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Gedanken eines Gedankenlosen

Von Nico


Die Gedanken gehen keine klaren Wege. Sie verirren sich in endlosen Überlegungen.
Es ist noch eine Menge zu machen und eine Menge woran man auch noch denken könnte.
Doch es ist, wie so oft, dass man gar nichts macht und sich versucht zu entspannen.
Und was in diesen Momenten durch meinen Kopf ging, versuche ich festzuhalten um Leuten, denen es manchmal sicherlich genau so geht, ein Weggefährte zu sein.
Ich sitze vor meinem Schreibtisch und es ist schon relativ spät, der Verkehr auf der Strasse hat merklich abgenommen und viele Leute sind sicherlich schon am Schlafen. Die Glücklichen.
Ich lausche entspannender Musik und nippe an meinem Getränk, welches mit wohliger Wärme meinen Gedanken Fesseln anlegt.
Um mich kurz vorzustellen, mein Name ist Schüler X und ich bin im Begriff, in ein paar Wochen Abitur machen. Die Variable X könnten man beliebig mit Nummern füllen, wie auch der Begriff Schüler, von jedem anderem arbeitsbezeichnenden Titel ersetzt werden könnte.
So schweifen meine Gedanken durch Zeit und Raum. Sie sind zu frei um sie zu zügeln und ich hatte es auch gar nicht vor. Man träumt von einem Urlaub, wohltuende Wärme, sorgloses Dahintreiben, keine Fragen nach dem Morgen oder den nächsten Wochen.
Man entspannt, schnell bilden sich Palmen und Sand vor meinem inneren Auge, welches sehr klar sieht, obwohl die Eigentlichen nicht einmal geschlossen sind.
Frauen in knappen Sachen und schönen Rundungen schwirren umher und ihre nettes Dasein wird noch mit ihrer braunen Hautfarbe unterstrichen welche mich darauf schließen läst, dass sie den ganzen Tag nichts anderen tun möchten, als mich zu umschwärmen.
Der Blick geht für den Bruchteil auf die Uhr und man wird wieder aus dem Traum entrissen.
Aber was soll's, die Realität läst sich nun nicht so deutlich verdrängen. Aber man kann es ja versuchen und das ist, was ich krampfhaft versuche. Wer kann es mir verübeln? Der Blick in die Zukunft scheint nicht gesichert zu sein, Erfolge müssen erarbeitet werden, Steine werden in den Weg gerollt und das auch noch mit Vergnügen, da scheint es doch nicht weit hergeholt.
Die Gedanken gehen zurück, aber so bald sie wieder halbwegs aufs eigentlich fixiert sind, driften sie auch schon wieder ab. Die Lichter der Stadt laden ein zum Verweilen. Ihr Leuchten hat schon so Manchen in den Bann gezogen, und ich lasse mich, zumindest gerade, gerne hineinziehen. Ich betrachte die Straßen, fliege in Gedanken über Häuser und kann sein wo ich will und wie lange ich will. Es bringt Spaß sich an Ort zu denken, mit dem man schöne Erinnerrungen verbindet. Melancholie und schlechtes Wetter sind eine üble Mischung.
Es wird immer später und langsam wird es Zeit, sich den Büchern zu widmen.
Ich bin ja schon froh, dass meine geistigen Ausflüge nicht in stundenlangen fast schon Wochenend-Trips ausarten. Ich schlage zumindest das Buch mal auf, es erweckt den Anschein des Lernens. Die ersten Satzphrasen schwirren mir entgegen und es packt mich fast schon ein Gefühl von Resignation. Aber es muss ja weitergehen und ich weiß es ja auch.
Kann ich mich an eine Seite erinnern, wo Dinge stehen dürften, die für die Prüfung relevant sein dürften? Man hat ja mal im Unterricht mitgeschrieben.
Es werden ein paar Formeln gelernt und ein paar Sätze von sicherlich bedeutenden Schriftstellern auswendig gelernt, aber die persönliche Belanglosigkeit dieser steht mal wieder über dem geheuchelten Interesse.
Nach geraumer Zeit packt einen auch noch die Müdigkeit. Aber es ist auch schon spät und zum Einschlafen fehlt auch nicht mehr viel. Gute Nacht Tag, der Fortschritt war mal wieder nicht zu messen.
Am nächsten Morgen sitze ich in einem Raum, der von Angst und Strebsamkeit gefüllt ist.
Mein Blick schweift umher und stößt auf selbstsichere und angepasste Gesichter welche ich seit Beginn meiner Schulzeit verabscheue. Aber genau so trifft er auf Gleichgesinnte, welche der Fantasiereise im Kopf wohl den Vorzug gaben, als dem Lernen. Verständlich wie ich finde.
Aber das Komische ist, ich empfinde keine Reue. Gut ich meine, ich werde wohl eine schlecht Note schreiben, aber in meinem Kopf habe ich während meiner Traumreisen mehr Erfahrungen und Eindrücke gesammelt, als die Strebsamen, welche mit ein paar Formeln den Lehrer und seine vorgeschriebenen Anforderungen, befriedigen dürften. Die Arbeit wird mit einem Lächeln und vielen weißen Seiten zurückgegeben und beim Verlassen des Raumes frage ich mich, wohin mich meine nächste Reise führen wird.



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Eingereicht am 09. Februar 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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