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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Der Traum vom Leben

Katja Ziems


The Rasmus machten sich auf den Weg zu ihrem Konzert nach Berlin, sie hatten sich jetzt 3 Monate in Australien von ihrem ganzen Stress in der letzten Zeit erholt. Der ganze Fluch mit der Sekte und der Angriff auf Aki hatte sie ziemlich fertig gemacht so dass sie erst mal eine Pause brauchten. Lauri hatte, wie er so ist, mit den Weibern rumgeflirtet und die anderen gingen jeden Tag auf die Piste.
Ein junges Mädchen jedoch verdrehte Lauri ganz schön den Kopf, er musste die ganze Zeit an sie denken und machte ganz komische Sachen.
Einmal gingen sie Abends noch spazieren und Lauri merkte nicht, dass die Laterne immer näher kam, doch schon war es passiert, er war gegen die Laterne gelaufen. Die anderen konnten sich gar nicht mehr einkriegen vor Lachen. Doch der liebe Lauri fand das gar nicht so lustig. "Macht euch nur lustig. Boah tut das weh!", stöhnte Lauri rum. "Man du bist doch sonst nicht so weh leidig. Jetzt komm mal runter ey. Was bist du auch so blöd und guckst nicht hin wo du läufst!" Dazu sagte Lauri nichts mehr, er musste immer an Sophie denken.
Am nächsten Morgen hatte er eine dicke Beule und fette Kopfschmerzen, doch die gingen schnell wieder weg als er Sophie beim Frühstück sah. Er lächelte ihr zu ohne zu sehen wo er eigentlich hinlief. "Lauri pass auf! LAURI!!!!" schrie Aki ihm zu, doch da war das Unglück schon geschehen, es gab einen lauten Knall und Lauri lag mitten im Frühstücksbüffet!!
Da musste selbst Lauri an fangen zu lachen.
Der Urlaub ging schnell vorbei, Lauri gab Sophie noch seine Handynummer, denn seine Adresse brauchte er ihr nicht geben, denn so selten wie er Zuhause war.
"Es war schon eine tolle Zeit. Vor allem so schön ruhig, keine kreischenden Fans, keine Sekte, nichts! OK abgesehen von Sophie! Und wann willst du ihr es diesmal sagen?" fragte Pauli.
"Wieso? Was soll ich ihr schon sagen? Wenn sie sich Hoffnungen gemacht hat ist das ihre Schuld nicht meine", sagte Lauri verpönt.
"Ey du bist echt gemein weißt du das? Bei deiner Anmache muss sie sich ja Hoffnungen gemacht haben. Jetzt sei wenigsten so fair und sag es ihr, sonst...!"
"Was sonst???" fragte Lauri.
"Sonst werde ich es ihr sagen!" gab Aki ihm ernst zurück.
Plötzlich sagte Lauri nichts mehr. Ob es ihm doch nahe ging was die anderen sagten?? Bedeutete ihm Sophie doch mehr als er zugab??
Er dachte nicht mehr weiter drüber nach, denn jetzt stand das Konzert in Berlin im Vordergrund.
Angekommen, packten sie ihre Sachen aus und fingen an noch mal zu proben! Die Fans standen schon vor der Tür und kreischten wie verrückt als sie die 4 proben hörten.
Viele von ihnen waren schon seit drei Stunden da, denn sie wollten unbedingt in der ersten Reihe stehen. Es war noch ein richtig schöner Sommertag gewesen, die Sonne schien und der Himmel war strahlend blau. Unter der riesigen Menschenmasse befanden sich auch zwei Mädchen, die zu ersten Mal auf ein Konzert gingen. Sie hatten The Rasmus im Radio gehört und waren sofort von ihrer Musik begeistert. Sie fanden die Musik einfach faszinierend, sie gab ihnen Kraft und ließ sie träumen, denn das eine Mädchen, Marie, hatte erfahren, dass sie Krebs hatte.
Es war ein heftiger Niederschlag für sie gewesen, hatte tagelang geweint, weil sie es nicht glauben konnte. Der Arzt, Dr. Kampmann, hatte ihr die Diagnose einfach so an den Kopf geknallt, sie konnte nichts sagen, nichts denken, nichts. Sie stand einfach nur da und Tränen liefen ihr übers Gesicht. Alles was sie jetzt noch hatte war The Rasmus. Ihre Musik gab ihr Kraft um nicht aufzugeben, aber auch ihre Freunde waren immer für sie da gewesen.
Sie wollten sogar mit ihr zu verschiedenen Ärzten fahren um heraus zu finden ob es wirklich stimmt, was Dr. Kampmann sagte, denn er war vielleicht ein guter Arzt doch mit dem Umgang von Menschen hatte er keine Ahnung. Marie machte für ihr Leben gern Sport, schon mit 8 Jahren hatte sie angefangen Tischtennis zu spielen und war seit 6 Jahren in einem Verein. Marie hatte schon viele Meisterschaften gewonnen, war die beste in der Jugendgruppe, wenn sie jetzt mit dem Sport aufhören müsste wäre das wieder ein heftiger Niederschlag, denn vor 8 Monaten hatte sie ihren Bruder durch einen Autounfall verloren. Marie hatte sich total abgeseilt, mit niemanden geredet und kaum noch was gegessen.
Doch sie hatte wieder Freude am Leben gefunden, hatte sich eine neue "eigene" Welt aufgebaut, das Schreiben. Durch das Schreiben konnte sie ihre Gefühle und Gedanken viel besser ausdrücken, sie konnte über Sachen schreiben über die sie nie reden konnte, schrieb Artikel an Zeitungen, Gedichte und Geschichten, mit denen sie ihrer Umwelt, ihren Eltern und Freunden den Kopf verdrehte und sie dazu brachte über ihr Leben nachzudenken. Sie war wieder ein lebensfreudiger Mensch geworden.
Es war zu der Zeit wo The Rasmus mit "In the shadows" bekannt geworden waren. Sie hatte Jamie, ihre beste Freundin, gefragt ob sie mit zu dem Konzert kommen wollte und sie sagte sofort "Ja", denn sie fand die Musik genauso toll. Nun standen sie schon fast drei Stunden vor der Halle und warteten auf den Einlass.
Sie trafen noch Celine und Betti, die auch auf das Konzert gehen wollten, sie brachten noch eine Freundin mit, Eve.
Als Marie Betti sah winkte sie zu ihr rüber und sie drängelten sich durch die Masse, es waren ihre Trainingspartnerinnen die in ihrer Mannschaft waren. Doch Marie konnte nur noch ein Jahr in der Jugendmannschaft spielen, denn sie war schon 18 Jahre und musste dann zu einer Erwachsenenmannschaft wechseln.
Es waren nur noch 10 Minuten, dann sollten die Türen endlich aufgehen, plötzlich wankte Betti.
"Was ist los?", fragte Celine.
"Ach nichts, mir ist nur ein wenig schwindelig!" gab Betti zurück, doch es wurde immer schlimmer.
