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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Tod im Meer

Gianna Ortu und Katharina Sperling


Ich knallte die Tür zu und lief nach draußen. Meine Ma hatte doch nicht mehr alle. Ich soll mit meinem Freund Schluss machen, weil er Drogen konsumiert, es ist ja wohl mein Leben! Ich stieg auf mein Fahrrad und fuhr los. Ich hatte kein richtiges Ziel, aber ich kam bei meiner besten Freundin an. Ihre Mutter öffnete die Tür und meinte: ,,Was willst du denn schon wieder hier, ich habe dir doch verboten mit meiner Tochter Kontakt zu haben!? Steig mal lieber wieder auf dein Fahrrad, schließlich hast du doch ein eigenes Zuhause wo du deine Zeit verbringen kannst!?"
"Laber mich jetzt nicht dicht und lass mich lieber durch, außerdem solltest du vielleicht mal wieder ein bisschen weniger alkoholisches trinken, deine Fahne riecht man ja noch zehn Kilometer entfernt, Assi!"
Ich ging einfach an der Mutter vorbei und lief die Treppe zu Tinas Zimmer hoch. Tina lag wieder mal völlig verheult auf dem Bett. Als ich mich auf das Bett setzte und meine beste Freundin in die Arme nahm, sah ich überall blaue Flecken auf ihren Armen und Beinen verteilt. Ihr Vater hatte sich also mal wieder vollgesoffen und ließ seine Laune an ihr aus. Doch als ich mich umdrehte sah ich auf dem Boden einen zerrissenen Slip. Ist ihr Vater wirklich so weit gegangen oder verheimlicht Tina mir etwas? ,,Tina was ist passiert? Erzähl es mir, sonst kann ich dir nicht helfen!" "Ich kann nicht! Tut mir Leid, aber ich kann nicht! Ich glaube es ist besser wenn du jetzt gehst, Nicole!" "Tina was hat Steve nur getan? Wie konnte er nur? Tina, komm schon, du musst alles rauslassen und dir schnell Hilfe suchen, bevor er noch weiter geht!" Plötzlich fing Tina an herumzubrüllen: "Jetzt verpiss dich endlich, hörst du schlecht? Verpiss dich!" "Ich verstehe dich nicht, ich dachte wir sind Freundinnen, ich will dir doch nur helfen und du behandelst mich wie ein Stück Scheiße!"
Ich rannte aus dem Zimmer und knallte die Tür zu und da hörte ich schon von unten Tinas Mutter schreien, dass ich mich verpissen soll und dass sie mich wegen Ruhestörung anzeigen wird! Schnell stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr zu meinem Lieblingsplatz an der Klippe, wo auch das Holzhaus, welches Tina und ich als Kinder gebaut haben, steht. Die ganze Zeit quälte mich der Gedanke und ich war gleichzeitig wütend als auch traurig! Wie konnte man seiner Tochter nur so etwas antun? Es war einfach nur schrecklich! Als ich da so saß und in das Meer herabschaute, merkte ich, dass die Menschen, die so etwas tun bestraft werden mussten und als mir die Idee kam, hatte ich vor mir selbst Angst! Was kamen mir nur für Ideen in den Kopf? Ich bin ja dann auch nicht besser als Tinas Vater! Als es dann anfing zu dämmern beschloss ich, mich mal wieder zu Hause blicken zu lassen, auch wenn es wahrscheinlich wieder Krach geben wird! Hoffentlich ist meine Mutter nicht da! Als ich zur Haustür lief sah ich, dass unser Auto nicht mehr auf dem Parkplatz stand und ein Stein fiel mir vom Herzen! Also war meine Mutter, so wie ich es mir schon gedacht hatte, wie jeden Mittwochabend beim Bingo! Glück gehabt! Ich schob noch eine Pizza in den Ofen und danach machte ich mich auf den Weg ins Bett, denn ich war schon müde. Hoffentlich kann ich schlafen, denn ich bin noch ganz aufgewühlt, mir tut Tina Leid, aber ich lasse mich von keinem dumm anmachen, von keinem! Am nächsten Morgen wachte ich wegen den hellen Sonnenstrahlen schon um 6 Uhr auf! Ich hatte so schlecht geschlafen! Die ganze Zeit denke ich an Tina und ich sehe im Traum die schrecklichen Bilder! Ich wusste, es musste etwas unternommen werden, man konnte doch nicht einfach zusehen! Und ehe ich mich versah, saß ich schon auf meinem Roller und fuhrt in Richtung Steves Arbeitsplatz. Ich ging ins Büro und ließ mich zu ihm bringen!
