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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Angst

© Elisabeth


Sophie wachte mit einem Gefühl der Panik auf und realisierte auch gleich den Grund dafür. Kalte Angst kroch in ihr empor. Sie konnte kaum atmen. Sie spürte, wie sie mit aller Macht einen hysterischen Schrei zurückhielt. Noch hielt sie das endgültige Wachsein davon ab, spontan zu reagieren. Fieberhaft ordnete sie ihre Gedanken. Wie konnte sie der Gefahr begegnen? Die Gestalt, die an ihrem Bettende stehen musste, sie beobachtete, wartete - ja, worauf wartete der unheimliche Eindringling? bis sie schrie? würde er sich dann auf sie stürzen?
Oder wollte er sie im Schlaf ermorden? Seiner Ansicht nach schlief sie ja tief und fest.
Immer rasender und panischer kreisten Sophies Gedanken.
Kalter Schweiß brach aus ihren Poren. Immer noch lag sie still und unbeweglich. Nur in ihrem Innern tobte ein schrecklicher Kampf. Sie wusste sich allein in ihrer Wohnung. Es gab kein Entrinnen, der unheimliche Eindringling vor ihrem Bett atmete immer noch tief. Was würde ihr bevorstehen, wenn sie jetzt die Augen öffnete? die Panik raubte ihr fast den Verstand. Aber sie wusste auch, dass sie nicht mehr lange diesen Zustand der Hilflosigkeit und der Angst aushalten konnte. Egal was geschehen würde, sie musste sich dem Unabänderlichen stellen. Sie wollte - musste ihr Schicksal annehmen. Aber nicht passiv. Nein. Sie wollte kämpfen.. Nur mit ihrer Kraft. Ihre ganze Energie wollte sie jetzt zu Hilfe nehmen und diesem tief atmenden Monster alles entgegensetzen, wozu sie in der Lage wäre.
Treten, beißen, kratzen. Jeder Muskel spannte sich unter der Decke. Es gibt keine Zeit der Überlegung, wenn sie erst die Augen öffnete, das war ihr klar. Ihr Angriff musste ihn überrumpeln. Er wähnte sie schlafend. Das war ihr einziger Vorteil. Noch einmal sammelte sie allen Mut, alle Energie, deren sie fähig war und öffnete die Augen und sah - nichts. Durch die Ritzen der Fensterläden schien die Straßenlaterne und zeigte ihr Schlafzimmer vertraut wie immer, Kein Monster, kein Mörder, nur Sophie in ihrem Bett, die vom eigenen tiefen atmen wach geworden war

Eingereicht am 16. März 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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