"Ich muss nach hinten mir ist total schlecht. Ich komm dann nach, macht euch keine Sorgen", wimmerte Betti und ging los, doch da sackte sie zusammen.
Celine fasste sie unter die Arme und brachte sie raus aus der Masse. Jetzt blieb Eve bei Marie und Jamie, die sehr besorgt um Betti waren.
Sie hörten nur wie manche sagten: "Hat wohl ´n bisschen zu viel gekifft!"
Am liebsten hätte Marie dem, der dies gesagt hatte eine geklatscht, doch sie wollte nicht für Unruhe sorgen also ließ sie es sein.
Endlich war es soweit.
Als plötzlich die Türen aufgingen, gab es ein riesen Gedränge. Sie wurden fast auf den Boden gedrückt, doch sie schafften es bis in die dritte Reihe zu kommen.
Die Vorband, Lambretta, hatte den Fans schon kräftig eingeheizt. Es war ein schönes, aber viel zu kurzes Konzert. Dann kam The Rasmus.
Dunkelheit. Stille. Dann ein krasser Gitarrensound und Lauri kam auf die Bühne. Er sah einfach genial aus. Er war ganz in schwarz gekleidet.
Das Konzert war einfach unbeschreiblich schön. Hier und da brachen schon die ersten zusammen, denn die Luft war sehr stickig. Ab und zu wurden auch ein paar Wasserflachen in die Menge geworfen, es wurde alles gerecht aufgeteilt. Sie sangen einen Hit nach dem anderen und die Zeit ging viel zu schnell vorbei. Nach 1 ½ Stunden ging ein traumhaftes Konzert zu Ende.
Jamie und Marie waren ziemlich erschöpft, denn sie waren schon fast 9 Stunden auf den Beinen und hatten schon seit 6 Stunden nichts mehr gegessen. Plötzlich bekam Marie keine Luft mehr, sie begann zu keuchen und nach Luft zu schnappen.
"Guck mal die kippt bestimmt auch gleich um!", sagte ein Mädchen zu ihrer Freundin.
"Was ist denn mit der los?" fragte ein anderes.
Auch der Aufseher wurde auf sie aufmerksam und rief sie zu sich. "Was ist los mit dir?" fragte er Marie.
"Ich... ich bekomm keine Luft mehr!" sagte sie ihm, sie konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.
Der Aufseher hob sie über das Geländer und sie wurde von den Rettungsleuten in Empfang genommen. Auf dem Weg dort hin brach sie völlig erschöpft zusammen und wurde auf eine Trage gelegt. Ein sehr netter Rettungsassistent kümmerte sich um sie. Er wollte ihren Puls messen, doch er fand keinen. Als er dann doch einen fand sagte er erstaunt: "Dein Puls ist aber ganz schön schnell!"
Marie machte sich nichts weiter draus denn bei ihr war es normal.
"Willst du was trinken?" fragte er sie.
Marie nickte mit dem Kopf.
"Wann hast du denn das letzte Mal was gegessen und was getrunken?"
"Also gegessen hab ich seit um 12.00 Uhr nichts mehr und getrunken habe ich vorhin einen Schluck!" sagte sie müde.
"Damit tust du deinem Körper aber nichts Gutes. Du musst mindestens 2 Liter am Tag trinken, sonst schadest du deinem Körper!"
"Ich weiß das haben die Ärzte im Krankenhaus mir auch gesagt, doch wenn ich keinen Durst habe kann ich auch nichts trinken, ich kann es mir nicht einfach hinunter zwängen sonst muss ich kotzen", gab Marie zurück.
Der Rettungssani guckte etwas irritiert sagte aber nichts mehr.
Marie vergaß nach ihrem Pulswärmer zu fragen, den er ihr zum Pulsmessen abgenommen hatte. Es war die einzige Erinnerung, die sie an ihren Bruder hatte bevor er vor 2 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam.
Jamie stand die ganze Zeit hinter der Absperrung und schaute traurig zu ihr, denn sie hatte von dem ganzen kaum was mitbekommen, sie wunderte sich nur als Marie über die Absperrung getragen wurde. Die Aufpasser ließen sie nicht zu Marie.
Als Marie glaubte wieder aufstehen zu können brach sie wieder zusammen, wieder legte der Rettungssani sie auf die Trage. Sie war bewusste los und ihr Atem war sehr flach. Der Notarzt musste her.
Marie wurde an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Als sie wieder zu sich kam war das Konzert schon lange aus. Sie sah alles vernebelt und konnte kaum was erkennen, sie hörte nur eine vertraute Stimme sagen: "Ist alles Ok?" Es war Lauri, der an ihrer Trage saß.
Sie blickte ihn mit müden Augen an und sagte: "Ich.. ich glaube schon!"
Lauri blieb so lange bei ihr bis der Krankenwagen kam. Er schrieb ihr noch etwas auf den Arm, es war finnisch! Dann wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Jamie blieb mit den 4 Jungs zurück, sie weinte bitterlich um Marie, denn sie wusste nicht was mit ihr los war. Pauli nahm sie in den Arm und tröstete sie: "Nicht weinen. Es wird alles wieder gut, du wirst sehen morgen könnt ihr wieder zusammen lachen."
Doch das war leider nicht der Fall, denn Marie musste im Krankenhaus bleiben. Die Ärzte hatten festgestellt, das sich der Tumor, den sie eigentlich im Knie hatte, auf das Immunsystem gesetzt hatte und sie deshalb zusammengebrochen war.
Im Krankenhaus wurde sie auf die Unfallstation gebracht. Sie bekam erst mal ein Nachthemd von dort, da ihre Eltern erst am nächsten Tag kommen konnten, sie wussten ja nicht einmal das sie im Krankenhaus war geschweige denn, dass sie auf einem Konzert war.
Die Schwester wollte ihr das Geschriebene von Lauri vom Arm abwaschen doch Marie weigerte sich mit allen Mitteln dagegen: "Nein lassen sie...sie dürfen das nicht abwaschen, das ist von Lauri und bevor ich nicht weiß was das heißt dürfen sie das nicht abwaschen!" schrie Marie durch das ganze Zimmer und weckte dabei ihre Zimmernachbarin auf.
Die Schwester verpasste ihr eine Ohrfeige.
"Nun siehst du was du angerichtet hast. Wegen so einem Quatsch machst du so ein Theater. Jetzt reiß dich mal ein bisschen zusammen."
Marie fing an zu weinen, sie wollte nach Hause. Als die Krankenschwester aus dem Zimmer gegangen war zog sie ihre normalen Klamotten an und wollte sich aus dem Zimmer schleichen.
"Was machst du da?? Du kannst doch nicht einfach abhauen!"
"Ach halt den Mund, ich mach was ich will..... Tut mir leid, ich wollte dich nicht so anfahren aber ich halt es hier einfach nicht mehr aus verstehst du? Ich habe Krebs und ich will nicht den Rest meines Lebens im Krankenhaus verbringen und schon gar nicht wenn die Schwestern hier so gemein sind!"
