau ich wieder ins Klecks wo diese süße Maus von Kellnerin serviert. Vielleicht ist sie ja heute wieder anzutreffen.
Wir sind da. Du und ich! Wenigstens geht jemand mit mir dorthin, dass ich nicht ganz allein bin. Gott sei Dank müssen wir keinen Eintritt zahlen, ansonsten wäre mein Geld schon futsch. Da drüben ist ein Platz frei. Heute ist es überhaupt ruhig.
Ansonsten sind im Klecks Leute bis zum Umfallen. Oder anders, du kannst ansonsten im Klecks gar nicht umfallen. Setz dich! Und da kommt auch schon die Bedienung. Schade, mein Liebling ist doch nicht da. Gut, ich bestelle, was du machst ist mir schnuppe. Irgendwie versteht mich die Kellnerin nicht wenn ich zu dir deute.
Warum sagst du eigentlich nie was? Ach vergiss es, sie ist sowie schon weg.
Wir müssen uns sowieso mal unterhalten. Nur wir zwei. Vorrausgesetzt mit dir kann man überhaupt reden. Im Allgemeinen scheinst du ja sehr wortkarg zu sein. Bis jetzt hast du noch nie was gesagt. Nicht einmal vor meinen Schlüsseln in den Schuhen konntest du mich warnen. Loser! Schön, mein Trinken ist bereits da. Trinkgeld gibt's keins. Jetzt muss ich doch mal schauen, ob die kleine süße Maus nicht doch irgendwo hier herinnen ist. Immerhin will ich ja nicht vollkommen umsonst hergekommen sein. Mit dir ist es ja langweilig. Kannst ruhig sitzen bleiben. Ich gehe also schnurstracks dorthin, wo ich sie das erste Mal sah. Moment, das war bei dem Tisch da drüben. Halt mich nicht für blöd, ich weiß selbst dass sie nicht vor dem Tisch dort drüben sein kann. Wo kommt also das ganze Personal her?
Von zu Hause. Na super, ich weiß nicht wo sie zu Hause ist. Und wenn sie in der Arbeit sind dann stehen sie? Hinter dem Tresen. Ja, Tom du hast es wieder einmal voll gerafft. Und ab hinter den Tresen. Ich sehe die Maus nicht. Verflixt. Ich hatte doch alles so gut geplant. Ein Mann scheint ziemlich verwirrt zu sein. Er meint ich hätte hier nichts verloren. Wie recht er hat. Ich habe nichts verloren, ich suche etwas. Anscheinend sprechen er und ich nicht dieselbe Sprache, den er scheint bereits sehr verärgert zu sein. Damit es keine weiteren Sprachprobleme gibt, setze ich mich wieder zu dir, du Langweiler. Ich kann ja den Rest der Gäste zählen. Eins, zwei, drei, komm mach mit, vier, fünf, hey - da ist sie. Sie sitzt dort vorne mit ihrer Freundin. Ich winke ihr zu. Sie schaut her und gleich wieder weg. Mist. Warum kann man es den Frauen nie recht machen? Da redet sie mit ihrer Freundin und würdigt mich kein kleines bisschen. Jetzt schauen sie beide her und lachen. Peinlich.
Man weiß nie, was die zu kichern haben. Extra heute hab ich geduscht obwohl ich noch zehn Tage gut habe. Da! Sie steht auf und kommt her. Ich erspare das Getue um ‚sie ist so wunderschön'. Nein, niemand braucht mir dafür zu danken.
"Du hast mich vorher angeschaut", meint sie.
"Kennst du mich noch?"
"Wie wärs mit: Verdammt ich kann nicht"!?"
"Äh, das stimmt. Willst du dich hinsetzen?"
"Nein, noch nicht. Warum hast du mich angeschaut?"
"Weil ich dich süß finde."
Aua! Derartige Ehrlichkeit tue weh, wenn man sie sagt.
