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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Träume sind keine Schäume

Harald Hämmerle


Träume sind Schäume, sagt ein Sprichwort. Ich schätze, dieses Sprichwort hat ein Mensch mit vielen schlechten Lebenserfahrungen geprägt. Ein Mensch, dem so mancher Lebenstraum zerplatzt ist wie eine Schaumblase im Wind. Träume, das ist was für Spinner oder für Psychologen, so denken manche. Mit der Wirklichkeit des Lebens haben sie wenig zu tun. Der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King hatte auch so einen Traum. Am Vorabend seiner Ermordung hielt er seine berühmte Rede "Ich habe einen Traum, dass eines Tages Schwarze und Weiße friedlich zusammen leben werden ... " Einige Jahre später wurde in Amerika die Rassentrennung aufgehoben. Träume sind keine Schäume. Sie können enorme Auswirkungen haben. Wer heutzutage in leitenden Positionen Erfolg haben will, der braucht einen Traum. Der braucht eine Vision, ein Ziel auf das er hinarbeitet. Erst wer einen Traum hat, kann sich auch Wege überlegen, wie er diesen Traum erreichen kann. Visionen können andere begeistern und mitreißen. "Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann." Ein schönes Wort ! Träume sind Schäume, sagt der Volksmund. Er hat ja oft recht, der Volksmund, aber diesmal nicht. Träume haben immer eine Botschaft für uns, sogar Alpträume.

Memento mori
"Herbert" stand auf dem schlichten Holzkreuz. Gestorben am 13.11.2002. Ich habe Herbert nicht gekannt. Ich weiß nicht mal wie alt er geworden ist, ob er eine Frau und Kinder hinterließ. Ich weiß nur wo er starb. Hier an dieser Stelle. Es ist eine gerade Landstraße. 70 darf man dort fahren. Das unscheinbare Kreuz huscht bei diesem Tempo so schnell vorbei, dass man es kaum wahrnimmt. Trotzdem beschäftigt es mich. Wie im Reflex nehme ich den Fuß ein wenig vom Gas. "Der Tod fährt immer mit" war mal so ein Mahnspruch vergangener Jahre, den man sich ans Armaturenbrett kleben konnte. Das gilt leider immer noch. Auch für moderne High-Tech-Autos mit acht Airbags und Super-Sicherheits-Fahrgastzelle. Das kleine Holzkreuz am Straßenrand erinnert mich an etwas, an das ich an diesem Frühlingstag gar nicht gerne denke. An den Tod und daran, wie schnell er kommen kann. In manchen mittelalterlichen Kirchen finden sich noch Gemälde vom Totentanz. Ein Sensenmann, der fast tänzerisch zwischen den Menschen hindurchgeht, sich diesen und jenen holt. Den Menschen damals war er noch vertrauter, viel gegenwärtiger als heute. Trotzdem sollten diese Gemälde sie immer wieder daran erinnern, dass das Leben ohne den Tod nicht zu haben ist. Das hatte nichts mit Spaß verderben zu tun. Es machte ihnen nur deutlich, wie kostbar die Zeit ist, die ihnen blieb und wie schnell sie vorbei sein kann. Totentänze malt man heute nirgendwo mehr. Vielleicht ist es ganz gut, dass da ab und zu jemand so ein kleines Holzkreuz am Straßenrand aufstellt. Als Erinnerung an einen Menschen, der zu früh starb und als Mahnung an mich, die Zeit, die mir noch bleibt, bewusst zu leben.



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Eingereicht am 14. April 2004.
Herzlichen Dank an den Autor / die Autorin.
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