"Schwester Hilde ist echt blöd, ich mag sie auch nicht. Aber die anderen sind eigentlich alle total nett hier, besonders der Doc. Bitte geh nicht, damit machst du es doch nur noch viel schlimmer! Du wirst sehen, es wird schon. Und wenn du es morgen immer noch nicht hier aushältst dann kannst du immer noch abhauen! Und dass dich die Schwester geschlagen hat, das kannst du auch dem Doc erzählen, der wird das schon regeln!"
"OK, überredet, aber wenn es noch schlimmer wird dann geh ich wirklich." sagte Marie und lächelte. Sie zog sich wieder aus und legte sich ins Bett. "Warum bist du eigentlich hier?" fragte sie neugierig.
"Ich hatte einen Autounfall und lag 2 Wochen im Koma, jetzt geht's mir aber schon wieder besser und vielleicht werde ich nächste Woche entlassen."
Sie quatschten noch fast die ganze Nacht und Marie war froh, jemanden wie Nadine gefunden zuhaben.
Marie fiel ein, dass der Rettungssanitäter ihren Pulswärmer abgemacht hatte, sie musste ihn unbedingt wieder finden, denn es war ein Geschenk ihres Bruders, der vor 8 Monaten bei einem Autounfall ums Leben kam.
Es war eine harte Zeit für sie gewesen, sie hatte sich von ihrer Außenwelt total abgeschirmt, blieb oft stundenlang an seinem Grab und schmückte es mit Blumen und schrieb ihm Gedichte, die ihm immer so gefielen.
Er war erst 21 Jahre, zu jung, um aus dem Leben gerissen zu werden, er hatte noch so viele Träume, er wollte doch seinen Führerschein machen. Ein Buch wollte er schreiben, hatte er sich vorgenommen, sein größter Traum war es jedoch Piano zu lernen und mit Marie auf der Bühne zustehen, sie hätte gesungen und auf der Geige gespielt.
Bei der Beerdigung hatte sie "Amasing Grace" gesungen, ihre Stimme war wirklich wunderschön, sie konnte die Herzen zum schmelzen bringen, hatte ihr Gesangslehrer zu ihr gesagt. Sie hätte Sängerin werden und mit ihrem Bruder durch die Welt reisen können, doch nun war er tot und sie war ganz auf sich allein gestellt, sie hatte nur noch ihren Dad, denn ihre Mum dachte nur an ihre Arbeit, sie war Schauspielerin.
Am nächsten Morgen kam der Oberarzt, er fragte gleich, neugierig wie er ist: "Na wen haben wir denn da? Du bist Marie nicht wahr? Was hast du denn an deiner Wange gemacht?"
"Ja. ich bin Marie, ich bin gestern beim Konzert zusammen gebrochen. Und das mit der Wange war.... ähm da hab ich mich gestoßen! Darf ich sie mal was fragen?"
"Klar, schieß los."
"Hat jemand einen Pulswärmer hier abgegeben? Mit einem Apfel drauf, der in Regenbogenfarben drauf gestickt war. Er.. er ist von meinem Bruder, es ist das einzige Geschenk von ihm, bevor... bevor er starb und ich muss ihn wieder finden. Er ist mein ein und alles."
"Hier hat niemand was abgegeben, aber ich wird sehen was sich machen lässt, wir werden ihn finden, das versprech ich dir." Und lächelte Mare an, dann untersuchte er sie und ging.
Marie setzte große Hoffnungen darauf, dass sie den Pulswärmer finden werden.
"Warum hast du ihm nicht erzählt, dass die Schwester dich geschlagen hat? Du brauchst echt keine Angst zu haben." sagte Nadine.
"Ich werde ihr das schon noch heimzahlen, keine Angst. Aber im Moment ist mir der Pulswärmer viel wichtiger verstehst du?" und Nadine nickte.
Im Laufe des Tages kamen noch Maries Eltern, die am frühen Morgen benachrichtigt worden waren.
"Kannst du mir mal sagen was das soll? Ich hab vorhin erfahren, dass du auf dem Konzert warst und dort zusammen gebrochen bist." meckerte Maries Mutter.
"Du musst auch nicht immer alles wissen, außerdem interessiert es dich doch sowieso nicht wo ich bin, du hast doch immer nur deine Arbeit im Kopf. Und jetzt lass mich alleine du blöde Kuh." schrie Marie.
Ihre Mutter gab ihr eine Ohrfeige und verschwand.
Marie musste weinen, sie hasste ihre Mutter für das was sie getan hatte. Sie stritt in letzter Zeit nur noch mit ihrer Mutter und hoffte, dass sich ihre Eltern bald scheiden lassen würden.
Völlig erschöpft und ganz verweint schlief sie ein und sie merkte gar nicht, dass es klopfte und The Rasmus herein kam. Sie wollten Marie nicht aufwecken deshalb setzten sie sich an ihr Bett und warteten. Lauri strich sanft seine Hand über ihr Gesicht.
"Nein Mama bitte nicht schlagen, bitte. Hör auf Mama. BITTE HÖR AUF! NEIN" schrie Marie im Traum.
Schweißgebadet wachte sie auf und lächelte als sie Lauri und die anderen an ihrem Bett sitzend erblickte.
"Du hattest einen Alptraum. Keine Angst wir sind ja bei dir." sagte Eero mit leiser Stimme.
Sie freute sich, dass sie gekommen waren, denn sie hatte nicht damit gerechnet. Lauri gab ihr die Rose, die er extra für sie gekauft hatte.
Fast vergaß sie ihn zu fragen was das auf ihrem Arm bedeutete.
"Du bist süß!" antwortet Lauri.
"Was?"
"Na, es bedeutet du bist süß."
Da musste Marie lächeln, denn so etwas Schönes hatte sie schon seit langem nicht mehr gehört. "Danke." sagte sie schüchtern.
Sie verbrachten einen wunderschönen Tag zusammen, sie gingen im Park spazieren und quatschten über dies und jenes. Und Marie vergaß für ein paar Stunden den Ärger, den sie mir ihrer Mutter hatte.
Am Ende gaben sie Marie noch ihre Telefonnummer, wo sie jederzeit anrufen konnte wenn es ihr schlecht ging aber das Beste war, dass sie eine Backstage-Karte für ihr Konzert in Helsinki bekam, was sie sich schon so lange wünschte.
Sie bedanke sich und ging wieder auf ihr Zimmer. "Sag mal waren das nicht The Rasmus?" fragte Nadine. Und ihre Antwort lautete nur "Ja".
Sie war so glücklich, nicht nur dass sie jetzt wusste, was das auf ihrem Arm bedeutete sondern auch weil sie extra wegen ihr noch in Berlin blieben um sie zu besuchen.
