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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Ein Mann ohne Herz

Martin Schilling


Ein Mann ohne Herz, eine Frau ohne Seele, ein Kind ohne Gewissen. Vertraute Familienatmosphere ! Wie wundervoll du doch bist! Der Vater vögelt alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist, die Mutter schlägt und prügelt dich jeden Tag aufs neue und du liebes Kind fragst dich bestimmt immer noch was so schlimm ist an den halbverhungerten Etwassen ist aus Sonstwo. Liebes Kind du machst dir Gedanken, Gedanken um dich, Gedanken um deine Umwelt, Gedanken um das was du bist, was du mal wirst und wie du so geworden bist. Die Zeit interessiert dich liebes Kind und je mehr sie dich interessiert um so mehr zieht sie an dir vorbei. Interessierst du dich nicht für sie, verschwendest du sie. Es wäre fast zum lachen, wenn du nicht daran zu grunde gehen würdest. Fragen wurmen dich, fressen dich auf, quälen, peinigen und geiseln dich. Du liebes Kind spielst weiter mit deinen Legosteinen, Stein für Stein dem Amoklauf ein bisschen näher. Auf deinem Bett liegt ein rosa Teddybär, irgendwie hat er die Farbe einer Pussy. Hmm liebes Kind, woher weißt du wie eine Pussy aussieht ? In Papas glorreicher Filmsammlung mal lunschen gewesen ? Na aber, wer wird denn. Dafür bist du noch viel zu jung. Du sollst dich mit dem kleinen ein mal eins beschäftigen, Müsli in dich hinein stopfen, Fahrradfahren und Inlineskaten um Freunde zu finden und dich an deinem ersten Kuss den du von einem Satz blonde Zöpfe letzte Woche gekriegt hast erfreuen und was tust du ? Du fragst dich nach dem Sinn des Lebens und wie du als Frau aussehen würdest, schämst du dich denn gar nicht ? Nein, tust du nicht! Na warte, Mutti wird dir schon zeigen, wie ein ordentlicher, adretter Junge sein soll. Angepasst, dauergrinsend, banal und einen Satz Ellbogen aus Stahlspitzen bekommst du auch noch gleich dazu, damit das Paket schön abgerundet wird. Freust du dich denn gar nicht über die Liebe deiner Mutter, über die Toleranz deines Papas ? Nein tust du auch nicht ! Ja was willst du denn dann ? Maoam ? Au ch nicht! Hmm, du bist aber ein ganz schwieriger Fall ! Warum lebst du überhaupt kleiner Junge ? Diese Welt wird dich nie glücklich machen, das weist du. Diese Welt wird dich zerstören, das ahnst du. Diese Welt und all ihre Menschen auf ihr, werden dich hassen, abgrundtief hassen kleiner Junge. Dein Vater wird sich jedes Mal wenn er dich ankuckt fragen warum er um herr gotts namen nicht verhütet hat, deine Mutter wird dich immer als ihren größten Fehler ansehen und es dir mit aller Härte zeigen und der 6 Millarden umfassende Rest wird sich nie für dich interessieren. Kleiner Junge du musst mal viel Geld verdienen. Menschen lassen sich nicht ersetzen, aber deine Bücher und Videosammlung muss dich am leben halten. Menschen lassen sich nicht ändern, aber imaginäre Charaktere verstehen dich wenigstens, bauen dich auf und geben dir Kraft. Was ist denn schon ein reales Gespräch ? Realität sind elektromagnetische Impulse interpretiert von deinem Gehirn. Merk es dir kleiner Junge, die dort draußen sind nicht real, sie sind nicht echt, sie leben nicht wirklich. Du fragst dich bestimmt woher ich das alles so genau weis, stimmts ?! Ich bin du! Du weinst ja kleiner Junge! Tut mir leid, ich wollte dich nicht zum heulen bringen! Liebst du jemanden kleiner Junge ? Wenn ja, dann halte dich an ihm fest so gut wie du nur kannst, ich habe verlernt zu lieben, doch für dich ist es noch nicht zu spät, stelle dir die richtigen Fragen kleiner Junge.
Meine Zeit ist gekommen. [Der kleine Junge sieht mit an, wie der Unbekannte sich ein Dumm-Dumm-Geschoß durch den Kopf jagt und seinen Kopf zerfetzt. Jetzt holt er sich ein Eis]



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Eingereicht am 06. Mai 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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