"Machst du jedes Mädchen so an?" will sie wissen.
"Keine Ahnung, darauf hab ich noch nie aufgepasst".
"Du schwindelst!" stellt sie fest, und lächelt. Im Gegensatz zur Verkäuferin im Supermarkt hat sie nichts zwischen den Zähnen.
"Ja", sage ich, denn irgendwie hat sie recht. Jeder Junge weiß wie er normalerweise Mädchen anquatscht. Doch bei mir war alles wie weggeflogen.
Eigentlich will ich es ihr sagen, dass ich im Tiefenrausch meiner Gefühle bin, dann lasse ich den Gedanken wieder fallen. Es würde sich einfach zu blöd anhören,
ja, du hast recht, aber bei dir weiß ich nicht was ich sonst sagen soll.
Also lasse ich es. Mein Gott, Mädchen, schau mich noch mal an. Stimmt mit mir was nicht? Normalerweise ist es mir egal, wie eine schaut. Aber hier war die Situation vollkommen anders. Dann tue ich etwas, dass mir fast immer geholfen hat.
"Mein Name ist Tom" sage ich sachlich.
"Katharina" stellt sie sich vor, und gibt mir die Hand. Angenehmer Händedruck, stelle ich fest . Mein Gott, ich bin verweichlicht, fährt es mir durch den Kopf. Zum Glück ist Wolfgang nicht da, der würde glatt behaupten ich sei eine Memme, so etwas muss ich nicht unbedingt haben.
"schöner Name" sage ich schließlich.
"Du nimmst mich auf den Arm, oder?"
"Ja!" sage ich verwirrt und pflichtbewusst. Mir leuchtete ein, dass dies das Ende des Gesprächs bedeutet.
"Ich weiß, du nimmst mich nicht auf den Arm!"
"Wieso weißt du das auf einmal?"
"Intuitiv, vielleicht war es vorher auch nur rein rhetorisch."
"Intuidings und reirgendwas" plappere ich fasziniert wie ein Kind, das gerade das sprechen lernt.
"Ja, genau" sagte sie und sieht mich liebevoll bemutternd an. Dann gibt sie mir noch einen kurzen Kuss auf die Wange und verschwindet wieder zu ihrer Freundin zurück.
So geht es nun wirklich nicht. Ich taumele noch etwas benebelt zu ihr hinüber und fordere mein Recht wie ein Polizist.
"Telefonnummer und Konfektionsgröße bitte!"
Beinahe hätte ich sie dazu aufgefordert aus dem Wagen auszusteigen.
Sie sieht mich bitterböse an und ein leises winselndes "Bitte" bereinigt den Patzer.
Die Telefonnummer hab ich jetzt. Ihre Größen, so sagte sie wortwörtlich, würden mich nichts angehen.

Zurück zum Arbeitsamt
Ich könnte es aufschieben solange ich will, trotzdem muss ich dorthin wo noch nie ein Mensch der seit sechzig Jahren bei der selben Firma arbeitet, gewesen ist.
Zu Frau Mayrhofer. Es bereitet mir Unbehagen, mich wieder mit dieser lustlosen Person auseinanderzusetzen. So gehe ich also am Montag, nachdem Wochenende mit der Maus, zum Arbeitsamt.
Apropos Maus. Bevor ich gehe, versuche ich ihre Nummer zu wählen, niemand hob ab. Sehr schade, denn ich habe mich schon auf ihre Stimme gefreut.
Da ich schon alles im Arbeitsamt kenne, gehe ich zielgerichtet in den fünften Stock. Nur der Portier registriert mich etwas entsetzt, denn er hat gerade einen Becher Kaffee in der Hand. Ohne Umschweife setze ich mich auf einen dieser modrigen Stühle. Ich werde warten, bis alle die vor mir da sind ihren Besuch ableisten, denn derzeit muss ich nicht aufs Klo. Den Computer mit der schlechten Grafik lass ich auch einfach nur das sein was er ist: Mist. Etwas gelangweilt lese ich die Stellenangebote die dort aufliegen. Es dauert nicht allzu lang und die Schlange die sich vor Frau Mayrhofers Tür drängt ist nicht mehr vorhanden. Perfekte Massenabfertigung.
