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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

2 Freundinnen oder "Wie übersteh ich eine Orgie?"...

Eine Kurzgeschichte von Markus Hettich


Eine nette Stimme hatte sie ja, aber was dahinter steckt wollte ich doch schon gern wissen und so machte ich mich eines Montag Abends, so gegen 19.30 Uhr auf, um eine weitere Bekanntschaft das erste mal zu daten. Vorab hab ich bereits erfahren, dass sie an diesem Abend nicht alleine sei, da eine Freundin zu Besuch kommen würde. Tja, ich Glückspilz... gleich zwei Frauen... und schon nach den ersten Telefonaten war klar, sie hatte nicht nur Reden im Kopf. Mit großer Vorfreude fuhr ich also auf der Autobahn Richtung Ulm. Letzte Rastmöglichkeit - noch mal kurz raus. Zigaretten kaufen und etwas frisch machen...
Auf dem Weg zum Auto kam mir ein Mann entgegen, der voller Aufregung erklärte, dass sein Wagen defekt sei und er meine Hilfe benötigt. Jegliche Versuche ihn abzuwimmeln schlugen fehl. Nachdem wir dann mit einem polnischen LKW-Fahrer seinen Kombi über den halben Parkplatz der Rastanlage geschoben haben (Nein, kein Problem... ich geh gern total verschwitzt zu nem Date...), konnte er mich noch dazu überreden ihn mitzunehmen. Als ich ihn dann nach längerer Fahrt in Ulm rausgelassen habe, hat mich der Scherzkeks doch glatt in die falsche Richtung geschickt (kein Thema... ich hab ja Zeit...). Nachdem ich dann die Orientierung und das richtige Kaff gefunden hatte, erwarteten mich die 2 Damen bereits sehnsüchtig. Erster Kontakt... Autsch... das berüchtigte "Hettich"-Glück" hat wieder zugeschlagen. Die bisher so sympathische Bekannte jagte mir schon vom ersten Moment an Angst ein. Mindestens 2 Kopf größer als ich und doppelt so breit. Kurze Haare und ausrasierter Nacken (Mama, ich will nach Hause!!!), aber halt... die Freundin, WOW... eine bildschöne Frau. Tja und wer wird denn die Flinte gleich ins Korn werfen. Vielleicht klappt's ja doch und wir verlagern unsere Gespräche in ein Schlafzimmer... Nachdem wir an der Tanke noch kurz etwas Alkoholisches eingekauft hatten, ging's weiter. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass die beiden nicht nur einfach Freundinnen waren.
Als die Hübsche von der Rückbank anfing, der anderen den Nacken zu streicheln und ihr dabei Sachen zuflüsterte, die mich dann doch sehr neugierig machten. Ein Bi-Paar... und das in meinem Auto... YES!!! Wie? Nicht gleich zu Euch... noch was besorgen? Hm, okay, der Umweg lohnt sich doch bestimmt (bis dahin hab ich also die Hoffnung noch nicht aufgegeben). An einer Bushaltestelle sollte ich kurz halten. Ja klar, vielleicht können die zwei Dutzend Russen ja Auskunft geben, wo sich der Bruder von diesem Zentner-Weib aufhält. Nachdem die Jungs draußen anfingen die üblichen "Deutsche Panzer rollen wieder", "Man, bist Du fett" und "Wie bist du denn in den kleinen Corsa reingekommen"-Sprüche abgelassen hatten und die Lady dann mit Sprüchen wie "Wisst Ihr überhaupt mit wem Ihr Euch anlegt?" gekontert hatte, stand für mich klar, entweder wird mein Auto gleich unter Beschuss genommen oder ich sollte Gas geben. Also kroch ich wieder aus dem Fußraum hoch, wo ich vorübergehend aus Sicherheitsgründen Platz genommen hatte und fuhr davon. Irgendwann, fragt mich nicht warum, sind wir dann wieder dort gelandet, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Bruder in einer nahegelegenen Kneipe saß. Dort angekommen, wurde ich allen vorgestellt und wir ließen uns nieder. Es muss wohl so gegen 1 gewesen sein und ich machte mir schon so langsam Gedanken, wann und wie ich wohl morgens zur Arbeit kommen würde. In der Kneipe selber wurde diskutiert (natürlich saß ich teilnahmslos da, wie es sich für einen Fahrer gehört) und als sich dann rumgesprochen hatte, dass die beiden Mädels für beide Seiten offen waren, begann die Wirtin die eine anzubaggern, während der Bruder schon mit der Freundin knutschte. Die Wirtin blitzte ab, aber dafür ging Miss Mollie dann vor die Tür um sich einen der vorher pöbelnden Russen zur Brust zu nehmen. Als dieser sich dann in der Kneipe entschuldigte, begann es wohl auch zwischen den beiden zu knistern und ich durfte 2 Paaren dabei zusehen, wie sie sich immer näher kamen. Der Abend endete, nachdem ich alle zu ihr heim gefahren hatte. Der Bruder blieb zwar in der Bar, aber die Hübsche zog daheim angekommen, das "Kleine Schwarze" nicht für mich, sondern für ihre Freundin an und die schnappte sich derweilen den Russen und verschleppte ihn ins Schlafzimmer. Ich stand noch immer fassungslos im Türrahmen und wusste nicht ganz, ob ich gleich heulen sollte oder lieber warte, bis ich auf dem Heimweg bin. Die Hübsche legte sich zwar noch knapp bekleidet auf die Couch, wollte aber schlafen.
Ja... ich schaffte es auch dieses mal wieder, kurz vor dem Weckerklingeln daheim anzukommen und hatte erneut völlig umsonst eine Tankfüllung verblasen.



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Eingereicht am 11. Januar 2004.
Herzlichen Dank an den Autor.
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