Doch schnell erinnerte sie sich an den Ärger mir ihrer Mutter und entschloss in der kommenden Nacht abzuhauen!
Sie war noch sehr schwach, denn der Krebs war schon im 2. Stadium.
Als die Schwester hinausging und das Licht ausknipste zog sie sich leise an, packte ein paar Sachen ein und gerade als sie gehen wollte stieß sie an den Tisch und Nadine wachte auf.
"Was-was machst du da? Willst du abhauen??", fragte Nadine, die noch ganz verschlafen war.
"Ja, Mausi, ich geh, ich muss hier raus und die paar Wochen, die ich noch hab genießen! Bitte erzähl keinem was, versprichst du das?" flüsterte Marie.
"Bitte geh nicht, ich-ich hatte noch nie so eine Freundin wie dich, ich will dich nicht verlieren! Kann ich nicht mitkommen? Bitte Marie, bitte." sagte Nadine, die nun bitterlich weinte, weil sie nicht wollte dass Marie ging.
"Ich weiß nicht, hm na los zieh dich an, aber sei leise und beeil dich sonst kommt die Nachtschwester."
Kaum hatte Marie ausgeredet hörten sie Schritte, die sich ihrem Zimmer näherten. Sie sprangen in ihre Betten und taten als schliefen sie und als die Nachtschwester hereinkam schaute sie nur kurz, lächelte und ging wieder hinaus.
Marie packte ein paar Sachen für Nadine ein und sie verschwanden durch den Park!
Beide waren noch sehr schwach und konnten ohne ärztliche Betreuung nicht auskommen, wenn sie auch nur 1 Tag ohne Medikamente waren konnte es für sie den sicheren Tod bedeuten.
"Wo wollen wir denn jetzt hin? Ich mein die werden nach uns suchen lassen mit Polizei und so." fragte Nadine.
"Mach dir mal keine Sorgen die finden uns schon nicht so schnell, wir gehen jetzt zu... AUH..A-A."
Marie hatte fürchterliche Schmerzen im Bauch, die sie natürlich nicht zeigte, die Metastasen hatten sich im ganzen Körper verbreitet, auch auf die Nieren hatte er sich gelegt und sie brauchte dringend eine Spenderniere sonst sah es sehr schlecht für sie aus.
"MARIE! Was ist, hast du Schmerzen? Sollen wir umkehren??" fragte Nadine besorgt.
"Nein, es - es geht schon. Umkehren werde ich auf keinen Fall, nicht solange ich noch mal bei The Rasmus war."
Jamie war inzwischen im Krankenhaus angekommen und wollte Marie besuchen, als sie in ihr Zimmer trat bekam sie einen riesen Schock, denn Marie war nicht mehr da, als sie in den Schrank schaute entdeckte sie eine unendliche Leere, sie hatte ihre Sachen mitgenommen.
"Wurde Marie schon entlassen?" fragte Jamie eine Schwester, die ihr entgegen kam.
"Nein, warum fragst du?"
Da wurde Jamie einiges klar und rannte los und ließ die Schwester einfach so stehen ohne was zusagen. Sie ahnte schlimmstes, denn sie wusste, dass Marie noch sehr schwach war und musste sie finden.
Bei The Rasmus angekommen, klopften sie an der Tür und Pauli öffnete ihnen.
"Marie what are you doing here? Du musst wieder ins Krankenhaus, ich ruf sofort den Arzt an"! sagte Pauli erschrocken.
"NEIN, das darfst du nicht. Bitte, ich bin doch extra von dort abgehauen, weil... weil die Schwester mich geschlagen hat. Und ich hab voll den Stress mit meiner Mum. Bitte lass mich ein paar Tage mit Nadine hier bleiben, ihr seid doch sowieso nur noch drei Tage hier, bitte Pauli bitte." flehte Marie.
"Was, sie hat dich geschlagen? Kommt erst mal rein. Und wo wollt ihr dann hin, wenn wir weg sind? Ihr könnt nicht ewig auf der Flucht leben, ihr könntet sterben, Marie sei vernünftig!" sagte Pauli in einem ernsten Ton.
Marie hatte gehofft, dass wenigstens sie Verständnis für sie hatten, doch auch The Rasmus waren nicht anderes als die anderen, dachte sie sich.
"Es tut mir leid das wir zu euch gekommen sind, dann gehen wir halt wo anders hin! Und ich dachte ihr seid anders als die anderen. Aber ihr seid auch nicht viel besser. Komm Nadine wir gehen" schrie sie Pauli an.
"Marie warte..." Pauli war verzweifelt. Was sollte er jetzt tun, er wusste ja nicht mal wo sie hin gingen.
"Pauli, wer ist denn da? Mit wem redest du?" fragte Eero, der mit den anderen vor dem Fernseher saß.
"Ach.. da - da ist niemand" gab er leise zurück uns sank auf den Boden, er war völlig verstört. Er musste die beiden finden bevor es zu spät war, Marie durfte nicht sterben. Aber wo könnten sie sein? Bei Marie? Im Park? Da fiel im ein, dass sie bei der Halle sein könnten, wo sie ihr Konzert hatten und er rannte los ohne auch nur einen Ton zu Lauri, Aki oder Eero sagen.
Völlig außer Puste kam er bei der Halle an.
"Marie! MARIE! Marie wo bist du? Bitte gib mir doch ein Zeichen, es tut mir leid. MARIE." schrie Pauli über das Gelände, doch niemand antwortete.
Wie auch, Marie ging es in der Zwischenzeit sehr schlecht, sie hatte hohes Fieber und war kaum noch bei Bewusstsein. In dem Moment kam Jamie bei der Halle an und fand Nadine und Marie in einem Bunker, wo sich versteck hielten. Sie sah wie schlecht es ihr ging und rief gleich einen Krankenwagen.
"Marie, bleib wach, du darfst nicht sterben" schrie Nadine sie an.
Sie verstand nicht mehr genau was Marie sagte doch sie konnte ganz deutlich den Namen Pauli hören, der die beiden schon eine Stunde voller Eifer suchte. "Pauli, hier sind wir! Hilfe."
Doch Pauli konnte Nadine nicht hören, er war zu weit weg. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen und schrie noch mal ganz laut.
"PAULI! HILFE!" Da drehte sich Pauli um, irgendwas hatte er gehört. Er lief zurück, von da wo er gekommen war. Er hörte jetzt ganz deutlich seinen Namen.
"Wo seid ihr?" schrie er.
"Hier Pauli. Wir sind hier!" schrie Nadine mir letzter Kraft.
Endlich fand er die beiden. Marie war bewusstlos, sie hatte hohes Fieber und musste sofort ins Krankenhaus.
Wenig später wurde Marie in den OP-Saal gebracht, sie brauchte eine neue Niere sonst würde sie nicht überleben. Sie schlossen sie vorerst an ein Dialyse Gerät an, um ihr Blut zureinigen.