Ich gehe also zu Türnummer 512 und trete ein.
Sofort nachdem ich eintrete, mustert sie mich. Streng von oben bis unten, so als ob ich ein rüpelhaftes und aussätziges Kind wäre. "Bitte setzen sie sich!" sagt sie.
Ich nehme mir den Stuhl, welcher doch um zwanzig Jahre jünger war als die von draußen, und platziere mich. "Warum bekomme ich kein Geld?" frage ich.
"Warum wohl?" Sie hätte jetzt genauso gut sagen können ‚denk mal nach, stell dich in die Ecke'
"Ja, Warum?" wiederhole ich die Frage.
"Reden Sie mir nicht ständig nach!" Ärger hängt schon wieder in der Luft.
"Tu ich doch gar nicht!" Das meine ich auch absolut ehrlich.
Sie hingegen scheint es anders aufzufassen, denn sie dreht sich um zu ihrem allerheiligsten Heiligtum und der elaboriert Daten, welche ich natürlich nicht sehen darf. Ich fühle mich von diesem Verhalten angewidert und wetze auf meinem Stuhl hin und her. Sie kümmert das natürlich nicht, und schaut weiter auf den Bildschirm. "Ich kann Ihnen durchaus sagen, warum sie kein Geld beziehen." Sie macht eine kurze Pause, danach holte sie meinen Wisch mit der Anmeldung hervor. Irgendwie komisch, dass sie den so schnell parat hat.
"Schauen sie sich nur dieses Geschmiere an, das kann man kaum entziffern, außerdem sollten sie alles ausfüllen, die Inhalte über den Verdienst der Familie haben sie vollkommen freigelassen!" Das geht mir zu weit. Ich nehme einen Kugelschreiber vom Tisch und entreiße ihr das Blatt aus der Hand. Ihr Gesichtsausdruck beschreibt eine Mischung aus Verwirrtheit und Ärger.
Kurzerhand streiche ich den Teil den ich freiließ einfach durch. Nun werden ihre Gefühle offensichtlicher. Sie ist verärgert. Und wie! Als erstes nimmt sie mir den Kugelschreiber weg um damit wild in der Luft herumzufuchteln. Eine Orchestergruppe hätte an ihr wahre Freude gehabt, ich weniger.
Danach zog sie ein neues Blatt heraus und wir füllen das Anmeldeformular gemeinsam aus. Nun ist sie zufrieden und ich verärgert. Warum nur, konnte ich es bereits erahnen, dass es so kommen würde? Ich hab kein Gefühl mehr für das was oben oder unten ist, kann mich nirgends halten. Nachdem sie mich genügend mit persönlichen Fragen traktiert hat, ist der Wisch ausgefüllt und fertig zur Weitergabe. Ich bin auch fertig. Fix und fertig. Gleich nach dem Rausgehen versuche ich meine Maus anzurufen, die sie noch gar nicht war. Leider komme ich dort nur auf den Anrufbeantworter. Nachdem ich diesen fünfmal angehorcht habe, geht's mir besser.
Irgendwie zumindest. Nein, nicht wirklich.
Gleich nach dieser Misere bin ich bereit dazu etwas zu tun, das ich ansonsten nie tun würde. Ich gehe spazieren. Das habe ich jetzt auch wirklich notwendig, denn dieses Arbeitsamt hat mir den letzten Nerv geraubt. Schlimmer noch, ich glaube es hat mir den Nerv eingeklemmt. Aber was soll man schon erwarten von einem Institut bei dem selbst der Portier nicht mit dem Kaffee umgehen kann? Nichts. Rein gar nichts.
