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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Abschied

Eine Kurzgeschichte von Raiko Milanovic


Dinkelbrot und TAZ untern Arm geklemmt, den anderen mit biologisch angebautem Gemüse und ökologischer Milch belastet, wühlte ich nach dem Einkaufszettel. Klara wollte noch Eier. Ich spähte auf dem Markt umher auf der Suche nach glücklichen Kühen, frohen Ferkeln und so. Es war schon spät und einige Stände schlossen bereits.
Frühling war es und Männer wie Frauen genossen die laue Luft wie die Blicke auf Beine und Dekolletés während ich hier nach Öko-Eiern suchte. Apropos, dort gab es ein passendes Schild.
"Ja?", fragte die Verkäuferin. Blaue Augen zu roten Haaren. Ihr roter Mund sagte etwas während der Wind für mich mit ihren Locken spielte.
"Ich möchte Eier von frei laufenden Hühnern, die mit biologisch angebautem Korn gezogen wurden."
Sie sagte etwas und drehte eine Locke um einen Finger.
"Hier habe ich keine sagte ich - hören Sie mir überhaupt zu?"
"Ja, äh ja, natürlich. Ich brauche ein Dutzend."
Sie atmete ein, schade dass sie ein Sweatshirt trug. Dann sagte sie wieder etwas, zu dem ich nur nickte. Sie lächelte und zuckte entzückend mit den Schultern. Ihre Hand hob sich und wies an mir vorbei. Ich folgte dem Flaum ihres Arms zu einem Haus.
"Im Laden, da habe ich was Sie wollen." Sie trat hinter dem Tisch hervor: "Komm." und ich trottete ihr hinterher und beeilte mich aufzuholen. Sie strich sich Haar hinter das Ohr und lächelte mir zu wie ich sie dabei beobachtete.
Wir traten ein.
"Hinten, auf den Regalen."
Sie ging wieder voran und ich folgte ihr. Sie blieb vor einem Regal stehen, hob anmutig ihre Arme und schaute sich nach mir um und ich, im Bestreben ihr zu helfen, trat heran und griff nach der Kiste. Dann sanken meine Hände herab, sie lag plötzlich in dem Kreis meiner Arme. Erst fiel die Kiste, dann wir; ich glaube sogar, sie schubste mich.
Frühlingswärme und Frühjahrslust. Sie küsste mich hungrig und ich schmeckte Äpfel, süß und sinnlich und schleckte Salz von ihrem Hals, den sie mir tierisch bot.
Später, als wir uns anzogen - ich genoss wie sie sich die Haare hochband - war ich viel zu satt, um mich zu wehren als sie mich sanft hinaus drängte.
"Du musst jetzt gehen."
Stimmt, dachte ich und machte mich davon.
Ging über den Markt, den krummen Weg den Hügel hinauf und um zwei Ecken bis ich eine Tür aufschloss und etliche Stufen hinauf stieg. Oben eine weitere Tür mit Sicherheitsschloss.
"Ich hoffe, du kommst dich zu entschuldigen", hörte ich Klara.
"Nein", sagte ich, "um mich zu verabschieden."




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Eingereicht am 29. Dezember 2003.
Herzlichen Dank an den Autor.
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