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Kurzgeschichte

Kritik

© Esther Wäcken


Sicher macht jeder, der künstlerisch-kreativ tätig ist, früher oder später diese Erfahrung. Und dabei ist es ganz egal, ob einer schreibt, malt, bildhauert, musiziert oder was auch immer. Sobald wir dies nicht mehr für uns allein im stillen Kämmerlein oder bestenfalls vor guten Freunden tun, sondern uns damit in irgendeiner Form an die Öffentlichkeit wagen, sind wir ihr gnadenlos ausgesetzt, der Kritik unserer lieben Mitmenschen.
Oh ja, sie ist uns willkommen, diese Kritik, wenn sie unsere Werke lobt, uns bestätigt, ja, in den Himmel hebt. Wenn wir uns stolz sagen können: "Ja, da habe ich was geleistet, meine Leistung wird anerkannt, ich kann stolz auf mich sein." Sie ist uns auch willkommen, wenn sie konstruktiv ist, uns nachvollziehbare Verbesserungs-vorschläge gibt. Aber es gibt auch die andere Kritik, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdient, weil sie nämlich nichts anderes ist als ein gnadenlosen Niedermachen, durch den Kakao ziehen, in den Schmutz treten.
Auch ich habe diese Kritik schon erlebt. Da bringe ich ein Buch auf den Markt, 3 Kritiken in der Lokalzeitung sind absolut Spitze, loben mein Buch in den höchsten Tönen. Aber die 4. schreibt einen totalen Verriss. Und jetzt wieder, wo ich einige meiner Geschichten ins Internet stelle. Reaktion durchweg positiv, Leistung anerkannt, Danke!
Aber einer muss immer dabei sein, dem anscheinend nichts gut genug ist. Klar, Geschmäcker sind verschieden, völlig normal. Und ich kann sehr gut damit leben, wenn mir einer sagt: "Was du schreibst ist gut, aber nicht dass, was ich üblicher Weise lese." Aber was ich hasse sind diese Giftspritzen, denen es anscheinend nur darum geht, andere fertig zu machen. Und dann sitze ich da und frage mich, was sind das nur für Menschen? Frustriert und verbittert müssen sie sein. Selbst kriegen sie wohl nichts gebacken, also müssen sie bei anderen das Haar in der Suppe finden. Wahrscheinlich fühlen sie sich ganz groß und mächtig bei dem Gedanken, soeben jemanden zur Schnecke gemacht zu haben, dafür gesorgt zu haben, dass die Wut dem anderen die Gedärme verknotet.
Wie soll ich dieses Gefühl beschreiben, in so einem Moment, wo man als jemand hingestellt wird, der wohl zu viel Langeweile hat und deshalb nichts sagende Geschichten schreibt? Als jemand, der nur Klischees anhäuft, unfreiwillig komisch ist und ähnliches mehr? Es ist wohl ein bisschen so, als ob ein Gärtner mit viel Liebe einen schönen Garten angelegt hat und dann kommen Vandalen daher, treten alles kaputt, reißen die Pflanzen heraus, knicken sie um. Oder ein Koch hat ein exzellentes Menü gezaubert in dem der Esser dann nur appetitlos herum stochert und den Teller fast voll zurückgehen lässt.
Nein, unterkriegen lasse ich mich davon nicht. Das wäre ja noch schöner! Schließlich gibt es genügend Leser, die meine Geschichten zu schätzen wissen, die mir sagen: "Sehr gut! Weiter so!" Und wem es nicht gefällt, der muss es ja nicht lesen.
Aber ich weiß auch von anderen, die Talent hatten, denen die Freude an ihrer Kunst jedoch durch boshafte Kritiker ein für alle Mal verleidet wurde.
Und darum ist mir der folgende Spruch eingefallen, den sich alle meine Kritiker gern annehmen können:
Wenn einer, des Lesen mächtig kaum,
andren zerstör'n will den Autorentraum,
noch meint, ein Kritiker zu sein,
der ist ein missgünstiges Schwein.
In diesem Sinne wünsche ich allen Autoren, ob Profis oder Hobbyschreiber, noch viel Erfolg mit vielen weiteren schönen Werken. Und das nötige dicke Fell, um alle besserwisserischen Nörgler mit stoischer Gelassenheit ertragen zu können.



Eingereicht am 04. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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