Ich gehe also gemächlich zu meinem Lieblingspark. Warum es mein Liebling war?
Keine Ahnung. Ich genieße es einfach, dort spazieren zu gehen. Vielleicht auch wegen der Mädchen. Wie schon gesagt: Keine Ahnung. Und jetzt frag nicht dauernd. Wie, du fragst gar nicht? Ähm stimmt. Mist! Ich führe schon wieder Selbstgespräche.
Ist auch egal. Hauptsache, wenigstens du hörst mir zu. Tust du doch, oder?
Ehrlich gesagt ist es bereits sehr lange her, dass ich das letzte Mal an diesem schönen, ruhigen Ort war. Vermutlich sind es jetzt schon einige, ungezählte Jahre.
Aber heute, heute muss es unbedingt sein. Nicht nur wegen dieser unfähigen Bürofrau, sondern auch, weil ein derart schöner Wintertag ist, den man nicht vergeuden sollte. Komm mit, wir setzen uns dort auf die Bank, und lassen uns von der Sonne berieseln. Spürst du es? Die Wärme, das angenehme Kitzeln? Nein es ist ein Käfer! Anscheinend hat es ihm auf meiner Nase gefallen. Tiere töte ich grundsätzlich nicht. Vielleicht muss ich sie ja mal essen wenn was Schlimmes passiert. So, da fliegt mein Mittagessen dahin. Wenn ich's mir recht überlege, habe ich sowie nie Lust Käfer zu verspeisen. Hoffentlich wird es nie dazu kommen.
Es ist an der Zeit Veränderungen vorzunehmen. Welche, weiß ich derzeit noch nicht.
Alles braucht seine Zeit, und ich hab genügend davon. Mir stiehlt sie niemand, außer ich mir. Und das auch nur wenn ich es zulasse. Die Tussi vom Arbeitsamt war wirklich katastrophal. Ich hoffe ich muss sie nie wieder sehen. Nicht dass ich etwas gegen sie hätte, sie ist eben was sie ist. Nicht mehr, dafür aber weniger. Was ist mit dir? Jetzt haben wir ja Zeit zum reden. Du willst schon wieder nicht? Dein Pech. So oft kommt es nicht vor, dass ich reden will. Siehst du den da? Der tut gerade so, als ob ich Selbstgespräche führen würde. "Hey du Penner, du musst mich nicht anschauen, wenn dir was nicht passt!" So geht das, und weg ist er. Natürlich nicht ohne sein dümmstes Argwohngesicht zum Besten zu geben. Hoffentlich macht er das nicht oft. Angeblich bleiben einem häufige Gesichtsausdrücke, und so wie der gerade dreinschaute wird er entweder immer Single bleiben, oder seine Frau sich von ihm früher oder später, nein eher früher, scheiden lassen. Lassen wir das, er kann auch nichts dafür, dass er so scheiße aussieht. Ich werde noch kurz meine ‚noch nicht' Maus anrufen. Warte und halte den Mund derweil. Es läutet, ich bin so aufgeregt…."Hallo Katherina, ich wollte dir nur sagen, dass ich dich süß…. Wer ist da?" Klick. Schon wieder der Anrufbeantworter. Wann ist sie eigentlich erreichbar?
Und danke, dass du ….. na ja, das tatest was du sonst auch immer tust. Schweigen.
Gehen wir wieder nach Hause, bevor ich wieder eine Verunstaltung sehen muss.

Wehrpflicht
Da sind wir also wieder, du und ich - mehr ich als du, in meinem Heim.
Niemand hat etwas hereingestellt, oder weggenommen. Alles beim alten.