Inzwischen hatte sich Pauli, der auch die andern drei informiert hatte, bereit erklärt, sich testen zu lassen ob er in Frage käme, doch leider konnte er keine Niere spenden. Auch bei Aki und Lauri fiel das Ergebnis negativ aus, nur Eero hatte die Möglichkeit eine Niere zuspenden, doch er hatte eine höllische Angst vor Operationen. Er zögerte erst aber die anderen konnten ihn überzeugen seine Niere Marie zuspenden.
Nach einer 8-stündigen OP wurde Marie in ihr Zimmer gebracht, wo sie noch eine ganze Zeit lang schlief. Sie hatte die OP gut überstanden, genauso wie Eero, der anfangs so große Angst davor hatte.
Natürlich mussten auch Maries Eltern über den Vorfall informiert werden, die darauf hin auch gleich ins Krankenhaus kamen. Die Mutter war ganz außer sich, richtig wütend darüber das die Schwestern nicht richtig aufgepasst hätten.
"Anzeigen werde ich sie. Marie kann was erleben, wenn sie aufwacht." sagte sie zornig.
"Jetzt reg dich nicht so auf, Elfriede, die Schwestern können doch nichts dafür." sagte Herbert, Maries Vater.
"Nicht aufregen soll ich mich, wenn mein Kind fast gestorben wäre? Na hör mal die haben ihre Aufsichtspflicht verletzt." schrie sie umher.
"Soll ich dir mal was sagen, ich kann Marie sehr gut verstehen, dass sie abgehauen ist, dir ging es doch immer nur um deinen Beruf, um Geld und um Ruhm und Ehre. Aber Marie hast du immer vernachlässigt. Geschlagen hast du sie wenn sie es dir nicht recht machte. Wo warst du denn, als sie Krebs bekam? Wo warst du, als sie dich so dringend gebraucht hat?" gab Herbert wider.
Doch da rastete Elfriede völlig aus, sie schrie umher, dass sie sich scheiden lassen wolle und ihm das Sorgerecht entziehen wolle.
Lauri hatte sich das Gespräch lange mit angehört, doch nun schritt er ein. "Hören Sie, Ihre Tochter wurde gerade operiert und braucht viel Ruhe, es bringt ihr überhaupt nichts wenn Sie sich hier streiten. Sie sollten sich mal zusammenreißen, Marie ist so ein lebensfreudiges Kind, sie hat noch so viele Träume, so einen Mensch habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Sie können stolz auf Ihre Tochter sein, doch stattdessen streiten Sie sich." lenkte Lauri ein.
Maries Eltern gingen in den Park um ihren Streit dort fortzusetzen. Sie kamen zu dem Entschluss, dass sie sich scheiden lassen wollten, denn es hatte keinen Sinn mehr. Maries Mutter wollte das alleinige Sorgerecht haben, auch wenn sie ausgemacht hatten, dass Marie entscheiden sollte wo sie lieber leben wollte.
Als Marie aufwachte standen Aki, Pauli und Jamie an ihrem Bett und warteten schon sehnsüchtig, dass sie aufwachte.
"Wo-wo ist Lauri?" fragte sie.
"Er ist noch bei Eero." antwortete Aki.
Doch da hatte er was gesagt was er nicht hätte sagen dürfen, Marie sollte nicht erfahren wer der Spender war. Aki lief rot an und bekam gleichzeitig einen Tritt von Jamie, die verhindern wollte, dass Marie die Wahrheit erfährt.
"Eero? Was ist mit ihm?" fragte Marie verwirrt.
"Ja..äh.. er.. er hat eine Gehirnerschütterung" sagte Pauli, dem gerade noch was einfiel um die beiden zuretten.
"Ja, er.. er ist von... von der Leiter gefallen als er die Gardinen abnehmen wollte." Bestätigte Jamie. Aber was Blöderes konnte ihr nicht einfallen, sie hoffte, dass es jetzt nicht auffliegen würde.
Auch wenn Marie ihre Augen verdrehte und es schien als würde sie es nicht so recht glauben wollen, nahm sie ihm das ab, denn sie war noch zu müde um ihnen zu widersprechen.
Nach drei Wochen konnte Marie das Krankenhaus verlassen, doch ihr stand noch eine schwere Zeit bevor, denn sie hatte den Kampf gegen den Krebs noch nicht gewonnen, außerdem musste sie ihre Sachen packen für eine große, weite Reise, denn sie hatte sich entschlossen bei ihrem Vater zu leben, der auch das alleinige Sorgerecht bekam und der mit ihr aufs Land im Süden Australiens ziehen wollte. Sie verließ Deutschland also mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn sie war endlich von ihrer Mutter weg aber sie hatte nicht mehr so viele Möglichkeiten The Rasmus zu sehen, denn in Australien gaben sie kaum Konzerte, doch das änderte sich schnell. Sie konnte ihre neuen Freunde von der Musik begeistern und seitdem kommen sie regelmäßig nach Australien.
Maries Vater wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann, sie hatten genug Geld, so dass Marie The Rasmus regelmäßig besuchen konnte. Auch Jamie kam oft zu ihr rübergeflogen und brachte manchmal noch ein paar Freunde mit, die sie alle sehr vermissten aber auch gleichzeitig glücklich waren, dass es ihr wieder so gut ging.
Marie besuchte jetzt 4 Mal die Woche die Musikschule, wo nur die begabtesten raufkamen und lernte Piano spielen und verbesserte ihr Gesangstalent. Sie erfüllte sich damit ihren größten Traum, ihr Bruder wäre jetzt stolz auf sie, wenn er noch leben würde. Sie verwirklichte das, wozu ihr Bruder nicht mehr die Gelegenheit hatte, nämlich endlich auf der Bühne zu stehen.
Einmal durfte sie The Rasmus sogar auf ihrer Europatour begleiten und sie mit dem Piano bei einigen Liedern begleiten. Sie hatten sogar ein Lied extra für sie komponiert, wo auch Marie mitsingen durfte. Sie hatte richtig viel Spaß mit ihnen, so dass sie ihren Krebs fast vergaß.
Doch leider änderten sich die Zeiten, Marie musste wieder ins Krankenhaus, sie bekam wieder Chemotherapien und wurde operiert, sie hatte nun drei Jahre gegen diese schreckliche und fast unheilbare Krankheit angekämpft, sie hatte es geschafft den Krebs für ein paar Monaten zu besiegen, doch nun musste sie wieder kämpfen. Marie war so tapfer.
Ihr größter Wunsch war es, ihre damals beste Schulfreundin, Emma, noch einmal wiederzusehen und rief sie an. Sie flog gleich am nächsten Tag zu ihr und freute sich endlich mal wieder mit ihr quatschen zu können. Vor ein paar Tagen hatte sich ihr Ex-Freund bei Marie gemeldet und ihr gesagt, dass sie jetzt getrennte Wege gingen und Emma nur Schluss gemacht hätte, weil Mike keine Arbeit hatte.
