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Kurzgeschichte Kurzgeschichten

Die Auffindung des Moses

© Teodor Horvat


Das schönste Bild im Längsschiff entstand nach einer Geschichte aus dem alten Testament: "Die Israeliten lebten damals unter ägyptische Knechtschaft und litten schwer unter den Lastarbeiten. Trotzdem vermehrte sich das israelische Volk stetig und bald wurde es dem ägyptischen Pharao zu groß. Er befürchtete, dass sich die Knechte gegen ihre Herren erheben könnten und daher befahl, jede männliche Neugeburt der Israeliten zu töten. Doch die Frau vom Haus Levi wurde schwanger und gebar einen Sohn. Die Mutter verbarg ihren Sohn drei Monate lang, um ihn von der Tötungswelle zu schützen. Als ihr dies nicht mehr länger möglich war "nahm sie für ihn ein Kästchen aus Schilfrohr und verklebte es mit Asphalt und Pech, legte das Kind hinein und setzte es in das Schilf am Ufer des Nils" (2 Mo 2,3). Miriam, die Schwester des Mose, verfolgte den treibenden Kasten, um zu sehen, wohin er gelangen würde. Zeitgleich nahm die Tochter des Pharaos gerade ein Bad im Nil. Das Kästchen trieb direkt auf sie zu. Sie öffnete es und hatte Mitleid mit dem weinenden Kind darin". Diese eindrückvolle Geschichte überfüllte den begabten Künstler (Ludwig Seitz), der ein Verteidiger der Nazarener Schule war. Die künstlerische Richtung wurde im Jahre 1809 in Wien von den Malern und Schülern der Wiener Akademie, begründet und später unter dem Namen "Die Nazarener" in Deutschland und Europa berühmt. In der Gruppe der Nazarener um Friedrich Overbeck in Rom verdichtete sich der Wunsch nach Erneuerung der Kunst auf religiöser Grundlage als Reaktion auf den erstarrenden akademischen Klassizismus.
Die ursprüngliche Bestimmung der Kunst war: "Die Religion zu verherrlichen und die Geheimnisse derselben noch schöner und deutlicher zu machen". Die Künstler behandelten, die religiösen Inhalte in Altarbildern und Kirchenfresken und standen dabei der Kunstauffassung der ursprünglichen Lukasbrüder nahe.
Ludwig Seitz malte ein wunderschönes Bild in Fresko Technik auf dieses Thema.
Das Bild die Auffindung des Moses verdient ganz besondere Aufmerksamkeit, wegen der Farblebendigkeit und Harmonie. In die Mitte des Bildes wurden wir gleich begeistert von sehr eleganten und schlanken Gestalt, reichlich angezogenen Pharaos Tochter. Sie streckte beide Hände vor sich hin und ging ins Wasser des Nils, wo sie zwischen dem Schilf in einem Kästchen, neugeborenes Kind, gemerkt hatte. Die Prinzessin hatte ein Seidenkleid an und war mit blauem Mantel umworfen. Der Mantel war mit Gold verwebt und mit kostbaren Edelsteinen verschönert. Ihr Gesicht zeigte zugleich Überraschung und Mittleid mit dem Kind. Sie war irgendwie aufgeregt und hatte Angst um das Kind. Sie fürchtete, dass sich Kästchen mit dem Kind, nicht plötzlich umdrehen würde und ins Wasser sank. Der kleine Moses mit sehr lebendigen Farben des zärtlichen Körpers streckte seine kleine Hände nach Pharaos Tochter, als ob er um Gnade und Schutz bietet. Zwei Hofdamen beugten sich über das Kästchen mit dem neugeborenen Kind und hoben die Bedeckung, aus welcher, ein wunderschönes Kind herausstreckte. Andere zwei mit dem Fächer in der Hand, hielten Prinzessin von beiden Seiten an und versuchten zu helfen, solange zwei schwarzgefärbten Hofdamen hielten ihr kostbares Kleid.
In kristallklarem Wasser des Flusses spiegelte sich kleinen Moses sowie der Glanz der kostbaren Kleider der Prinzessin und ihren Bedienern. Jedes Schilfrohr, jeder Stein am Ufer, schwimmt auf spiegelndem Wasser. Im weiten Hintergrund erhebt sich eine prachtvolle Pyramide und reichlicher pharaonischer Hof mit Garten. Dabei war alles mit dem glühenden tropischen Sonnenschein überstrahlt, welche schon weit unter dem Horizont, untergegangen.
Besonderheit des Bildes liegt in der reichlichen Farbengebung. Der Künstler, hervorzaubert in tausenden von Farbabstufungen, die sich mehrfach reflektieren auf der Wasseroberfläche, Himmel und Gewand, das zauberhafte orientalische Klima. Die ganze Landschaft ist bestrahlt mit dem Licht der südlichen Sonne, welches starken Farbenvibration in höchsten Tönen und zahlreichen Nuancen herausfordert. Darum halten sich die Besucher am meisten vor diesem Bild auf und begehrlich verschlungen mit Augen jene wunderschöne und zauberhafte Farben. Welch auch immer dieses Bild, länger beobachtet, jeder ist begeistert und trennt sich nur ungern von dem Bild, was für einen Künstler die größte Belohnung bedeutet.
PS: Das Bild "Die Auffindung des Moses" befindet sich in unsere Kathedrale.

Eingereicht am 24. Februar 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.


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