Der Briefträger hat die Post vor die Wohnungstür geworfen. Wenigstens hätte er sich um den kaputten Computer von Wolfgang annehmen können. Ich kann's ihm nicht vorwerfen. Vielleicht hat er ihn sogar ausprobiert und musste feststellen, dass er nicht funktioniert. Meinetwegen, dann steht er eben noch ein Weilchen so herum, bis Wolfgang sich bequemt, meinen Computer, auf der sein Name steht, zu reparieren.
So, mal die Post durchschauen. Das mach ich grundsätzlich immer bei offenem Fenster. Was haben wir da? Wollen sie 10 Kilo in 2 Monaten abnehmen. Nein, meine Baguettediät funktioniert bestens. Weg damit. Verführen sie ihr Mädchen mit dem neuen Duft von…. Weg damit. Was soll das? Ich rieche ….so wie ich eben rieche. Bundesministerium für Inneres. Was soll denn das auf einmal sein? Bundesministerium für Inneres? Gibt's da auch was für Außen? Für Inneres, vielleicht was Minister drinnen machen. Äußeres für draußen? Mir doch egal, die können gegen jeden Baum pinkeln so oft sie wollen. Nein, diesen werfe ich nicht aus dem Fenster. Was steht da jetzt?

Sehr geehrter Herr ……!
Sie werden hiermit aufgefordert …. Blablabla….im Dienste der Republik Österreich die fällige Wehrpflicht abzuleisten. Melden sie sich dafür in der hiesigen Kommandantur für weitere Instruktionen.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift unleserlich
Das Bundesheer also. Das passt mir irgendwie gar nicht. Für so einen Blödsinn hab ich jetzt keine Zeit. Und somit hinaus damit. Guten Flug! Schon bald würde ich mehr darüber erfahren, ohne dass ich danach gefragt hätte.
Seit der Benachrichtigung sind nun gut zwei Wochen vergangen. Meine Fast-Maus konnte ich nur einmal kurz erreichen. Dummerweise hatte sie weniger Zeit als ich: Keine.
Mir schoss damals ein, dass sie mich vielleicht gar nicht mögen würde. Aber diesen Gedanken ließ ich sehr schnell wieder fallen. Ich Tom, der … der … na ja, Tom eben. Das muss reichen. Man muss nicht immer alles erklären können.
Ich träume gerade davon, dass Frau Hubermayr mir ihren grässlichen Kinderkaffee anbieten will. Habe geläutet, und bin wohl zu langsam gewesen. Sie kommt immer näher und ich kann ihren Bart über der Oberlippe bereits erkennen. Sie setzt ihr freundliches Omagesicht auf, während sie immer noch metallisch mit dem kleinen Löffel umrührt. Metall? Irgendwie hab ich das Gefühl, als würde ihre Türglocke noch immer läuten. Nein, es ist der Löffel der läutet. Seit wann läutet ein Löffel? frage ich mich. Sie rührt um, und er läutet. Das ist wirklich seltsam. Ein unangenehmes Summen, genau wie bei einer Türglocke. Das Summen hört nicht auf, und Frau Hubermayr das Kaffeerühren nicht. Sie lächelt. Ich nicht. Das Ganze kommt mir immer merkwürdiger vor. Jetzt Drrrrrrringt es auch wenn sich der Löffel gerade
nicht bewegt. Richtig penetrant, als ob jemand ständig und ohne Unterlass, wie ein Wahnsinniger anläuten würde. "Frau Hubermayr es läutet", teile ich ihr mit. "Nein", erwidert sie "es ist jemand an der Tür". Als ob das nicht dasselbe wäre. Frau Hubermayr lächelt jetzt nicht mehr. Ihr Gesicht zeugt von Sorge und Verständnis, sowie von Weisheit. "Es läutet bei dir, mein lieber Thomas". Das war das Signal.