Als sie ankam zog sie erst mal ihre Jacke aus, dann gingen sie in ihr Zimmer und anstatt Marie erst mal zu begrüßen, fing sie gleich an sie anzuschnauzen, was sie sich denn dabei denke, ihr so eine SMS zuschicken. Marie wusste zwar welche SMS Emma meinte, doch sie wunderte sich was das Ganze sollte. Emma begann sie als arrogant und anstandslos zu beschimpfen. Marie ließ sich das nicht gefallen und wollte gehen, denn sie erkannte Emma gar nicht mehr wieder, was war bloß aus der lieben und schüchternen Emma geworden!
Sie ging zu Tür und zog sich ihre Jacke an und Emma beschimpfte sie immer weiter, sie ging auf Maries Ex-Freund ein, dass er nur Schluss gemacht hätte, weil Marie so arrogant geworden sei, doch Emma kannte Christian überhaupt nicht, wie also konnte sie sich so ein Urteil bilden, was überhaupt vollkommen falsch war. Sie konnte sich überhaupt kein Bild machen von Christian, nicht einmal gesehen hatte sie ihn.
Sie sagte Marie, dass sie bald ihre ganzen Freunde verlieren würde, doch das ließ Marie sich nicht bieten und fragte Emma wo denn IHRE ganzen Freunde seien und wo sie waren als es ihr so schlecht ging, Emma hatte seit 4 Jahren Schizophrenie. Marie war ihre einzige Freundin gewesen und immer da wenn es Emma schlecht ging, sie war die Einzige, die immer zu ihr hielt und sie nicht nach ihrem Aussehen beurteilte. Und nun wollte Emma sie nicht mehr sehen, doch Marie ging nicht sie wollte das jetzt klären. Das Schlimmste aber war, dass Emma sich jetzt auch noch in ihr Familienleben einmischt, wie es schlecht es doch war und das Marie nicht mal mit ihrer Mum reden konnte.
Doch da rastete sie aus und scheuerte Emma eine, denn was sie da behauptete ging sie überhaupt nichts an und damit ging sie zu weit.
"Ja schlag nur zu, wenn dir die Worte fehlen dann greifst du zu Gewalt. Ey du hast dich echt so verändert, du bist rotzfrech und hast keinen Anstand." Schrie Emma.
"So jetzt hör mir mal zu, ich weiß nicht, was das hier soll aber ich war die Einzige, die immer zu dir gehalten hat, wenn es dir schlecht ging. Und was mit meiner Familie ist geht dich überhaupt nichts an. Deine Mutter kam doch immer so oft zu uns und hat sich ausgeheult, weil sie nicht mehr mit dir klar kam! Und wo warst du denn als es Annika so schlecht ging, wo sie fast gestorben wäre? Hä wo warst du da??" brüllte Marie.
"Woher sollte ich das wissen? Ich war doch selber krank!" gab Emma zurück.
"Jetzt schieb nicht immer alles auf deine Krankheit, wenn du nicht mehr weiter weißt, dann machst du immer deine Krankheit für alles und jeden verantwortlich."
"Geh Marie, hau endlich ab, ich will dich nie mehr sehen." Sagte Emma.
"Dann mach doch die Augen zu, dann siehst du mich nicht mehr! Ich werde nicht eher gehen bis wir das geklärt haben. Was hast du nur für Drogen genommen, dass du jetzt so komisch bist! Und warum hast du mich überhaupt herbestellt? Hättest du mir das Gesülze nicht auch am Telefon sagen können? Und noch was, wenn ich so eine schlecht Freundin gewesen bin, warum heulst du dann, wenn du sagst ich soll gehen? Ich war die Einzige, die immer für dich da war, du hattest dich gar keine anderen Freunde aber bitte wen du es dir leisten kannst mich auch noch zu verlieren, dann bitte." sprach Marie in einem ernsten Ton.
"Ey, du bist so frech. Komm geh. Weißt du, ich hab aus meinen Fehlern gelernt, ich habe mich der Gesellschaft angepasst und mich geändert, im Gegensatz zu dir. Ich bin ein normaler Mensch geworden." Sagte Emma und weinte.
Marie musste lachen über das was Emma gesagt hatte. An die Gesellschaft angepasst? Ein normaler Mensch? Wer ist heutzutage schon normal?
"Du wirst nie ein normaler Mensch werden, du bist krank, kapier das endlich! Glaubst du ich hab mich nicht geändert?" fragte Marie und musste wieder grinsen.
Da packte Emma sie an der Schulter und wollte sie aus ihrer Wohnung werfen, doch Marie werte sich sie wollte mit Emma reden und herausfinden was mit ihr geschehen ist.
"So jetzt sag ICH dir mal was. Ich hab Krebs und werde bald sterben, aber das interessiert dich ja nicht. Du denkst ja immer nur an dich. Aber weißt du was: dann brauch ich deine hässliche Visage nicht mehr sehen und ich will dich auch nicht bei meiner Beerdigung sehen, damit das klar ist." Marie musste weinen, es war so hart Emma zu verlieren, sie konnte doch nicht einfach 12 Jahre einfach so wegschmeißen.
Emma sagte nichts mehr, sie sah wie ihr die Tränen ins Gesicht stiegen und sie total geschockt war über das was Marie da sagte.
"Vermissen werde ich dich ganz bestimmt nicht." Sagte Emma kühl, doch das hatte Marie sehr verletzt.
Sie machte die Tür auf und ging. Sie war total fertig mit den Nerven, beinahe wäre sie wieder zusammengebrochen, wie damals auf dem Konzert. Wie konnte Emma ihr nur so etwas antun, sie war so gemein. War Marie wirklich so ein arrogantes, taktloses und anstandsloses Mädchen? Sie begann an sich selbst zu zweifeln.
Marie setzt sich in ein Taxi und fuhr zum Flughafen, plötzlich klingelt das Telefon, Emma. "Was willst du noch? Reicht es dir das du mich fertig machst? Musst du mich jetzt auf meinem Handy terrorisieren?" fragte Marie genervt.
"Marie bitte komm zurück, ich wusste doch nicht, dass du Krebs hast, bitte es tut mir leid." Flehte Emma sie an. Doch es war zu spät.
"Du hättest dir früher überlegen müssen was du da sagst. Du hast mich zutiefst verletzt. So etwas kann man einfach nicht verzeihen." Marie legte einfach auf, sie musste einen Schlussstrich ziehen, auch wenn es noch so hart für sie war. Das was Emma ihr angetan hatte war nicht zu verzeihen, wie wollte Emma wissen was für Probleme Marie hatte? Sie hatte zu ihr gesagt sie soll eine Familientherapie machen.
Sie weinte die ganze Zeit, hatte extra das Treffen mit Jana abgesagt und dann erlebte sie so etwas. Wie können sich Menschen nur so verändern? Wer hatte Emma nur so beeinflusst, dass sie so etwas sagte?