"Was willst du denn hier?" "Ich muss mit dir sprechen! An der Klippe!" "Na meinetwegen, aber worum geht's?" "Sag ich dir nachher. Dann bis heute Abend, aber ich komme erst so gegen 22:30 Uhr." Nach dem Gespräch fuhr ich wieder nach Hause! Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Habe ich etwa wirklich vor ihn umzubringen? Bin ich in der Lage jemandem das Leben zu nehmen? Ich legte mich mit Klamotten wieder ins Bett und schlief noch für 4 Stunden ein, doch dann sollte mein Traum enden! Denn mein Wecker klingelte und ich machte mich auf den Weg. Ich wusste noch nicht wie ich es tun würde, aber ich verließ mich auf meine Fantasie! Als ich am Treffpunkt angekommen war, sah ich wie Steve schon besoffen vor der Hütte auf mich wartete. Ich hörte auf einmal Stimmen, die von der Hauptstraße kamen und meinte zu Steve: "Lass uns zur Klippe, da ist es ruhiger und ich will ungestört mit dir reden können." Wortlos und torkelnd folgte er mir. Dort angekommen fragte ich wie er seiner Tochter nur so etwas antun konnte und wieso. Erst sah er mich irritiert an, doch dann begann er zu verstehen. "Das is nich meine Tochter! Dieses Miststück erinnert mich an ihre Mutter, die Schlampe, die zu jedem ins Bett springt!" Ich schrie voller Zorn "So redest du nicht über meine Freundin, du Missgeburt, jetzt wirst du sie nie mehr beleidigen oder sogar vergewaltigen!" und schubste ihn von der Klippe.
Im selben Augenblick tat mir die Sache leid, doch dann hörte ich plötzlich Schreie, die mir sehr bekannt vorkamen und die Gedanken an Steve verflogen. Instinktiv rannte ich den Geräuschen entgegen. Die Geräusche kamen aus dem Haus, wo auch das Licht brannte. Ich wunderte mich, wer im Haus sein könnte, die Schlüssel hatten nur Tina und ich. Ich machte die Tür auf und sah Justin, meinen Freund, auf Tina liegen und dabei schrie sie fürchterlich. Mir kam sofort der Gedanke an gestern wieder. Es war nicht der Vater, der Tina vergewaltigt hatte, sondern Justin! Schnell griff ich zum nächstgelegenen Gegenstand, der eine Dose Cola war. Ich schlug mit voller Wucht auf seinen Kopf und schrie: "Verpiss dich Justin, bevor ein Unglück passiert! Ich schlag dich zusammen, du perverse Sau! Wie kannst du mir und vor allem Tina nur so etwas antun?" "Wieso sollte ich, du Miststück, du willst ja noch nicht mit mir bumsen!" Ich griff nach einer Lampe und schlug sie ihm auf den Kopf, in der Hoffnung es würde dieses Mal mehr bewirken. Meine Hoffnung hatte sich erfüllt, er lag bewusstlos auf Tina, während sie immer noch verstört heulte. Ich versuchte Justins Körper von Tina zu rollen, doch mir gelang es erst nach dem zweiten Versuch. "Dieses Schwein soll jetzt büßen, für das was er dir angetan hatte. Ich hatte gar keine Ahnung, Tina. Es tut mir so Leid, aber ich weiß jetzt, wie wir dich rächen können. Mit seinem Blut und Tod ist erst seine Schuld wieder beglichen. Du wirst es dein Leben lang nicht vergessen und dafür wird er kein Leben mehr haben. Anders kann er mit dir nicht mehr im Reinen sein!" Wir trugen Justin aus dem Haus und stürzten ihn die Klippe hinunter, für einen Moment tat es mir sogar Leid, doch es war nichts zu machen. Tina und ich lagen uns in den Armen und nun wussten wir, dass uns nichts mehr auseinander bringen konnte!



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Eingereicht am 25. April 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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