Es läutet bei mir. Schlaftrunken wache ich auf, und sehe auf Wolfgangs, Korrektur; meinen Wecker. Er zeigt gerade 6:30. Also mitten in der Nacht. Ich stand immer mitten in der Nacht auf, wenn ich zur Arbeit musste. Da hätte mich dieser zusätzliche Weckdienst nicht sonderlich gestört. Doch jetzt, wo ich meinen unbezahlten Urlaub zu Hause verbringe, finde ich es eine Frechheit. In den drei Minuten die ich brauchte um ein wenig wach zu werden, beziehungsweise meine Klamotten zu finden, hört es nicht auf. Selbst meine E-Gitarre ist nicht so derart ungezogen. Abgesehen davon, habe ich die Kontrolle über sie. Wutentbrannt öffne ich also die Türe. Vor mir stehen zwei geschniegelte verschreckte Uniformen. Erst bei näherer Betrachtung merke ich, dass auch zwei Menschen, der Gattung Maskulinum, sich darin befinden. "Herr ……?" Er nannte den Namen der nur zu offiziellen Anlässen erwähnt wurde. "Mein Name ist Tom" kläre ich ihn auf. Die größere Uniform mit Menscheninhalt richtet sich etwas gerader auf. "Sie werden hiermit aufgefordert, mir unverzüglich zur Stellungskommandantur zu folgen. Sie haben zehn Minuten Zeit, die notwendigsten Dinge zu verrichten." So geht's ja nun wirklich nicht. Erst wecken mich diese Trantüten aus dem Tiefschlaf und jetzt soll ich ihnen auch noch nachlaufen. Was bin ich denn? Ein Prominenter? Na warte, die können jetzt gleich was erleben. "Ich bin in fünf Minuten fertig!" sage ich. Ja, denen habe ich's so richtig gezeigt. Jetzt mach dir doch nichts vor, du Loser. So, mal schauen was ich jetzt anziehen soll. Ist egal, irgendwas.
Es dauert nur zehn Minuten von mir zu dieser Stellungskommandatur. Es waren zehn Minuten reine Langeweile. Nicht einmal in der Nase durfte ich bohren. Das hatte sofort eine Androhung mit so einem langen Schießprügel zur Folge. Sofort als wir ankommen, werde ich dem Obermotz, die Uniformen nennen ihn Korporal, vorgestellt. Er erinnert mich ein wenig an meinen Ex-Vorgesetzten meiner Exfirma.
Mit der Ausnahme, das Widerkäuen seine einzige Beschäftigung zu sein scheint.
"Na, wen haben wir den da?" Autsch! Korrigiere: Widerkäuen und Herumschreien.
"Mein Name ist Tom", kläre ich seine Frage auf. "Ich weiß wer sie sind!" "Warum fragen sie dann?" "Ruhe!!" "Dann sollten sie besser schweigen." "Verarschen kann ich mich selber auch!" "Davon bin ich überzeugt." "Ihnen werden die Witze schon noch vergehen, wenn ich hier mit ihnen fertig sind." "Witzig finde ich sie ganz und gar nicht." "Sie werden mich zukünftig mit Korporal Hakenstaub ansprechen. Haben sie verstanden?" "Es war ja laut genug!" "In Zukunft werden sie auf solche Fragen nur mehr mit Habe verstanden, Herr Korporal antworten. Gehen sie nun hinaus, und lassen sie sich einweisen!" Ich bin ja bereits eingewiesen. Zweifelsohne handelt es sich hier um ein Irrenhaus. "Ich lehne ihr Angebot dankend ab!" Wenn es dieses ballförmige kleine Etwas jetzt zerrissen hätte, dann hätte die gesamte Kompanie sicher zwei Monate durchackern müssen, um die Fettflecken vom Büro zu säubern.