Marie stieg in den nächsten Flieger nach Australien, niemals mehr wollte sie hierher zurückkehren, niemals mehr wollte sie so verletzt werden. Im Flugzeug schlief sie vor Erschöpfung ein.
Ihr Dad wunderte sich, warum sie so früh zurückkehrte, denn er hatte sie erst in ein paar Tagen erwartet.
"Du bist ja schon da! War Emma nicht Zuhause?" fragte er verwundert.
"Ich hätte nicht mal zu ihr fliegen sollen. Sie hat mich total fertig gemacht. Sie sagte ich sei total arrogant und nie für sie da gewesen, als sie mich gebraucht hat. Und dann hat sie sich noch in unser Familieleben eingemischt, dass wir doch ne Familientherapie machen sollen und so." schluchzte Marie und konnte ihre Tränen nicht mehr auf halten.
"Ach, Süße, die hat doch ne Macke. Vergiss sie, sie ist es nicht wert deine Freundin zu sein. Auch wenn es hart ist, 12 Jahre einfach so wegzuschmeißen, aber im Gegensatz zu ihr hast du wenigstens Freunde, auf die du auch stolz sein kannst." sagte ihr Dad und nahm sie in den Arm.
In der kommenden Nacht schlief Marie sehr schlecht, sie musste immer wieder an Emma denken, sie konnte es nicht einfach so auf sich beruhen lassen.
Erst mal musste sie wieder ins Krankenhaus, sie bekam Chemotherapien und wurde noch mal operiert. Doch auch das hat sie gut überstanden, nun musste sie sich gut erholen um für die The Rasmus Welttournee fit zu sein, wo sie 2 eigene Songs, Dreams come true und You are not alone, singen durfte. Sie spielte auf ihren Piano und auf ihrer Geige, es klang wunderschön und die Fans jubelten, sie hatte schon fast ihre eigene kleine Fangemeinde, manchmal gab sie sogar schon Autogramme.
Nach der Welttournee verschlechterte sich ihre Gesundheit rapide und sie musste wieder ins Krankenhaus. Sie bekam wieder Dialyse und wurde rund um die Uhr betreut. Maries Niere wurde vom Körper nicht mehr akzeptiert und auch die andere Niere funktionierte nicht mehr so wie sie eigentlich sollte.
Ihr Daddy besuchte sie jeden Tag im Krankenhaus und brachte ab und zu ein paar Freunde mit, auch Jamie flog extra nach Australien um sie noch einmal zu sehen. Später entschied sich auch Cora zu ihr zu fliegen, sie war ihre zweit beste Freundin. Sie kannten sich zwar schon seit der 7. Klasse, hatten sich aber damals kaum unterhalten. Erst seit der 12. Klasse wurde ihr Verhältnis enger und sie wurden richtig gut Freunde.
Jamie und Cora hatten Angst, dass Marie Weihnachten nicht mehr erleben würde, denn es ging ihr immer schlechter.
Marie lag auf der Intensivstation, damit die Ärzte ihren Zustand besser unter Kontrolle hatten. Das Weihnachtsfest feierte sie mit ihrem Daddy, Jamie und Cora. Sie bekam eine Geige, die sie sich schon so lange gewünscht hatte, einen Discman und Schlittschuhe, die sie sich selber ausgesucht hatte.
Was sie sich aber am meisten gewünscht hatte war, dass sie mit ihren besten Freunden und ihrem Daddy zusammen Weihnachten feiern konnte, sie war so froh, dass sie gekommen waren, denn sie hatte die beiden schon sehr vermisst.
"Danke für alles, ihr seid so lieb. Danke, dass ihr extra wegen mir nach Australien geflogen seit." sagte Marie leise, ihre Lippen waren rau und sahen rau aus.
"Hey das ist doch selbstverständlich. Jetzt musst du aber wieder gesund werden, damit wir zusammen Schlittschuhlaufen können. Ich kann dir dann auch zeigen wie gut ich das schon kann." sagte Jamie, sie spürte, dass Maries Leben bald zu Ende gehen würde.
"Könnt ihr mir was versprechen? Wenn ich nicht mehr da bin müsst ihr auf Gina aufpassen, hört ihr. Sie fühlt sich sonst so allein. Und kümmert euch um The Rasmus, macht ihnen Feuer unterm Hintern, wenn sie mal wieder so faul sind. Macht ihr das?" Maries Stimme wurde immer leiser.
Gina war ihr Labradormischling, den sie zum 18. Geburtstag bekam, sie war gerade mal 4 Monate alt.
"Was redest du da? Du wirst doch wieder gesund. Noch ein paar Wochen dann hast du es geschafft, dann hast du gewonnen. Gib jetzt nicht auf." wimmerte Cora, ihr liefen dicke Tränen über ihr Gesicht, auch sie merkte das Maries Kraft zu Ende ging.
"Ich liebe euch! Ihr müsst jetzt stark sein." Es sah aus als würde sie einfach nur schlafen und jeden Moment wieder aufwachen, doch das tat sie nicht. Sie sah so friedlich aus, wie sie da lag mit ihrem Teddy im Arm. Marie hatte gekämpft, sie wollte den Krebs besiegen, doch sie hatte keine Kraft mehr gehabt.
Auch wenn sie gewusst hatten, dass Marie bald sterben würde, hatten sie nicht gewusst, dass es so schnell gehen würde. Es ist hart einen Menschen zu verlieren, selbst wenn man weiß das er krank ist und vielleicht sterben würde.
Maries Vater, Jamie und Cora saßen noch lange an ihrem Bett. Sie überlegten wie sie Marie beerdigen wollen und was ihr größter Wunsch war. Sie mussten noch Lauri, Pauli, Aki und Eero benachrichtigen, die noch auf Tournee waren und für die es genauso schwer werden würde. Ihren Artikel, den sie verfasste und an die Berliner Morgenpost schickte, wurde kurz nach ihrem Tod veröffentlicht.

"Wie es sich anfühlt, ein Fan zu sein
Unser unvergesslicher Tag, an dem "The Rasmus" in Berlin spielte
Endlich! Endlich war Samstag. Heute spielte "The Rasmus" in der Columbiahalle. Der Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel - ideal, um auf ein Konzert zu gehen. Um kurz vor drei machten Jana und ich uns auf den Weg zu "The Rasmus". Auf diesen Tag hatten wir uns schon wochenlang gefreut.
Der Zug setzte sich langsam in Bewegung und meine Aufregung begann zu steigen, das Kribbeln in meinem Bauch wurde immer stärker und bei jedem Gedanken an "The Rasmus" bekam ich Gänsehaut, die aber von den warmen Sonnenstrahlen vertrieben wurde.
Schaffe ich es bis ganz nach vorn? Wie wird Lauri wohl aussehen? Diese Fragen quälten mich schon eine Ewigkeit. Heute würde ich eine Antwort darauf finden.