Ich lasse mich also "einweisen". Das bedeutet lediglich, dass mir ein anderer stoischer Typ irgendwelche Anweisungen ins Ohr schreit, und ich darf zurück schreien, dass ich alles verstanden habe. Eine tolle Kommunikation. Wenn wirklich Krieg wäre, dann wären wir sicherlich leichte Beute für den Feind. Folgen sie einfach dem Geschreie. So gesehen, ist es nicht so tragisch hier. Nur die Gefahr schwerhörig zu werden. Eines ist allerdings doch nervend. Dieser Ordnungszwang. Alles muss immer blitzblank und sauber sein. Ja, das Bundesheer bereitet die Soldaten wirklich gut für den Ernstfall vor. Wenn ein Feind vor mir mit dem Gewehr auftaucht, brülle ich ihn einfach an, dass ich noch mein Hemd sauber zusammenlegen muss. Sicherlich wird er der Fairness wegen solange warten, oder das brüllen wird ihn erschrecken, und er flieht vor meinem unsauberen Hemd und meiner Stimme. Ich hatte mich so getäuscht. Alles was ich glaubte über Krieg zu wissen wurde hier revidiert. Dann wären da noch die ganzen körperlichen Belastungen. Allerdings auch nicht so tragisch, wenn man weiß wie man schummelt.
Einfach nur mitmachen, wenn der Vorgesetzte hersieht. Das ging immer gut, bis mich einmal ein Gefreiter verpfiff. Nach fünfzig Liegestützen unter Aufsicht, habe ich Mordlust; eigentlich mehr Mord als Lust. Ich vermisse meine kleine Maus, die ja noch immer nicht meine ist. Wolfgang bekam als ich das letzte mal zu Hause war die Wohnungsschlüssel um aufzupassen. Ich hoffe nur er räumt nicht auf. Wo sonst könnte ich mich dann noch zu Hause fühlen, wenn nicht zu Hause? Dabei fällt mir noch was ein. Mir fehlen auch meine Baguettes. Das Essen hier …tja, damit würde ich meinen Feind füttern. Und wo bist du schon wieder? Ich kenn hier keinen. Immer wenn ich dich brauche, bist du nicht da. Wenn du noch bei mir zu Hause sein solltest, dann räum du auch nicht auf. Das mag ich nicht. Den Unsinn hier werde ich sicher irgendwie überstehen. Hakenstaub kann nicht explodieren. Soviel weiß ich jetzt. Weder könnte ich ihn genug ärgern, noch kann er sich genügend überfressen.
Abgesehen davon, würde ich das jetzt gar nicht wollen, denn immerhin würde ich zu der Kompanie gehören, die seine Überreste wegputzen müsste.

Panzer
Ich bin noch immer noch beim Bundesheer, und es ist ein wunderschöner Morgen.
In der Zwischenzeit habe ich mich schon daran gewöhnt so bald aufzustehen. Einhundertfünfzig Soldaten stehen im frischgemähten Gras und versuchen nicht in die aufgehende Sonne starren zu müssen. Hakenstaub kommt, und schafft Schatten für das gesamte Wehrgelände. Wir sind ihm alle sehr dankbar dafür. Einzig den Schweiß halten sicher alle für nervig. Falls er sich hier zehn Minuten aufhalten sollte, dann haben wir eine Überschwemmung oder die Topographen können einen neuen Fluss in den Atlas einzeichnen. Das fette Rinnsal beginnt zu schreien. "Soldaten, sie werden heute lernen mit dem Panzer umzugehen. Es sind Übungsfahrzeuge, trotzdem haben sie ein Kampfgewicht von achtundfünfzig Tonnen. Also fahren sie niemandem über die Füße!" Keiner lacht. Sein Adjutant übernimmt. "Sie werden sich nun in Dreiergruppen aufteilen", befahl er. "Einer an den simulierten Waffen, der andere am Steuer, der Dritte dient als Funker. Wie bereits erwähnt, ist in den Fahrzeugen keine scharfe Munition vorhanden. Zur Verfügung stehen lediglich fünf Exemplare, also werden Wartezeiten entstehen." In einem Auswahlverfahren werde ich als Fahrer eingeteilt. Die zwei anderen übernehmen somit die Waffen und den Funk. Das Übungsareal ist enorm groß. Ein Gefreiter weist mich in der Navigation ein. Soweit ich weiß, bräuchte man einen Führerschein, damit man überhaupt an ein solches Gerät darf. Ich hatte damals die Unterlagen diesbezüglich mit ‚ja' angekreuzt und gesagt, dass ich das rosa Papier nachbringen würde. Keiner hat später noch einmal danach gefragt. Es waren jede Menge Hebel und Schalter. Alles in allem ist es aber nicht so kompliziert. Einer für die Geschwindigkeit, ein anderer Hebel für die Lenkung, und noch einer um den Gefechtsstand drehen zu können. Es gibt auch noch andere Schalter, aber die interessieren mich nicht sonderlich. Sofort als meine Gruppe am Zug ist bediene ich den Gashebel, noch bevor die anderen zwei an Board sind. Sie laufen dem Panzer nach und springen keuchend hinein. So etwas halte ich für sehr fahrlässig. Sie hätten warten müssen. Ich bin doch kollegial. Bestimmt hätte ich angehalten. Beide sehen mich vorwurfsvoll an. Weil mich die beiden Tröten ablenken, überfahre ich ein Schild auf dem hingewiesen wird, dass hier Panzer fahren. Als ob ich das nicht selber wüsste. Für einen Moment überkommt mich die Idee den Korporal überfahren zu wollen. Ich lasse es, weil ich nicht sicher bin ob ein Kampfgewicht von achtundfünfzig Tonnen ausreicht, und ich den Panzer nicht zu Schrott fahren will. Nach ein paar tollen Spins am Gras ist der Spaß leider auch schon wieder vorbei. Für meine Gashebelbedienung darf ich zwei Wochen in der betriebsinternen Kantine verbringen. Nach zwei Stunden dort melde ich mich als krank.
Im Allgemeinen bestand der Wehrdienst aus circa sechstausend Liegestützen, siebenhundert davon unter Aufsicht, tausendfünfhundert Kilometer Laufen, drei Wochen bedingter Kantinearbeit und zwei Tage Knast wegen persönlicher Ehrenbeleidigung des Korporals. Also eine durchaus schöne Zeit.

Wieder Zuhause
Wider meinen Willen hat Wolfgang aufgeräumt. Alles sieht tiptop aus, beinahe wie in einem Fernsehstudio. Selbst meine E-Gitarre entkam nicht den Krallen eines schonenden Reinigers. Ein Brief von Katharina liegt auch auf meinem sauberen Bett.

Hallo Thomas!
Von Wolfgang habe ich erfahren, dass du zum Wehrdienst geholt wurdest.
Du bist mir ja einer. Warst wohl zu faul um selbst hinzugehen, und hast dich abholen lassen. Na, egal…. Spaß beiseite.
Wolfgang hat mich ein wenig über dich aufgeklärt. Das war sehr hilfreich, denn vorher warst du für mich lediglich ein Spinner. Vielleicht wirst du für mich ein süßer kleiner Spinner? Auf jeden Fall wollte ich dich wieder treffen. Hier meine neue Telefonnummer ……. . Ruf mich mal an, wenn du Zeit hast.
Liebe Grüße
Katharina
Ein Brief von meiner kleinen nicht mehr so fast, sondern schon eher ganz Maus also.
Als erstes werde ich Wolfgang anrufen und werde ihm danken. Meine kleine Maus, gleich im Anschluss. So erledigt, und mir geht's richtig gut. Ich werde sie am nächsten Samstag im Klecks treffen. Die Liste der wichtigsten Dinge der Welt hat sich soeben geändert. HiFi-Anlage, Mikrowelle, E-Gitarre, Mobiltelefon, die Gewerkschaft, wenn sie aufhört mir Mahnungen zu schicken.



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Eingereicht am 10. Mai 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors / der Autorin.