Nach 50 langen Minuten im Zug und mehrmaligem Verlaufen kamen wir an der Columbiahalle an, wo schon zahlreiche Fans warteten. Wir stellten uns direkt vor den Eingang in die große Menge der Konzertbesucher. Aber jetzt begann zunächst mal eine lange Zeit des Wartens, denn es waren noch dreieinhalb Stunden bis zum Einlass. Je öfter ich auf die Uhr schaute, desto langsamer verging die Zeit. Meine Aufregung wurde immer unerträglicher.
Aber dann! Dann öffneten sich die Türen und damit begann auch ein riesengroßes Gedränge, das mich und Jana fast zu Boden drückte. Zum Glück standen wir sehr weit vorn, so dass wir schnell hineinkamen, noch die Taschenkontrolle über sich ergehen lassen und dann nichts wie ab zur Bühne.
Wir schafften es, bis in die dritte Reihe zu kommen.
20.24 Uhr. Dunkelheit. Stille. Dann ein krasser Gitarrensound und lautes Kreischen. Es ging los. Ich war total außer mir vor Freude. Die Stimmung war schon bei der Vorgruppe "Die Happy" einfach genial, wir sangen und sprangen mit und langsam ging ein kurzes, aber super tolles Konzert zu Ende und ich war total außer mir, ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Es blieb auch keine Zeit, lange darüber nachzudenken, denn ich sah schon das Schlagzeug von Aki, dem Schlagzeuger von "The Rasmus".
Lauri kam mit einer Stimme voll Feuer auf die Bühne und die Show begann. Er war schwarz gekleidet und trug an der linken Hand ein Armband. Wow, es war einfach genial, die blau-grünen Lichter rundeten die Show ab. Die Stimmung war einfach unbeschreiblich. Für ein paar Stunden waren wir wie eine riesengroße Familie, denn jeder hat jedem geholfen, wenn es jemandem schlecht ging, und das war nicht selten, hat keiner weggeguckt. Auch die Getränke, die ab und zu in die Menge geworfen wurden, wurden so gerecht wie möglich geteilt.
Ob "Still Standing" oder "F-F-F-Falling", es wurde abgerockt und mitgesungen. Nach eineinhalb Stunden nahte das bittere Ende, bei dem einen oder anderen flossen dicke Krokodilstränen, doch für jeden wird dieser Tag unvergesslich bleiben und manch einer hat sogar noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen."

Am 18. Januar kehrten The Rasmus von ihrer Tournee wieder und fuhren gleich zu Marie nach Hause, sie hatten ja nicht die leiseste Ahnung, was passiert war. Sie hatten noch gelacht, über das was ihnen auf ihrer Tour passiert war und wollten es Marie erzählen.
Maries Vater öffnete ihnen die Tür, ihm liefen Tränen übers Gesicht, er sah schlecht aus. Er hatte abgenommen, ließ keinen mehr an sich ran. Es war der zweite Tiefschlag für ihn, erst verlor er seinen Sohn und dann auch noch Marie, er war jetzt ganz allein.
Als die Vier ihn so sahen ahnten sie gleich, was passiert sein könnte.
"Nein, sagen Sie, dass das nicht war ist!" schrie Lauri, auch ihm stiegen die Tränen ins Gesicht.
"Doch, es ist leider wahr. Sie ist am 24. Dezember ganz friedlich eingeschlafen." Sagte Herbert.
Lauri brauch völlig fassungslos zusammen, er konnte es einfach nicht glauben.
Er wollte ihr doch noch so viel sagen, ihr noch so viel zeigen. Lauri hatte sich nicht einmal von ihr verabschieden können, sie war schon fast wie eine kleine Schwester für ihn gewesen und jetzt war sie nicht mehr da, es war so unbegreifbar, dass sie nie mehr wieder kommen würde und es tat verdammt weh. Auch die anderen konnten es nicht fassen, es war so hart einen Menschen, den man geliebt hat zu verlieren. Es ist als wenn von einem Moment auf den anderen alles zusammenbricht. Wenn einem ein Stück seines Lebens genommen wird, wenn es niemals mehr Tag und die Sonne nie mehr scheinen würde. Die Beerdigung war am 2. Februar, Lauri hatte noch einen Brief an Marie geschrieben, so hatte er doch noch die Chance sich irgendwie bei ihr zu verabschieden.

"Dear Marie,
es ist so verdammt schwer dich gehen zulassen, du warst immer wie eine kleine Schwester für mich und alle haben dich mit viel Liebe in ihr Herz geschlossen. Doch nun bist du nicht mehr hier, du fehlst mir so!
Jeden Abend schaue ich aus dem Fenster, ich sehe dich im Mondschein und man kann sehen das du jetzt glücklich bist. Du wurdest erlöst von deinen Schmerzen, doch hast du nicht aufgegeben zu kämpfen, denn du wolltest leben. So früh musstest du von uns gehen, zu früh nahm dein junges Leben ein Ende. Deine Lächeln, deine Augen, deine Blicke, sie fehlen mir so, sie fehlen uns allen.
Du hattest so eine wunderschöne Stimme, sie war so warm, so sanft. Ich habe mich immer wohl gefühlt, wenn du gesungen hast oder auf dem Piano gespielt hast.
Warum kannst du nicht zurückkommen? Du fehlest mir so. Ich wollte dir doch noch so viel sagen, noch so viel zeigen. Du warst noch so jung, du wirst mir fehlen.
Lauri"

The Rasmus sangen auf Wunsch von Maries Daddy und auch auf Wunsch von Marie "Amazing Grace".
Auf ihrem Grab lagen nun ganz viele Sonnenblumen, es waren Maries Lieblingsblumen, sie standen für ein neues Leben, für einen Neuanfang.
Später komponierten The Rasmus einen Song, den sie Marie widmeten, "Heaven", er landete gleich auf Platz eins.
Es war nicht nur eine harte Zeit für The Rasmus, sondern auch für Maries Vater und ihre Freunde, sie kamen jeden Tag zu ihrem Grab und legten neue Blumen nieder.
In ihnen war eine vollkommene Leere, ihre Augenlider waren schwer von den vielen Tränen, die sie weinten um ihren Schmerz rauszulassen, um das Geschehene zu verarbeiten. Sie schauten sich Fotos an, wo Marie noch ganz klein war, noch fast ein Baby. Saßen in ihrem Zimmer, es war kalt und leer ohne sie, es wirkte einsam.
Alles sah so normal aus, als wenn Marie jeden Moment lachend zur Tür reinkommen würde, so wie es immer tat wenn sie gewonnen hatte im Tischtennis, doch sie tat es nicht.
Das Schönste was ihnen geblieben war, waren ihre Geschichten und Gedichte, die sie immer rührten. Ihre Gedichte waren immer voller Emotionen und Leidenschaft, aus ihnen konnte man genau erkennen ob es Marie gut ging oder nicht. Ob sie glücklich oder traurig, verängstigt oder verzweifelt war



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Eingereicht am 08. März 2004.
Herzlichen Dank an die Autorin.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin.